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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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ociie 892 Weflrrretltztfrtzr WoLrrnsürrM Hx. 45 sich jetzt seine Partei in Oesterreich bestndet. Eine große Veränderung hat sich vollzogen und die antisemitische Partei hat sich hilflos und machtlos erwiesen. Am Sonntag schimpft Ver gani auch aus die Conservativen, wie Einer, der auf die Gasse und in die Gosse gesetzt worden ist: Graf Hohenwart wird scharf attaquirt und dem „Vaterland" wird kein Pardon gegeben. Was haben denn die Antisemiten noch in der politischen Welt zu schaffen, nachdem sie in einem entscheidungsvollen Momente die reinen Nullen waren. Die ganze Hohlheit des Antisemitismus, insofern er eine politische Partei bedeuten soll, ist damit aufgeschlossen worden. Aber man erscheint 6 Uhr Morgens, kostet sechs Kreuzer, und man sucht das Volk festzuhalten, indem man den Weltuntergang in Folge der Valutaregulirung prophezeit. Ob das patriotisch ist oder nicht, rationell oder vernunftwidrig, das ist ganz gleichgiltig, hinten steht doch die „treue Garde", wie es auf der vierten Seite heißt, die treue Garde der Dummheit und brüllt ihr Hoch trotz des politischen und moralischen Deficits. In Angelegenheit der galtzischen Ssron Hirsch-Stiftung. Lemberg, den 7. November 1893. Geehrter- Herr Nedacteur! Wollen Sie mir gefälligst in den Spalten Ihres geschätzten Blattes gestatten, die in der letzten krummer der in Berlin erscheinenden „Jüd. Presse" aus Krakau gebrachte anonyme Correspondenz, welche vehemente, ganz aus der Lust gegriffene Anklagen gegen das Euratorium der Baron Hirsch- Stiftung und gegen meine Person enthält, richtigzustellen, und zu zeigen, wie in gewissen Kreisen öffentliche Meinung ge—macht wird. Ich kann Ihnen die authentische Erklärung abgeben, daß Herr Prof. Dr. Joses Rosenblatt nicht in Folge „principieller Meinungsverschiedenheiten" mit dem Euratorium seine Demission als Präsident und Mitglied des Krakauer Crecutiv- Comites gegeben. In seinem Resignationsschreiben ist hievon kein Wort enthalten. Vielmehr war Herr Professor R o s e n b l a t t darüber verletzt, daß das Präsidium des Curatoriums dem Cxecutiv-Comite über dessen viele Versäumnisse und arge Vernachlässigungen bei Ueberwachung der Stistungsinstitutionen eindringliche Vorstellungen machte, um dieselben vor weiterem Verfalle zu bewahren. Ueber die „Pflichteisrigkeit" des Krakauer Executiv - Eomites bei Ueberwachung der in seinem Sprengel gelegenen Stistungsanstaltcn sind wir in der Lage, einen elastischen Zeugen anzuführen. Der mit den localen Verhältnissen genau vertraute ehemalige Verwalter der Krakauer Handwerkerschule, ein sehr achtbarer Mann, sagt hierüber wörtlich: „ Jahrelang betreten sie (die Mitglieder des Krakauer C'MUtiv-Comites) nicht einmal die Schwelle des Institutes und erscheinen nur dann, wenn ein Mitglied des Wiener Curatoriums dasselbe besucht. Gilt es doch bei diesem Anlasse die schönen Leistungen der Zöglinge als sichere Ge- - währ ihrer „wirksamen Thätigkeit" zu präsentiren." Wenn schon bei einer solchen im Sitze des E x ecutiv-Comittzs selbst besindlichen und äußerst kostspieligen Anstalt die „Ueberwachung" derart geübt wird, so ist es allerdings begreiflich, daß die Stistungsschulen des Krakauer Sprengels keineswegs zu „Musterschulen" sich entwickeln konnten. Ich hatte leider in der That auch als Schulinspector in der kurzen Zeit meiner Amtsthätigkeit Gelegenheit genug, mich davon zu überzeugen. Um nur ein eclatantes Beispiel anzusühren, will ich die Zustände der Schule in Tarnow hervorheben, wo durch die verhetzende Thätigkeit des Executiv- Comites und seiner Organe eine solche Desorganisation im Lehrkörper einriß, daß s ä m m t l i ch e Lehrer versetzt werden mußten und erst jetzt, wo das Euratorium eine strengere unmittelbare Beaufsichtigung geschaffen, treten allmälig consolidiUere Verhältnisse ein. Wie es mir der von Herrn Professor Rosenblatt gerühmten „Schonung der religiösen Empfindungen der jüdischen Bevölkerung" unter der Aegide des Krakauer Executiv-Comites bestellt war, möge uns wieder der genaue Kenner der dortigen Verhältniffe, den wir oben citirten, erzählen: „Derartige Schulen erweisen sich doch in den kleineren Ortschaften Galiziens als dringend nothwendig, und, wie bekannt, begegnet man eben bei der jüdischen Bevölkerung dieser Gegend einem blinden hartnäckigen Fanatismus, welcher sich gegen den wohlthu.enden Einfluß der Cultur noch ganz ablehnend verhält. Es handelt sich also zuvörderst darum, den starken Widerstand, auf den man hier noch stößt, in einer besänftigenden Weise zu legen, indem man nicht allein aus die Wohlthat des Schulunterrichtes überzeugend hinweist, sondern allseits auch die Beruhigung aufkommen läßt, daß Bildung und moderne Aufklärung das religiöse Bewußtsein durchaus nicht ausschließen und im Gegentheil nutz der Religion Hand in Hand zu gehen vermögen. Was wird aber gethan? Anstatt in solchen Fällen, lrotz der persönlichen Freigeisterei, zum mindesten äußerlich den Schein zu wahren, erregt der Secretär des Krakauer Executiv-Comites durch sein ostentativ irreligiöses Auftreten in allen kleinen Orten Galiziens öffentliches Aergerniß, welches umsomehr dazu angethan ist, die Erreichung der angestrebten Ziele zu durchkreuzen. In Wisnicz z. B., in Mielec und anderen kleinen Städtchen, deren jüdische Bevölkerung vom Fanatismus geradezu umnachtet ist, findet es der Secretär für gut, um dort die Gründung von Schulen anzubieten, gerade am Samstag seinen Einzug zu halten und -wiewohl in jenen Gegenden ausschließlich nur jüdische Gasthäuser zu finden sind, absichtlich und ostentativ ein christliches Restaurant aufzusuchen, nur um nicht in den Verdacht eines rechtschaffenen Gläubigen zu kommen. Wie können die Vorsteher irgend einer Gemeinde zur Gründung von Schulen ihre Hand reichen, wenn sich ihnen hiezu ein Mann vorstellt, in welchem sie einerseits den leiblichen Vertreter des gottgesandten edlen Baron Hirsch zu sehen glauben, der andererseits durch seine erbitternde Handlungsweise allgemein Anstoß erregen muß. Wo daher dem i*eligiöf en Bewußtsein der Individuen im Vorhinein schon nahegetreten wird, wo deren heilig st es Gefühl öffentlich ohne jede Noth wendigkeit verletzt, wo nicht das mindeste Zartgefühl, nicht die geringste Rücksicht auf ihre Glaubensbegrisse beobachtet wird, welche Vorstellung können sich denn dieselben von Baron Hirsch selbst bilden und welche mannigfachen Bedenken erwachen naturgemäß in ihrer Seele! Diese Strenggläubigen befürchten dann das Schlimmste von der Wirksamkeit einer solchen zu errichtenden Schule. Fast glauben sie, man wolle ihnen ihre Kinder gewaltsam taufen, den verderblichen, gotteslästernden Geist der Aufklärung ihnen einimpfen. Liegt es denn in den Intentionen des Stifters, daß alles Religiöse von seinen Schöpfungen abgestreift werde? Daß die Bureaur der Stiftung gerade am Samstag und an jüdischen Feiertagen offen, an christlichen Festtagen hingegen geschlossen bleiben, daß Tausenden von frommen Leuten die ihnen aus der Unterstützungscasse angewiesene Gabe dadurch vergällt werde, daß sie zur Aufnahme des dabei üblichen Protokolls häufig nur für Samstag vorgeladen sind und sich die peinlichsten Gewissensbisse daraus machen, unwillkürlich Anlaß zu einer Gebotsverletzung zu geben? Unter solchen Auspicien kann diese Stiftung für Galizien unmöglich heilbringend sein!" Es wird daher kein so „arger Mißgriff" gewesen sein, wenn das Euratorium diese „besten Pläne" des Executiv- Comites „durchkreuzt" hat. In den polnischen Blättern allerdings wurden als Motiv des Rücktrittes des Herrn Professor Rosenblatt „principielle Meinungsverschiedenheiten" hingestellt, um den-

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