Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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iSeite 918 Vekerretchifche WochenschrM Nr. 47 Budapest. Eine stattliche Schaar von Verwandten, Freunden und Verehrern des am 9. Juni d. I. Heimgegangenen Herrn Sigmund Gomperz versammelte sich heute am 20. Nov. um 11 Uhr Vormittags in dem schwarz verhängten und festlich erleuchteten Gotteshause der Landesrabbinerschule, die ihrem edlen Gönner und dem Mitglieds ihrer leitenden Commission den Ehrenzoll der Dankbarkeit in einer würdigen Gedenkfeier abzutragen unmittelbar nach seinem Tode schon beschlossen hatte. Einer der trefflichsten Hörer der Anstalt, Dr. Max Pollak, der auch in der Wissenschaft bereits durch eine ausgezeichnete Monographie über die Geschichte der Juden in Wiener-Neustadt sich die Sporen verdient hat, war mit dem ehrenden Aufträge betraut worden, die Gedenkrede zu halten. Der mit selten sympathischen und zu Herzen gehenden Stimmmitteln und natürlicher Meisterschaft des Vortrages begabte junge Redner entledigte sich seiner Aufgabe ineiner alle Versammelten tief ansprechenden Art. Er wies zunächst auf die in diesem Gotteshause Allen vertraute Erscheinung des Verewigten hin, der bei keiner Feier, bei keiner Seelenandacht der. Anstalt fehlte, die sichtbare Theilnahme an dem Gedeihen dieser Pflanzstätte in den freundlichen, sanften, von quellender Herzlichkeit durchleuchteten Zügen. Denn ihm war die Freude und das Wohlgefallen an der Ausbreitung jüdischen Wiffens anerzogen und angestammt, aus eigener Pflege der heiligen Sprache und Literatur vom Elternhause, vom Vater her geläufig und vertraut. Einer Familie angehörig, die seit drei Jahrhunderten in Wissen und Leben hervorragende Vertreter dem Judenthume geliefert hat und tief in die Geschichte der Gemeinden aller Hauptstädte Europas verwebt ist, war es dem schlichten Kaufmanne einHerzensbedürfniß, auch an seinem Theile zur Förderung und Pflege jüdischer Interessen mitzuwirken. Durch die Ehe seines einzigen Kindes mit Prof. Dr. David Kaufmann trat er zur Landes-.Rabbinerschule in eine Art von herzlicher-Familienbeziehung. Da er es sich angelegen sein ließ, in altjüdischer Weise das Gotteshaus der Anstalt, seine heilige Lade und die Gesetzesrollen mit herrlichen Ornamenten und Paramenten zu schmücken, so war es ihm eine selbstverständliche Liebespflicht, das Unterstützungswerk der Schule in gro'.herziger Weise zu fördern. Eine Stiftung in der Höhe von zehntausend Gulden beweist, daß noch im Tode das Wohl der Schüler dieser Anstalt dem unermüdlichen Wohlthäter am Herzen lag. Jedes Wort verständnißinniger Anerkennung mußte daher in diesem Kreise ein theilnehmendes Echo wecken, und so konnte das treffliche Charakterbild, das Dr. Pollak mit sicherer Hand von dem Verewigten entwarf, den tiefsten Eindruck nicht verfehlen. Mit Recht hob der Redner das Vorbildliche dieser Persönlichkeit hervor, die jenen immer seltener werdenden Typus derer so rein und voll ausgeprägt, von denen die Alten sagen, daß sie sich am Feuer jüdischen Wiffens erwärmen und erglühen. Den gesanglichen Theil der erhebenden Gedenkfeier vollzog Herr Cantor Lazarus und unter Leitung des Obercantors Prof. Lazarus der Chor der Landes-Rabbinerschule. Meran. (Das Asyl der Königswarter-Stiftuug) am Greuteudamm wurde gestern um die Mittagsstunde in feierlicher Weise eröffnet. Zur Feier waren als geladene Gäste u. A. erschienen: der k. k. Bezirkshauptmann Herr Graf Wo l ken ste i n - Ro d en egg, Herr Dr. Huber als Vertreter der Stadt Meran, Curvorstehcr Herr v. Pernwerth, Vorsteher Tschvner von Untermais, die Curärzte Hofrath Dr. Röchelt, Dr. Frank, Dr. Fischer u. A. m. Nachdem sich die Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde mit den Geladenen in dem geschmackvoll ausgestatteten Betsaale, der mit den Büsten des Kaiserpaares geschmückt war, versammelt hatten, begrüßte dieselben Herr Friedrich Stransky als Obmann des Curatoriums der K ö n i g s w a r t e r-Stiftung mit herzlichen Worten, der Bedeutung hes Tages gedenkend. Nach ihm ergriff der Lehrer der Gemeinde, Herr Markus Vogel, der zur Zeit auch die kirchlichen Functionen versieht, das Wort, um zunächst das Weihegebet über das Haus zu sprechen, woran er ergreifende Ausführungen schloß über das Thema, welches unsere Confession in ihren herrlich-schönen Lehren über die lieblichen Werke der Barmherzigkeit behandelt. Nach einer Geschichte der Stiftung sprach Redner das Gebet für den Kaiser und sein Haus, als dkn Hort der Glaubensfreiheit, und schloß mit Segenswünschen für das Gedeihen unseres engsten Kreises, des Curortes Meran. Hierauf erklärte Herr Stransky das Asyl fiir eröffnet und lud die Gäste zum Rundgange durch das Haus ein. Wer das freundliche Haus sieht und dessen helle, ansprechende, für jedes mögliche Bedürfniß vorsorglich eingerichtete Räume durchwandert, dürfte kaum denken, mit welchen beschränkten Mitteln Solches, bewerkstelligt worden. Nur die muthigste, freudigste Schaffenskraft der Curatoren der Stiftung, der Herren Stransky, Sanitätsrath Dr. Hausmann, K. Magnus, Ph. Bauer, Dr. H ö n i g s b e r g, und nur deren Ausdauer und liebevolle Hingebung für die gute Sache waren die mächtigen Hebel, die das humane Werk zum Gelingen brachten. Das Haus, in allen seinen Theilen den hygienischen Forderungen der Jetztzeit entsprechend eingerichtet, präsentirt sich wahrhaft mustergiltig. Für jetzt ist für 9 Stiftlinge Platz geschaffen, welche dort unentgeltlich Wohnung. Frühstück, Beleuchtung, Beheizung, ärztliche Hilfe und Medicamente und Kurtax-Freiheit genießen. — Nach der Besichtigung des Hauses trugen sich die Ehrengäste, welche sich wiederholt über das Gesehene lobend aussprachen, in das Ehrenbuch des Hauses ein, womit die Eröffnungsfeier des Asyls beendet war. Berlin. Die Repräsentanten-Bersammlung der jüdischen Gemeinde hat zu Vorstehern gewählt die Herren Justizrath Meyer, Dr. Edmund L a ch m a n n, Louis B a mb e r g e r und E. I s a a c, den langjährigen Vorsteher des jüdischen Krankenhauses; zu Stellvertretern wurden gewählt die Herren Regierungsrath a. D. Magnus, Julius I s a a c und Prof. Ludwig Geiger. „Alle Schuld rächt sich auf Erden." Jener Mann, der durch seine Wühlereien und Agitationen schon lange in gewissen Kreisen öffentliches Aergerniß erregt hat, ist endlich vom strafenden Schicksal erreicht worden. Den Professoren Virchow und Mo mm sen sollen bekanntlich von den»studentischen „Corporationen" der Universität zu ihrem Jubiläum Adressen gewidmet werden. Nun hat der „Verein deutscher Studenten" auf die Unterschrift der für Birch o w bestimmten Adresse verzichtet. Das ist ein Schlag, der diesen Mann vernichten wird, und wirkt wie ein dicker Tintenklex, mit dem die „deutschen" Studenten das Ruhmesblatt des „internationalen" Gelehrten gebührend kennzeichnen. So gebrandmarkt, wird dieser Mann es hoffentlich nicht mehr wagen, für seine unmodern gewordene Weltanschauung ferner einzutreten. Wie in der Wissenschaft, wo er oft mit einer geradezu unhöflichen Bestimmtheit bei den Prüfungen den Behauptungen der Candidaten widersprach, so zeigte er sich in der Politik von einer Hartnäckigkeit, die ihn vor keinem Bism.arck, vor keinem Ahlwardt zurückschrecken ließ. Jetzt verfällt er der gerechten Strafe. Was ist. eine Adresse ohne die Unterschrift der „deutschen" Studenten? Sie gleicht einem Sud erm ann'schen Drama, dem das Amüsanteste, das Hinterhaus fehlt, oder einem Truppeneinzug ohne Schutzleute, oder einem Commilitonen des Vereins „Deutscher Studenten" ohne — Geist. Genugthuung wird diese That sicher bei den Millionen ihrer Gesinnungsgenossen wachrufen, bei den ebenfalls durch V irch ow's Auftreten empfindlich gekränkten Trichinen. Wenn sie Vergleiche ziehen könnten, sie würden zweifellos mit Jubel behaupten: „Eine Virchow-Adresse ohne die Unterschriften des „Vereines deutscher Studenten" ist wie ein Schinken ohne — uns!" Hamburg. (EinBeitragzur C h arakterist i k d e r A n t i s e m i t e n.) In welch selbstloser und hochherziger Weife die Antisemiten die Rettung des deutschen Volkes betreiben, geht aus einem Falle hervor, der sich im vorigen Monate m Hamburg ereignete. In der Nacht wurde bei einem hochbejahrten Bewohner Hamburgs ein Einbruch verübt, wobei auf die Thüren der Zimmer mit einem Stempel der bekannte antisemitische Warnungsruf: „Deutsche, hütet euch vor Juden!" aufgedrückt wurde. Daß bei dem verdienstvollen Werke auch viele Silbersachen abhanden gekommen sind, ist sicher nur ein unglücklicher Zufall, der wohl mit der antisemitischen Großthat selbst in keinem Zusammenhänge steht. Posen, 14. November. In der vergangenen Woche wurde auch hier ein „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" gegründet. Dem Vorstand gehören die beiden Rabbiner Dr. Feilchenfeld und Dr. Bloch an, ferner Stadtrath Kantorowicz, Israel Friedländer, Rechtsanwalt Salz, Sanitätsrath Pauli. Auch in Thorn, Jnowrazlaw und Lissa sind Comites zusammengetreten, welche die Gründung bon Literaturvereinen in die richtigen Wege leiten sollen. In Lissa wohnten der vorbereitenden Versammlung, in der Herr Albert Katz aus Berlin einen Vortrag hielt, an 150 Personen bei. Nächsten Sonntag findet die constituirende Versammlung in Thorn statt. — Es ist das die einzig richtige Antwort auf den frechen Versuch der Antisemiten, ihre friedenstörende Agitation in die an ein friedliches Zusammenleben derConfessionen gewöhnte Provinz Posen zu tragen.