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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-24 · 47 (24.11.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
47 (24.11.1893)
Date
1893-11-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 916 Drsterreichifchr WochrnschrM Nr. 47 genießen. Der Humor aber von der Sache ist, daß die Junker ihren antisemitischen Gesetzentwurf in einem Augenblick einzubringen gesonnen sind, wo ihre befreundeten Blätter vor Schmerz über den Niedergang des Antisemitismus die Häupter verhüllen. *_ Juden als Arbeiter. Die Baumwollspinnerei in Macedonien. In welcher Weise sich in Macedonien eine Baumwollindustiie entwickelt, zeigt der jüngste Bericht des englischen Generalconsuls in Salonich. Danach gibt es in der Stadt Salonich zwei Baumwollspinnereien, eine im Jahre 1878 und die andere im Jahre 1884 gegründet; beide wurden seither erweitert. Diese Spinnereien arbeiten gegenwärtig mit 10.224 Throstle-Spindeln und 8576 Ringspindeln und sind das ganze Jahr hindurch von Tagesanbruch bis zur Nacht in Thätigkeit, nämlich 15 Stunden im Sommer und 10 Stunden im Winter, wobei nur 35 Minuten für das Mittagessen und für das Frühstück überhaupt keine Zeit freigelaffen ist. Die mittlere Production beider Spinnereien stellt sich auf 63.000 Lbs. Garn im Sommer und 62.000 Lbs. im Winter per Woche zu 6 Tagen. Die Differenz zwischen der Sommer- und Winterarbeit steht in keinem richtigen Verhältniß zur Arbeitszeit, und zwar deshalb, weil im Sommer die excessive Hitze die Arbeiter sehr schlaff macht. Es werden nur grobe Nummern von Nr. 3—16 gesponnen. Das Garn wird in Packeten zu 10 Lbs. aufgemacht. Etwa ein Drittel der gesammten Jahresproduction wird in Macedonien und Albanien consumirt, der Rest wird, frei von allen fiskalischen Abgaben, nach Bulgarien, Serbien, Kteinasien und den ägäischen Inseln exportirt. Die verwendete Rohbaumwolle wächst im Lande selbst, in der Umgebung der Spinnereien, eignet sich jedoch nur für grobe Gespinnste, da sie sehr kurz im Stapel und hart in der Qualität ist. Der Abfall beim Spinnen macht 15—20 Percent aus. Ec wird extra bearbeitet und im Lande zu einem billigen Preise zum Auspolstern von Bettpolstern, Kleidern u. s. w. verkauft. Die Kohle wird von Cardiff importirt und stellt sich auf 1 Pfd. St. 4 Sh. bis 1 Pfd. St. 5 Sh. per Tonne mit Zustellung in die mit den Spinnereien verbundenen Lager. Die Gesammtzahl der in den beiden Spinnereien verwendeten Arbeiter beläuft sich auf 640, alles Juden, davon 160 Männer und Knaben und 480 Mädchen. Die Männer werden mit 9—12 Sh. per Woche, 14—18jährige Knaben mit 3 Sh. 6 4 bis 5 Sh. und Mädchen von 12—18 Jahren mit 1 Sh. 9 4 bis 5 Sh. 8 4 per Woche bezahlt, im Winter wie im Sommer gleich. Die jüdischen Mädchen sind sehr geschickt; sie arbeiten, bis sie sich verheiraten oder bis sie sich aus ihrem Verdienste außer der nöthigen Ausstattung ein Vermögen von 18—25 Pfd. St. erworben haben. Eine anerkannte Lohnscala existirt nicht, und daß auch kein Fabriksgesetz die Arbeiter gegen ihre harten Meister schützt, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Geleitet werden diese Spinnereien von Engländern. Zwei kleinere Baumwollspinnereien haben sich gleichfalls vortheilhaft in Niausta, einem emporblühenden griechischen Städtchen, drei Stunden weit per Bahn von Salonich, etablirt. Sie besitzen 4200 Spindeln, welche durch Wasserkraft in Thätigkeit erhallen werden, verwenden 180 Arbeiter und produciren jährlich circa 800.000 Lbs. Garn von Nr. 4—16 in Bündeln zu 10 Lbs., welche an die Bauern der benachbarten Dörferverkauft werden. Das Lrichrnbrgängnitz des Freihrrrn v. Königswar lrr. Wien, 16. November. Unter überaus großer Theilnahme aller Schichten der Wiener Bevölkerung fand das Leichenbegängniß des Freiherrn Moriz v. Königs Wärter statt. Prunklos und einfach, wie der Verblichene in seinem bescheidenen Sinne es gewünscht, war die Leichenfeier — aber die zahllosen Menschenmaffen, die sich eingefunden hatten, um dem dahingefchiedenen Menschenfreund die letzte Ehre zu erweisen, waren ein sprechender Beweis, von der Verehrung und Liebe, die sich der Verstorbene erworben, und sie sprachen beredter und eindringlicher, als es der glänzendste Trauerpomp hätte thun können. Schon vor 8 Uhr war der Kärntnerring vom dichtestem Menschenspalier überfüllt, und in ununterbrochener Reihe fuhren vor dem Palais Königswarter die Trauergäste vor, um den Hinterbliebenen ihr Beileid auszudrücken. Um 9 Uhr Früh erschien im Trauerhause eine Deputation des Schulveceines für Beamtenstöchter, um der Witwe des Barons, die erst vor wenigen Tagen zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt worden war, zu condoliren. Auch zahlreiche Deputationen jener Wohlthätigkeitsvereine, die dem Verblichenen so Vieles dankten, fanden sich im Hause ein. Auf dem Cen tralfri edhofe langte der Conduct nach 11 Uhr an. Der einfache Holzfarg wurde vom Wagen gehoben, in die Ceremonienhalle getragen. Zu Häupten des Sarges stellte sich Obercantor Singer auf, ihm zur Rechten und zur Linken, die drei Söhne des Verblichenen, während das Chorpersonal an den beiden Längsseiten Aufstellung nahm. Die weite Ceremonienhalle war von Trauergästen vollständig gefüllt. Die Ceremonie leitete Obercantor Singer in tiefempfundener und überaus ergreifender Weise ein, worauf Oberrabiner Dr. Güdemann vortrat und folgende Worte des Nachrufes sprach, die den tiefsten Eindruck auf die Leidtragenden machten. Dr. Güdemann sagte: „Wenn ich an der Bahre des hochgeachteten und merkwürdigen Mannes das Wyri ergreife, so thue ich es nicht blos in meiner amtlichen Eigenschaft, auch nicht allein auf den Ruf der Familie, sondern vor Allem als Freund, der durch 27 Jahre feiner unverändert freundschaftlichen Gesinnung sich zu erfreuen hatte. Dos Verhältniß erschwert meine heutige Aufgabe und erleichtert sie. Es erschwert sie: denn die Freundschaft verweilt mit Vorliebe bei den Vorzügen. Aber es erleichtert sie auch: denn die Freundschaft braucht vorhandene Fehler und Schwächen nicht abzuleugnen. Was die letzteren betrifft, die natürlich Jeder besitzt, die ober bei einem hochgestellten Manne eichter bekannt und gerne vergrößert werden, so hat sein Ende Vieles aufgeklärt und macht jeden Vorwurf verstummen. Die Nacht, welche seinen Geist seit den letzten Wochen umgab, hat in ebenso seltsamer wie schmerzlicher Weise mehr Licht verbrei'et über manche befremdliche Erscheinung in seinem Wesen während der letzten Jahre, als die gründlichste Menschenkenntnis; jemals zu erlangen hoffen durste. Wie dem aber sein mag, preiswürdig ist und bleibt ohne Frage Derjenige, dessen Schwächen man eingestehen darf und an dem doch so viel Großes, Tüchtiges und Edles zu bewundern bleibt, daß man bei seinem Tode sagen darf: Er stirbt unendlich Bielen, seiner Familie, seinen Glaubensgenossen, seiner Vaterstadt-und seinem Vaterland?. Dieses Eingeständniß werden auch Diejenigen, welche auf die Aufsuchung von Fehlen! sich verstehen oder verlegen, dem Heimgegangenen nicht vorenthalten. Ich spreche zunächst von dem Familienvater. Die edle, von Allen ob ihrer Güte, Milde und frommen Gesinnung verehrte Gattin kann und wird die Zuneigung nicht vergessen, womit er ihr einst als Jüngling die Hand zum Ehebunde gereicht. Den Kindern >vird der Vater in dankbarer Erinnerung bleiben, in dem das väterliche Bewußtsein, ich möchte sagen, in antiker Hingebung, allerdings zuweilen auch in antiker Strenge sich äußerte. Allen bekannt und von Allen anerkannt war seine vor nichts zurückweichende, immer frei und offen sich bekundende Glaubenstreue. Sie war ein Erbstück vom Vater her, aber durch eigene Ueberzengung vertieft. Ein Kenner der allgemeinen Geschichte, war er vor Allem ei.n Kenner der jüdischen, und insbesondere war er mit der Geschichte unserer Gemeinde innig vertraut. Aus dieser Kenntniß erwuchs seine treue Anhänglichkeit an das Judpnthum. Er verleugnete seinen Glauben, und was mehr ist, seine Glaubensgenossen nie und nirgends, und unter dem Ordensstern auf seiner Brust trug er mit einem gewissen Stolze die Erinnerung an den einstigen „gelben Fleck", mit demselben Stolze, mit welchem jener König des Alterthums die Räume seines Palastes mit den Emblemen seines einstigen Töpferhandwerkes verzierte. Eine der letzten B.thätigungen seines jüdischen Bewußtseins war die Uebernahme des Präsidiums im Curatoriuu! der von ihm mitbegründeten israelitischtheologischen Lehranstalt. Das Curatorium rust ihm durch meinen Mund Dank und Anerkennung für seine Hingebung in die Gruft nach. Aber trotz seiner allezeit nachdrücklich betonten Anhänglichkeit an das Jndenthum war er nichts weniger als ausschließlich. Stets hat er sich als einen treuen Sohn seiner Vaterstadt und als einen glühenden Patrioten bewährt, was die Gnade des Monarchen durch seine Berustlng in das Herrenhaus und was die Bürgerschaft durch seine Wahl in den Landtag anerkannte. Hier im Lichte der Oeffentlichkeit zeigte er sich als Mann von unerschütterlicher liberaler Gesinnung, von Freimuth und vielseitiger Bildung, der jeden Gegenstand, der ihn anzog, in fesselnder, mit Witz und Kernworten gewürzter Rede zu behandeln wußte. Die Oeffentlichkeit kannte ihn auch als den kunstsinnigen Mäcen und als den unerschöpflichen Wohlthäter. Nicht leicht fehlte auf einer Spenderliste sein Name, auf den meisten stand er obenan. Dennoch glaube ich nicht, daß er diese schönste Seite seines Wesens, seine edle Menschlichkeit, yor der Oeffentlichkeit ganz enthüllte. Wenn die 'große Glocke zur Wohlthätigkeit aufruft, da eilen auch Diejenigen mit offenen Taschen herbei, die lieber mit zugeknöpften zu Hause geblieben waren. Man mußte ihn als intimen Wohlthäter

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