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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-12-01 · 48 (1.12.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Veflerreichlptze Wochrnschrtfl Seite 935 hieß und sich auch selbst so nannte, bis endlich behördliche Verordnungen im westfälischen Königreiche und anderwärts die Führung von eigentlichen Familiennamen den Juden als gesetzliche Pflicht auferlegten. Aber abgesehen von der erwähnten Verlangsamung des Processes bei den Juden in den letzten Jahrhunderten 'zeigt die Entwicklung der Familiennamen bei ihnen wie bei der Christen einen gleichmäßigen Fortgang. Hier ist nichts deutsch und nichts jüdisch außer dem sprachlichen Ursprünge der Benennung, hier hat weder der Christ vor dem Juden noch der Jude vor dem Christen die Priorität. Keiner hat vor dem Anderen etwas voraus, sondern Alles hat sich in beiden Gruppen auf ganz natürlichem Wege aus der Absicht der Jndividualisirung und als eine Aeußerung des Familiensinnes herausgebildet. Die Namen waren Gemeingut, wovon Christen und Juden sich auswählten, was ihnen zusagte. Diesem Schicksal sind auch die Namen „Goehe" und „Götz" nicht entgangen, und die jetzigen Träger derselben, an der Spitze Herr Dr. Rudolf Goetze, müssen sich darein ergeben. Götz ist eigentlich ein Vorname, und zwar ein Verkleinerungs- oder Kosename für Gottfried. Deshalb ist Götz und nicht Goetze, wie der erste Unterzeichner der erwähnten Eingabe seinen Namen schreibt, die richtige Form, da die Diminutivs von Haus aus kein 6 am Ende haben. Man denke nur an Fritz, Heinz, Kunz, Utz (von Ulrich) und ändere. Fritze, Heinze, Kunze sind Idiotismen und nur als Familiennamen üblich. Die deutschen Juden waren darin genauer. Sie schreiben Götz und nicht Götze, und zwar seit undenklichen Zeiten. Ein Rabbiner in Hildesheim und Posen, der im 16. Jahrhundert lebte, hieß Eljakim Götz. Diese Zusammenstellung ist nicht ohne Interesse. Götz ist nämlich der deutsche Rufname für Eljakim, und da dieser hebräische Name „Gott richte auf" bedeutet, so ist der deutsche Rufname Götz gewiß nicht ohne Absicht dafür gewählt. Aus dieser Wahl geht hervor, daß die deutschen Juden in dem Götz richtig die Abkürzung von Gottfried, welcher Name dem hebräischen Eljakim im Allgemeinen entspricht,' erkannten, denn Götze, wie der Gegenstand der Abgötterei heißt — ein allerdings erst im Neuhochdeutschen gebräuchliches Wort — würden sie sicher nicht als Rufnamen gewählt haben. Götz gehört in die Reihe der Zusammensetzungen mit Gott, wie Gottlieb, Gottschalk (Gottesdiener), welche ebenfalls von altersher bei den deutschen Juden im Gebrauch sind. Das 6 am Ende könnte also Herr Dr.-Goetze von dem jetzt so benannten ehemaligen Herrn Schmul allenfalls reclamiren. Was nun die n uerdings mehrfach von Juden ins Werk gesetzte Aenderung ihres Familiennamens betrifft, so ist sie leider eine höchst bedauerliche Erscheinung, welche bei dem Umstande, daß, was Ein Jude Uebles thut, allen zur Last gelegt wird, die jüdische Gesammtheit in Verruf bringt. Hiebei mag von Uebertragungen der Familiennamen in die Landessprache, wie sie in Ungarn üblich sind, abgesehen werden, obwohl diese Uebertragungen zugleich nationale Uebertreibungen sind, die in solcher Anzahl gewiß nur bei Juden Vorkommen. Aber entschieden tadelnswerlh ist cs, wenn die Familiennamen Kohn und Levi in andere umgeändert werden. Heutzutage sollte es jedem Juden dieses Namens lieb sein, so zu heißen, denn diese Namen declariren ihre Träger deutlicher als seine Nase als Juden und er läuft dadurch nicht Gefahr, eine christliche Gesellschaft, in die er etwa kommt, und sich selbst in Verlegenheit zu bringen. Man wird in seiner Anwesenheit das heutzutage so beliebte Thema des Judenthums entweder gar nicht oder in rücksichtsvoller Weise behandeln, während der jüdische Träger eines farblosen Namens unliebsame Dinge zu hören bekommen kann, und nachher zu einer Neclamation gezwungen ist, was immer peinlich ist. Liegt aber der Namensänderung die Absicht einer Dissimulation oder Maskirung zu Grunde, so grenzt sie hart an Gesinnungslosigkeit und Unwahrhaftigkeit. Ueberdies ist der Name Kohn oder Levi doch ein Adelsprädicat, das alle übrigen an Alter und Ansehen übertrifft, denn er geht auf den Hohenpriester Aron und noch weiter zurück, ist also, wie man sagt, nicht von schlechten Eltern. Was würde der Jude, der heute den Namen Kohn oder Levi ablegt, wenn diese ein christliches Adelsprädicat wären, darum geben, es sich beilegen zu dürfen! Alle Hebel würde er in Bewegung setzen. Die Verleugnung dieser Namen bringt uns alle in den Ruf der Lächerlichkeit, gegen welchen man wehrlos ist, denn wenn der eine Jude sich des Namens Kohn oder Levi schämt, so kann der andere den Schaden nicht etwa dadurch gut machen, daß er sich einen dieser Namen zulegt und sozusagen das verstoßene Kind adoptirt, denn man kann ja Kohn oder Levi nur heißen, wenn man Kohn oder Levi durch Abstammung ff't. Man sehe sich überdies einmal den Gothaischen Almanach oder das erste beste Adreßbuch an. Da findet man gräfliche und Adelsfamilien Schafgotsche, Schweinichen, Hundt, Ledderhose u. s. w. und andere ganz unglaubliche Zunanren. So wohlklingend und sinnvoll sind doch die Namen Kohn und Levi schon lange. Ich würde mich freuen, falls es mir gelänge, wenn schon nicht die Herren Goetze, Götz und ihresgleichen, wenigstens meine Glaubensgenossen vom Stamme Kohn und Levi mit den vorstehenden Ausführungen zu bekehren. Ein literarischer Studentenexreh. Vor uns liegt ein glanzendes Zeugniß der Geisteshoheit und des idealen Sinnes der deutschen akademischen Jugend. Es ist dies eine Broschüre unter dem Titel: „Die Wahrheit über die deutsche Universität Wien und d ie Lage d er deut sche n a kad e mis ch en Jugend. — Ein Mahnwort an das deutsche Volk, verfaßt im Aufträge der deutschnationalen Studentenversammlung vom 9. December 1892." Die Flugschrift hat den Zweck, im Anschlüsse an die erwähnte Studentenversammluna, in welcher der Abgeordnete Dr. Kronawetter und Prof. 9t o t h n n g e l in maßloser Weise beschimpft wurden, den Nachweis zu führen, daß die Wiener Universität einer fortschreitenden Verjudung unterliege, daß in Folge dessen auch die Verjudung des sogenannten gebildeten Mittelstandes immer weitere Fortschritte mache und daß es nothwendig sei, diesem Processe durch Ausnahmsmaßregeln gegen die jüdischen Studirenden und jüdische Aerzte und Advocaten ein Ende zu machen. Das Phamphlet beginnt zunächst mit einer Reihe judenfeindlicher Citate aus den Werken Dingelstedr's, Goethe's, Prof. Liszt's, Scheffel's, Jmmermanns und Schäffle's. Es folgt sodann der Wortlaut der in der erwähnten Studentenversammlung gefaßten Resolution und ein angeblich wahrheitsgetreuer Bericht über den Verlauf jener Versammlung. Hieran reihen sich Beschimpfungen der Wiener- Presse, darunter auch der „Oesterreichischen Wochenschrift" und des Abgeordneten Dr. Bloch und dann endlich Details über die Zustände an der philosophischen, juridischen und medicinischen Facultät. Den Schluß bilden die „Mittel zur Beseitigung dieser Uebelstände". Bevor wir nun daran gehen, das Phamphlet der „deutschen akademischen Jugend" im Einzelnen zu besprechen und dessen wahren Charakter zu kennzeichnen, müssen wir die Lüge, welche gleich in seinem Titel enthalten ist, zurückweisen. Es wird von

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