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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-20 · 42 (20.10.1893) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
42 (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 834 Oesterreichische Worlzenschrist Nr. 42 glücklich, als sein Leibarzt erklärte, daß keine Gefahr vorhanden, daß ich in wenigen Tagen vollständig hergestellt sein würde- Friedrich Wilhelm ist ein Egoist, der es nicht begreifen kann, daß ein Mensch sein eigenes Leben um das eines andern zu retten einsetzt und in überströmendem Gefühle warf er sich über mich, küßte mich und beschwor er mit den höchsten Eiden, daß er mir diese That bis zu seiner letzten Stunde nicht vergessen werde." „Er war Ihnen auch in der That zu höchstem Danke verpflichtet", meinte Wertheimer. „Ich hatte im täglichen Verkehre mit dem Markgrafen Gelegenheit, ihn genau kennen zu lernen und trotzdem er mich persönlich mit Wohlwollen und Güte überhäufte, vermochte er mir doch keine Sympathie einzuflößen. Er war zu unbeständig, er ließ sich von den unbedeutendsten, nebensächlichsten Umständen beeinflussen. Wer bei ihm. heute in höchster Gunst stand, konnte am nächsten Tage in höchste Ungnade fallen, wen er heute als seinen treuesten, ergebensten Freund pries, den konnte er am nächsten Tage als Hochverräther in einen dunklen unterirdischen Kerker werfen und dort erbarmungslos verfaulen lassen. Er besaß gar keine festen Grundsätze, er ließ sich nur von seinen momentanen Stimmungen beherrschen. Wenn er, in toller Gebelaune war, belohnte er den geringsten Dienst königlich, während er, wenn er übler Laune war, oft einen Diener, der unabsichtlich einen gar nicht nennenswerten Schaden verursachte, eigenhändig in furchtbarster Weise züchtigte, mißhandelte. Bald schenkte er Jedermann unbegrenztes Vertrauen, bald war er von einem Argwohn besessen, der sich seiner ganzen Umgebung in peinlichster Weise fühlbar machte. Markgraf Friedrich Wilhelm war egoistisch, rücksichtslos, ungerecht, hart, grausam. Mein Vater, der in Fürth lebte und mir daher nicht von Fall zu Fall mit seinem weisen Rathe zur Seite stehen konnte, hatte es mir strenge aufgetragen, mich nie nie in Dinge zu mischen, die außerhalb meiner Sphäre lägen, machte es mir aber andererseits zur Pflicht, wenn dies in meiner Macht läge, Grausamkeiten zu verhindern, unschuldig Verfolgte zu schützen. In der That hatte ich einmal Gelegenheit, diese Pflicht mit Erfolg auszuüben und ich will dieses Begebniß, das sich kurz vor dem Sturze unseres Hauses zutrug, aus dem Grunde erzählen, weil Sie, hochverehrter Herr Oberhoffactor, die Person, die es betraf, kennen lernten und diese mit Gotteshilfe eine günstige Wendung in dem Schicksale meiner Familie herbeiführte. Es handelte sich nämlich um einen Menschen, den ich von meiner frühesten Jugend an gekannt hatte. Mein Vater war einmal auf einen sieben, bis achtjährigen Burschen dadurch aufmerksam geworden, daß dieser ihm eine große Silbermünze, die er ihm, als er ihn um eine Gabe ansprach, verabreichte, aus dem Grund zurückbrachte, weil er glaubte, mein Vater hätte beabsichtigt, ihm eine Kupfermünze zu geben, und hätte sich nur in der Dunkelheit vergriffen. Mein Vater erkundigte sich über den Knaben und erfuhr, daß seine Mutter, Barbara Rogert, die Witwe eines Dachdeckergehilfen sei, der bei einem Sturze vom Thurm sein Leben eingebüßt und sie und ihr Kind in so trauriger Lage hinterlassen hatte, daß die arme Frau, die an Gicht litt und daher nicht arbeiten konnte, um nicht mit ihrem Kinde zu verhungern, gezwungen war, dieses betteln zu schicken. Mein Vater sorgte für die Witwe und ließ den Knaben Bernard, einen gutgearteten, begabten Knaben, unterrichten. Als dieser vierzehn Jahre alt geworden, gab ihn seine Mutter in die Dienste eines Gutsbesitzers, wo er Gelegenheit hatte, sich zu einem tüchtigen, herrschaftlichen Diener auszubilden und als sein Dienstherr starb, äußerte die arme* Witwe, deren Vater einen unbedeutenden Posten bei dem Fürsten eines kleinen Ländchens eingenommen hatte, sie würde es als ein Glück betrachten, wenn ihr Sohn an den markgräflichen Hof — und sei es auch in der niedrigsten Stellung — käme, wo er ganz gewiß in nicht ferner Zeit in die Lage gesetzt würde, seine Mutter zu unterstützen. Mein Vater sah ein, daß Barbara Rogert recht habe, und deren Sohn kam — mein Vater war damals noch nicht in persönlicher Berührung mit dem Markgrafen gekommen — durch Vermittlung meines Oheims Elkan als Stallbursche an den Hof. Der kluge, zu Allem verwendbare Bursche erregte die Aufmerksamkeit des Markgrafen, er gewann dessen Gunst und wurde bald dessen Leiblakai." „Es ist dies derselbe, der zuletzt beim Grafen Nimptsch in Diensten stand und das gegen den Prinzen geplante Complott entdeckte," bemerkte Wertheimer, sich an Perez Markbreiter wendend. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Assimilation, Antisemitismus und Nationaljudenthnm von Dr. Jacob Kob tt, 1894. Wien, Buchhandlung L. R v s n e v. Leipzig, Literarische Anstalt August Schulze. Preis 15 Kreuzer. Der Verfasser, derzeit Präses des akademischen Vereines „Kedimah", geißelt die Assimilationspolitik, welche an sich selbst scheiterte, leider erst, nachdem sie die Juden in einen abgrundtiefen Morast getrieben hatte. Sie scheiterte auch au dem Antisemitismus. Die Ansichten des Verfassers über den Antisemitismus sind höchst originell, die dialectische Schärfe und Gewandtheit in der Begründung derselben bedeutend. Die einzig mögliche Lösung der Judenfrage erblickt Dr. Ko hu in dem Erfolge der jüdisch-nationalen Bestrebungen, in der Schule, Erziehung der Juden in der Kenntnis; der eigenen Sprache, Geschichte und Literatur, im öffentlichen Leben mannhaftes Eintreten für die Interessen des eigenen Volkes. „Ideale für die Massen und Ziele für die Führer und die Inden werden die Macht erlangen, ihr Recht nicht zu erbetteln, nein, es zu verlangen." Schließlich verweist der Verfasser ans die Erfolge der Eolonisativnsbestrebungen in Palästina. Der Vortrag ist knapp, nachdrücklich und lebendig, bleibt dabei überall würdig und ernst. Wochenkalender. Eheschlvan 5654. — Oktober 1893. Freitag! 10 20 E. d. N. 5'' 34'7°- Samstag 11 1^ 21 Sonntag 12 22 Montag 13 23 Dienstag 14 21 Mittwoch 15 25 Donnerstag 16 26 Freitag 17 27 Briefkasten. Für den unglücklichen israel. Religionslehrer ist uns weiters zugegangen: Von Moses A. Elberger, Kasperowce sl. l.— Publikationen der israelitischen Cultusflenteimle iw Wien. H. L. Biedermann’8«^ Waisenstiftung! Auf Grund des hoheu Orts genehmigten Stiftbriefes ergebt biemit an die zum Genüsse der Ist. L. Biedermann'schen Waisenstiftung statutenmässig Berechtigten und deren legale Vertreter die Aufforderung, ihre gehörig belegten'Ansprüche an Sustentationen aus dieser Stiftung, bei dein unterfertigten Curatorium schriftlich anzumelden. Zur Beteiligung sind berufen: hilfsbedürftige Waisen, welche Descendenten der ursprünglichen Stifter (im Jahre 1840) der Herren: M. L. Biedermann, Simon Biedermann, Josef Biedermann jan., Hermann Biedermann, Anton Biedermann, Josef Biedermann seu., Samuel Biedermann, J. Goldscbmidt, 8. J. N. Goldschmidt, J. L Hofmann Edler von Hofmannsthal, Aron Hermann, B,. M. Kaulla, Jacob Löwy, J. N. Mannheimer, M. Strass, H. Edler von Wertheimstein und Frau Amalie Lang sind. Die mit den Geburts-, Verwandtschaft^-, Armuths- und Sittenzeugnissen, sowie mit dem Nachweise der dermaligen Beschäftigung der Petenten belegten Gesuche sind im Secretariate der hiesigen israel. Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock) spätestens bis zum 3i. October 1893 von 9—12 Uhr zu überreichen oder au dieselbe zu übersenden. Wien, 1. October 1893. Das Curatorium der M. L. Biedermann’schen Waisenstiftuug. Bestens empfohlen wird Josef Saphier, Clavierstimmer seit 1879 Wien III., Badetzkystrasse Nr. 7. Telephon Nr. 4608.

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