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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-03 · 44 (3.11.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
44 (3.11.1893)
Date
1893-11-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 44 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 863 Druckfehler-Berichtigung. In der Vorigen Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" waren einige sinnstörende Druckfehler, die wir berichtigen wollen. In der ersten Correspondenz: „Jüdische und christliche Nächstenliebe"-fehlte der zweite Theil, ein „Eingesendet" aus Graslitz, welches in Folge einer Verhetzung an anderer Stelle gedruckt worden ist. In dem Anerkennungsschreiben des israel. Cultusvorstandes in Lemberg war eine der Unterschriften irrthümlich für Samuel Buber zu lesen; es sollte richtig heißen Salomo» Bub er. Es ist der berühmte jüdische Gelehrte und Alterthumsforscher S a l o m o n Buber, welcher in der jüdischen Literatur einen hervorragenden Rang einnimmt und zu den Mitgliedern des israel. Cultusvorstandes in Lemberg zählt. chürrLMnäenren. Wien. Der neue Kriegsminister hat angeordnet, daß die Recruten vor ihrer Beeidigung in -ihren betreffenden Gotteshäusern erscheinen sollen, um über die Heiligkeit des Eides und die opferfreudige Hingebung an Kaiser und Reich belehrt zu werden. In Folge dessen hat Mittwoch den 1. November, nach 8 Uhr Morgens, ein feierlicher Gottesdienst für die jüdischen Recruten im israelitischen Bethause der Innern Stadt stattgefunden. In Bezug hierauf erhalten wir folgende Zuschrift: Wien, 1. November 1893. Hochgeehrtester Herr Redacteur! Als Mitanwesender bei dem heute für die jüdischen Soldaten der Garnison zur Vorbereitung auf den zu leistenden Fahneneid veranstalteten Gottesdienste fühle ich mich veranlaßt, Ihnen, hochgeehrtester Herr Redacteur, der Sie so muthig und unermüdlich für das Ansehen des Judenthums bei jeder Gelegenheit sich einsetzen, eine bei diesem Anlasse gemachte Wahrnehmung mitzutheilen, welche geeignet war, nicht nur auf mich als gewesenen Unterofficier, sondern auf Jeden, der den Militärstand auch nur vom Hörensagen kennt, einen sehr Peinlichen Eindruck zu machen. Schon im Innern des Tempels mußte es jedem der Anwesenden auffallen, daß unter den Abtheilungen aller möglichen Truppengattungen und Regimenter eine einzige in Feldkappen erschienen war, während alle übrigen in vollster Parade adjustirt waren, doch wird Niemand diesem Umstande eine höhere Bedeutung beigemessen haben, sondern darin nur eine unbestimmte Form des bezüglichen Stadtcommando-Befehles vermuthet haben, durch welche nicht ausdrücklich vorgeschrieben wurde, daß die Mannschaft in Paradeadjustirung zu erscheinen habe. Nach beendetem Gottesdienste war begreiflicherweise eine beträchtliche Anzahl Neugieriger versammelt, um dem Abrücken der jüdischen Mannschaften zuzusehen. — Das letztere vollzog sich in sehr würdiger Weise. Die nreisten der Abtheilungen, oder besser gesagt, mit Ausnahme einer einzigen, alle — wurden von einem Officier, Cadet- Officiersstellvertreter oder von einem Unterofficier der höchsten Charge geführt und nahmen sich in der Paradeuniform sehr gut aus. Eine einzige Abtheilung mußte in dem Herzen der Anwesenden einen wehmüthigen Eindruck Hervorrufen, und dies mußten gerade die Kinder unserer Stadt und vielleicht so manches Glaubensgenossen, der sich unter den Zusehern befand, mit einem Worte die Deutschmeister sein. Bon einem Corporal geführt, erschienen sie unter den glänzenden Uniformen der übrigen Truppenkörper in ihren elenden Feldkappen und außerordentlich abgetragenen Mänteln wie ein Haufen armer Sünder und nur das Gewehr und der Tornister ließen erkennen, daß dies nicht etwa eine auf schwere Arbeit commandirte Schaar von Garnisonsarrestanten ist. Bei einem Stande, wo Intelligenz, Charakter und moralische Eigenschaften hinter die Uniform zurücktreten und die Achtung der Nebenmenschen sich unwillkürlich nach der Aeußerlichkeit des Individuums richtet, erweckt ein schlecht bekleidetes Individuum'umsomehr Mitleid, als es in bieftr Beziehung zumeist nur von der Willkür des betreffenden Vorgesetzten abhäugt. Aber ein geradezu demüthigendes Gefühl für jeden unserer Glaubensgenossen ist es, zu sehen, daß bei unserem, sozusagen Hausregimente ein solcher feierlicher Anlaß in so wenig würdiger Weise behandelt wird und man muß in dieser schlechten Uniform eine Unterdrückung des Selbstgefühls unserer Glaubensgenossen in diesem Regiments finden. Bei einem gewöhnlichen Kirchengange der katholischen Mannschaft, wird außerordentlich strenge darauf gesehen, daß die Mannschaft mit den besten Montursstücken, welche das Unterabtheilungs-Magazin besitzt, bekleidet erscheine und von höheren Officieren und Unterofficieren geführt werde; den heutigen ersten und sicherst nach Jahresfrist wiederholenden Gottesdienst der jüdischen Mannschaft fand aber unter so vielen Truppen und Truppengattungen das Commando der Hoch- und Deutschmeister augenscheinlich nicht feierlich genug, um zu befehlen, daß die Mannschaft wenigstens eine anständige Ausgangs-Adjustirung für diesen Anlaß erhalte. In einer solchen Adjustirung, wie heute die jüdischen Deutschmeister im Tempel erschienen waren, hätte aber nach meinen Erfahrungen keine Thorinspection meines Regimentes einem Soldaten das Ausgehen gestattet. Uebrigens mußte auch das Aussehen dieser Leute, welche fast durchwegs den Eindruck der Herabgekommenheit und schlechter Ernährung machten, wehmüthige Gefühle erwecken und unwillkürlich auf Gedanken bringen, daß unsere Kinder und Brüder bei den Edelknaben sich einer wenig edlen Behandlung erfteuen und Fälle wie der Selbstmord Äb eles nur insoferne selten sind, daß die meisten unserer Glaubensgenoffen Muth und Ausdauer genug haben, um alle Leiden und Widerwärtigkeiten für das Vaterland zu ertragen. F. Wien. (Die Lügen Bergani's.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Hannover, 30. October 1893, Löwenstraße 2. An die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien: In der hiesigen antisemitischen „Post" ersehe ich einen dem dortigen „Deutschen Bolksblatt" entnommenen Artikel, den momentan sich hier abspielenden Wucher- und Spielerproceß betreffend. Namentlich wird in dem Artikel von dem in Wien lebenden jüdischen Betrüger L i ch t n e r gesprochen, der vor der Thora einen Eid geleistet haben soll rc. — Wie amtlich bei der Verhandlung und aus den Gerichtsacten festgestellt wurde, ist der Herr Lichtner katholischer Confession. S iegfried Levi. Wien. (Die judenreine Juden-Nordbahn.) Der Wiener Stationschef der judenreinen Juden- Nordbahn ist zum Betriebs-Jnspector befördert und nach Mährisch-Ostrau versetzt worden. Hiemit hat eine Affaire ihren Abschluß erlangt, welche einen tiefen Einblick in die Rechtlichkeit und Gewissenhaftigkeit der antisemitischen Catone gewährte. Unter dem Regime des gewesenen Stationschefs war es einem Juden nicht möglich, auch nur zur niedrigst dotirten Stelle auf dem Wiener Nordbahnhofe zu gelangen. Ein Sprichwort sagt : „Es kommt selten was Besseres nach", und so muß man mit der Thatsache rechnen, daß auch in Hinkunft die Juden-Nordbahn — judenrein bleiben wird. Budapest, 30. October. Eine bedeutsame Aeußerung machte der jubilirende Erzbischof Samafsa von Erlau beim Empfang der israelitischen Gemeinde. Er sagte: „Ueber ein Ding möchte er Licht verbreiten; dieses Ding ist: Ein gerechtes Urtheil für seine Diöcese, daß dort unter den Bürgern Liebe, Friede und Eintracht herrscht und daß diese Gefühle nicht gestört wurden, obgleich der Anlaß dazu vorhanden war. Vergessen Sie nicht, daß Tisza- Eszlar sich auf dem Gebiete meiner Diöcese befindet. Man hätte das Volk aufwiegeln können, es ist wohl auch versucht worden, allein es gelang nicht; denn sehen Sie, es gibt gewisse Bücher, die Ihnen gleichwie mir heilig sind, aus welchem ich Weisheit und Mitgefühl schöpfe. Mein Meister gebietet mir unter Hinweis auf das Beispiel des Samaritaners: „Gehe hin und thue desgleichen." Und da kann ich nicht anders, als die Gefühle der Menschenliebe in meiner Diöcese zu verbreiten und nimmer zuzugeben, daß sie gestört werden." Auch der Deputation der orthodoxen Juden erwiderte der Erzbischof, er habe sich stets durch Liebe und Gerechtigkeit leiten lassen und nichts könne ihn von dieser Richtung abbringen. Berlin, 1. November. (Antisemitischer Landesverrats).) Einen scandalösen Vorgang veröffentlicht der hiesige Correspvndent der „Nowoje Wremja". Der Secretär des russischen Consulats hat ihm Briefe zweier antisemitischer Reichstagsabgeordneter, der Herren v. Langen und L e u ß, gezeigt, worin mit Ergebenheitsbetheuerungen für Rußland um Vermittlung engerer Beziehungen mit hervorragenden russischen Personen ersucht wird. L e u ß hatte dieselbe Bitte

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