Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 45 (10.11.1893)
- Date
- 1893-11-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 880 Orftrrrrktzifttzr Wochenschrift Vir. 48 möchte und ihr keinen Geschmack abgewinnen konnte, verkannte man auch und verstieß ihre heitere und sympathische Schwester, die Hagadah. Nun trat eine Wendung in der Geschichte ein. Man hatte es endlich eingesehen, daß wir kein biblisches, sondern ein rabbinisches Judenthum haben und daß man nicht zwei Jahrtausende in der Geschichte überspringen und das Judenthum auf vortalmudisch: Zeit basiren könne. Man begann Talmudschulen zu creiren, denen man statt des altjüdischen, ehrwürdigen, mehr als zweitausendjährigen Namens „Jeschiba" dender Kirche entnommenen Namen „Seminar" beilegte. Aber es ist der Geist der Jeschiba des späteren Mittelalters, der in den modernen Seminaren waltet; wohl nicht in Bezug auf Bibel, die uns von der Mendelssohn'schen Periode wiedererobert worden, jedoch in Bezug auf Hagadah. In den Programmen dieser Schulen fehlt Midrasch und Hagadah gänzlich. Was aber die Schulgelehrten in ihrer Weisheit nicht thun, das thut die Vorsehung; sie findet ihre Männer, in deren Seele das Volksleben pulsirt, und welche Zeit, Mühe und Opfer nicht sparen, um die Hagadah zur Geltung zu bringen. Diese geben bewußt oder unbewußt dem jüdischen Geiste eine neue Richtung, welcher die Zukunft gehört. Unter diesen Wenigen ragt Salomo n Bub er hervor durch sein unermüdliches Sammeln und Ordnen hagadischer Werke; zudem hat ihm die Vorsehung die Mittel in die Hand gegeben, um durch Ankauf von Manuscripten und Herausgabe derselben jenen großen Zweck zu fördern. Mögen unsere Reichen noch so viel für die Allgemeinheit leisten, für den jüdischen Geist und seine Zukunft leistet S alomon Bub er mehr. Das vorliegende Werk ist für die künftige Durchforschung der Midraschim und für die Richtigstellung ihrer Texte von großem Werthe. Außerdem macht es den Exegeten die alte hagadische Exegese zugänglich, und wenn man diese in den Quellen aufsuchen will, findet man in Buber's Bemerkungen einen treuen und verläßlichen Führer. Stimmen ans dem Publicum. Eingesendek. Ein ganz geringes Symptom, von Niemandem beachtet, dient oft dem Arzt dazu, die Gefahr für das Leben eines Kranken wahrzunehmen. Das „Bravo", welches in der Gemeinderathssitzung dem Gemeinderathe S i l b e r e r von der Linken zugerufen wurde, als er erklärte, daß die — Wahlreform das Tischtuch zwischen den Liberalen und den Demokraten zerschnitten hat, ist ein solches Symptom. Als alter Demokrat, der auch als solcher naturgemäß für das allgemeine directe Wahlrecht, aber nicht für die allgemeine directe Zertrümmerung Oesterreichs und für die allgemeine directe Vernichtung unseres herrlichen Wiens ist, als Demokrat, welcher seit mehr als zwanzig Jahren mit den Liberalen einen ehrlichen anständigen Kampf darüber führt, daß diese Partei die veränderte politische Lage einsehen möge, und durch möglichst fortschrittlich es, energisches, vielseitiges, gemeinnütziges, öffentliches Wirken ihren Anhang verstärken, mindestens aber erhalten soll, muß ich bitten, mir zu gestatten, in der letzten Stunde der Entscheidung meine Stimme dahin erheben zu dürfen, daß sich die maßgebenden liberalen und demokratischen Factoren es noch einmal reiflich überlegen sollen, bevor sie zu diesem Vorhaben ihr Amen sprechen. Das allgemeine directe Wahlrecht ist ein Gebot der modernen Zeit, das älteste Verlangen der bürgerlichen Demokraten. der gerechte Wunsch aller wirklichen, ehrlichen und ehrenhaften Arbeiter, worunter die vacirenden, Patienten-, clienten- und abonnentenlosen Doctoren, auch als schmarotz e r n d e Arbeiter Verführer berüchtigt, naturgemäß nicht gemeint sein können, da diese lediglich den starken breiten Arbeiterrücken benützen wollen, um irgendwo hinauf zu — streben. Wahlrecht in Oesterreich landesgemäß einzuführen, ist, wie gesagt, ein Gebot der Zeit. Allein Oesterreich ist nicht Deutschland, Frankreich und darf am allerwenigstens — Belgien sein. Deshalb sind alle diesbezüglichen Gleichnisse hinfällig und alle Drohungen Phrasen. Diese Wahlreform war die Ursache, daß Hohenwart, welcher in der Art und Weise, w i e das Wahlrecht zu Stande kommen sollte, einen M i ß griff; erkannte seinen langjährigen treuen Jugendfreund und erprobten Gesinnungsgenossen Taaffe die Wahrheit sagte, welche die Demission des Ministers Ta a ffe zur Folge hatte. Gemeinderath S i l b e r e r sprach ein paar Tage vorher über communale Mißgriffe des Bürgermeisters, jedoch wie ich glaube im Interesse desselben und der gesammten Commune, ebenfalls die Wahrheit. Im Gegensätze zu Königen wollen aber Minister und Bürgermeister die Wahrheit nicht hören. Auch Dr. Prix demissionirte. Nun kommt die Neuwahl eines Bürgermeisters. Gäbe es keine schandfleckartige Scandalpartei im Gemeinderath, so wäre die Situation eine ganz einfache. Aber von den extremen social-demokratischen und social-christlichen Parteien, mit dem gröbsten Geschütz im Rücken beschossen, können, dürfen und müssen die gemäßigten patriotischen Parteien, ob feudal oder liberal, ob konservativ oder fortschrittlich, ob clerical oder demokratisch, nichts Anderes thun, als sich fest und treu zusammenschaaren und ohne Unterschied der Confession oder der Nationalität eine feste Burg gegenüber den socialdemokratischen und antisemitischen Anstürmungen bilden, welche, wie es sich zeigt, heute schon statt mit Worten, mit Revolten „arbeiten". Auch Gemeinderath Silberer kann sich irren, aber wie ich ihn kenne, genirt ihn die Wahrheit nicht, weil sie sein Panier ist. Bei den falschen socialdemokratischen Arbeiterführern, welche die armen ehrlichen Arbeiter zu selbstsüchtigen Zwecken ausschroten, und ein ärgeres unmoralisches Cliquewesen treiben als alle andern Parteien, dürfen ehrliche bürgerliche Demokraten, welche ihre demokratische Gesinnung zu einer Zeit bereits mannhaft bethätigten, wo die meisten der „frischgebackenen Demokraten" noch nicht wußten, in welches politische Lager sie der „Wind" hintragen wird, in diesen Reihen darf ein ehrlicher bürgerlicher Demokrat seine Freunde nicht suchen. Anständige Politiker können nur mit ehrenwerthen Männern verkehren, ob diese auf der Bahn des Fortschrittes um einige Stationen weiter fahren als die Anderen, oder bei einer Station länger verweilen, das ist einerlei. Wirkliche, ehrliche, bürgerliche Demokraten können unter den heutigen Verhältnissen nur mit ehrlichen Fortschrittlern Zusammengehen, wenn sie eben nicht von den extremen Parteien zermalmt werden wollen. Deshalb wäre die Schwächung, respective die Sprengung des gemeinderäthlichen Fortschrittsverbandes ein politischer Selbstmord. Ludwig Wald stein, Bezirksausschuß. Beriehtigung' E Durch ein unliebsames Versehen sind in meiner Schrift „Die Controversen der Schammaiten und Hilleliten“, Pagina 31, zu Anfang der Note 2, die Worte „Miawaoth 7, 5“ ausgefallen. Ich bitte meine geschätzten Leser, hievon Kenntniss nehmen zu wollen. Wien, 5. Nov 1893. Prof. Dr. Schwarz. GoneMnäenLM. Wien. In Nr. 30 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 28. Juli 1893 haben wir unserer Verwunderung Ausdruck gegeben, daß in der Schrift: „Die animalischen Nahrungs- und Genußmittel des Menschen", von August Postolka und Anton To s ca n o, „beamtete Thierärzte der Stadt Wien“, auf Seite 62 in Bezug auf das Schächten die Autorität des Rabbiners Ehrmann, Verfassers der Schrift: „Das Schächten" für folgende Thesen angerufen werden konnte. „I. Der jüdische Schlachtritus ist in den mosaischen Gesetzbüchern nicht begründet. . 2. Der jüdische Schlachtritus wird fälschlich für mosaische Tradition ausgegeben. 3. Der jüdische-Schlachtritus ist lediglich als rabbiuische Observanz zu betrachten. 4. Der jüdische Schlachtritns charakterisirt sich in seinen Einzelbestimmungen als eine Satzung, welche lediglich die Tödtung des Thieres auf die am wenigsten schmerzhafte Weise bezweckt. 5. Der Tödtung des Thieres durch die Schlacht- oder Schußmaske, ivelche offenbar eine weit humanere Schlachtmethode als der