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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Utr. 45 L-evrrrelrhlfarL MortzenschrtN ©eite 893 selben aus politischen Gründen zum Märtyrer für das Polenlhmn zu stempeln. Wenn es Herrn Prof.Rosenblatt wirklich ernst ist um die Sache der Stiftung, wenn zwischen ihm, der ja auch Mitglied des C u r a t o r i u m s ist, und diesun in Wirklichkeit „principielle Meinungsverschiedenheiten" herrschten (was er bis zu seiner Resignation dem Curatorium gegenüber niemals behauptete), war dann nicht das Curatorium der Ort, wo solche Differenzen auszugleichen waren, oder sind es die stiftungsseindlichen Lemberger Journale, wo man sie zum unverbesserlichen ©chaden der armen Glaubensgenossen an die große Glocke hängt? Hat das Curatorium, welches ja mehr als genug Ursache hatte, tief begründete Klagen gegen das Executiv-Comite zu führen, jemals einen solch ignoblen und gefährlichen Weg betreten? Uebrigens hat Herr Professor Rosenblatt inzwischen zur Genüge aus dem Jndianergeheul der Lemberger judenfeindlichcn Presse erfahren, wessen Arbeit er damit besorgt hat, daß er seine „principiellen Meinungsverschiedenheiten" in die Deffentlichkeit so ostentativ hinausgeschrieen hat; es wäre denn, daß er aus die Dankbarkeit dieser Presse rechnet. Bezüglich der Vorwürfe über Mißstände beim Religionsunterrichte erwähne ich nur, daß das Curatorium beim Beginne meiner Thätigkeit über meine Veranlassung einen eigenen, die Hebung des Religionsunterrichtes bezweckenden Erlaß an die Schulleitungen ergehen ließ. Auch ist es unrichtig, daß ich eine Reducirnng der Lehrergehalte veranlaßt habe. Die Lehrergehalte bei der Stiftung sind genau so wie beim Lande in einem eigenen Regulativ stritt, und sagen die Stiftungsstatuten nirgends, daß dieselben höher zu sein haben als die Landes-Lehrergehalte. Ich habe blos eine eigene Kategorie von „besoldeten" Praktikanten eingeführt, während die Praktikanten beim Lande unbesoldet sind. Aus die gegen meine Person vorgebrachten Verunglimpfungen brauche ich umso weniger zu reagiren, als der objectiv Denkende schon nach den bisherigen Proben ^wissen wird, was er von solchen Auslassungen zu halten hat. ©o viel sei mir noch gestattet zu bemerken, daß man aus gewisser Seite sehr, sehr unangenehm überrascht würde, wenn ich die auf meinen Znspectionsreisen gemachten Erfahrungen veröffentlichen wollte. Ich kenne jene gewissenlosen Handlanger, welche jeden Augenblick aus die Losung lauschen, solche erlogene Alarmberichte, wie sie gegenwärtig an der Tagesordnung in Galizien sind, auch an auswärtige, mit unseren galizischen Verhältnissen ganz unvertraute Journale abzusenden, und werde Gelegenheit finden, die fortwährend im Verborgenen Wühlenden ans Tageslicht zu zerren und die gemeinen Motive ihrer Handlungsweise zu enthüllen; aber das mögen sie sich heute schon gesagt sein lassen: ihre Absichten, die Lehrer der Stiftungsschulen zu alarmiren und diese selbst zu zerstören, und zwar nur deshalb, weil diesenFrivolen ihr schädlicher Einfluß aus diese Schulen abgeschnitten wurde — das wird ihnen nimmer gelingen. dl. Landes, Schulinspector d. Baron Hirsch-Stiftung. Feuilleton. Rabbi Salomoh Tnrjr von Ostrowo. Historische Erzählung von Heinrich Hammer. Der Verfasser behält sich alle Rechte vor. Als .Kain gesagt: Zn groß ist meine Sünde, vergab ihm der Ewige die Hälfte seiner Strafe: denn erst wurde ihm gesagt: Unstät und flüchtig sollst Du auf der Erde sein, jetzt aber blieb er nur im Lande der Flüchtigkeit. Darum heißt es da: Und Kain ging vom Antlitze des Ewigen und setzte sich in der Landschaft der Flüchtigkeit, der Flüchtigkeit also und nicht auch der Unstätigkeit u. s. w. Da sprach Adam: Ist so groß und mächtig die Kraft der Büßfertigkeit. Sohar, Toseptsta S. 54b. I.; Wenn meine Großmutter, Gott habe sie selig, jetzt noch am Leben wäre, hätte mir gewiß der Name „Ostrowo", der vor kurzer Zeit so viel genannt wurde, nicht solches Kopsz rbrechen verursacht. Sie hätte sich gewiß sogleich an die Geschichte, welche sich an dieses Städtchen knüpft und die sie mir in meiner Kindheit vielleicht an die dreißig und mehrmals erzählt und wiedererzählt hatte, erinnert. Leider ist sie aber schon vor vielen Jahren, als ich noch sehr jung war, gestorben und mir flimmerte bei Nennung dieses Städtchens nur so die Erinnerung vor, daß es in den Erzählungen meines lieben Großmütterchens, denen ich einst, auf ihren Knieen sitzend, mit banger Neugierde und wenig Verständniß so oft gelauscht hatte, eine Rolle spielt. Aber die Zeit hatte mit mancher andern Erinnerung auch diese aus meinem Gedächtnisse gewischt; ich dachte die ganze Zeit hiedurch, welche Jener, der diesen Namen jetzt der Oeffentlichkeit auftischte, in einer nicht freiwillig gewählten Behausung wartend zubrachte, nach, auch der Tag seiner und seiner Spießgesellen Verurtheilung verstrich, ohne daß mir beigefallen wäre, eben in welcher Geschichte meiner Großmutter dieses Städtchens Erwähnung gethan wurde. Da war ich zu den Feiertagen bei meiner Schwester und es kam über dies und jenes das Gespräch auch auf „die Blutbeschuldigung von Ostrowo", wie der dumme Proceß genannt wurde. Ich konnte mich nicht enthalten vor ihr zu äußern: „Weißt Du Rachel, der Name dieses Städtchens kommt mir so bekannt vor, als hätte ich ihn schon jemals gehört, weißt Du vielleicht wo?" Daß ich mich dessen von den Erzählungen meiner Großmutter her zu erinnern glaubte, fürchtete ich zu sagen, denn sie, die älter als ich ist, und alle Geschichten der Großmutter, weil mehrmal und mit mehr Berständniß als ich gehört, auswendig weiß, konnte mich, wenn ich vielleicht doch irrte, noch auslachen. Sie aber sagte sofort: „Ja, weißt Du denn nicht mehr, wo Du ihn gehört hast, von der seligen Großmutter — ich hielt den Athem an — in der Geschichte von dem Rabbi Salvmoh." — „Welchem Rabbi Salomoh?" — „Bon dem auch wir abstammen sollen, der in Ostrowo Rabbiner war, mit dem Meschumod (Renegaten Abraham, der nachher auch einer wurde." Wunderbar ist das Denkvermögen des Menschen gestaltet. Nun wußte ich mit einem Male Alles wieder, die Geschichte stand vor mir wie lebendig da, das heißt, wie ich sie aus dem Munde der Großmutter gehört und ich will sie ebenso, nur mit wenigen unwesentlichen Erläuterungen wiedererzählen. Jedes Mal wenn die Großmutter die Geschichte vom „Rabbi Salomoh Lurje von Ostrowo", wie sie sie nannte, zu erzählen pflegte, sagte sie vorher: „Kinder, die Geschichte ist zwar nicht für Euch, Ihr versteht sie nicht und könnt sie nicht verstehen: aber ich erzähle sie Euch zu Fleiß, denn der in ihr die größte Rolle spielt, Rabbi Salomoh Lurje, war unser Ahne mütterlicherseits, der Großvater meiner Großmutter und auch damit, wenn Ihr älter werdet und sie verstehen lernet, Ihr sie wieder Eueren Kindern erzählt, denn man soll immer die Geschichte seines Hauses kennen, um sie seinen Nachkommen als Beispiel und Warnung zu überliefern. II. Gegen das Ende des II. Jahrhunderts im VI. Jahrtausend (1540) lebte zu Posen ein Jude Namens Jechiel, aus dem illustren Geschlechte der Lurja's. Er stammte in gerader Linie von Rabbi Salomoh Jzchaki (Rafchi) her, der ein Abkömmling Rabbi Johanan des Schusters und Rabbi Gamliels war, die wieder ihren Stammbaum von König David herleiteten, und der also ein großer Mejuches war. Lange Zeit lebte er mit seiner Gattin und Kindersegen war ihnen versagt: nach Jahren ward ihnen ein Knabe geboren, den sie zum Andenken an den berühmten Ahnherrn Salomoh nannten. Eingedenk der Tradition in ihrem Hause, wollten sie ihn in Gottesfurcht und Rechtlichkeit erziehen und zu einem großen Gelehrten in Israel machen. Als er des Elementarunterrichtes entwachsen war und eines höheren Lehrers bedurfte, schickten ihn die Eltern nicht, wie es üblich war, in die Jeschiba eines gelehrten Rabbiners, wiewohl damals in Polen mehrere berühmte lebten und große Schulen erhielten, sondern des Jechiels eigener Vater, Rabbi Jzchak, ein alter, gelehrter und frommer Mann, der in der Posener Gemeinde unentgeltlich die Stelle eines Dajans ^Friedensrichters) versah, unternahm es, ihn allein - in Talmud und Halachah zu unterrichten; denn, sagte der Alte, wird Salomoh, der, Gott sei's gedankt, scharfen Verstand und gutes Denkvermögen zeigte, in irgend eine Jeschiba in die

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