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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-27 · 43 (27.10.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
43 (27.10.1893)
Date
1893-10-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 848 Vrstenetchtfchr Wochenschrkfl Nr. 43 Dem Figaro zufolge steht dem ehemaligen Präfecten des unteren Seine-Departements M. H e n d l e eine bedeutende Beförderung bevor. Er soll zum Präfecten des Seine-Departements ernannt werden und da dieses Departement Paris um. faßt, so ist dieser Posten einer der höchsten im französischen Civildienste. An der Conferenz der lateinischen Münz-Convention nahmen drei Juden als Delegirte theil: Baron Alfons de Rothschild in Vertretung der Bmqae de France, ferner Chevalier Mortarsa, Departement-Chef im Finanzministerium in Rom, und Senator Montefiore L ev i für Italien. Petersburg. Der „Woschod" schreibt: Ein christlicher Arzt Herr Potchataref, Mitglied der medicinischen Gesellschaft Smolensk, hat diese darum ersucht, bei den städtischen und allgemeinen Behörden der Provinz einzukommen, damit keine weiteren jüdischen Aerzte als Communal- und Bezirksärzte zugelassen würden. Dieses merkwürdige Gesuch ist in der Versammlung sehr kühl ausgenommen worden. In der letzten Sitzung der Gesellschaft wurde der Schritt des Herrn Potchataref sehr lebhaft angegriffen. Der Präsident beantwortete auf das Energischeste diese antijüdischen Neigungen, „die in ein anderes Zeitalter gehören". — „Die jüdischen Aerzte können nichts für ihre Geburt," sagte er, „ich habe sie aus dem Schlachtfelde, wie auch während der letzten Choleraepidemie beobachtet, überall erfüllten sie ihre Pflicht. Es ist sehr betrübend, daß conseffionelle Anfeindungen bis in einen Verein dringen, dessen einziger Zweck ist: Kranken zu helfen." (Und doch kommt dergleichen auch in Deutschland vor.) Sibirien. Wie der „ Standard "-Corrcspondent in Shanghai aus zuverlässiger Quelle aus Ostsibirien erfahren haben will, ist dort der bestimmte Befehl des Ministers des Innern eingetroffen, das schon bestehende Gesetz, wonach die Juden nur in bestimmten Orten leben dürfen, genau durchzusühren. Den Juden in Tomsk, Tschita, Irkutsk, Blagoweschtschensk, Nikolajewsk, Shabarowka und Wladiwostok ist der Befehl zugegangen, sich bis zum 13. Octvber in die ihnen zugewiesenen Gebiete zu begeben. Durch die Ausführung dieser Bestimmung würden viele Juden, insbesondere in Irkutsk und Tomsk, wo sie bedeutende; Capitalien angelegt hätten, schwer geschädigt. Es sollen im Ganzen 20.000 bis 22.000 Juden in Sibirien leben, von denen Biele schon das Land verlaßen, um sich nach China, Japan oder Amerika zu begeben. Bukarest, 12. Octvber. Der Schaden, welcher unserem Lande aus der harten Behandlung der Juden, die zur Auswanderung getrieben werden, erwächst, wird von einem der griechisch-orthodoxen Kirche angehörenden Rumänen in eineni hier erscheinenden Blatte in lebhaften Farben geschildert. Unter Anderem sagt er: „Eine große Anzahl dieser Emigranten sind Handtverker, wie Schuhmacher, Tischler, Schneider, Pelzarbeiter. Wir wollen nicht von den Specialisten sprechen oder von geistig hervorragenden Männern, welche allesammt dem Lande von großem Nutzen waren, aber von dem jüdischen Ackerbauer, welcher sich unserer Landbevölkerung besonders nützlich erwies. Die Mwesenheit dieser agriculturellen Arbeiter sängt an, sich stark fühlbar zu machen, nur wenige Rumänen lvidmen sich demselben und können sich entschließen, auf dem Lande zu wohnen. Der arme Bauer, welcher in früheren Jahren mit Leichtigkeit seine Pelze und sonstigen Kleidungsstücke im Umtausch für Hühner, Eier und Bodenproducte repariren lassen konnte, muß jetzt nach der Stadt gehen und dort die Ausbesserung vornehmen lassen, wofür er mehr zu bezahlen hat, als der wirkliche Werth ist. Er muß in Baar bezahlen, was der rumänische Bauer nicht leicht bewerkstelligen kann. . . Wenn ein Wechsel stattgefunden hat, so sind die jetzigen Zustände unzweifelhaft viel schlechter als die vorangegangenen. Die Parteigänger, welche die Wohlfahrt des Landes im Auge haben, müssen zur Erkenntniß gelangen, daß in gegenwärtiger Lage ihre Erwartungen gewiß nicht verwirklicht werden können, also vickeant consules! Diejenigen, welche der Welt über die Ursachen der jetzigen Nothlage Sand in die Augen streuen wollen, sollen und müssen entlarvt werden. . . Die Juden bilden ein Element, das viel Gutes und Nützliches leistet, und ihre Auswanderung kann dem Lande nur zum Schaden gereichen." VrnmjscktkL. Wie«. (Trauungen.) Sonntag, den 22. Octvber 1893 wurde» getraut: Herr Franz Jordan mit Frl. Bianka Wertheimer; Herr Alexander H e r z k a mit Frl. Adeline Hoffmann; Herr Samuel Schallinger mit Frl. Malvine SinZer. Sonntag den 29. Octvber 1893 findet im israel. Tempel I., Seitenstettengaffe 4, die Trauung des Hofu. Gerichtsadvocaten Dr. Wilh. Reinitz mit Frl. Mila Steiner statt. - Sonntag, am 29. Octvber Nachniittags 1 Uhr findet in Neudorf a. d. March -bei Preßburg die Trauung des Frl. Hermine Kanitz, Tochter des Bernhard Kanitz, mit Herrn David Weinberger aus Budapest statt. Wien. (Für unsere A r m e n c a s s e.) Frau Doctorin Charlotte B o r n e t hat uns 10 fl. für würdige Arme übergeben, die wir ihrer Bestimmung zugeführt haben. E. B. Wien. (D e r Handarbeits-Unterricht an Samstage n.) Nachdem es sich wiederholt ereignet hat, daß jüdische Schülerinnen zum Handarbeits-Unterricht an Samstagen seitens der Jndustriab.Lehrerinnen angehalten, worden sind, so empfiehlt sich in Erinnerung zu bringen, daß jüdische Schülerinnen gesetzlich von der Theilnahme am Industrial- Unterrichte an Samstagen dispensirt sind. Wien, 24. Octvber 1893. (Israel. Frauen -Wohlthätigkeits-Berein „Frauenhort".) Das günstige Prognostikon, das wir diesem rührigen Vereine bei seiner Gründung gestellt, hat sich glänzend bewährt, denn immer mehr erweitert sich der Kreis seiner Gönner und Förderer. Getreu seiner Aufgabe: arme, kranke Frauen und Wöchnerinnen zu unterstützen, hat er durch seine rasche und ausgiebige Hilfe das Wohlbehagen in so manche Krankenstube gebracht und jetzt rüstet sich der Verein, dem 2. Theile seiner Aufgabe: die Bekleidung armer Schulkinder zur Winterszeit, gerecht zu werden. Ein geschäftiges Treiben konnten wir dieser Tage in der Kanzlei des Vereines, IX., Müllnergaffe 21, beobachten. Eine zahlreiche Kinderschaar, Knaben und Mädchen, füllte die Räume und Schneider, Schuster und Näherin hatten vollauf zu thun, der kleinen und allerkleinsten Schuljugend die Kleider, die demnächst zur Bertheilung gelangen, anzupaffen. Auf Tischen und Stühlen liegen reiche Liebesgaben, hohe Stöße von Kleiderstoffen und Leinwand, welche von bekannten hervorragenden Firmen, die stets ein offenes Herz und eine offene Hand für solche humanitäre Zwecke haben, dem Vereine für seine Schützlinge zur Verfügung gestellt wurden. Aber auch zahlreich laufen die Gesuche armer Eltern ein, die für ihre Kinder um ein schützendes Winterkleid bitten. Da gibt es so manche würdige mit 3 und 4 schulpflichtigen Kindern gesegnete Familie. Leider gestatten es aber die beschränkten Mittel des Vereines nicht, mehr als 1 oder 2 Kinder einer Familie zu berücksichtigen. Armes Kind, das leer ausgehen muß, während Brüderchen oder Schwesterchen seine neuen Winterkleider freudestrahlend nach Hause bringt. Weine nicht, armes Kind! Es gibt ja so viele edle Herzen, da wird noch Mancher sein Schärflein zu deiner Bekleidung beitragen. Gibt es denn einen herrlicheren, reineren Genuß, als in ein glückstrahlendes Kinderauge zu blicken. „Habet Acht ans die Kinder der Armen!" rufen uns unsere alten Weisen zu, darum helfe, wer helfen kann! An Geldspenden zur Bekleidung armer Schulkinder sind dem Vereine bis nun zugekommen: von Herrn Max Hill er 25 fl. mit der speciellen Bestimmung, daß für diesen Betrag Winterkleider für jene armen Kinder angeschafft werden, die nicht mehr aus Vereinsmitteln beiheilt werden können. Von Frau Philippine Bauer 20 fl., Frau Jeannette S ch e s f t e l 5 fl., Frau Betty Thalberg 30 fl., Frau Regine Kanitz 10 fl., Frau Rosa Kanitz 10 fl., Frau Regine Bettelheim 20 fl. — Weitere Spenden übernehmen die Damen: Rosa Ziffer er, IX., Maximilianplatz 6, Regine Kopstein, 1., Neuthorgaffe 13 und Johanna Fröhlich, IX., Frankgasse 1. Wien. Bei der Demolirung des fürstlich Schwarzenberg'schen Palais in der Kärntnerstraße hier wurde ein geborstener Grabstein mit einer hebräischen Inschrift aufgefunden, die nun unsere Cultusgemeinde entziffern lassen wird. Dadurch behalten jene Wiener Chroniken Recht, welche behaupten, der älteste jüdische Friedhof in Wien habe sich im Süden der alten Stadt, und zwar in der Nähe des Platzes, auf dem später die kaiserliche Burg erbaut worden ist, befunden. Auf diesem Friedhofe wurde nun wahrscheinlich auch der Or Sarua, der im 11. Jahrhundert hier in Wien Rabbiner war, begraben. Wien war überhaupt schon in den frühesten Zeiten in Folge seiner Lage an der Donau, längs der sich die Handelsstraße von Constantinopel nach Regensburg und dem Rheine hinzog. Sitz einer jüdischen Gemeinde, und wenn man manchen historischen Ueberlieferungen glauben darf, so haben schon zwei Jahrhunderte

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