Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Oestrrreichifchr Wochenschrift Seite 833 besondere darauf beruhe, daß er sich — wohl infolge des beständigen Umganges mit der Jugend — ihrer Leitung und Belehrung, den Samen des Guten und Edlen säend —selbst ein jugendfrisches, sonniges Herz bewahrt habe, erschollen laute Rufe des Beifalls. Tief gerührt und sichtlich bcwegt, dankte der Jubilar für alle ihm erwiesenen Ehren und wies in bescheidener Weise auf alle Factoren hin, die ihn in seiner Thätigkeit, der Schule zu nützen, unterstützt haben. Mit einem Hoch auf unseren geliebten Kaiser, den erhabensten Förderer der Schule, schloß Herr Oberlehrer Blatt seine Worte des Dankes, in das alle Anwesende jubelnd einstimmten. Die Bolkshymne beendigte die schöne Feier. Mittsritz. Der wegen allzugroßer Bescheidenheit nicht gehörig gewürdigte Bildhauer Herr Franz Carl Becher, der Schöpfer der Doppelfigur im Rondeau des neuen Burgtheaters: virtuti er exempia ist Jude. Keszthely, 12. October. Eine 60jährige gemeinnützige Wirksamkeit verdient behufs Nacheiferung öffentlich registrirt zu werden. Herr Wolf Prager, der im 87. Lebensjahre am 8. d. M. von seiner Gemeinde ewigen Abschied nahm und am 10. d. M. mit großen Ehren zu Grabe bestattet wurde, hatte 60 Jahre ununterbrochen, theils als Präses, theils als Vorstandsmitglied seiner Gemeinde gedient, sich in allen Berwaltungsagenden tüchtig bewährt, und besonders um die Reorganisation und Prosperirung des Legatenwesens seiner Gemeinde unverwelkliche Verdienste erworben. In Anerkennung seiner Verdienste hatte die Gemeinde ihn patriarchalisch geehrt und hatten sich nicht nur Klein und Groß seiner Glaubensgenossen, sondern auch in Anbetracht dessen, daß der Verblichene zugleich ein thätiges und wirksames Mitglied der Stadtrepräsentanz, des Schulstuhles gewesen, auch die Spitzen der Behörden, sämmtliche Dignitäre der Stadt, wie Abt. Dr. Dunst, Gymnasialdirector Dr. Buzany um den Katafalk versammelt und sich dem Trauerconduct angeschlossen, um dem verdienstvollen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Dr. Josef Klein schilderte das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen und gab den Gefühlen der die Bahre umstehenden Kinder und Enkel beredten Ausdruck. Budapest, 4. October. Kaiser W i l h e l m II. hat anläßlich seines Aufenthaltes in G ü n s dem Oberinspector der Südbahn, Herrn David Weiß, den Rythen Adler-Orden 4. Classe verliehen. Lemberg. Der Photograph Henner in Lemberg ist zum Hof-Photographen ernannt worden. Leipzig. Geehrter Herr Redacteur! Mit mir auf einer Etage wohnt der Buchhalter des hiesigen Bankhauses „Knauth. Nachod & Kühne", Namens Georg Beuchelt, dessen Chefs und Procuristen Juden sind. Ich bin diesem Herrn noch in keiner Beziehung persönlich begegnet, wir haben überhaupt noch nie ein Wort gewechselt, seine Frau hingegen verkehrt mit meiner Frau auf ganz freundliche Weise, indem sie mehrere Male des Tages diverse Gefälligkeiten in Anspruch nimmt, bald dies, bald jenes sich borgt, ohne daß meine Frau bisher auch nur den geringsten Gegendienst sich erweisen ließ. Dieser Herr Beuchelt äußerte sich nun vorige Woche zu dem Verwalter des von uns bewohnten Grundstückes, daß, wenn die Juden nicht ausziehen, so wird er ausziehen. Also der Mann, der des Juden Brot ißt, erklärt sich somit als Feind des Juden. Leider werden besonders in Leipzig fast alle Stellen bei jüdischen Firmen mit christlichen jungen Leuten besetzt, obwohl es gewiß nicht an tüchtigen, jüdischen Kräften mangelt, es wird sozusagen die feindliche Schlange am eigenen Busen genährt. Patzau, 15. October. Herrn Leopold Weil, Schulleiter und Religionslehrer in Patzau wurde von der k. k. Statthalterei in Prag die Befähigung zur Anstellung als Rabbiner in Böhmen zuerkannt. Breslau, 6. October. Der hiesigen Synagogengemeinde ist die landesherrliche Genehmigung zur Annahme der Zuwendung ertheilt worden, welche ihr der verstorbene Rentier Herr Julius Bruck im Wege der Erbeinsetzung mit seinem 36.000—38.000 Mark betragenden reinen Nachlasse behufs Errichtung eines Asyls für unbemittelte erwerbsunfähig gewordene . jüdische Lehrerinnen gemacht hat. Erfurt, 5. October. Der hiesige Polzei-Jnspector, Lieutenant a. D. M e tz l e r, ist gestern wegen öffentlicher Beleidigung des Kaufmannes David von dem Schöffengericht zu 10 Mark Geldbuße oder einem Tage Haft verurtheilt worden. Der Polizei-Jnspector hatte im März d. I. in einem hiesigen Restaurant mit Bezug auf die Tochter David's eine antisemitische Aeußerung gebraucht. Stolp, 1. October. Seit einigen Wochen erhalten die Landleute unseres Kreises antisemitische Flugblätter (die Streifbänder tragen den Stempel „Antisemitischer Verein Stolp"), welche aus einem hiesigen bekannten Gasthofe versandt werden, deffen Besitzer mit den Conservativen feit einigen Jahren in enger geschäftlicher Verbindung steht. Die Wirkung scheint auch nicht auszubleiben. In dem Dorfe Wobesde bei Stolpmünde wird feit einigen Tagen der jüdische Kaufmann Rosenberg von halbwüchsigen Burschen durch Steinwerfen belästigt und verfolgt. Nachdem drei dieser Missethäter ermittelt und dem Strafrichter angezeigt sind, hat man während einer Nacht das Haus des Rosenberg, gewaltsamer Weise beschädigt und dessen Gartenbank zertrümmert. Die Ortsgemeinde Wobesde wird für Schadenersatz in Anspruch genommen. Da fast allabendlich vor dem Hausedes Herrn Rosenberg von halbwüchsigen Burschen noch jetzt Straßenunfug fortgesetzt wird, so hat man das hiesige Landrathsamt um Abhilfe angerufen. Darmstadt, 6. October. Bei den vorgestern stattgehabten Ergänzungswahlen zum hessischen Landtage wurden drei Antisemiten, darunter der Reichstagsabgeordnete Köhler, gewählt. Es sind das die ersten Antisemiten, welche ihren Einzug in die hessische zweite Kammer halten. Amsterdam, 8. October. Die Königin-Regentin hat dem General-Procurator am Gerichtshöfe in Curacao, Herrn Salomon H e n r i q u e s, die Würde eines Ritters des Niederländischen Löwenordens und dem hiesigen Polizei-Oberinspector Herrn Boas die goldene Ehrenmedaille verliehen. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs» 29) rechte varbehalten.) Ich mußte, wenn mich nicht unaufschiebbare Geschäfte davon abhielten, täglich im Schlosse erscheinen, ich wurde oft zu den intimen Cerclen des Markgrafen befohlen und es fiel ihm nie ein, mich aufzufordern, von den Speisen, die mir durch das Religionsgesetz verboten sind, zu genießen. Bald bot sich mir Gelegenheit, dem Markgrafen meine Dankbarkeit zu beweisen. Er hatte von dem König von Schweden einen jungen Bären zum Geschenk erhalten, den er so gezähmt hatte, daß er ihn zum Schrecken aller Fremden, die den Hof besuchten, frei wie einen Jagdhund im Schlöffe herumlaufen ließ. Das Thier war in der That gegen jeden, den es näher kannte, zutraulich, aß dem Markgrafen und mir aus den Händen und hörte auf den Namen Ali Baba, den ihn der Fürst beigelegt. Auch war es so gut dreffirt, daß es auch den anderen Hausthieren nichts zu Leide that, daß man glaubte, es hätte seine angeborenen Eigenschaften gänzlich abgelegt. Ich durfte jederzeit unangemeldet bei dem Markgrafen erscheinen. Eines Tages übertrat ich in einem sehr kritischen Momente die Schwelle seines Kabinetes, in welchem er sich mit Ali Baba allein befand. Friedrich Wilhelm hatte, zu sehr auf die Dressur und anerzogene Milde des Thieres, das sich bisher kleine Neckereien gutmüthig gefallen ließ, bauend, es heute zu sehr gereizt, dem hungerigen Bären Leckerbissen gereicht, und als er nach diesen schnappen wollte, dieselben weggezogen, so daß endlich seine angeborene Wildheit doch hervorbrach. Er hatte sich plötzlich auf den Markgrafen gestürzt, ihn zu Boden geworfen und war eben im Begriffe, ihn zu zerfleischen. Wenn, ich den Markgrafen retten, ihn aus seiner furchtbaren Lage befreien wollte, durfte ich nicht eine Secunde zögern; ich sprang zu dem Tische, auf dem eine Reitpeitsche lag und versetzte mit derselben dem Bären einen empfindlichen Streich auf den Rücken. Ali Baba ließ sofort von dem Markgrafen ab, sprang mit einem mächtigen Satze auf mich los und schlug mich mit seiner Tatze so kräftig auf den Kopf, daß mir die Sinne schwanden und ich blutüberströmt zu Boden sank. Der Markgraf rief seine Diener herbei, die mich von dem wüthenden Thiere befreiten, das mich sonst in Stücke gerissen hätte. Als ich zum Bewußtsein erwachte, befand ich mich in einem Bette, an dem Friedrich Wilhelm, dessen Leibarzt und mein Onkel Man Fränkl, den der Markgraf ins Schloß hatte rufen lassen, standen. Ich fühlte an der Stirne einen heftigen Schmerz, der Bär hatte mir die Hirnhaut abgerissen. Ich hatte mehrere Stunden stark gefiebert, der Markgraf hatte für mein Leben gefürchtet und war