Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Drstrrreichischr WochenptzM Seite 917 kennen lernen. Wenn er einmal nicht geben zu sollen vermeinte, dann verschonte er wenigstens den Bittsteller mit der redseligen Rechtfertigung seiner Ablehnung, welche die Ohren anfüllt und die Hände leer läßt. Aber er gab zumeist und dann auf die vornehmste, liebenswürdigste, zum Verlangen förmlich herausfordernde Weise. Da erkannte man, daß er nicht der Sklave seines Geldes war, sondern daß er es beherrschte, ein echter Freiherr, der er auch ohne Titel gewesen wäre; da erglänzte aus der Tiefe seiner Brust das goldene, für alles Edle fühlende Herz, das er unter der rauhen Hülle des Starrsinnes und selbst der Unversöhnlichkeil vergeblich zu verbergen sich bemühte. Dieses Herz hat nun aufgehört zu schlagen und es findet für immer den langersehnten Frieden. Von diesem Herzen kann ich nicht Abschied nehmen, ohne noch ein Wort an die Kinder zu richten, für die es trotz Allem am lautesten schlug, und die ich seit ihrer frühesten Kindheit kenne und schätze. „Ein Zeuge ist dieser Grabhügel, ein Zeuge der Denkstein," heißt es in dem diesmaligen Wochenabschnilte. Möge der Denkstein, der nunmehr über dem Einzelgrabe des Vaters sich erheben wird, ihnen ein Wahr- und Mahnzeichen sein, daß der Friede über Alles geht und daß wir nicht erst aus den Tod warten sollen, ihn zu erlangen. Mögen sie in geschwisterlicher Eintracht um die theure Mutter sich schaaren, und möge es nur einen Wettstreit unter ihnen geben, indem ein Jedes zu zeigen sich bestrebt, daß es den echten Ring vom Vater geerbt habe, den echten R7ng, der nach des Dichters Worten die Wunderkraft besitzt, beliebt zu n.achen, vor Gott und Menschen angenehm. Dieser eate Ring ist das gute Herz, das hier schläft. Es ruhe in Frieden!" Die eindringlichen, an geweihter Stätte doppelt wirkungsvollen Worte machten auf Alle den tiefsten Eindruck. Als der Sarg in das Grab gesenkt war, trat das Mitglied des Ausschusses der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, Sectionsratb Ritter von Honstetten-Mövenstein, an die Gruft und sprach folgenden Nachruf, der dem Kunstmäcrn galt: „Die Genossenschaft der Künstler Wiens hat an dem Verblichen tt einen warmen Freund, großmüthigen Gönner und ihr Ehrenmitglied verloren. Baron König smarter bethätigte sein Interesse für die Kunst schon vor vielen Jahren durch seinen Eintritt als Stifter in unsere Genossenschaft, noch mehr aber durch Erwerbung einer großen Zahl von Kunstwerken von hervorragenden Meistcrn aller Nationen und aus den verschiedensten Perioden, außerdem ^.ber vor drei Jahren durch die Stiftung eines sehr ansehnlichen Preises für talentvolle und strebsame jüngere Künstler, der anläßlich unserer Hauptausstellungen schon durch zwei Jahre zur Vertheilung gelangte. Die reiche Sammlung seiner Bilder ist allen Kunstfreunden durch oeren Ausstellung im Künstlerhause wohlbekannt, welche er aus die Dauer mehrerer Monate unS mit größter Liberalität zu diesem Zwecke überließ. Die Liebe zur Kunst war es, welche seinem Leben einen idealen Inhalt verlieh. Mit jedem Werke, das sich in seiner Galerie befindet, ist sein Name in der Kunstgeschichte unzertrennbar verbundene Diese Momente waren es, welche die Künstlergenossenschaft bestimmten, ihn zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Darum aber auch ist es wahre Trauer und aufrichtiger Schmerz, welcher die Herzen der Künstler an: Sarge dieses Mäcenas erfüllt, welche mich mit der Ehre betrauten, ihm an seinem Grabe den letzten Gruß nachzurufen. Ich entledige mich dieser Aufgabe mit den tiefgefühlten Worten: „Ehre sei seinem Andenken." Als Ritter von Hon stet ten geschlossen hatte, wurde der Sarg in's Grab gesenkt, die Schollen rollten dumpf auf' den Deckel und der Hügel erhob sich über dem edlen Wohlthäter der Armen. Erzherzog Carl Ludwig ließ gester nder Witwe und den Söhnen Königswarter's in einem warmabgesaßten Schreiben sein Beileid ausdrücken. In ebenso ehrender und herzlicher Weise condolirte auch Erzherzog Ferdinand Großherzog von Toscanü. GsrresMnäenren. Wien. (In Angelegenheit der Baron Hirsch-Stiftung erhalten wir. nachstehende zwei Zuschriften:) Löbliche Redaction! In der letzten Nummer Ihrer werthen Zeitschrift finde ich einen von Herrn N. Landes gezeichneten Artikel, betreffend die zwischen dem geehrten Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung in Wien und dem Executiv'Comitö in Krakau entstandenen Differenzen, in welchem u. A. gegen meine Person, als Secretär des Krakauer Executiv-Comitäs, Vorwürfe erhoben werden, angesichts deren ich mich bemüfsigt sehe, auf Grund des § 19 der Preßordnung die löbliche Redaction um gefällige Aufnahme folgender Berichtigung in die nächste Nummer höflichst zu ersuchen: Es ist nicht wahr, daß ich als Secretär des Krakauer Executiv-Comitös durch mein angeblich „ostentativ irreligiöses Auftreten" in allen kleinen Orten Galiziens öffentliches Aergerniß erregt hätte; es ist nicht wahr, daß ich in Wisnia, in Mielec, oder in anderen (?) kleinen Städtchen „gerade am Samstag meinen Einzug gehalten habe", daß ich „wiewohl in jenen Gegenden ausschließlich jüdische Gasthäuser zu finden sind, absichtich und ostentativ ein christliches Restaurant aufsuche"; es ist schließlich nicht wahr, daß meine angebliche „erbitternde Handlungsweise allgemein Anstoß erregen müßte". Es kann mir selbstverständlich nicht zugemuthet werden, die Unrichtigkeit der wider mich erhobenen Jncriminationen zu beweisen; vielmehr hoffe ich, Herrn N. Landes in die Lage zu bringen, daß er mir den Beweis für seine wider mich erhobenen schweren Beschuldigungen wird schuldig bleiben müssen. Ohne dem Resultate dieser Beweisführung vorzugreifen, muß ich jedoch jetzt schon soviel bemerken, daß ich die Reisen in Angelegenheiten der Baron Hirsch-Stiftung in Gesellschaft anderer Herren, wie z. B. des Herrn Emanuel Mirtenbaum, Hirsch Landau, Juda Birnbaum, Dr. Friedländer rc. gemacht habe, daß also die wider mich erhobenen und meine Dienstreisen betreffenden Borwürfe auch die genannten Herren treffen müßten. Daß endlich meine Handlungsweise nirgends Anstoß erregte, möge der Umstand beweisen, daß ich bei den Koryphäen der galizischen Orthodoxie, wie z. B. bei den conservativen Rabbinern in Neu-Sandez und Tarnobrzeg den besten Empfang und die liebenswürdigste Aufnahme fand Ich bedauere lebhaft, daß diese Angelegenheit zum Gegenstände öffentlicher Verhandlung gemacht wurde. Seit nahezu drei Jahren bin ich Beamter der Stiftung, und wenn die oberwähnten Jncriminationen irgendwelche Begründung hätten, so würde gewiß das geehrte Curatorium im Interesse der guten Sache nicht zögern, mich diesbezüglich zur Verantwortung zu ziehen; das war aber keineswegs der Fall, seitens der Vorgesetzten Behörde ist mir nie der leiseste Borwurf gemacht worden, und erst jetzt tritt ein besoldeter Beamter gegen mich mit Anklagen auf. — Ich kann daher nicht anders, als die Entscheidung dieser Angelegenheit an competenter Stelle anzuregen. Wilhelm Feldmann, Secretär des Executiv-Comitös. . Krakau, den 13. November 1893. In Bezug auf die Berichtigung des Herrn Feldmann will ich vor Allem constatiren, daß es mir seit jeher ferne lag, eine Person anzugreifen. Ich war vielmehr durch die von Krakau aus gegen mich in der „Jüdischen Presse" erhobenen Anwürfe über meine religiöse Haltung und die unqualificirbaren Angriffe über meine Amtswirksamkeit nach kaum sechsmonatlicher Thätigkeit gezwungen, mich zur Wehre zu setzen. UebrigenS wendet sich die Berichtigung des Herrn Feldmann nicht gegen meine Ausführungen, sondern einzig und allein gegen den von mir citirten Paffus aus einer vor nahezu einem Jahre erschienenen, weit verbreiteten, überall Aufsehen und zumal in Krakau Bestürzung erregenden Broschüre, welche noch weit gravirendere Dinge enthält und die bisher keinerlei Dementi erfahren, obgleich jüdische Journale deren Inhalt reproducirten. Ich durste den Verfasser dieser Broschüre umso eher vertrauen und bin umso überzeugter von der Wahrheit der von mir citirten Stelle, als ja bekanntermaßen Herr Feldmann, wegen socialistischer Umtriebe vor Gericht gestellt, aus die Frage, welcher Confeffion er sei, antwortete: „Ich bin consessionslos". Als Confessionsloser handelte er nur consequent, wenn er sich über die jüdischen Religions-Satzungen hinwegsetzte; der von mir aus obiger Broschüre citirte Passus kann sonach für ihn, den „Conseffionslofen", keine Verletzung involviren. Man vergleiche übrigens meinen Artikel und die „Berichtigung" des Herrn Feldmann, und man wird sehen, was und wie Herr Feldmann „widerlegt". Uebrigens constatire ich, daß die Behauptung des Herrn Feld mann, er sei immer in Begleitung anderer Herren gereist, unrichtig, er ist vielmehr ungezählte Male allein auf Inspektionsreisen gegangen, und noch in den letzten 14 Tagen hat er Westgalizien in — „Stiftungsangelegenheiten" bereist. Die unerschöpfliche Langmuth des CuratoriumS als Beweis seiner Unschuld heranzuziehen, war zum mindesten — recht ungeschickt. Hiemit erkläre ich jede weitere öffentliche Polemik mit diesem Herrn F e l d m a n n für abgeschlossen. Wien, den 17. November 1893. N. Landes, Inspektor der Baron Hirsch-Stiftung.