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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-24 · 47 (24.11.1893) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
47 (24.11.1893)
Date
1893-11-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 914 Vrflrrrelchifchr Wochenschrift Vir. 47 Leben als Paradeschritt behandelt wird. Zur Zeit, als das „Schleswig-Holstein meerumschlungen" noch die Ansprüche der Zukunst ausdrückte, zeichneten in den süddeutschen Curorten die Norddeutschen sich dadurch aus, daß sie jede Gelegenheit benützten, um die Juden zu beleidigen und zu verletzen. Der schamlose antisemitische Terrorismus des letzten Jahrzehnts ist nur eine Rückwirkung des vom Junkerthum geäußerten Einflusses. Vom Meere bis zum Fels — gewiß die Alpen bilden einen Schutzwall; jenseits der Alpen kennt man den Antisemitismus nicht. Die Vorgänge auf Spiekeroog sind charakteristisch für das nationale Leben Deutschlands und das ist der Werth dieser kleinen Geschichten eines kleinen Eilands. Budaxestrr Briefe. in. 19. November. Gleichwie der kräftige, von Gesundheit strotzende Baum aus fruchtbarem Boden stehend und von fürsorglicher Hand gepstegt von Jahr zu Jahr neue blühende Triebe ansetzt, so entstehen fast alljährlich auch am kräftig sprießenden und bereits vielverzweigten Jnstitutionsorganismus der Pcster Judenschaft neue Culturansätze, neue Humanitätstriebe. Heuer ist es das vom ungarisch-israel. Handwetkerverein anläßlich seines im vougen Jahre gefeierten Jubiläums gegründete Lchrlingsheim, welches jetzt draußen an der Peripherie der Stadt, einige Schritte vom lustigen Stadlwäldckpn in den von der Chewra-Kadischa abgetretenen Baulichkeiten seines alten Siechenhauses, entsteht. Inzwischen ließ dieser philantropische Verein pur excellence für seine greisen Pfleglinge weiter draußen im Stadtwäldchen, so recht d'rinn im Herzen der linksseitigen Villegiatur, eine palastartige Villa als neues Heim aufführen, ein Gebäude, das mit seiner inneren und äußeren Ausstattung eine Zierde der wohlthätigen Institute in unserer Hauptunb Residenzstadt geworden und als solche noch lange dastehen wird, da es allen gegenwärtigen und später etwa noch auflretenden Bedürfnissen gemäß eingerichtet wurde. Sonntag den 5. d. M. wurde nun dieses neue Greisenasyl, das übrigens schon seit mehr als einem Jahre seiner Bestimmung übergeben worden war, unter großer Feierlichkeit eingeweiht. Anwesend waren außer den Spitzm särumtlicher jüdischer Vereir.svorstände, den Sommitäten der jüdifchen Gelehrten-, Finanz- und Handelswelt auch viele Honoratioren anderer Confessionen. Der enge Nahmen unseres Berichtes gestattet uns leider nicht, die schöne Eröffnungsansprache des Instituts- Vorstehers Baron Sigmund Schoßbergers und die gediegene C'inweihungsrede des Rabbiners Dr. Kohn selbst nur in exeerpto zu bringen, allein den kurzen und kernigen Gelegenheitssprnch unseres* Ober-Bürgermeisters Carl Rath, glaube ich Ihren Lesern nicht vorcnthalten zu dürfen. Gegen Schluß der Feierlichkeit sprach er: „Mit Freuden begrüße ich diesen neuen Tempel der Humanität, der zwischen den hervorragendsten wohlthätigen Instituten Budapests einen würdigen Platz einnehmen wird und auf welchen nicht nur dieser wahrhaft „heilige Verein", nicht nur die Judenschast, sondern auch die Haupt- und Ncsidenzstadt stolz sein kann, in der die Juden unter den Erhaltern ihrer humanitären Anstalten eine so hervorragende Stelle einnehmen. Aus dem Herzen kommenden, aufrichtigen Dank sage ich den Schöpfern dieses herrlichen Institutes, deren Gründer dem Publicnni der Haupt- und Residenzstadt mit so schönem Beispiel voranleuchteten. Gottes Segen über diesen heiligen Verein, Gottes Segen über dem Institute des heiligen Vereines!" Auch eine neue Cülturstätte jüdischer Wissenschaft hat sich heiler auf Anregung des Dr. Franz Mezei, Redactems der „Ungarisch-jüdischen Revue" unter dem Titel: „Israelitischer ungarischer Literaturverein" gebildet. Derselbe ist wohl noch nicht viel über das Anfangsstadium hinaus gediehen, allein die am 2. d. abgehaltene Sitzung des entsendeten Comites hat den Beginn der Vereinsthätigkeit doch schon bedeutend näher gerückt. In dieser Sitzung wurde der Statutcnentwurf und das Concept eines an das große jüdische Publikum behufs Beitritts gerichteten schwungvollen Aufrufes einstimmig angenommen. Aus Ersterem führen wir den wichtigsten Theil, den zweiten Paragraph, wörtlich an: Dje<Ziele des „Israelitischen ungarischen Literaturvereines" sind: a) Veranlassung, Herausgabe und Verbreitung einer ungarischen Bibelübersetzung. b) Herausgabe und Verbreitung von Werken, die zur Kenntniß und Beleuchtung der Heiligen Schrift, der späteren religiösen Literatur und überhaupt der israelitischen Religion und Morallehre dienen. c) Die Förderung zur Abhaltung von Vorlesungen an der philosophischen Facultät der vaterländischen Universitäten nach Art der ausländischen Universitäten über solche Disciplinen, die auf . die Heilige Schrift und auf die Geschichte der Inden Bezug haben. d) Ebenso die Veranstaltung von in diese Sphäre gehörenden, wie Überhaupt auf das israelitische Gemeindeleben Bezug habenden öffentlichen Vorlesungen in Stadt und Larrd. . — e) Herausgabe und Verbreitung populärer, zur Kenntnis; und Veredlung des consessionellen Lebens dienender Werke, gleichwie solcher vorzüglicher Arbeiten, die mit den Aufgaben der Gemeinde und dem durch dieselben zu bietenden Religionsunterrichte im Zusammenhang stehen. k) Die Ausschreibung und Honorirung von Preisfragen mit Rücksicht auf die angegebenen wissenschaftlichen und gemeinnützigen Ziele. Hoffen wir, daß nvir über die begonnene und erfolgreiche Thätigkeit dieses Vereines zu berichten bald in der Lage sein werden. Auf noch anderem Gebiete wird das ungarische Judenthnm als solches in den nächsten Jahren das . Interesse der gebildeten Welt auf sich lenken. Wie Ihnen nämlich schon bekannt sein dürfte, findet im Jahre 1896 im Lar.de unserer geheiligten Stefanskrone das Fest des tausendjährigen Reichsbestandes statt. Der Mittelpunkt dieses Jubelfestes wird eine Millenniumsausstellung sein, deren hervorragendster Theil hinwieder eine die Culturentwicklung innerhalb der verschiedenen Confessionen retrospectivisch darstellende historische Abtheilung sein soll. Selbstverständlich werden darin auch die heimischen Jud.en den ihnen gebührenden Platz einnehmen, und daß sie diesen würdig ausfüllen werden, dafür bürgt die der historischen Ausstellungscommission angehörei.de berufenste jüdische Vertretung in der Person des Rabbiners Dr. Kohn, der an den vorbereitenden Sitzungen regen Antheik nimmt. Von der Thatsache ausgehend, daß Juden in unserem Vaterlande noch vor der Landeinnahme seßhaft waren und darum zu allen Zeiten von systematischen und fortgesetzten Verfolgungen verschont gelebt haben, ist zu erwarten, daß die jüdische Abtheilung der Ausstellung einen interessanten und lehrreichen Anblick baibieten wird. Von den in Ungarn gefundenen jüdischen Münzen und Grabsteinen angefangen bis zu den neuesten Erscheinungen der jüdischen ungarischen Literatur dürfte sich aus Museen, Bibliotheken, Tempeln, Gemeinde-, Schul-, Comitats- und Familienarchiven ein solch reichhaltiges-Material jüdischen Culturlebens zusammenstellen lassen, das erst jetzt so manche Lücke der ungarisch-jüdischen Geschichte aussüllen, so manches Dunkel darin hell beleuchten wird. Die innerhalb dreier Jahre neu zu errichtende Schule der hiesigen Religionsgemeinde bildet fortwährend den Gegenstand eifrigen Studiums in der mit den Vorarbeiten betrauten En- .quste. Wie verlautet, winde in der jüngst abgehaltenen

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