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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-03 · 44 (3.11.1893) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
44 (3.11.1893)
Date
1893-11-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 44 Vestrrrerchtptze WorhrnphrM Teile 873 Wahlverwandtschaft mehr zwischen ihnen vorhanden, alle Berührungspunkte haben aufgehört. Die Mischnah aber ist die Sonne für die Juden im Exile und die Gemara war "der begleitende Stern dieser Sonne; alle Zweifelnden, alle Verzweifelten hat sie bekehrt und getröstet — immer mehr wurde für das Judenthum gewonnen durch die endgiltige Fixirung der Aeberlieferung." Den geistreichen in gewählter Sprache dahinfließenden Ausführungen des illustren Redners zollte die Zuhörerschaft, unter denen sich nebst den beiden Herren L e c t o r e n auch der Vorsteher des Bet-hamiürasch, Herr B. K o hn und der Tempelvorstand des IX. Bezirkes Herr G. Bettelhcim befand, ungetheilten Beifall. A m i c u s. GorrtSVimäenren. Wien.(Eine stürmischeStudentenversawmlung.) Behufs Vorbesprechung der Neuwahl des Ausschusses in den Medicinischen Unterstützungsverein fand gestern im Hörsaale des Professors Zuckert and l im anatomischen Institut eine Versammlung der Mitglieder des Unterstützungsvereins statt, zu der auch zahlreiche freisinnige Studenten Einladungen erhalten hatten. Die Versammlung wurde durch den Einbruch der antisemitischen Mediciner, welche im gleichen Gebäude eine Versammlung hielten, unterbrochen. Die antisemitischen Studenten hatten zu ihren Wahlbesprechungen Einladungen an alle „arischen Mediciner" ergehen lassen. Der Präsident des Medicinischen Unterstützungsvereines, Stud. mell. Burger, wies auf die großen Schwierigkeiten hin, mit denen die freisinnigen Studenten bei der Neuwahl des Ausschusses jedesmal zu kämpfen haben. Auch heuer seien die Auspicien sehr traurige, da die antisemitischen Studenten seit Wochen mit allen Mitteln arbeiten, um den Verein in ihre Hände zu bekommen. Herr Burger richtete an die freisinnigen Studenten die dringende Aufforderung, dem Vereine beizutreten, um denselben für die Freisinnigen zu erhalten. In diesem Augenblicke entstand an der Thür ein lebhafter, stürmischer Tumult. Die Antisemiten kamen von ihrer Versammlung, stießen den Diener, welcher die Einladungskarten abnehmen sollte, bei Seite und stürmten unter wüstem Geschrei in den Saal. Im Gänsemarsch zogen sie am Präsidententische vorbei und einer der Führer trat an den Vorsitzenden heran und sagte: „Wir sind ohne Legitimation hieher gekommen. Sie haben kein Recht, persönlich Versammlungen einzuberusen." Hierauf stürmten die Antisemiten unter Lärmen auf die freigebliebenen Bänke und schrieen ihren Collegen zu: „Kommt nur herauf, Antisemiten!" Ein Student rief: „Ich beantrage Schluß der Versammlung!" Die Freisinnigen begrüßten diesen Antrag mit lebhaften Prositrufen, die Antisemiten machten höhnische Zwischenrufe. Hieraus wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden, der zur Ruhe mahnte, im Hinblick auf die drohende Haltung der Antisemiten geschlossen. Begreiflicherweise rief der rohe Ueberfall der Antisemiten bei den freisinnigen Studenten lebhafte Entrüstung hervor. Karbitz, 1. November 1890. (Jüd ischer Edelmuth.) Eine arme christliche Familie wohnte mit Herrn Hahn, einem jüdischen Viehhändler, in einem und demselben Hause, und erhielt von ihm öfters Wohlthaten und Unterstützungen. Eines schönen Tages kam ein hiesiger, reicher, christlicher Kaufmann mit dem Gerichtsvollzieher und einem Schiebwagen ausgerüstet in die Wohnung der armen Familie, um das armselige Mobilar derselben zu pfänden. Darob großes Jammergeschrei und Wehklagen unter den bedauernswerthen Leutchen. Herr Hahn, durch den Lärm herbeigelockt, frug, was hier los sei? „Nichts von Belang" sagte darauf der arische Kaufmann; „ich kann zu meinem Guthaben nicht anders als auf diesem Wege kommen." „Gut" sagte hierauf Herr Hahn, „was sind denn die Leutchen Ihnen schuldig und was ist denn der armselige Kram im Ganzen werth?" „Was? 13 Gulden macht die Schuld, soll ich sie ihnen etwa ganz schenken?" Ohne darauf etwas zu erwidern nahm Herr Hahn die Brieftasche heraus und befriedigte den Gläubiger, ohne auf die Dankesworte der Betreffenden und auf die Lobsprüche der Umstehenden zu hören und entfernte sich. X. Nieolsburg. Geehrter Herr Redacteur! Herrn M. Feßi er diene es zur Aufklärung, daß die Oppenheim'sche Stiftung jetzt wie ehedem zur Besoldung des Talmudlehrers verwendet wird. Ich selbst unterrichte im Talmud thatsächlich nur Studirende des Obergymnasiums und besonders reife Untergymnasiasten: außerdem wird von dem Lehrer der Volksschule in sehr tüchtiger Weise in zwei Abtheilungen Talmud und Pentateuch mit Commentaren gelehrt. Zu meiner Freude kann ich constatiren, daß seitens vieler Schüler großer Eifer gezeigt wird. Von weit und breit kommen Anmeldungen. Sehr zu wünschen wäre es allerdings, wenn in Wien domicilirende Nicolsburger und andere Freunde jüdischer Wissenschaft mich in meinem Streben durch reiche Geldmittel zur Unterstützung der Talmudjünger fördern wollten. Ich hoffe zuversichtlich, daß diese bescheidene Bitte an manchen Orten Gehör finden wird. Dr. Feuchtwang. Hannover. Bei einer Durchreise durch Hannover hatte SchreiberdiesesGelegenheit,die vorKurzen von Herrn A.M. Simon in Gemeinschaft mit einigen anderen Herren gegründete israelitische Erziehungsanstalt zu besichtigen, in welcher jüdische Knaben in praktischer Weise zur Bodencultur und zum Handwerk erzogen werden. Die Anstalt ist in ihrer Art eine ganz neue Schöpfung; sie will eine Bildung und Erziehung bieten, die den Zögling zu einem Arbeiter heranbildet im edelsten, aber auch im vollsten Sinne des Wortes. Was man dem Deutschen an Idealität nachrühmt, dem Amerikaner an praktischem Schaffenstalent, das hat sich hier verbunden. Es ist ein Wendepunkt in der Erziehung, den diese Anstalt bedeutet. Darum hatte sich auch bald das Bedürfniß eingestellt, dieselbe recht genau zu besichtigen und die Aufmerksamkeit aller Derer auf sie zu lenken, welchen eine Vervollkommnung der Erziehung am Herzen liegt. Freilich ist die Anstalt noch nicht ganz vollendet, aber immerhin soweit ausgebaut, daß sie die Aufmerksamkeit in hohem Grade fesselt. Die in unmittelbarer Nähe des Bad Limmerbrunnen, in schöner, gesunder und fruchtbarer Gegend befindliche Anstalt ist von Hannover aus mit der elektrischen Straßenbahn in circa 15 Minuten zu erreichen. Das seit Anfang Juni vollendete, für 60 Zöglinge bestimmte Hauptgebäude ist sehr einfach, aber äußerst praktisch erbaut, hat geräumige und gesunde Schul-, Schlaf- und Speisezimmer, sowieWannen- und Brausebäder und eine Turnhalle. In einiger Entfernung von diesem Hauptgebäude, durch noch im Entstehen begriffene Gartenanlagen getrennt, befinden sich die Gewächshäuser, Werkstätten für Tischlerei, Schlosserei und einige andere Handwerke, welche in der Anstalt selbst betrieben werden sollen, nebst einem Gebäude mit Wohnräumen für die Handwerker. Eine große Scheune mit Stallungen und sonstigen Oekonvmie- und Wirthschaftsrüumen ist der Vollendung nahe. Das circa 14 Hektare umfassende Terrain wird mit einem eigenartigen, aus Eichen, Knüppelholz, sehr geschmackvoll zusammengefügten Zaun eingesriedet. Der theils aus Lehm, theils aus Sand und Lehm gemischte Boden soll größtentheils zum Obst-, Beeren-, Gemüse- und Körnerbau benützt werden. Aufnahmefähig" sind gesunde Knaben, vom vollendeten sechsten Lebensjahre an. Bis zum vierzehnten Lebensjahre erhalten sie den Unterricht einer guten Elementarschule in der Anstalt und werden 3—4 Stunden im Garten, im Hause oder in der Werkstätte mit leichten aber nützlichen Arbeiten beschäftigt. Zöglinge, welche das vierzehnte Lebensjahr überschritten haben, werden als regelrechte Lehrlinge zur Bodencultur, namentlich Gärtnerei und später auch zu verschiedenen anderen Handwerken herangebildet. Außerdem erhalten diese Lehrlinge den Unterricht einer Fortbildungsschule, um sie sowohl praktisch wie theoretisch zu tüchtigen Menschen heranzubilden. Trotzdem der Bau der Gebäude erst im October v. I. und die Bepflanzung der Anlagen in diesem Frühjahr begonnen hat, macht das ganze Werk schon einen großartigen Eindruck und beweist den praktischen Sinn und die Sachkenntniß der Leiter. Aus der weltberühmten, der früheren Hannoverschen Königsfamtlie gehörigen Obstplantage in Herrenhausen, welche das größte Obstsortiment Deutschlands enthielt und die am 1. April d. I. einging, hat Herr Simon seinerzeit circa 40.000 junge Obstbäume, ein vollständiges Sortiment sämmtlicher in Deutschland anbauwürdiger Obstsorten, erworben, die ungeachtet der außergewöhnlichen Trockenheit dieses Sommers in Folge sorgfältiger Pflege üppig stehen. Augenblicklich sind 17 Zöglinge in der Anstalt. 9 Schüler und 8 Lehrlinge. Acht weitere Zöglinge sind für den 1. October angemeldet.

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