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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 882 als hundert Angestellte theilhaftig. Mit wahrhafter Liebe und Verehrung hängeir die Bediensteten an ihren Chefs, und um derselben geeigneten Ausdruck zu geben und ihren Dank für die nach Hunderten zählenden Wohlthaten abstatten zu können, haben sie uns gebeten, Vorstehendes der Oeffentlichkeit mitzutbeilen, welcher Bitte wir mit Vergnügen Nachkommen. rvien, 7. November. (Di e Wahl in den m edier n i s ch e n U n 1 e r st ü tz u n g s v e r e i n.) Die gestrige Versammlung des medicinischen Unterstützungsvereins war zahlreich besucht und wohnten derselben die beiden Protectoreu. des Vereins, Hofrat!) Professor Ludwig und Hofrath Professor Vogl, bei. Der Obmann des abtretenden Ausschusses stuck, med. Arnold Burger erstattete den Jahresbericht und betonte die Schwierigkeiten, mit welchen der Verein zu kämpfen habe. Insbesondere seien es die Spaltungen innerhalb der Studentenschaft in confesfioneller und nationaler Hinsicht, welche zahlreiche .Gönner, namentlich die llniversitätsprofessoren dem Verein entfremdet hätten. Dadurch werde der Verein seinem Ruine entgegengetrieben. (Stürmischer Beifall seitens der freisinnigen, Oho-Rnfe seitens der antisemitischen Studenten.) Die Unterstützungen seien jederzeit ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession vertheilt worden. Als der Redner die Unterstützungen an die Siudirenden der einzelnen .Grönländer erwähnte, wurde er von den untisemitischen Studenten öfters mit höhnischen Zurufen unterbrochen. Hierauf ergriff Mediciner Schön das Wort und betonte, das; die antisemitischen Studenten gegen die Wahl im Vorjahre Protest einlegen, da sie unrechtmäßig vor sich gegangen. (Stürmischer Beifall seitens der Antisemiten.! Der Ausschuß sei bei den Vertheilungen parteiisch vorgegangen. (Obo-Rnse seitens der Liberalen) und habe namentlich die Smdircnden aus Ungarn und Galizien unterstützt. Deshalb beantrage er, dem abtretenden Ausschüsse die Mißbilligung anszusprechen. (Stürmischer Applaus seitens der Antisemiten, welcher mit „Prosit Burger" seitens der Freisinnigen erwidert wurde.) Als hierauf ein freisinniger Student den Antrag stellte, dem abtretenden Ausschuß im Sinne der Majorität das Vertrauensvotum auszudrücken, protestirten die Antisemiten unter ungeheurem Lärm dagegen, so daß der Vorsitzende drohen mußte, die Versammlung aufznlösen. Der antisemitische Studirende Svoboda erging sich in heftigen Ausfällen gegen die Presse, mußte jedoch, durch den Protest der Freisinnigen gezwungen, seine beleidigenden Ausdrücke znrücknehmen. Unter großer Unruhe schritten hierauf die Mediciner zur Wahl und haben sich an derselben circa 600 Studirende bethciligt. Es wurden im Ganzen 615 Stimmen abgegeben, hievon entfielen aus die freisinnigen Candidaten 342 Stimmen, während die antisemitischen Candidaten mit 273 Stimmen in der Minorität blieben. Es wurden gewählt: Zum Obmann stuck, med. Hermann Benedikt, zum Obmann-Stellvertreter stuck, med. Gustav Gerber; in den Ausschuß die Mediciner Otto L i n d e n t h a l, Samuel Fr ied, H önigswald, Sigismund Stiaßny, Emil Wagner, Ferdinand Zimmerinan n; als Ersatzmänner die Mediciner Oskar Deutsch, Richard Grünfetd und Richard Pollatschek, in das Schiedsgericht die Mediciner Burkhardt v. B a r t h, Georg L ö w e n b a ch. Otto Schn sie r und Robert Offer. Das Wahlresultat wurde von den vor dem Vereinslocale versammelten freisinnigen Medicinern n.it lautem Beifall ausgenommen. Mit diesem Wahlresultatc wurde zugleich dem abtretrnden Ausschüsse das Vertrauen votirt, da über Antrag eines antisemitischen Studirciiden durch die Abgabe der Stimmzettel auch über das Vertrauensvotum für den abtretenden Anßschuß gleichzeitig abgcstimmt wurde. Wien. (Eine antisemitische Wahnidee.) In der Dampfkammer des römischen Bades in Wien ereignete sich am 27. October ein Zwischenfall, der ein grelles Licht auf die erschrecklichen Folgen der antisemitischen Verhetzung wirft. Ein Badegast, der nach den bei ihm Vorgefundenen Papieren Michael B l e y e r heißen und 54 Jahre alt sein dürfte, wurde plötzlich von Tobsucht befallen und fing entsetzlich zu schreien an, indem er gellend.in einemfort rief: „Ist denn gar kein Christ hier? Der Rabbiner will mir das Blut abzapfen!" Nur mit großer Mühe gelang es, den Tobsüchtigen zu bändigen, der alsbald auf Anordnung des Polizeicommissariats Leopoldstadt von der Freiwilligen Nettuugsgesellschaft der psychiatrischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses übergeben wurde. Der Unglückliche leiöet an Verfolgungswahn, der durch die systematische Verhetzung der Antisemiten, wmii nicht verursacht, so doch befördert und zu einer bestimniten Manie ausgebildet wurde. Wir haben also neuerlich einen unleugbaren Beweis für das Vorhandensein eines „antisemit i sch e n W a h n s i n n e s". Prag, 31. October 1893. (Rabbiner - Verband in Böhmen.) Gestern fand hier im jüdischen Rathüause die zahlreich besuchte constituirende Versammlung eines neuen Vereines statt, der einem von den Rabbinern unseres Landes schon lange gefühlten Bedürfnisse entspricht, des Vereines „Rabbiner- Verband in Böhmen". Die Aufgaben, welche der Verband sich stellt, werden an: Deutlichsten aus § 2 der behördlich bereits genehmigten Nr. 45 Statuten ersichtlich. Dieser Z 2 lautet: Der Zweck des Vereines ist: a) Hebung des religiösen Sinnes durch Förderung des Religionsunterrichtes, Pflege der jüdischen Wissenschaft und Ab- Haltung öffentlicher Vorträge. b) Wahrung der Ehre des Judenthums durch Verbreitung richtiger Kenntnisse seines Inhalts und durch Abwehr öffentlicher Entstellungen desselben. e) Die Gründung und Förderung solcher Anstalten auzustreben, welche den religiösen und Humanitären Bedürfnissen der Judenheit in Böhmen Rechnung tragen. d) Wahrung der Würde und Interessen des Rabbinerstandes. - e) Austausch von Erfahrungen in der Amtsthätigkeit. Geleitet wird der Verband von einem siebengliederigen Ausschüsse, in welchem folgende Herren gewählt wurden: Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Prag, zum Präsidenten, Rabbiner Dr. Kurrein, Teplitz, zum I. Vicepräsidenten, Rabbiner Dr. S. Back, Smichov, zum II. Vicepräsidenten, Rabbiner Dr. I. Ziegler, Karlsbad, zum Schriftführer, Rabbiner Dr. Poznansky, Pilsen, zum Cassier, Rabbiner Dr. B a n e t, Gablonz, zum Beisitzerund Rabbiner Dr. Stern, Saaz ebenfalls zum Beisitzer. Um .eine gründliche und gediegene Wirksamkeit zu ermöglichen, wurde der Beschluß gefaßt, für die Bearbeitung des reichha tigen Materiales drei Sectionen zu errichten. Diese Sectionen sind: I. Für Religionsunterricht, Obmann Dr. Grün, Prag. H. Wissenschaft und Apologetik, Obmann Dr. S. Back, Smicbov. 111. Wahrung der Standeswürde, Obmann Rabbiner M. Stark, Weinberge. Zu lebhaften Debatten gab ein weiterer Pcogrammpunkt: „Ueber Heranbildung von Religionslehrern", Anlaß. Es wurde endlich beschlossen, die Errichtung eines Lehrerseminares in Böhmen anzustreben und die Gemeinden aufzufordern, durch Beiträge und Sammlungen die Geldmittel zur Gründung einer solchen Anstalt zu beschaffen. Die Section „Religionsunterricht" wird beauftragt, schon jetzt einen Lehrplan für die ins Auge gefaßte Lehranstalt vorzubereiten. Dieselbe Section schreitet auch an die Ausarbeitung eines einheitlichen Lehrplanes für den Religionsunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen. Bein; letzten Punkt der Tagesordnung „Freie Anträge" gibt Dr. Stern, Saaz, die Anregung, daß eine populärwissenschaftliche Monatsschrift zur Belebung und Hebung des religiösen Sinnes, zugleich als Organ des Verbandes gegründet werde. Nach verschiedenen Erwägungen wurde der Antrag angenominen und zum Redacteur Doctor Hirsch, Karolinenthal bestimmt; ins weitere Redactionscomite jedoch auch noch Oberrabbiner. Dr. Ehrenfeld, Dr. Kur rein und Dr. Stern gewählt. Prospect und Abonnementseinladung erscheinen mit der Probenummer des Blattes, das, billig und wohlausgestattet in gefälliger Form und gediegenem Inhalte, berufen sein wird, ein wahres Familienblatt des jüdischen Hauses zu werden. Nachdem die Versammlung ihrem würdigen Vorsitzenden für seinen Beitritt zum Verbände — der allein ihn lebensfähig gemacht — durch Erheben von den Sitzen ihren wärmsten Dank ausspricht, schließt der Präsident die constituirende Versammlung des R -V. i. B. mit herzlichen Worten des Dankes für die Opferwilligkeit und Begeisterung der Mitglieder, die zweifellos schöne und erhebende Leistungen erhoffen lassen. Lemberg. (H e p p! Hepp! in der Schule.) In einer westgalizischen Stadt lebt und wirkt, wie erzählt wird, eine edle Jugendbildnerin, welche in der Schule eine Art Ghetto errichtete; sie wies gewisse Bänke den Judenmädchen an, für die sie auch, damit sie nicht ans denselben Gläsern Wasser trinken wie ihre christlichen Mitschülerinnen, ein besonderes Trinkgeschirr anschaffen ließ. Ihrer mütterlichen Gesinnung für die ihrer Obhut anvertraute weibliche Jugend mosaischen Bekenntnisses gibt die edle Dame häufig in Scheltworten, und zwar in so kräftiger Weise Ausdruck, daß sie einer zungenfertigen Obstverkäuferin nicht nachsteht. Hepp! Hepp!-Rufe in der Schule sind hierzulande nichts Neues. Es ist schon lange her, daß der Schreiber dieser Zeilen den Schulstanb abgeschüttelt bat. Allein er erinnert sich noch an gar manche judenfeindliche Ausschreitung einzelner Lehrkräfte. Ein Gymnasiallehrer versah die deutsche Hausaufgabe eines jüdischen Schülers, die ihm wegen allzugroßen Reichthums an Metaphern nrit Recht mißfiel, in würdeloser Weise mit der Classi- Oesterreichifche Wochenschrift

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