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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-11-03 · 44 (3.11.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
44 (3.11.1893)
Date
1893-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Orstrrreichiptzr Wochrnschrist Sette 861 vorigen Briefe bereits erwähnten Magistratsvorschlag, laut welchem ein in der Leopoldstadt, dem Budapests Cityviertel, gelegenen Grund im Ausnraße von 2240 Quadratmetern und im Werthe von 600.000 fl. der Pest er israelitischen Gemeinde behufs Tempelbaues gratis überlassen wurde — einstimmig angenonnnen. Alle Repräsentanten, die zu diesem Gegenstände sprachen — selbstverständlich enthielten sich die jüdischen Mitglieder jeder debattlichen Jngerenz — betonten die moralische Verpflichtung der Hauptstadt zur Annahme des Antrages und wahrhaft erhebend war die Einmüthigkeit und Bereitwilligkeit, mit der das hauptstädtische Municipium das von der jüdischen Gemeinde ausgehende Gesuch bewilligte. Run wird sich in Bälde auf jenem von vier Gassen slankirten Grunde ein monumentales Gotteshaus erheben, als glänzendes Wahrzeichen der brüderlichen Eintracht innerhalb der polyconfessionellen Bevölkerung der Hauptstadt. Der hestige parlamentarische Kampf, der vor Kurzem wegen der Boros-Sebeser und Günser Antworten im ungarischen Parlamente tobte, hatte natürlicherweise auch die vielbesprochene -»Antwort an die jüdische Deputation mit in die Debatte gezogen. Abgeordnete der verschiedensten Parteischattirungen mterpellirten den Ministerpräsidenten wegen der scharfen an die Juden gerichteten Worte, doch keiner that dies in einer uns übelwollenden Weise, es wäre denn, daß wir die vom oppositionellen Abgeordneten B eö t Hy gethane Aeußerung: „Recht sei ihnen geschehen, weil sie die Negierung immer unterstützen", nicht als eine bloße innerliche Genugthuung seines oppositionellen Gefühles betrachten wollten. Im Großen und Ganzen genommen, mag dieser Abgeordnete nicht unwahr gesprochen ' haben, allein auch die Israeliten thun nicht Unrecht, wenn sie d i e Regierung, welche sie in ihrer bürgerlichen Stellung und in ihrem culturellen Anschluß an dw Gesammtbevölkerung nicht behindert, aus allen Kräften unentwegt unterstützen. Daß aber viele unserer Glaubensgenossen ihre politische Ueberzeugung trotzdem nicht von engeren, consessionelleu Rücksichten alteriren lassen, das beweisen die vielen Tausende oppositioneller jüdischer Stimmen, die gelegentlich der letzten Wahlen zum Ausdruck kamen. Ja, wir haben sogar einen jüdischen Volksvertreter, der ein hervorragender Wortführer der Unabhängigkeitspartei ist. Ueber die Debatte, die sich am 13. und 14. d. M. im Unterrichtsausschnsse des Abgeordnetenhauses wegen der Neceptionsvorlage entspann, haben Sie ja schon kurz berichtet. Angesichts des gewissen Tones, der von gewisser Seite in Ihrem eisleithanischen Parlamente immer angeschlagen wird, so oft eine die Juden tangirende Angelegenheit aufs Tapet kommt, wäre es aber ein verdienstliches und lehrreiches Werk gewesen, wenn Sie als Pendant zu jenem schon typisch-antisemitischen Gepolter in Ihrem Parlamente drüben die ruhigen und sachlichen Erörterungen dahier gelegentlich des Receptionsgesetzentwurses ihrem Wortlaute nach veröffentlicht hätten. Welch schöne und edle Worte wurden da zu Gunsten der Reception gesprochen. Es verschlug gar Nichts, daß zwei Sectionsmitglieder im Tatar nur blos pour rhonneur de leur drapeau ihre Zustimmung von gewissen Bedingungen abhängig machten. Am meisten wurde die Nothwendigkeit einer einheitlichen jüdischen Gemeindeorganisation betont. Der Gesetzentwurf der — die geistlichen Sectionsmitglieder hatten sich absentirt — einstimmig angenommen wurde, wird vermuthlich ehestens auch im Plenum des Abgeordnetenhauses die Feuerprobe des echten Liberalismus glänzend bestehen und „die Unterlassungssünde der Vergangenheit", wie der Abgeordnete Ernst Kämmerer sagte, „so wiederaut gemacht werden". Daß die brüderliche Eintracht zwischen Juden und Christen bei uns auch auf dem Lande zur Geltung kommt, das ersehen wir aus einem am 9. d. M. in Szathmar gefaßten städtischen Beschlüsse, im Sinne dessen die dortige Commune die israelitische Mädchenschule mit 1200 Gulden jährlich subventioniren wird. Diese großherzige Resolution ist umso höher anzuschlagen, als diese Stadt schon seit langer Zeit drei an der jüdischen Knabenschule daselbst angestellte Lehrer mit je 6OO Gulden jährlich honorirt. Wird es Ihren Lesern aus der engeren Heimar Decker t's, Eb enhoch's, Stöcker's und wie sie sonst heißen, nicht als Zeitungsmärchen erscheinen, wenn ich Ihnen von einem Legate berichte, das ein christlicher Pfarrer zu Gunsten einer jüdischen Gemeinde gestiftet hat? Hier die Thatsache: Am 23. September starb in Dees (Siebenbürgen) der -dortige evangelische Geistliche Samuel Kovacs. In seinem bescheidenen Nachlasse fand man eine Stiftung von 5OO Gulden für die dortige jüdische Schule, welche zum großen Theile Schöpfung des trefflichen Pfarrers ist und sich als mächtiger Factor zur Magyarisirung der dortigen Gegend bewährt. Der tragische Tod jenes unglücklichen Dr. Joses Kalman, Advocat in Groß-Wardein und Herausgeber eines dortigen Tagblattes, der in einem für seine journalistischen Collegen angenommenen Duell sein junges Leben lassen mußte, ist der Ausgangspunkt einer heilsamen Bewegung geworden, die immer weiter um sich greift und es wahrscheinlich durchsetzen wird, daß dieser von der ungarischen Gesetzgebung noch immer tolerirte mittelalterliche Zweikampf von der Legislative endlich eingeschränkt werden wird. Vereine, Städte und Comitate schließen sich einer dahinzielenden und an das Abgeordnetenhaus zu richtenden Petition reihenweise an. Daß die Erinnerung an den einstigen Antisemitismus in Ungarn dann und wann von Neuem aufgesrischt werde, dafür sorgen eben die ehemaligen Heroen dieses Rassenkampfes. Ein solcher tauchte in der letzten Woche im Gerichtssaale als Angeklagter auf. Es ist dies der gewesene Duna-Szerdahelyer antisemitische Abgeordnete Advocat Dr. Ludwig Szabö, der noch vor wenigen Jahren aus der Insel Schütt als Volksbefrcier und Purisicator auftrat, seine Wähler mit dem Kreuz in der Hand haranguirte und sie auch derart begeisterte, daß kurz hernach die Szerdahelyer Judengasse auf drei Seiten zu brennen anfing; dieser antisemitische Cato hatte sich am 24. und 25. d. M. vor dem Budapester Gerichtshöfe wegen des zweifachen Delictes von Defraudation und Betrug, begangen an einer armen Bäuerin, einem verschuldeten bäuerlichen ehemaligen Wähler und einem unglücklichen Kellner, zu verantworten. Jnwieferne dies dem Geklagten gelungen, mag das über ihn gefällte Nrtheil sagen, das über ihn eine einjährige Kerkerstrafe, einen dreijährigen Verlust seiner bürgerlichen Rechte und einen dauernden Amtsverlust verhängte. Nun ist auch dieser Held den Weg aller V erhovay's gegangen. Bald dürfte ihm noch so Mancher seines Calibers aus diesem Wege folgen, wenn nicht hüben, so doch drüben. Qui vivra, verra. B. M—1. Ein Gutachten über das Schächten. Erstattet von Herrn Geh. Regierungs- und Medicinnlrath Professor Tr. Tammann, Director der Thierärztlichen Hochschule in H a n n o v e r.*) Hannover, 3. August 1893. Von dem Provincialrabbiner Herrn Dr. M. Cahn in Fulda bin ich unter Bezugnahme aus ein von mir im Jahre 1886 über die Schlachtmethode der Israeliten erstattetes Gutachten ersucht worden, mich nochmals darüber zu äußern, ob das Schächten als ein thierquälerisches Schlachtverfahren zu erachten sei. Anlaß zu diesem erneuten Ersuchen hat der Umstand gegeben, daß im Königreich Sachsen durch eine ministerielle Verordnung vom 21. März v. I. die Betäubung der zu schlachtenden Thiere allgemein angeordnet und dadurch indirect das Schächten, welches die vorgängige Betäubung ausschließt, verboten ist. *)'Aus der „Jüd. Presse".

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