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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 886 Vekerreichifrtze WochenfchrM Nr. 45 rühmenswerthe Thätigkeit ein Strahl der kaiserlichen Gnade ans das , Haus selbst, das er vertrete, falle. Ebenso warme Worte der Anerkennung und des Dankes sprach der jüngere Chef Herr Ignaz Reich und Herr Stroszmann, ein langjähriger Beamter und College des Decormen feierte in kernigen und herzlichen Sätzen seinen treuen Berufsgenossen als Freund der Arbeiter, als Gatten und Vater. Die einzelnen Ansprachen waren durch cxact vvrgetragene Chöre mit Musikbegleitung unterbrochen. Mit der Volkshymne schloß die Feier im Innern des Raumes. Hierauf nahmen der Director und alle Honoratioren vor 'dem Comptoir Ausstellung und Herr Dr. Leimdörfer aus Mähr.-Weißkircheit hielt an den Gefeierten namens der Cultusgemeinde W a l. - M c s e r i t s ch eine Ansprache, die darin gipfelte, daß Herr Director H a a s z noch lange Jahre seine Schaffensfreudigkeit der Cultusgemeinde, deren Vorstandsmitglied er ist, widmen könne. Der sich nun entwickelnde Fackelzug bot ein herrliches Bild und der Gesammteindruck wird den Theilnehmern an der Feier lange Zeit ein unvergeßlicher bleiben. Aber es gibt auch nur ein Urthei! darüber: „Diese Ehre wurde noch selten oder nie einem Würdigeren verliehen ats Herrn Director Jacob H a a s z , der, und zwar üc erster Linie, ein gesinnungstüchtiger treuer Jehudi ist. Dr. A. L—r. Prag, 24. October. Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten hielt am 22. d. M. seine Generalversammlung ab. Der Bericht des Geschäftsleiters Herrn JUDr. Friedrich Duschen es constatirte, daß der Verein nunmehr in das zehnte Jahr seines Bestandes tritt und während seines Bestandes die ihm vorgesteckten Ziele mit Eifer und Opferwilligkeit zu erreichen bestrebt war. Im vergangenen Jahre hat der Verein einen Commentar zu dem Gesetze vom 21. März 1890 herausgegeben, in welchem dieses Gesetz an der Hand der sonstigen gesetzlichen Bestimmungen genau erläutert wird.. Das Jahrbuch, das der Verein für die israelitischen Gemeinden Böhmens herausgegeben hat, erfreute sich einer warmen Ausnahme. Redner theilte sodann die Programmpunkte mit, die der Verein in Zukunft zu beachten hätte. Dem vom Cassier Herrn Weiner vorgetragenen Cassaberichte gemäß betrugen die Einnahmen des vergangenen Jahres 14.125 st., die Ausgaben 3945 st. Der Gesammtvermögensstand des Vereines beziffert sich auf 14.781 st. Die Handwerkerabtheilung erhält 57 Lehrlinge. Die Seclion für Krankenpflegerinnen hat gleichfalls sehr schätzenswerthe Erfolge aufzuweisen, indem die Pflegerinnen sich stets bewährten und in ärztlichen Kreisen viel Anerkennung gefunden haben. Die Pflegerinnen haben nicht nur in Prag, sondern auch auf dem Lande vielfach ersprießliche Dienste geleistet. Der diesbezügliche geistreiche Bericht der Vorsitzenden Frau Julie Leisten wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Referent für die Studentenabtheilung Herr Professor Wert heim er constatirte, daß die Arbeitszuweisung für 76 Studirende ermöglicht wurde. Nach Erstattung des Revisorenberichtes seitens des Herrn Alfred Bondy wurden die Ergänzungswahlen in den Ausschuß vorgenommen und wurden gewählt die Herren: Robert Au steril tz, Alfred Bond y, JUDr. Julius B r a n d ei s, sämmtlich in Prag, Ludwig Black in Brüx, Leopold Buchbinder, kaiserlicher Rath Josef B u n z l, Richard E l b o g e n, sämmtlich in Prag, Simon Engel in Weinberge, JUDr. Josef Freund in Schlan, Wilhelm Heller, Emil Lederer, Adolf M. Lederer, Ignaz S. Weiner, Wilhelm Werth eimer, Friedrich Winterberg, sämmtlich in Prag; als Ersatzmänner die Herren: Adolf Kaufmann in Raudnitz, Gustav Baumgar tl in Beneschau. Als Revisoren wurden gewählt die Herren: Friedrich I. Fischer, Ignaz Kellner und Sigmund Löwy, sämmtlich in Prag. Berlin. Der „Reichsanzeiger" theilt mit, daß der Wiener Professor, Hofrath Theodor G o m p e r z zum correspondirendeu Mitgliede der philvsvphischchistvrischen Classe der hiesigen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde. Hamburg. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur bringt im Laufe des Wintersemesters eine Reihe hochinteressanter Borträge, deren ersten unser Prediger Dr. L e i mdörfer am 2. November im großen Logensaale hielt. Redner wählte sich zum Thema seines Vortrages „Der tragische Heros der Rabinnen" Und entwickelte eine philosophische Betrachtung über die interessanteste Persönlichkeit des rabbinischen Alterthums, Rabbi Akiba ben Josef. Das zahlreich erschiene Publicum, welches unserem Meisterredner durch 2 Stunden gelauscht hatte, brach am Schluffe in nicht endenwollenden Beifall aus. 8. 8. ChriMania. Die erste jüdische Gemeinde in Norwegen hat sich unlängst hier gebildet. Dieselbe umfaßt ungefähr 100 Mitglieder und ist bereits im Besitze eines eigenen Friedhofes. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs» ZZj rechte Vorbehalten.) „Dieses unerhörte Urtheil wird wohl alle Ihre Hoffnungen auf einen glücklichen Ausgang des Proceffes vernichtet haben?" srug Wertheimer. < „Nein, Herr Oberhoffactor! Mein Vater befand sich in einer ganz anderen Lage, als mein Oheim. Während dieser sich durch seine staatsmännische Thätigkeit zahlreiche Feinde geschaffen, hatte mein edler Vater aller' Welt mir Gutes erwiesen, nie einen Menschen geschädigt, nie einen Menschen den geringsten Grund zur Klage gegeben und auch die gegen ihn erhobene Beschuldigung: er befinde sich im Besitze abergläubischer, hebräischer Bücher, erschien nicht nur mir, sondern auch den hervorragendsten deutschen Rechtsgelehrten, deren Ansicht ich einholte, vollkommen ungefährlich; diese glaubten, daß selbst, wenn der Besitz dieser Bücher erwiesen wäre, dies nicht. als Verbrechen betrachtet werden könnte, ich selbst war aber überdies überzeugt, daß die beiden mit der Prüfung der meinem Vater confiscirten Werke beauftragten Commiffäre, Generalsuperintendent Haendl und Licentiat Meelführer die Lügenhaftigkeit der Anklage aussprechen und die Enthaftung meines Vaters beantragen würden. Man drängte den Markgrafen, er solle auch von der theologischen und juridischen Facnltät in Altdorf ein Parere abfordern und diese waren ehrlich genug in voller Uebereinstimmung mit leicht erkennbarer Ironie auszusprechen: Oberrabbiner Hjrsch Frankl habe noch Niemanden durch kabbalistische Künste gefährdet.*) Ich und alle juristischen Autoritäten außerhalb Ansbach, denen ich dieses Gutachten mittheilen ließ, erwarteten mit Bestimmtheit, daß mein Vater in Folge desselben in Freiheit und wieder in sein Amt eingesetzt würde — aber das Gericht fällte und Markgraf Friedrich bestätigte das haarsträubende, laut zUM Himmel aufschreiende Urtheil: perpetuum Carcerum!**) und mein Vater, einer der edelsten Menschen, die je gelebt, wurde in Schwabach in den Mauerthurm gesetzt und wie ein reißendes Thier, einen eisernen Ring um den Leib an die Mauer gekettet. Allein Markgras Friedrich Wilhelm, der sich wieder in großer Geldverlegenheit befand, wollte nicht ohne Nutzen ungerecht, undankbar und grausam gewesen sein, und so decretirte er auch, daß nicht nur meines Vaters Vermögen, sondern auch jenes meiner Mutter; — diese hatte von ihren Eltern großen Reichthum geerbt; — confiscirt, sie mit ihren Kindern für ewig aus Ansbach verwiesen und ihnen die Rückkehr bei Todesstrafe untersagt werde. Ich befand mich außer Landes und so erging an den Vogt von Cadolsburg der Auftrag, meine Mutter und meine fünzehnjährige Schwester Eva außer Landes zu schaffen und ihnen nichts zu lassen, als jeder ein Stücklein Bett und die Kleider, die sie am Leibe trugen. Die an Reichthum, Wohlleben und Wohlthun gewöhnten Frauen, meine Mutter und meine Schwester, das zarte, unschuldige, fünfzehnjährige Kind, waren plötzlich heimats-, schütz- und rechtlos geworden; — sie wußten nicht, wohin sie ihren flüchtigen Fuß wenden, wohin sie des Nachts ihr müdes Haupt legen sollten! — Sie befanden sich in der furchtbarsten entsetzlichsten Lage. Ihre .ganz beispiellose Armuth — (wo hätte es je einen Bettler gegeben, der nicht eine kleine Münze, ein Stück verschimmeltes Brod, ein Hemd zum Wechseln, irgend etwas besessen hätte?) — hatte die erschreckendste Mutlosigkeit, jene grauenhafte Verzweiflung hervorgerufen, die nur eine einzige Hoffnung — den erlösenden Tod — kennt! Sie befanden sich in einer Lage, die sich nur jener vorzustellen vermag, der sich je selbst in einer gleichen befunden! — Es ist der peinlichste, der allerquälendste Gedanke, der eine Menschenseele foltern kann, zu wissen, man besitze auch nicht das Allermindeste, sich irgend etwas zur Stillung des Hungers, zur Erhaltung des Lebens zu kaufen, — man müsse mit zweifelloser Gewißheit dem Hungertode entgegengehen, wenn man nicht von der Gnade wildfremder Menschen ein Stück Brod erlange; — man besitze nicht das Allergeringste, um sich ein Nachtlager?u bezahlen; man müsse in Sturm und Frost unter Gottes freiem Himmel, im Schnee, auf sturmdurchbrauster Haide -■') Historisch. **) Ewiger Kerker. —s

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