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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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T.^W.-a.l Nr. 45 Oestrrreichifchr Wochenschrift Gegen Leo Xtlt. hat O. Beta die gleiche Anklage erhoben. Dem Prinzen Liechtenstein und seinen Genossen wird wohl oder übel nichts Anderes übrig bleiben, als zu dieser Theorie sich zu bekennen. Die Bereinsleitung der „Christlichen Familie" ersuchen wir, auch dieses Jahr eine Frauenversammlung zu veranstalten und den Prinzen Liechten st ein und den Herrn Z u l e g e r als Redner zn bestellen. Ein sächsischer Minister und der Talmudtrarlat Chulin. Es bleibt dabei, so resolvirt der sächsische Minister des Innern, Herr von Metzsch, es bleibt dabei, den Juden ist das Schächten nicht gestattet, es sei denn, daß die Thiere im Voraus betäubt würden. Die jüdischen Borstenhändler, welche die Leipziger Messen besuchen, hatten nämlich an die Leipziger Handelskammer ein Schreiben gerichtet, in welchen! sie darauf aufmerksam uiachten, daß es für die Inden äußerst unbequem sei, nach Leipzig zu reisen, um dort nicht rituell essen zu können, und daß mit Rücksicht darauf sich aus dem Schächtverbot Consequenzen für die Leipziger Messe ergeben könnten. Leipzig habe kein Privileg für den Borstenhandel; der könne auch in Berlin betrieben werden. Das fand die Leipziger Handelskammer durchaus einleuchtend und dirigirte diese Eingabe an das Ministerium. Diese Eingabe ist nunmehr im negativen Sinne erledigt worden. Ueber die Schächtsrage haben diese Blätter wiederholt ausführliche Artikel veröffentlicht; die Sache ist für die „Desterr. Wochenschrift" durchgesprochen. Auf Grund der von den maßgebendsten Autoritäten der Wissenschaft abgegebenen Gutachten ist erwiesen, daß das Schächten, weit entfernt von Grausamkeit und Thierquälerei, vielnrehr die Methode ist, welche die Tödtung der Thiere mit den: geringsten Maße von Leiden für das getödtete Thier ermöglicht. Es ist ferner bekannt, daß Thora und Talmud die Thierquälerei verbieten. Ist in Sachsen dafür gesorgt, daß die Arbeiter nicht hungern,wenn siefürdenFabrikanten arbeiten? Im Fünfbuch aber steht geschrieben: „Du sollst dem Ochsen das Maul nicht verbinden, wenn er drischt." Es ist fernerbekannt, daß das Schächten einer religiösen Vorschrift entspricht, daß somit von einer absichtlichen oder muthwilligen Grausamkeit nicht die Rede sein kann. Endlich weiß Herr v. Metzsch so gut wie jeder andere Antisemit, daß das Schächtverbot nur den Zweck verfolgt, die Juden zu beleidigen und zu tyrannisiren und daß die angeblich humanen Motive reiner Schwindel sind, sächsisch oder schweizerisch, das ist einerlei. Hat des Herrn von M etz s ch Excellenz den Tractat Chulin gelesen, welcher handelt von Schächten und den einschlägigen Materien? Rem, die deutsche Excellenz hat ihn nicht gelesen! Der Tractat Chulin enthält zahlreiche humane Vorschriften, giltig auch für die Thiere des Waldes. Hat Seine Excellenz angeordnet, daß Hirsche, Rehe, Hasen und Wildschweine erst b e t ä u b t werden, ehe man sie jagt und hetz t? Glaubt Seine Excellenz, daß ein Schrotschuß, welcher das Thier krank macht (verwundet) und nicht tobtet, bei dem Thiere angenehme Empfindungen hervorruft? Den Tractat Chulin hat Seine Excellenz nicht gelesen, dafür dürfte er über die Erziehung von Jagdhunden gut unterrichtet sein. Wissen Sie, Excellenz, der Tractat Chulin würde dieses Erziehungssystem verbieten; ein Jude hätte es auch gar nicht zu erfinden vermocht, er ist dazu nicht grausam genug. Und wie es sonst bei den Jagden zugeht, das wissen Sie auch, Excellenz; namentlich die Treibjagden machen oft den Eindruck eines Massenmordes. Es heulen die angeschossmen Hunde und es heulen die angeschossenen Treiber und der Jäger flucht; denn ein angeschossener guter Jagdhund ist ein großer Verlust und dem angeschossenen Treiber muß man Schmerzensgeld zahlen. Aber nur das Schächten kann er nicht vertragen, der königlich sächsische Minister des Innern, Herr von Metzsch. Den Tractat Chulin hat er nicht gelesen; aber er weiß, daß das Schächten eine aus wandelbarer Menschensatzung hervorgegangener Gebrauch ist. Wollen Sie, Excellenz, mit uns Seite 877 eine Promenade machen, um den Ursprung der Religionen zu untersuchen. Verbürgen Sie uns erst freies Geleite gegen antisemitische Verleumdungen und Verdächtigungen und dann werden wir Ihnen sagen, was Menschensatzung ist oder nicht. Der Apostel Paulus bedurfte einer himmlischen Vision, um sich von diesen Satzungen zu befreien, und Sie wollen darüber von Ihrer Amtsstube aus urtheilen, ohne daß Sie einer Offenbarung gewürdigt worden wären? Sie berufen sich, Excellenz, auf Schoftim und Schothrim von Sachsen, aus die Kreishauptmannschasten, Amtshauptmannschaften u. s. w.; aber seien Sie überzeugt, der Tractat Chulin versteht mehr von der Thieranatomie als der gelehrteste Kreishauptmann. Sie hätten ja von diesen Autoritäten eben so gut ein Gutachten über eine astronomische Frage abfordern können. Alle diese Autoritäten sind Organe des Antisemitismus; das wissen Sie, Excellenz, so gut wie wir. Machen sie doch gefälligst die Gebräuche einer andern Religion zum Gegenstand einer Volksabstimmung; dann werden wir Ihre Gerechtigkeitloben. Uebrigens sagen Sie selbst, daß dieS chlach thausverwaltung in Leipzig sich in energischer Weise für das Schächten ausgesprochen hat; das ist doch wirklich eine in dieser Frage competente Autorität, auf diese aber legen Sie kein Gewicht. Sie sind sehr duldsam, Excellenz; wenn es gelingt, eine die vorhandenen Bedenken beseitigende Schächtmethode zu erfinden, dann ist die Betäubung nicht mehr nothwendig. Excellenz, wo weilen Ihre Gedanken; das Schächtverbot ist ein Eingriff in die religiösen Empfindungen, ist aber namentlich gehässig wegen seiner antisemitischen Tendenz. Und wenn es gelänge, eine Ihre Bedenken beseitigende Schächtmethode zu erfinden, dann bliebe noch immer der Antisemitismus aufrecht, der die Verordnung vom 21. März 1892 dictirt hat. Wir halten uns für verpflichtet, Ihnen das in aller Deutlichkeit auszusprechen. Haman war ja auch Minister und auch er fand die jüdischen Religionsgebräuche als überflüssige Menschensatzung: sein Glück und Ende wird den Schulkindern im ch r i stl ichen Religionsunterricht erzählt und den künftigen Excellenzen zur Beherzigung eingeschärft. Teutobold über die Lage. Schreibebrief des deutsch-nationalen Studenten. XIV. Wien, im November 1893. Lieber Cumpan Pumpo! Bei Teut! Du machst es nicht besser, mein Pumpo, als alle die andern — auch Du forderst viel von mir! — Nun, so will ich denn Deinen tollen Wunsch erfüllen und Dir die Resultate meines Nachdenkens bekanntgeben . . . Deinen eigentlichen Beruf hast Du verfehlt, Freund meiner rassenreinen Seele, Du hättest eigentlich Sirene werden sollen, so lockend verstehst Du mich an's Tintenfaß zu schmeicheln. Sei's denn! Ueber die Lage soll ich berichten? Ich finde sie, genau betrachtet, gar so übel nicht. Meiner unverfälschten Meinung nach besteht die Grundweisheit der Politik darin, sich lästige und zudringliche Mahner vom Leibe zu halten und bei Verpflichtungen den Termin ihrer Erfüllung in nebelhaft verschwimmende Weiten hinauszuschieben. Will Johannes, der Mann der Zahl, sich mal interessant machen und mich einladen, die Barzahlungen doch endlich aufzunehmen, so sage ich ihm nur: „Mila ist das schönste Weib unter der Sonne" und bringe ihn also flugs auf andere Gedanken. Versucht jedoch Mila mir den Dispositionsfond höher zu hängen, so stecke ich ihr flugs einen unedlen Zug der Fracktion Johannes — kurz, ich spiele sie seit fünfzehn Jahren gegen einander aus und gewinne so immer die Partie, liege behaglich in der angestammten Ecke, und flöße meinem Cadaver ungezählte Cognäcke behaglich und bedächtig ein. Wehe aber, wenn sie sich einmal zusammen gegen mich verbinden — dann bin ich verloren. Dies in Kürze, die Lage-ha! Da fällt mir bei! —, solltest Du am Ende gar nicht meine Lage in der Ecke mit Deiner Frage gemeint haben, sondern etwan gar die politische? Ja, dann thätest Du

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