Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3021001--02987-3027102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 47 Sesterveichifchr Wvchrnfchrtfl Seite 921 Verehrung' und gestaltete sich ebenso herzlich als glänzend und imposant, so daß er dem Cultusvorstande und der ganzen Cultusgemeinde zur Ehre gereichte.Die Herren Max G eiringer, Simon Hendls, Heinrich Ta glicht, angesehene Mitglieder des Vorstandes und des Jnstallationscomites, fuhren dem Rabbiner bis nach Galantha entgegen, während die Vorstandsmitglieder Max S ch röfl und Max L ob l ihn in Preßburg erwarteten. In schön geschmückter Carosse wurde der neue Seelsorger von Preßburg abgeholt und ihm ein Banderium entgegengeschickt. Bei der ersten Triumphpforte harrte seiner die Cultusgemeinde corporatio, mit dem äußerst verdienstvollen Cultusvorsteher Herrn Leopold Ku gler an der Spitze, ferner der Ortsvorstand, die israelitische Schuljugend, Deputationen der Malaczkaer Cultusgemeinde und der hiesigen freiwilligen Feuerwehr. Als der Rabbiner in Begleitung seines Bruders, des ehrwürdigen Rabbiners aus Kronstadt, erschien, erdröhnten Pöllerschüsse und brausende Eljenruse erschollen. Hier wurde Se. Ehrwürden vom Cultusvorsteher mit warmer, tiefempfundener Ansprache begrüßt. Der imposante Zug bewegte sich nur langsam unter Musikklang und Eljenrufen vor die zweite Triumphfpforte; hier harrte die hochwürdige katholische Geistlichkeit und Se. Ehrwürden wurde hier in ungarischer Sprache von der Schülerin Gisela Ta glicht im Namen der Schuljugend begrüßt. Unter einer Chuppa schritt nun der Rabbiner, von der Menschenmenge geleitet, in den Tempelhof, wo die officielle Begrüßungsansprache durch den Gemeindelehrer und Schriftführer der Cultusgemeinde Herrn Moriz Pollacsek in wohldurchdachter Rede erfolgte. Se. Ehrwürden dankte tief gerührt für die ihm dargebrachten Ehrenbezeugungen. Nun folgte unter Absingung von Lobespsalmen der Einzug in den Tempel. Die von Sr. Ehrwürden gehaltene Antrittsrede zeigte uns denselben als Meister der Beredtsamkeit, der es versteht, vom Herzen zum Herzen zu sprechen und für die geläuterte Gottesidee zu begeistern. Abends fand zu Ehren des neuen Rabbiners ein Fackelzug statt. Als Sprecher fungirte bei demselben Herr Emanuel Just. Hierauf folgte ein nach jeder Hinsicht gelungenes Banket. Bon den bei demselben gesprochenen Toasten sind hervorzuheben der des Cultusvorstehers auf Se. Majestät, die der Herren Moriz Spitzer und Emanuel I u st auf den Rabbiner, des Herrn Rabbiners auf den Cultusvorstand, des Herrn Moriz Pollacsek auf den Vater und Bruder des Herrn Rabbiners, des Kronstädter Rabbiners auf die Cultusgemeinde, der Herren Q u i t t und Grün Wald auf den neuen Seelenhirlen. Retz. Montag den 13. d. M. fand hier unter großer Betheiligung sämmtlicher Verwandten von Nah und Fern und aller hier wohnenden Israeliten das Leichenbegängniß der leider zu früh Hingeschiedenen edlen und wackern Frau Flora König, Gattin des Hausbesitzers Jacob König, statt. DieBerblichene war in der ganzen Stadt, sowohl bei den Israeliten als auch bei der christlichen Bevölkerung und in allen Kreisen der Gesellschaft in Folge ihres allgemein bewährten Wohlthätigkeitssinnes sehr ■ geachtet und geschätzt. Die ceremonielle Function besorgte der hiesige Cantor und Religionslehrer Herr Josef Ritter mit Begleitung seines Chorpersonales. Nach der durch Se. Ehrwürden Herrn Dr. Schächter, Rabbiner in Horn, gehaltenen tiefergreifenden Rede lvurde der Sarg mittelst eines Wagens zur ewigen Ruhe nach dem Znaimer israelitischen Friedhofe überftihrt. Krakau. Unter der Aegide des Herrn Przeworski hat sich hier ein Colon isatio ns-Verein für Palästina gebildet, dessen Präsidium Herr M. Frankel, eine unter den hiesigen Chassidim sehr angesehene Persönlichkeit, übernahm, während als Vic Präsident Herr Julius Schön Wetter fungirt. Dem neuen Vereine trat eine bedeutende Anzahl von Fortschrittlern bei. Die Generalversammlung fand Sonntag Abends statt. Mit dieser Gründung ist den Bestrebungen der unter Führung des bekannten Jnspectors der Hirsch-Stiftung, Herrn F e l d m a n n, stehenden Assimilationspartei ein wirksames Gegengewicht geboten. Die Affimilationsidee ist in Galizien überhaupt stark in Abnahme begriffen, während die Colonisationsidee inmier mehr Anhänger gewinnt. Lemberg, 20. November. (Eine Familienfeier.) Am 19. d. M. feierte unser Cultusvorsteher, Herr Gerichts- und Landesadvocat Dr. Simon Schaff, das Fest der silbernen Hochzeit. Obwohl die Feier nur auf den engen Familienkreis sich beschränken sollte, so ließen es sich dennoch die Spitzen unserer Gemeinde und die Verwaltungen unserer Institutionen und Wohlthätigkeitsanstalten nicht entgehen, bei dieser Gelegenheit ihren Gefühlen der Hochachtung und Dankbarkeit für das edle Jubelpaar durch Entsendung zahlreicher Deputationen Ausdruck zu verleihen. Aber auch die anderen Schichten unserer Bevölkerung nahmen an diesem Feste herzlichen Antheil, da Herr Dr. Schaff nicht nur auf dem Gebiete des Schulwesens und als Gönner und Förderer der Wohlthätigkeits-Anstalten besonders hervorragt, sondern auch durch seine Bonhopnnie und seine Humanität sich allgemeiner Sympathien erfreut. Auch diesmal bewährte der Jubilar seinen Wohlthätigkeitssinn, indem er 1400 fl. an die verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten vertheilte. Dr. Kr. Brody, 20. November. In Rußland ist soeben ein kaiserlicher Mas erschienen, der den Juden den Aufenthalt in jenen Dörfern wieder gestattet, welche Edelleuten gehören und diese für ihr gesetz»näßiges Verhalten bürgen. Dagegen bleibt ihnen der Aufenthalt in blos Bauern gehörigen Dörfern untersagt. Stanislau Samstag den 18. d. M. fand im Saale der israelitischen Cultusgemeinde eine über 200 Theilnehmer zählende Versammlung statt, welche von einem aus angesehenen Bürgern und aus Akademikern bestehenden Comite einberufen war und auf deren Tagesordnung die Gründung eines Vereines zur Hebung des religiös-nationalen Bewußtseins unter den Juden durch Pflege jüdischer Geschichte und Literatur stand. Nach der mit großem Beifalle aufgenommenen Ansprache des Referenten Herrn Dr. Jakob K o h n (gew. Präses des akad. Vereines „K a d i m a h") schritt man zur Discussion über die Statuten. Der Verein führt den Namen „I s r a e I". Kremsier, 1. November. Heute fand für die jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison ein feierlicher Gottesdienst statt. Dr. Frankl begrüßte diese neue Einrichtung als einen Fortichritt der religiösen Toleranz und Gleichberechtigung, welche factisch nur im Heere herrscht. Der Redner spornte die jüdischen Soldaten zur Treue und opferfreudigen Hingebung für das Vaterland an, damit wir auf sie als Muster treuer Pflichterfüllung, wenn unsere Rechte verkürzt werden sollten, mit Stolz Hinweisen können nach den Worten des Psalmisten: Wie Pfeile in des Helden Hand, so ist die Jugend. Mit der Erklärung des weihevollen Actes der Eidesleistung schloß die erhebende Feier. Berlin. 20. November. Die Kaufmannschaften von Königsberg und Stettin petitionirlen beim Reichskanzler, im russischen Handelsverträge möge die Gleichberechtigung der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens in Rußland mit den russischen in Deutschland ausgesprochen werden. Mannheim- 12. November. Consul Reiß hat zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in hiesiger Stadt seinen gezeichneten Beitrag von 1000 Mark ans 10000 Mark erhöht. Baden, 12. November. Seine königliche Hoheit der Großherzog hat eine Anzahl Feuerwehrleute für 25jährige Dienste mit Medaillen decorirt. Darunter befinden sich folgende Glaubensgenossen: Weil, Bäckerin Emmendingen. Dreifus, Handelsmann in Kippenheim, L i n d e m a n n, Medicinalrath in Mannheim, Wolf, Handelsmann in Oestringen, Blum, Kaufmann in Sinsheim. Hamburg. Der junge Baritonist, Herr Szengery, ein Sohn des Wiener Obercantor Sing er, zählt gegenwärtig zu den beliebtesten Mitgliedern unseres Theaters. Derselbe trat in den Opern „Merlin", „Rusticana", Fidel'v", „Prophet" rc. auf und erntete beim Publicum wie bei der Kritik lebhaften Beifall: wie wir hören, ist der junge Künstler für die Wagneraufführungen im Monate Juni nach London engagirt. Belgrad, 8. Nov. Auf seiner Reise durch das Innere des Landes berührte Seine Majestät unser König Alexander auch das uahegelegene Risch. Bürgermeister und Gemeinderath veranstalteten eine Festtafel, an welcher Seine Majestät theilnahm, zu welcher unsere Glaubensgenossen die Herren Jsac C a b i s o h n und Gemeindevorsteher Salomon R n s s o geladen waren. Am Geburtstage des Königs wurde der hiesige Gemeindevorsteher mit dem Takowa-Orden III. Classe belehnt. Derselbe trägt übrigens noch einen ihm vom König Milan verliehenen Orden. Leieester, 18. October. Herr Alderman Hart ist zum dritten Male zum Bürgermeister hiesiger Stadt gewählt worden. Constantinopel. 15. October. Vorgestern Morgens ist der Vorsteher unserer Cultusgemeinde Herr Salomon FreSco, im Alter von 75 Jahren gestorben. Bei dem Begräbniß waren der griechische und die beiden armenffchen Patriarchen durch hervorragende Delegirte vertreten.