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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-17 · 46 (17.11.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 902 Oesterrektzifche Wochenfchrtfl Nr. 46 beziehen, und zwar die Ersteren einen mit dem Landes-Lehrerpersonale gleichen Gehalt. Daß das Curatorium bestrebt ist, sich eine verläßliche Kenntniß der in den Bereich seines Wirkungskreises fallenden besonderen Verhältnisse zu verschaffen, geht schon daraus hervor, daß dasselbe einen bekannten durch langjährige Erfahrung gewiegten galizischen Pädagogen, nämlich den gewesenen Direktor der Czacki-Schule in Lemberg, Herrn N. Landes, als Schulreferenten aufstellte, der die Aufgabe hat, an Ort und Stelle sich über die Entwicklung der Stistungsanstalten, dann die Fortschritte der aus Stiftungsgeldern unterstützten Jugend und die Leistungen der Gewerbsleute, bei welchen die subventionirten Lehrjungen untergebracht sind, zu informiren, wo es thunlich ist, wahrgenommene Uebelstände gleich zu beseitigen, überhaupt über die gemachten Wahrnehmungen mit Anträgen an das Curatormm heranzutreten. Neue Anstalten werden über Ansuchen von Cultusgemeinden nach Einholung genauer Informationen von bewährten Vertrauensmännern und zumeist erst nach einer entweder durch den Secretär des Curatoriums oder durch den Schulreferenten durchgeführten Localverhandlung errichtet. Nach der Bestimmung des Stiftungsstatuies vollzieht die Ernennungen aller Beamten und Lehrer ausschließlich das Curatorium. Vollends unwahr ist die Behauptung, daß die H i r sch'schen MMonen einen Gegenstand der „G eschäftsm a ch e rer",bilden, denn diese Millionen erliegen bei der Stiftungsbehörde, als welche bezüglich der Baron Hirsch-Stiftung das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht sungirt, sie sind in Aufbewahrung der Niederösterreichischen Landeshauptcassa, welche nur die jährlichen Zinsen dem Curatormm mit dessen Verpflichtung zur Rechnungslage ausfolgt. Stipendien und Unterstützungen wurden von den Comites in Galizien vertheilt, welche auch alle Auszahlungen besorgten. Kein Curator könnte ein „Geschäft" machen. Die Thötigkeit des Curatoriums wird vom Minister für Cultus und Unterricht durch einen delegirten l. f. Commissar, nämlich vom Referenten für galizische Cultus- und Unterrichtsangelegenheiten überwacht, welcher bisher gegen keine Verfügung des Curatoriums einen Einspruch erhob. Eine grelle Unwahrheit ist die Behauptung, daß das CuratormmGermanisirungstendenzen verfolge und ca. 800Knaben bei centralistischen Meistern in Wien unterbrachte. Das Curatorium beurtheilt die Meister nach ihrer Tüchtigkeit und nicht nach ihrer politischen Gesinnung, übrigens sind in Wien nur 28 Lehrjungen untergebracht, welche in Galizien Volksschulen mit Polnischer Unterrichtssprache absolvirten. Im Lande sind 354 Lehrjungen bei Handwerkern untergebracht, nur kostet hier ein jeder Junge 70—100 Gulden, während in Wien die Auslage per Kopf höchstens 40 Gulden beträgt. Ebenso unwahr wie die obigen Behauptungen ist die Behauptung, daß der galizische Landesausschuß zur Verwaltung der Stiftung berufen wäre, weil in Stiftungssachen der Wille des Stifters maßgebend ist und daher der Landesausschuß nur jene Stiftungen verwaltet, welche ihm vom Stifter anvertraut, oder welche ihm, wo keine Verfügung des Stifters vorliegt, von der Regierung im Concessionswege in die Verwaltung übergeben worden sind. Baron Hirsch bestimmte seine Stiftung ungetheilt für die israelitische Bevölkerung in den Kronländern der Monarchie: Galizien und der Bukowina zur Beförderung des Bolksschulunterrichtes für die Kinder israelitischer Eltern mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften, ferner zur Ausbildung israelitischer Kinder zu tüchtigen Handwerkern. Der Sttfter bestimmte ausdrücklich, daß in Galizien in seinen Schulen die polnische Sprache Unterrichtssprache sei. Baron Hirsch bestimmte die Organisation, das Curatorium und die zu deffen Unterstützung bestimmten Organe mit der Weisung, daß die Stiftung, somit das Curatorium, seinen Sitz in Wien habe. Wien, den 9. November 1893. Eduard v. Olexöw-Gniewosz, vom Minister bestellter Curator, derzeit amtirender Stellvertreter des Präsidenten der Baron Hirsch-Stiftung. Berlin. Das preußische Staatsministerium hat in seiner letzten Sitzung das Disciplinar-Erkenntniß desBrandenburg'schen Provinzial-Schulcollegiums, durch das der Rector Ahlwardt seines Amtes entsetzt wird, endgiltig bestätigt. Ahlwardt war seit dem Jahre 1889 suspendirt, und während dieser vier Jahre hat die Stadt Berlin ihm seinen halben Gehalt zahlen müssen. — Bei den Neuwahlen zur Stadtverordnetenversammlung hatten die verbündeten Conserdativen und Antisemiten die letzten vier Mandate, welche ihnen noch im Rathhause geblieben waren, zu vertheidizen. Sie haben alle vier Mandate verloren und tehen nur in einem Bezirkaussichtslos in der Stichwahl. Damit ind die Conservativen und Antisemiten aus der Berliner Stadtvertretung vollständig verdrängt und die sogenannte Berliner Bewegung ist an ihrem Ende angelangt. In der Stadtverordnetenversammlung werden fortan vier Fünftel Freisinnige und ein Fünftel Socialdemokraten sitzen. Letztere haben zwei neue Mandate erobert. Ratibor Zur Nachahmung empfohlen halten wir folgende Worte, die der Landtags-Candidat für den Kreis Ratibor, Herr Hauptmann a. D. von Gilgenheimb, in seiner Rede gesprochen: „Meiner christlichen Lebensanfchauung entspricht es nicht, Andersdenkende wegen ihrer politischen oder religiösen Ansichten zu verfolgen. Auswüchse müssen bekämpft werden, wo immer sie sich finden; aber ich halte es für unrecht, wegen Ueber- ' griffe Einzelner eine ganze Gemeinschaft zu verurtheilen." — Was wird Herr Stöcker sagen zu den Ausführungen eines Mannes, der, Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle, von sich erklärt, daß seine politischen Anschauungen auf durchaus christlich-conservativen Grundsätzen beruhen, sowie daß er ein überzeugter Katholik sei? Und was wird er weiter sagen, wenn er hört, daß die öffentliche Aufforderung zur Wahl dieses Candidaten von Herrn Erzpriester Strzyb ny unterzeichnet war? — Der in Ratibor erscheinende „Oberschlesische Anzeiger" bringt folgende Notiz: Der Pastor prim, in Pitschen, Kreis Kreuzburg OS., sandte dieser Tage an den Vorstand der Synagogengeweinde in Ostrowo ein Schreiben folgenden Inhalts: Vor zwei Jahren starb hier der Cultusbeamte Isaak Osch er, ein Mann, der trotz seiner nur in Polen genossenen Ausbildung ein nicht unbedeutender Hebräer gewesen ist. Zuletztbezog er ein Gehalt von monatlich 30 Mark und die sehr unbedeutenden Schächtgebühren, weil die Judengemeinde hier'sehr klein ist. Seine Witwe" lebt hier in dürftigen Verhältnissen, weil von ihren 9 Kindern noch keines im Stande ist, die Mutter zu unterstützen. Da nun die hiesige Judengemeinde sehr klein ist, so erlaube ich mir. für die Witwe dieses braven Mannes und tüchtigen Hebräers fürbittend einzutreten und wende mich mit der Bitte um eine Unterstützung auch an die Synagogengemeinde zu Ostrowo, indem ich mit gutem Gewiffen die Frau O scher einer Unterstützung für ebenso würdig als bedürftig erkläre. H. Koelling, Pastor prim. Der Bitte des Pastors wurde sofort entsprochen. Frankfurt am Main. (Sr. Med. Marcus Hirsch.) Dr. Hirsch ist gestorben! So lautete am vergangenen Donnerstag Früh die Kunde, die, wohin auch immer sie gelangte, zunächst im Gemüth des Vernehmenden den Gedanken wachries: ach, es ist nicht wahr, es kann ja nicht wahr sein, denn es wäre zu schrecklich, wenn das Unglaubliche Wirklichkeit sein könnte! — Das furchtbar Schmerzliche, es war doch die Wahrheit! Gottes unerforichlichem Rathschluß hat es gefallen, eines seiner herrlichsten Geschöpfe aus seiner hieniedigen Wirksamkeit zu sich zu rufen,, aus einem Leben, das Großes sondergleichen, das Menschenbeglückendes, Erhebendes, Veredelndes, ohne Ruh' und Rast, in einer Selbstlosigkeit, in einer Bescheidenheit geleistet hat, daß die bange Frage nur zu berechtigt erscheint: Wer, wer in unseren Kreisen vermochte einzutreten in den Bruch, den sein Heimgang geschaffen?! Wer hätte den Heimgegangenen gekannt und würde nicht von unsäglichem Jammer erfaßt, daß ein solch' herrlicher Mensch uns so früh verlassen! Vor wem, der Dr. Med. Marcus Hirsch persönlich näher getreten ist, erstände nicht schon bei der Nennung seines Namens, das Bild eines Mannes in dem ganzen Liebreiz seiner Erscheinung, in der ganzen Hoheit seines Geistes, des Mannes mit dem tiefen, warmen Herzen, mit der kundigen, gesegneten Hand, mit dem Auge, das immer so scharf und doch so freundlich blickte und Tag und Nacht nach Hilfe ausspähte am Krankenlager — das Bild des Mannes, der immer eilte, immer freudig eilte, wo es galt, der rettende oder der tröstende Arzt zn sein. — Wie war er unermüdlich, wie war. er ausdauernd und so selbstvergessen, wenn es galt, Linderung zu bringen, wenn cs galt ein Lebenslicht, das schon zu verlöschen schien, mit seiner Hand schützend zu umgeben. Immer hatte er Hoffnung und Vertrauen und immer belebte er auch die Hoffnung und das Vertrauen in den Herzen derer, die geknickt und gebrochen auf dem Krankeillager seufzten oder es hoffnungslos umstanden. — Er war ein bedeutender, mit seltenem Wissen ausgestatteter Arzt. Aber er war ein noch größerer Mensch und Jude. Es würde den Rahmen dieser Zeilen weit überschreiten, wollten wir auch nur einzelne Züge hervorheben, wie er „Menschsein" aufsaßte, wie aufopferungsvoll rmd ermuthigend er beim Aermsten rrnd

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