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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-17 · 46 (17.11.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 46 Oesterreichifche Wocherrschrifi Deite 903 Niedrigsten waltete. Den Ausdruck „niedrige Menschen" in der Bedeutung für arme Menschen kannte er nicht. Alle Menschen waren hochgeboren, trugen sie doch Alle den Adel der Gottähnlichkeit und Gotteskindschaft an sich! Wahrlich, man muß es gesehen haben, um zu verstehen, wie er einem Armen, einem Bettler, ja einem betrunkenen schmutzigen Bettler half, wie er ihm sein ganzes Gemüt') hingab. Und wie groß war er als Jude! Wie war er so ganz der große Sohn seines unvergeßlichen Vaters, des großen Rabbiners H i r s ch. Trotz seiner anstrengenden Praxis „lernte" er täglich, ja er stand vor Tagesanbruch auf, um seinen Liebliugsstudieu nachzugehen. Wie glücklich und freudig war er au Sabbath- und Feiertagen, obgleich gerade diese Tage ihm so große körperliche Anstrengungen brachten. Und wie ging er so ganz auf in den sieg- und segensreichen Ideen seines großen Vaters, in dessen bahnbrechenden Gedanken über das Judenthum. Wie strebte er, den Spuren seines Vaters folgend, Natur und Mensch aus Gott — und nicht umgekehrt — zu erkennen und nach dieser Erkenntniß zu leben. Darf es uns bei diesen Eigenschaften wundern, daß der thenre Heimgegangene ein unübertrefflich zärtlicher Gatte, ein treuer, warmherziger und verständnißvoller Vater, ein aufrichtiger, hingebungsvoller und ehrerbietiger Sohn, ein herzensguter theilnehmender, hilfreicher Verwandter, Freund und College gewesen. Darf es uns wundern, daß sein thätiger Geist auch jenen Gebieten sich zuwandte, die abseits seines eigentlichen Berufes lagen. Nicht nur körperliche Gebrechen wollte er heilen, auch sittlichen Mängeln, auch gesellschaftlichen Jrrthümern und Schäden suchte er in Wort und Schrift abzuhelfen. So verfaßter zur Lösung der socialen Frage die Schrift: „Betteln und Hausircn ist hier verboten", in welcher er mit einer Wärme sondergleichen für seine unglücklichen arbeits- und obdachlosen, ja meist kranken M e n s ch e n b r ü der eintrat. — Der Brand der Pariser Oper veranlaßte ihn zum Nachdenken, wie man bei jedem Theater die Möglichkeit einer raschen Entleerung erzielen könne; hiezu entwarf der vielbeschäftigte A r z t architektonische Pläne, die großen Beifall in Fachblättern fanden. „Die Nothwendigkeit der Staatshilfe bei Massenepidemien, speciell der Cholera" hob er in klarer, eindringlicher Sprache in einer Broschüre hervor, die in ihrem Entstehen zeitlich mit der jüngsten Hamburger Cholera zusammenfällt. In dieser Schrift deckte er vor Allem die Mängel bei der Krankenbeförderung, den Mangel an Aerzten aus, machte Vorschläge, die durch leichte Ausführbarkeit förmlich frav- Pirien und vor Allem in jeneu Ländern Anklang finden mußten, wo, wie der Verfasser meint, der Staat Millionen für eine andere Seuche — nämlich für einen etwaigen Krieg — bereitzustellen versteht. Und gar die erst in diesem Jahre verfaßte Broschüre: „Culturdeficit am Ende des XIX. Jahrhunderts". Mit welch' edler, geistvoller und dabei kühner Sprache zieht er in derselben gegen den Antisemitismus zu Felde. Nichts scheueno, die Wahrheit verkündend und die Lüge zerschmetternd. Leisetreterei war nicht seine Sache, das sagt das dieser Schrift beigefügte Motto: J'appelle un chat un chat? An der Hand einer erstaunlichen Fülle von Material kämvfte er für sein jüdisches Volk. — ' Zwei Momente treten, allgemein menschlich genommen, in seinem Leben aus Allem hervor: »ein gutes treues Herz, und sein energischer Wille. Seine Energie ließ ihm die Höhen der Welt ersteigen, über alle Hindernisse und Hemmungen hinweg, und fein gutes treues Her; verlieh allen seinen Thaten und Worten jene Wärme und Innigkeit, die, frei von jeder ziellosen Schwärmerei, ihn uns so liebenswerth machten und nun so schmerzlich vermissen lassen. Nur 55 Jahre waren ihm beschieden. Was er in diesen 55 Jahren leistete als praktischer Arzt, als Chefarzt des Rothschild'schen Hospitals, als Gründer und Privateigenthümer der ehemaligen Heilanstalt für Lungenkranke zu Falkenstein i. T., als Mitgründer und Vorstandsmitglied des israel. Krankenpflegerinnen-Jnstitutes und besonders als Gründer und Präsident des von seinem Vater bereits angestrebten Kranken-Bereines, eines Vereines, der durch Pflege und Unterstützung armer hilfsbedürftiger Kranker die in alten Zeiten in herrlichster Weise bethätigte Bickur Cholim hier wieder auf's Neue zur Blüthe brachte, was er in allen diesen Beziehungen wirkte, das lebt und wird weiter leben in den Herzen Aller, die ihr: kannten und die ihm zu ewigem Danke verpflichtet sind. Mit ihm ist ein Stern untergegangen und das Auge des Jahrhunderts wird sich schließen, bevor er wieder erscheint, denn in weiten Bahnen zieht der leuchtende Genius". — E r war ein solch' leuchtender Genius, ein Genius der Menschenliebe, der, seine Größe nicht ahnend,^bescheidenen Ganges unter uns wandelte und uns als Vermächtniß die Pflicht hinterlassen hat: zu werden wie er! VmmMtes. Wien. (T r a u u n g e n.) Im Stadttempel wurden Sonntag, den 12. November 1898 getraut: Herr Max Möller mit Frl. Jenny W e r t h h e i m b e r; Herr Arnold Goldberger deBuda mitFrl. Clara Karpeles; Herr Dr. Ignaz Rose n b l a t t mit Frl. Flora Steiner; Herr David P r e ßb u r g e r mit Frl. Betti S i l b e r st e i n. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unterdeninländischenJsraelite n.) Infolge des enormen Andranges der aus allen Ländern der vsterr.-ung. Monarchie um Aufnahme ansuchenden Knaben und der großen mit der Versorgung und Bekleidung der dermaligen Zöglinge verbundenen Auslagen hat der Vereinst) orstand beschließen müssen, die Aufnahme von Knaben während der Monate December und Jänner zu sistiren. Wien-Mariahilf. Vom Freitag, den 17. d. M. angefangen werden alle 14 Tage im Mariahilfer Tempel vom Vereinsprediger Sr. Ehrwürden Herrn Dr. T a g l i ch t Exhorten abgehalten werden; der Gottesdienst beginnt um %b Uhr. EB. Wien. (Todesfall.) Der Großindustrielle Herr Alois W i n k l e r in Ober-St. Veit hat einen schweren Verlust durch das am 11. d. M. erfolgte Hinscheiden seines hoffnungsvollen zweiundzwanzigjährigen Sohnes zu beklagen. Der trauernden Familie, welche sich allgemeiner Sympathien erfreut, sind vielseitige Beileidskundgebungen zugekommen. EB. Wien. (Compositeur Ignaz Brüll), dessen herrliche Oper „Das goldene Kreuz" einen dauernden Platz in allen Opern-Repertoirs errungen und dessen letzte Oper „G r i n g o i r" allgemeinen Beifall fand, hat ein neues Opernwerk „Schach dem König" componirt, welches in München am 24. d. M. zur Erstaufführung gelangt, welch letzterer mit allgemeiner Spannung entgegengesehen wird. Wien. Der allgemeine Krankenunterstützungs-Berein „Nächstenliebe" feiert am 19. November 1893 sein 25jähriges Jubiläum. Unter den Mitgliedern, welche für den Verein ganze 25 Jahre wirken, ist vor Allen Herr Philipp Weiner, der Obmann-Stellvertreter, zu nennen, welcher mit dem Verein auch sein eigenes Jubiläum als Bereinsmitglied feiert. In gleicher Weise gehören dem Vereine seit 25 Jahren an: B l a u Leopold, Brei n er Nathan, Ben iß Arthur, G u t f r e u n d Salomon, Grün Jacob, Haslinger Emanuel, Haslinger Ignaz, König Josua, K o h n Ludwig, K o h n Moriz, L ö w y Gerson, Lunzer Jacob, Maß Nathan, N e u m a n n Elias, R o ch e r Carl, R o s n e r Alexander, S ch a ch e r l David, S ch a ch e r l Moriz, Springer Bernhard, Schön Leopold, Will) e i m Wilhelm. Aus diesem Anlasse findet am genannten Tage um halb 3 Uhr Nachmittags im Hotel „Stefanie", ll , Taborstraße, eine Festversammtung statt, in welcher die genannten Mitglieder durch Verleihung einer silbernen Jubiläums-Medaille ausgezeichnet werden sollen; gleichzeitig wird an die Mitglieder des Vereines eine vom Vereinsvorstande herausgegebene Jubiläums-Festschrift zur Vertheilung gelangen. Um halb 5 Uhr Nachmittags findet ein feierlicher Gottesdienst im Haupttempel, ll., Tempelgaffe, statt, wobei Herr Oberrabbiner Dr. M. Güd emann die Festrede halten und Herr ObercantorJosef Goldstein mit Chorbegleitung die Festgesänge, darunter auch eine neue eigene Composition, zur Aufführung bringen wird. Abends 8 Uhr findet im Hotel „Stefanie" ein Festbanket statt. Wien. Der Oberbuchhalter des Bankhauses Lieben u. Comp., Herr Eduard Spitzer, feiert am 17. d. M. mit seiner Gattin Agnes, geb. Deutsch, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (Synagogenverein „Beth Israel", nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien, ll., Leopoldsgasse Nr. 29.) Vorige Woche fand im prachtvollen Sitzungssaale dieses Vereines eine außerordentliche Generalversammlung statt, welche äußerst zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte der Obmann des Vereines, Herr S. M e i s e l s, als Schriftführer fungirte Herr Ignaz Zolles. Die Cultusgemeinde war durch den Cultnsvorsteher Herrn Architekten Fleischer vertreten. Auf Grund der neuen Statuten, die eine Vermehrung des Vorstandes erfordern, wurden die Herren: Arthur Edler von Mieses, S. Landau, Max Rosenfeld, A. S. D i a m a n d t, Kalman Schlesinger, S. K a tz als Vorsteher, ferner die Herren: Alexander Landau und I. A x e l r a d als Bethausvorsteher gewählt. Die Generalversammlung ernannte in Würdigung der Verdienste um das Zustandekommen und Erbauung der Synagoge die Herren: Wilhelm Stiaßny, S. Meisels und Ignaz Zolles einstimmig zu Ehrenmitgliedern dieses Vereines. Der Delegirte der Cultusgemeinde, Herr Architekt Fleischer, hielt hierauf eine schwungvolle Ansprache an die Versammlung, in welcher er mit besonderer Wärme das Wohlwollen, welches sowohl die Cultusgemeinde, als auch er selbst dem Vereine „Beth Israel" entgegenbringt, hervorhob. Diese Rede machte einen zündenden Eindruck und wurde mit großem Beifalle ausgenommen.

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