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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 Oesterreichische Wochenschrift «Leite 881 jüdische Schlachtritus ist, steht nach dem Gesetze des rechten Judenthnms kein Hindernis; im Wege. 6. Da die jüdische Religion, das biblische wie das rabbinische Gesetz, jedwede Thieranälerei streng verbietet und dem Israeliten die schonendste Behandlung des Thieres zur Pflicht macht, so ist es aus religiösen Gründen geboten, den bisher üblichen Schlachtritus durch die weit humanere Tödtungsart mittelst Schlachtmaske zu ersetzen." Bon allen diesen, mit Anführungszeichen versehenen Sätzen steht in der Schrift „Das Schächten", von Dr. H. Ehrmann, Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft zu Baden in der Schweiz (Frankfurt a. M., F. Kauffmann 1885) nicht ein, sage nicht ein Wort. Vielmehr enthält dieses Buch zahlreiche Gutachten christlicher Physiologen und Thierärzte, welche „übereinstimmend" darthun, „daß beim rituellen Schlachten mit irgend einem Scheine des Rechts von Thierquälerei keine Rede sein kann." (Seite 13.) Heute erhalten wir von den Herren August Postolka und Anton T o s c a n o nachstehendes Schreiben: Euer Hoch wohlgeboren! Wir nehmen keinen Anstand, zu erklären, daß unsere Angaben in dein Werke „Die animalischen Nahrungs- und Genußmittel des Menschen" über das Schächten infoferne irrthümlich sind, als die auf pag. 62 desselben enthaltenen Thesen nicht dem Werke E h rm a n n's, sondern einer ebenfalls unter dem Titel „Das Schächten" erschienenen Streitschrift entstammen, deren Verfasser von unserer diesbezüglichen Quelle — dem „Archiv für animalische Nahrungsmittelkunde (1891, Nr. 6—7, pag. 106, Redacteure Dr. Schmidt-Mühlheim und Anton S t i ch e r in Cöln) — gleichfalls als Jude bezeichnet wird. Dieser letztere Umstand bot in Gemeinschaft mit der Gleichheit des Titels die Veranlassung zur Namensverwechslung, welche wir aus Gründen der literarischen Wohlanständigkeit bedauern, zumal uns jede etwa vermuthete, auf anderen als rein sachlichen Principien basirende Beurtheilung der Schüchtfrage vollkommen ferne liegt. Wenn wir erst heute in der Lage sind, dies zu eröffnen, so hat das seinen Grund darin, daß es hiezu langwieriger Nachsuchungen in unserem bedeutenden Quellenmaterial bedurfte. Euer Hochwohlgeboren werden gewiß keinen Anstand nehmen, dieser Erklärung in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben und uns sowie Herrn Dr. H. Ehrmann in Baden, Schweiz, je ein Exemplar der bezüglichen Nummer, eventuell gegen Ersatz der Kosten unsererseits zu übersenden. Wir zeichnen mit dem Ausdrucke der vorzüglichen Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebener Postolka, Toscano. Wien, am 4. November 1893. Wien. (D er d eutschnation ale Pan Berg anew als Beschützer von „Juden st ä mmlin gen".) Bor Gericht als freiwilliger Zeuge im Prozeß contra D e ckert und Paulus Meyer einvernommen, erklärte Herr Vergani, daß er auf dem Rassenstandpnnkt stehe und getaufte Juden als Semiten ansehe, von denen er nichts wissen will. Alle nur irgendwie aufgreisbare hervorragende Persönlichkeiten, von welchen er keine Inserate und Pauschalien erhält, wirft er in den großen Judentopf. In Aller Erinnerung sind die Schmähungen, mit welcher der Fürsterzbischof von Olmütz übergossen worden, weil erden fürchterlichen Namen Kohn führt. Doctor Steinbach, der abtretende Finauzminister, hatte einmal eine gefährliche Krankheit zu überstehen, es lvar unmittelbar vor seiner Ernennung zum Finauzminister, sein Zustand aber schien höchst bedenklich und die Wiener Blätter brachten täglich Mittheilung über den Fortgang des Krankheitsprocesses. Darüber machte sich das biedere „Deutsche Volksblatt" lustig und beschimpfte den Schwerkranken mit einer Rohheit und Brutalität, deren blos antisemitische Creaturen fähig sind. Dr. Steinbach aber erholte sich und wurde Finanzminister. Er verfügte über die Staatscassa und nun zerfloß das „Deutsche Volksblatt" in Ehrfurcht und Respect vor dem ehemals geschmähten „Judenstämmling". Pan Berg anew wird wohl wissen warum. Selbst heute, da Dr. Stein b a ch demiffionirt hat, aber das Finanzressort vorläufig noch immer verwaltet, bricht Herr Vergani für diese Judengröße eine Lanze und vertheidigt ihn im Morgenblatt vom 8. November gegen angebliche Angriffe des „Judenthums und versichert ihn der Sympathie der socialreformatorischen Kreise!" So ein Finanzminister hat es gut; selbst als „Judenstämmling" hat er die Mittel, die hungrigen Wölfe des Antisemitismus sich vom Halse zu halten. Und dem verblödeten antisemitischen Pöbel darf man Alles bieten. Wien. (Ende eines Antisemiten.) Aus Jaffa schreibt uns Herr Wilhelm Groß unter dem 23. October. Ein außergewöhnliches Ereigniß hält seit gestern unsere Bevölkerung in Athem. In der Nähe von Jaffa am Meeresufer wurde gestern von Chajabs (türkischem Militär) die Leiche eines bejahrten Mannes aufgefunden. Dieselbe scheint schon mehrere Tage an Ort und Stelle gelegen zu sein, denn einzelne Körpertheile waren von Hyänen angefressen. Da bei dem Leichnam keine Papiere vorgefunden wurden, um seine Identität'festzustellen, die Polizei aber in dem Verunglückten seiner Kleidung nach einen Deutschen vermuthete, so wandte sich dieselbe an die hiesige deutsche Colonie, aus welcher alsbald mehrere Herren den Leichnam als den des ehemaligen Berliner Gastwirthes Carl Meißner agnoscirten. Meißner führte in letzter Zeit in der Elsasserstraße eine Restauration, zu deren Stammgästen die Herren Ahlwardt, Paasch und Dr. Förster zählten, welche allabendlich bei ihm kneipten. Als A h l w a r d t im Reichstage mit seinen sogenannten „Enthüllungen" hervorgetreten war, in welchem bekanntlich der Name Meißner nicht eben in schmeichelhaftem Sinne vorkam, verließ derselbe Berlin und trieb sich in Jaffa, Jerusalem und Caiffa Monate lang umher, ohne eine Beschäftigung zu finden. Er wollte sich bei den Beduinen niederlaffen, konnte sich aber mit denselben nicht verständigen. Nun hat er Ruhe gefunden in der heiligen Erde, die ihn an dem Platze, wo er gefunden wurde, in aller Stille aufnahm. E. B. Wien. (Ehrend o ctorat.) Der Senat der Universität von St. Andrews in London wird auf Empfehlung, r°sp. Vorschlag des neuen Lord-Rectors, des Marquis of Bute. dem Reverend Albert Löwy den Grad eines Ehrendoctors der Rechte gelegentlich der am 22. d. M. stattfindenden feierlichen Senatsfitzung verleihen. Es sind nur sehr Wenige für diese hohe Auszeichnung vorgeschlagen, unter diesen der derzeitige Premierminister Englands, M. Gladstone und der frühere Minister des Aeußern Marquis of Salisbury. Die Ernennung Albert L öw y's zum Doctor honoris Causa der Londoner Universität gewinnt eine umso höhere Bedeutung, als es der erste Fall ist, daß diese einem Mitgliede der jüdischen Geistlichkeit verliehen wird und es darf auch mit Befriedigung hingenommen werden, daß diese Wahl auf einen der hervorragendsten Repräsentanten des hebräischen Gelehrtenstandes, wie Albert Löwy, gefallen ist. Letzterer ist ein Oesterreicher geb. 1816 zu Aussee in Mähren und hat, wiewohl er nahezu zwei Generationen in London lebt, das englische Jndigenat nicht erworben. Er besitzt in Oesterreich zahlreiche Verwandte und Verehrer, die seine hohe Auszeichnung mit Genugthuung begrüßen. Ein Bruder des Gelehrten, Herr Wilhelm Löwy, Hauptmann a. D., ist Procurist der Großindustriellenfirma M. li. I. Mandl in Wien. Wien. (Ein jüdischer Arbeitgeber.) Herr Alois P o l l a k, Chef der Firma D. R. Pollak u. Söhne, hat anläßlich seiner silbernen Hochzeit und gleichzeitig auch zur Feier der vor Kurzem stattgehabten Vermälung seiner Tochter sein gesammtes Beamten- und Fabrikspersonal, über dreihundert Personen, am 4. d. M. zu einem Feste im Saale „Zum goldenen Kreuz" in Mariahilf eiugeladen, welches in ebenso erhebender, als amüsanter Weise verlief. Am Tische des Jubelpaares, welches mit der ganzen Familie erschienen war und an dem auch der andere Chef des Hauses, Herr kais. Rath Friedrich Pollak saß, kamen auch die dienstältesten Arbeiter und Arbeiterinnen zu sitzen, Leute, welche nahezu 30 Jahre im Hause beschäftigt sind. Das fröhliche Mahl wurde durch Toaste und durch die Vorträge des beliebten Grinzinger Quartetts sammt Gesellschaft gewürzt. Das Personal des Hauses, welches feine Anhänglichkeit und Ergebenheit durch Ueberreichung kunstvoll ausgestatteter Hochzeitsgeschenke in Bronze und Silber knndgegeben hatte, wurde von dem Chef in höchst origineller und hochherziger Weise zu dem oben geschilderten Feste eingeladen. Es erhielt nämlich Jeder ein Couvert, welches nebst der gedruckten Einladung die wohlgetroffene Cabinet-Photographie des Jubelpaares, die reichhaltige Menukarte und außerdem für das Fabrikspersonal reichliche Geldspenden und für die Beamten je ein Los enthielt. In diesem Hanfe ist die Einrichtung getroffen, daß alle Angestellten, die ihr zehntes Dienstjahr vollendet haben, auf Kosten der Firma- Inhaber auf ziemlich hohe Beträge für den Erlebens- und Ablebensfall affecurirt werden; dieser Wohlthat sind bereits mehr

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