Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 46 (17.11.1893)
- Date
- 1893-11-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3021000--02969-3027083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 904 Vestrrrrtchischr Vorhrnfchrtft <Rr 46 Wien, 13. November 1893. (Ru d o lfs b u n d.) Dieser humanitäre Verein, welcher seit Jahren eine größere Anzahl von armen Schulkindern ohne Unterschied der Confessiyn mit vollständiger warmer Winterkteidung versieht, hält am 9. December 1893 seine diesjährige Bekleidungsseier, verbunden mit Tanzkränzchen, unter Mitwirkung einer beliebten Militärcapelle im Hotel Central, II, Taborstraße, ab. Die zu bekleidenden Knaben und Mädchen werden auch bewirthet und beschenkt. An der Spitze dieses wahrhaft Humanitären Vereines steht seit Gründung desselben Herr Joses Pollak (Firma Pollak u. Neuron), ein bekannter Förderer und Menschenfreund, der weder Mühe noch Opfer scheut, dem von ihm geleiteten Vereine Achtung und Zuspruch zu verschaffen. Weffely a.d. M. Am Z.d.M. feierte im engsten Familien" kreise der verdiente Districtsarzt in Weffely a. d. M., Herr Dr. Emil Ornstein, sein 50jähriges Doctorjubiläum. Seit 42 Jahren wirkt Herr Dr. Ornstein in äußerst humaner und uneigennütziger Weise in seiner Vaterstadt Wessely und deren Umgebung und wurde für seine aufopferungsvolle Thätigkeit während des mörderischen Wüthens der Cholera im Jahre 1866 von Seiner Majestät dem Kaiser in überaus huldvoller Weise ausgezeichnet. Eine entsprechende Anerkennung dieses verdienstvollen Mannes seitens der Vertretung der Stadt Wessely gelegentlich dieses Jubiläums hat nicht stattgefnnden, obwohl eine solche Kundgebung gewiß am Platze gewesen wäre. Sehr bedauerlich ist es aber, wenn das Oberhaupt der Gemeinde als Verwandter des Jubilars und dessen-Religion angehörig, aus confessio n e llen Rücksichten es für inopportun bezeichnete, einen diesbezüglichen Antrag zu stellen. Es ist traurig, wenn man in einem solchen Falle confessionelle Bedenken äußert, namentlich einem Arzte gegenüber, der stets bestrebt war, Jedermann ohne Rücksicht auf Stand und Religion mit seltener Uneigennützigkeit hilfreich beizustehen. Svetla. Auch unsere Cultusgemeinde hat ihre Bürgerm— Pardon! — ihre Vorsteher-Krise! Herr Ludwig Müller, der durch nahezu zehn Jahre Cultusvorsteher unserer Gemeinde tvar und mit aller Hingebung und Opferwilligkeit unsere Cultusgemeinde zu Ansehen gebracht, hat f r e i w i l l i g auf diese Ehrenstelle resignirt. Es ist nicht unsere Absicht, in Lobes¬ oder Dankeshymnen über das Wirken und Schaffen dieses Mannes uns zu ergehen — wer ein Amt übernimmt, muß es auch gehörig verwalten: was wir jedoch u. z. mit Nachdruck hervorheben wollen, sind es die vielfachen und vielseitigen Chicanen, directen und indirecten, unverdienten und durch nichts zurechtsertigenden Jnvectiven,. die dieser Vorsteher namentlich in der letzten Periode über sich ergehen lassen und auhören mußte und welche ihn zur eigentlichen Resignation veranlassen. Der vorläufige Stellvertreter desselben, Herr Moritz H e r r m a n n, ein biederer und lauterer Charakter, ein Mann von seltener Ruhe und Ausdauer, Besonnenheit und Nachgiebigkeit und ein Mann — des Friedens, ist berufen, die in- und externen Angelegenheiten unseres Gemeindewesens zu leiten und zu verwalten und vor Allem die Wirrnisse in derselben mit fester Hand zu beseitigen. Hoffen wir, daß ihm dies gelingen wird. R. Drohobyez. Dienstag, den 21. November, 4 Uhr Nachmittag, findet hier die Trauung des Fräuleins Sofie Lindenb a u m, Töchter des Gutsbesitzers Herrn Moritz Linde nbäum, mit Herrn Dr. Benedict Altmann statt. Särdär (Ungarn), 12. November 1893. In Sarvom (Eisenburger Comitat) fand heute den 12. November die Grabsteinsetzung für den vor Jahresfrist verstorbenen Rabbiner Philipp S o f e r unter Betheiligung einer zahlreichen Versammlung von Gemeindemitgliedern in feierlicher Weise statt. Als Redner fungirten: Jakob S ofer, Sohn des Verewigten, und Jehuda Sofer, Bruder desselben. Bei dieser Gelegenheit veranlaßte die Särvärer orthodoxe israelitische Gemeinde die Constituirung eines „Malbisch Arumim-Vereines." Schüttenhofen. Herr Dr. Phil. Josef Wo hl st ein wurde nach erfolgter Probepredigt hier einstimmig zuni Rabbiner gewählt. Pilsen. (T h e a t e rn a ch r ich t). Einen seltenen Genuß bereitete am 9. d. M. dem vollständig ausverkauften Hause Frl. Rosa Theimer als „Acuzena" in Berdi's „Troubadour". Die talentvolle Künstlerin, welche sowohl bei den: hiesigen Chormeister Herrn Burgstaller als auch bei bestbekannten Wiener Meistern Gesangunterricht geuoß und sich nur aus Liebe zur Kunst zu diesem einmaligen Aufttilte entschlossen hat, verfügt über eine tvundervolle Mezzosopran-Stimme von herrlicher Klangfarbe und großem Umfange. Besonders riefen die erste Scene des zweiten und die letzte Scene des vierten Actes wahre Beifallsstürme hervor, und es ist nur zu bedauern, daß ein so gottbegnadetes Talent, das gewiß viele Lorbeeren auf dem Gebiete der Kunst erringen würde, sich nicht der Bühne widmet, sondern bescheiden in den Kreis der Familie zurücktritt. K. EB.. Prostnitz. Herr D. Fischer hat den Gasthof „Zu den drei Königen" hier vor Kurzem in Regie genommen und denselben mit allem den modernsten Anforderungen entsprechenden Comfort eingerichtet, so daß derselbe mit Vorliebe von Fremden frequeutirt wird, umsomehr als auch Küche und Keller das Beste bieten. Es darf daher nur befremden, daß die hiesigen Juden nach wie vor Wirthshänser besuchen, wo ihnen Schutz gegen Insulten antisemitischer Gäste nicht geboten wild. Es darf wohl der Erwartung Ausdruck verliehen werden, daß auch die Juden, sich an christlichen Gästen Beispiel nehmend, das Unternehmen Fischer's durch zahlreichen Besuch fördern werden. EB. Prostnitz. Der Obercantor der Cultusgemeinde Herr E p st e i n hat nach nahezu vierzigjähriger erfolgreicher Wirksamkeit' seines hohen Alters wegen — er ist 78 Jahre alt — um Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand angesucht. Herr Epstein hat sich durch seinen integren Charakter und tadellosen sittlichen Lebenswandel in der ganzen Gemeinde die allgemeine Anerkennung und die lebhaftesten Sympathien zu erwerben gewußt und wird man denselben von seinem Berufe nur mit Bedauern scheiden sehen, umsomehr, als er sich um die Verherrlichung des Gottesdienstes dauernde Verdienste erworben. Hamburg, 12. November 1893. Dem Prediger Herrn Dr. L. Leimdörfer ist vom „Hamburger Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in Folge seines am 2. November im großen Logensaale gehaltenen Vortrages „Der tragische Heros der Rabbinen" ein Anerkennungsschreiben zugegangen, das folgendermaßen lautet: „Sehr geehrter Herr Doctor! Es gereicht mir zum Vergnügen, Ihnen im Namen des - Vorstandes unseren wärmsten Dank für den genußreichen Abend anszusprechen-, den sie uns und allen Mitgliedern unseres Vereines verschafften. Der reiche Beifall, der Ihrem gelehrten Vortrag folgte, war nur ein schwacher Ausdruck der unaetbeilten Befriedigung, welche Ihre claffische, nach Form und Inhalt in gleicher Weise vollendete Darstellung bei jedem der zahlreichen Zuhörer bervorrief. Bei dem freundlichen Interesse, welches Sie, geehrter Herr Docior, unserem Vereine seit dessen Bestehen immer entgegengebracht haben, dürfen wir wohl auch die ergebenste Bitte hinzufügen, Sie mögen dem Vereine auch ferner Ihr Wohlwollen bewahren. Sie werden dadurch zum Gedeihen unserer Bestrebungen wesentlich beitragen. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr. Med. F i n k, Schriftführer. Paris. Entsprechend dem seitens der Kirchen gegebenen Beispiele wurden auch in den Synagogen während der Anwesenheit der russischen Gäste Festgottesdienste abgehalten. Der lithurgische Theil bestand in dem Absingen der Psalmen 21 und 86 und in dem Halleluja. Feuilleton. Rabbi Salomoh Tnrje von Ostrowo. Historische Erzählung von Heinrich Hammer. Der Verfasser behält sich alle Rechte vor. V. Der Ruf des jungen Gelehrten verbreitete sich sehr bald über ganz Polen, so daß ihn.die Gemeinde Ostrowo, am Flusse Wilai und am Flusse Horina, wo vor- und nachher viele Größen Israels die Rabbinerstelle bekleideten, zum Rabbiner begehrte. Bei all seiner Berühmtheit bildeten sich aber wie gewöhnlich Parteien im Orte und die Verhandlungen zogen sich etwas in die Länge. Die Gegenpartei machte Spässe, daß man mit dem neuen Rabbiner lieber die Pfarrerstclle, die sehr einträglich sei und gerade in Ostrowo