Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 45 (10.11.1893)
- Date
- 1893-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 884 Oesterreich!sche Wochenschrift Nr. 45 Wenn ich dieses Zeugniß gern vernommen habe, so muß ich doch darauf Hinweisen, daß die allgemeinen Wendungen, in welchen der Wahlaufruf von „jüdischer Gewissenlosigkeit und Geriebenheit" redet, immerhin Anlaß dazu bieten können, daß das Vertrauen der jüdischen Eltern, welche ihre Kinder der Anstalt übergeben haben, auf die Unbefangenheit und Gerechtigkeit des mitunterzeichneten Lehrers gefährdet wird. Ich vertraue, daß Ew. Wohlgeboren bei künftigen Gelegenheiten auch diese Erwägung nicht außer Acht lassen werden. gez. Bosse." Formell mag der Entscheid des Cultusministers, daß in dem Verhalten des Oberlehrers ein Verstoß im Sinne des st 2 des Disciplinargesetzes nicht zu sehen sei, richtig sein. Es bleibt aber abzuwarten, ob die auffällig abgefaßte Ermahnung des- Ministers am Schluffe seiner Entscheidung nun auch wirklich den gewünschten Erfolg haben wird. Wir zweifeln daran. - Lauten, 29. October. Am Mittwoch sind auf dem Amtsgericht wiederum zehn bis zwölf Kinder vernommen worden, größtentheils Kinder bis zu vierzehn Jahren. Es handelt sich angeblich um einen Mann Namens Esser, der in der Nacht vor dem Tage der Ermordung des kleinen H i gmann in der Rudolph'schen Herberge in kanten geschlafen haben soll, was durch das Herbergsbuch bewiesen ist. Esser ist vor einigen Monaten in der Provinzialbesserungsanstalt in Brauweiler bei Bonn gestorben. Er soll sich am Mordtage in auffallender Weise in Tanten herumgetrieben haben. Den Kindern, die als Zeugen vernommen wurden, ist das Photogramm Esse r's gezeigt worden, und einige haben die an sie gestellte Frage, ob sie den Mann an dem Mordtage gesehen haben, bejaht. Der „Tantener Bote für Stadt und Land" schreibt aus Oberhausen, daß der Berliner Commissär am 21. d. M. dort war, um die jetzt dort bedienstete Dora Moll, eine der Hauptzeugen in dem Tantener Proceß, nochmals zu vernehmen. Wie das Blatt hört, blieb die Moll bei ihren früheren Aussagen, worüber genaue Aufzeichnungen gemacht wurden. . Singapore, im September. Unsere Stadt, die eine wichtige Station auf dem Seewege von Indien nach China und Japan ist, hat auch für die in den hinterindischen Hafenstädten und dann auch auf den indischen Inseln, die bekanntlich zu Holland gehören, zerstreut lebenden englischen, holländischen, deutschen, russischen und französischen Juden ihre Wichtigkeit, da hier eine Synagoge existirt, welche, wenn die hohen jüdischen Feiertage herannahen, auch manchen Andächtigen aus den benachbarten Häfen und Ländern an sich zu ziehen pflegt. Auch die Dampfschiffe, die nach Ostasien oder Australien gehen oder von dort her kommen, pflegen dann manchen Reisenden hier ans Land zu setzen, der das Neujahrsfest oder den Versöhnungstag nicht auf dem Meere, sondern in der Mitte seiner Glaubensgenoffen verbringen will. Daher kommt es, daß unsere Synagoge an den hohen jüdischen Feiertagen Gäste aus den verschiedensten Ländern der Welt zu sehen pflegt. Johannesburg (Nord-Afrika), 22. September. Nur selten dringt von unseren jüdischen Gemeinden eine Nachricht zu unseren europäischen Glaubensgenossen hinüber. Es müßte denn schon ein außerordentliches Ereigniß sein, das — wie z. B. das, worüber ich momentan berichte — hierzu Veranlassung gebe. Ein grauenhafter Mord eines jungen, vor drei Monaten eingewanderten Israeliten ist es, worüber ich heute leider berichten muß. Aus Rußland ausgewiesen, war der junge in Pamewicz (Kowno) gebürtige Mann hierher gekommen, um hier einen Lebenszweck anzustreben. Da er für sich noch keine passende Beschäftigung ausfindig gemacht hatte, nahm er einstweilen eine Stellung als Hausdiener in einem Restaurant an. Am 27. Juli erkrankte der Wirth und fuhr nach einer größeren Stadt. Er ließ den jungen Russen mit einem Neger allein in der Wirthschaft zurück. Am folgenden Tage wunderte sich der Gemeindediener, das Restaurant des Mittags noch geschloffen zu finden, man erbrach die Thür und fand die Leiche des Ermordeten in ihrem Blute. Leider ist mit dem verschwundenen Neger auch jede Spur der Mörder verloren gegangen. Unser als wohlthätig bekanntes Mitglied Herr S. N a t h a n s o n hat eine Collecte veranstaltet, um der unglücklichen Gattin, welche momentan im elterlichen Hause in Ladajewo weilt, zu helfen. Wir besitzen hier sowohl eine orthodoxe als auch reformirte Gemeinde, jedoch sind beide unter einem Vorstand vereinigt. Im Chor singen zwanzig junge Damen. Dank den Bemühungen des Vorstandes entwickelt sich unsere Gemeinde immer mehr und mehr. So besitzen wir jetzt bereits eine Reihe von humanen Vereinen und gemeinnützigen Instituten. Auf Veranlassung unseres Cantors wird hier momentan eine rituelle Badanstalt errichtet. Auch ein „Vorschußverein" ist unlängst hier gegründet worden. Sein Zweck ist, Ankömmlingen, die sich hier Existenz suchen, Geschäfte einzurichten und Waaren zu verabfolgen gegen spätere Rückzahlung. Wien. (Oesterreichisch-israelitische Union.) Samstag, den 11. November, findet um 7‘/2 Uhr Abends iu Khuner's Restaurant, 1, Schottenring 19, eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn S. Brod: „Das Gewerbe im Judenthum". 3. Anträge und Interpellationen. Wien. (Trauungen.) Im Stadttempel wurden Sonntag, den 5. November 1893 getraut: Herr Dr. Carl Pick mit Frl. Irene Feuerstein; Herr Sigmund Läufer mit Frl. Hanni H o l l i t s ch e r; Herr Bernhard Groß mit Frl. Mathilde T e n z e r; Herr Isidor Blum mit Hermine C o h n e r. Wien. Sonntag, am 12. November 1 Uhr Nachmittags, findet im isr. Tempel in der Seitenstettengaffe die Trauung von Frl. Clara Kar peles, Tochter des Cultusvertreters Herrn Moritz Karpeles, mit Herrn Arnold Goldberger de Buda aus Budapest statt. Wien. Der Kaiser hat den a. o. Professor Isidor Neu mann zum ordentlichen Professor der medicinischen Facultäi der hiesigen Universität ernannt. Wien. Mittwoch, den 15. November, 3 Uhr Nachmittags, findet im israel. Tempel, IX., Müllnergasse, die Trauung des Frl. Charlotte Werner, Tochter des Herrn Julius Werner in Wien, mit Herrn Dr. Ferdinand Ba ruch aus Marieubad statt. Wien. Sonntag den 29. Oktober wurde Frl. Marianne Heller, Tochter des Direktors des israel. Blindeninstitutes, mit Herrn Sigmund R o s e n b a u m von Dr. I e l l i n e k getraut. Der Cultusvorstand war durch den Vicepräses Herrn Gustav Simon und den niederösterreichischen Landesschulrath Herrn Dr. Gustav K o h n vertreten. Wien. Herr Bernhard G r ü n f e l d, Ausschußmitglied des Vereines Chesed-schel-Emes, hat am 1. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit im Kreise seiner Angehörigen gefeiert. Herr G r ü n f e l d und Frau erfreuen sicy iu ihrem langjährigen Wohnorte Sechshaus der allgemeinsten Achtung und Werthschätzung. Wien. (Todesfall.) Am 3. d. M. starb der einzige Sohn des in Mariahilf wohlbekannten Dr. Jakob Weisz. Der Verblichene war ein ungewöhnlich begabtes Kind, ein vorzüglicher Student, ein Muster an Frömmigkeit und Gottergebenheit. Am 5. d. M. fand unter zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängniß statt. Am Grabe hielt der fchmerzgebeugte Vater seinen Sohn einen erschütternden Nachruf, bei dem kein Auge trocken blieb. Nach dem Vater sprach noch Herr Jnspector Dr. Leopold Laugfelder, der seinem Lieblingsschüler persönlich die letzte Ehre erwiesen hatte. Auch er, sichtlich selbst ergriffen, pries den Todten als ausgezeichneten, frommen Schüler. Wien. (Israel. Frauen-Wohlthätigkeits-Verein „Frauenhort", IX., Müllnergasse 21.) 2. Verzeichniß der dem Vereine gewidmeten Spenden und Gründungsbeiträge: Herr Moriz v. Engel 20 fl., Herr Oscar Frankl 20 fl., Frau Ilona v. Gotthilf aus Szegedin 20 fl., Herr I. Sicher 10 fl., Frau Hermine Singer 10 fl., Herr Philipp Bondi 20 fl., Herr Bern-, hard Hellmann 20 fl., Herr Direktor Widmann 10 fl., Herr Leop. Pollack 20 fl., Herr Adolf Bruckner 10 fl., Frau Cilli Bunzl 15 fl.. Herr Ernesto Russo 5 fl., Herr Dr. Heinrich Schnabl 10 fl., Herr Theodor Schnabl 10 fl., Frau Philippine Bauer 36 fl., Frau Gabriele Schnitzer 50 fl.. Herr Julius Schüler aus Berlin 100 fl., Herr Sigmund Ritter v. Bauer 50 fl., Herr D. Weißweiller 50 fl., Herr Director Julius Blum 20 fl., Herren Rosenberg und Rosin 25 fl., Herr Sigmund Weiner 50 fl., Frau Irma Granichstädten 50 fl., Herr S. Landau 25fl., D. A. M. 50 fl., Herr Theodor Ritter v. Tauffig 25 fl., Herr Isidor Roscnstock 20 fl., Frau Emma Hahn 100 fl., Frau Anna Thorsch 50 fl., Frau Ernestine Thorsch 25 fl. — 2. Gründungsbeitrag : Herr Sigismund Kaufmann 25 fl., Frau Caroline