Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 832 Vefirrrrlrtztschr Wochrnschrtst Nr. .42 Wie«. Sonntag, am 29. October, 1 Uhr Nachmittags, findet im israel. Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Marianne H eller, Tochter des Herrn Director S. Heller, mit dem Kaufmann Herrn Sigmund Rosenbanm statt. — Am 22. October findet im israel. Tempel der Leopoldstadt die Trauung von Herrn Heinrich Neurath mit Frl. Gisela Kohn statt. — Die Tochter des Herrn I. L. Freistadt, Frl. Amalia Freistadt, hat sich mit Herrn Adolf Kohn aus Balpateka in Ungarn verlobt. Wie«. (Personalnachrichten.) Der Kaiser hat dem Director der Krasnaer Glasfabrik der Firma S. Reich & Co., Herrn Jacob Haas, in Anerkennung seiner vieljährigen verdienstlichen Wirksamkeit das goldene Berdienstkreuz mit der Krone verliehen. Wie das ungarische Regierungsorgan „Nemzet" meldet., ist dem Director der ungarischen Creditbank, Herrn Sigmund Kornfeld, die Eiserne Krone zweiter Classe verliehen worden. Wien. (Gedenkfeier für Mannheimer.) Am 17 d. M. Abends fand im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse aus Anlaß des hundertsten Geburtstages des verewigten Seelsorgers der Wiener Gemeinde, I. N. M a n nh e i m e r, eine Gedenkfeier statt, der ein zahlreiches Publicum beiwohnte. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde mit Herrn OberrabbinerDr. Güdemann und dem Bicepräsidenten G. Simon erschien in corpore, ferner waren u. A. anwesend die Abgeordneten Dr. Bloch und Byck, Landesschulrath Dr. G. Kohn, Hofrath v. Pfeifer, die Gemeinderäthe v. G oldschmied, Baurath Stia ß n y, Dr. Stern, Tagleicht, Oberbaurath T a u s s i g, Architekt D. Z i f f e r e r. Die Feier begann mit der Absingung des üblichen „Ma towu“ und der darauf folgenden Festhymne 134 aus dem Schir Zion, welche Gesänge durch Obercantor Singer unter Assistenz des verstärkten Chorpersonals in herzerhebender Weise executirt wurden, worauf Dr. Jellinek eine Gedenkrede hielt, in welcher er die Verdienste, die sich der Verewigte während seiner vierzigjährigen Thätigkeit um die Gemeinde und um das gesammte Judenthum erworben hatte, schilderte. Mannheimer ist zu einer Zeit geboren worden, in welcher im Westen die Menschenrechte proclamirt wurden, in der der Katechismus der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herausgegeben wurde. Für diese Ideen kämpfte auch der Verewigte unermüdlich, und es war ein schwerer Kampf, denn es sei viel leichter, ein großes Heer zu bekriegen, als Vorurtheile zu bekämpfen, besonders auf religiösem Gebiete. Doctor Jellinek erwähnte auch der Thätigkeit M a n n h e i m e r's in der ersten gesetzgebenden Versammlung, deren Mitglied er war und in der er zum Generalredner für die Abschaffung der Todesstrafe gewählt wurde. — Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde beschloß in der gestrigen Sitzung, das Andenken Mannheimer's durH eine „Man n heim er-Stiftung", sowie auch durch Anbringung einer Gedenktafel im Bethause der Inneren Stadt zu ehren. Wien. (Mannheimerfeier.) Freitag, den 20. d. M. Abends 3/46 Uhr findet im israel. Tempel des 9. Bezirkes, Müllnergasse, anläßlich des hundertsten Geburtstages des sel. Predigers I. N. Mannheimer eine Gedenkfeier statt. Herr Rabbiner Dr. S. Gelb haus wird die Gedenkrede halten. Wien. (Leichenbegängnis; des Dr. Emannel Ko lisch.) Am 6. d. M. wurde Dr. Emannel Ko lisch, einer der hervorragendsten Kinderärzte Wiens, zu Grabe getragen. In ihm verliert die medicinische Gesellschaft eine Autorität auf dem Gebiete der Kinderheilkunde, einen scharfsinnigen Diagnostiker und Therapeuten, der, wie selten Jemand, es verstand, die Kinderkrankheiten auf den ersten Blick zu erkennen und die Liebe und Anhänglichkeit seiner kleinen Patienten zu gewinnen. Ko lisch war ein Mann von großer Charakterfestigkeit und Herzensgüte, der außer seinem medicinischen Wissen einen hohen Grad von allgemeiner Bildung und eine umfassende Kenntniß der Weltliteratur besaß. _ Seine Familie verliert in ihm einen liebevollen Familienvater, seine zahlreichen Freunde linen treuen, verläßlichen Freund. Zu dem um halb 10 Uhr Vormittags stattgehabten Leichenbegängnisse hatten sich Vertreter aus allen Gesellschaftskreisen, in denen der allgemein beliebte Arzt verkehrte, eingefunden. Im Namen der israelitischen Cultusgemeinde erschien Herr S. Heit; ferner bemerkte man Hofrath Klaps, die Herren Gemeinderäthe Dr. M i t t l e r, Baurath S1 iaßn y, Sigmund Mayer, die Professoren Adam P ol i tz e r, B e n e d i k t, W e r t h e i m e r, E p st c i n, Oberstabsarzt Dr. Bruck, kais. Rath R o b i t s e k, Commercialrath N e u st a d l l, Fabrikant Rudolf K o l i s ch, die behandelnden Aerzte Dr. H o ch s i n g e r und Dr. P i n s, zahlreiche andere Bernfsgcnoffen und Patienten des Verblichenen Wien, 16. October. Die am 15. d. M. im akademischen Verein „Kadimah" stattgehabten Neuwahlen für den Ausschuß ergaben folgendes Resultat: Präses meä. Pollak, Vicepräses Drd. A. H. Reich, I. Schriftführer med. M. Ernst, II. Schriftführer med. Wertheimer, Cassier Drd. Liebster, Bibliothekar med. I. Goldenstein, OekvMin med. Salamowicz, ferner als Ersatzmänner die Herren: sur. Sigall, med. Ringel, med. Lanes und med. Fantl. Dem abtretenden Ausschuß, besonders dem Präses Herrn Dr. Jacob Kohn, welcher sich durch die Herausgabe der Broschüre „Assimilation, Antisemitismus und Nationaljudenthum" besondere Verdienste um die Verbreitung der national-jüdischen Idee in weiteren Kreisen erworben, wurde das Absolutorium ertheilt. Samstag, den 21. d. M. findet in Khuner's Restaurant, I., Schottenring 15, der Eröffnungsabend des Vereines statt, zu welchem jüdische Gäste herzlich willkommen sind. Ktattau, 10. October. Der hiesige Chorgesangs- und Geselligkeitsverein, welcher sich durch Chanuka-Betheiligungen, Anlage eines Orgelfonds und Mitwirkung beim Gottesdienste um unsere Cultusgemeinde große Verdienste erworben, feierte am 2. d. M. seinen zehnjährigen Bestand mit einem Uuterhaltungsabend, bei welchem Herr I. Lux die Festrede hielt und die Herren S. Benisch, W. Braml, M. Fleischer u. A. durch hübsche Borträge sich auszeichneten. Am 7. d. M. wurden nur Mitglieder des Vereines zur Thora gerufin und Prediger Dr. Wolf würdigte in seiner Festpredigt die gemeinnützige Wirksamkeit des Vereines und zollte denselben vollste Anerkennung. Am Abend des 7. October beschloß ein Banket unter Vorsitz des Vereinsobmannes Herrn Rudolf Fleischer die Reihe der Festlichkeiten. Denselben wohnten auch der Cultusvorsteher Herr I. P o r g e s und der Vorstand der Chewra Kadischa Herr I. Lasch anski bei. Tachau, 13. October. Am 10. d. M. wurde die nach langem Leiden dahingefchiedene Gattin unseres hochverehrten, greisen Rabbiners, Frau Betty S ch i d l o f f, zu Grabe getragen. Der imposante Leichenzug gab Zeugniß davon, welche unbegrenzte Verehrung die Verblichene bei allen unseren Glaubensangehörigen genoß. .Die städtischen Functionäre, die Directoren und Jnspectoren der Volks- und Bürgerschulen, der Frauenverein Talmud-Thora und zahlreiche sonstige Leidtragende folgten dem Sarge. Am offenen Grabe hielten Drd. Max Sch or nstein und der Marienbader Rabbiner Dr. Goit e i n der Verstorbenen innige Nachrufe. Tief erschüttert wurde jedoch die Trauerversammlung, als der greise Gatte selbst, Se. Ehrwürden Rabbiner Schidloff, an den Sarg trat und mit thränenerstickter Stimme der theuren Todten seinen Dank für die selbstlose Treue und Aufopferung aussprach, mit der sie ihm 48 Jahre zur Seite gestanden. Troppau, 4. October. (Lehrer-Jubiläum.) Zufolge einer vom Vorstände. der hiesigen isr. Cultusgemeinde ausgegangenen Einladung versammelten sich Sonntag, den 1. October um 10 Uhr die Mitglieder der Gemeinde im Festsaale der isr. Volksschule, um dem Herrn Oberlehrer Marcus Blatt, welcher nun bereits 25 Jahre zur vollsten Zufriedenheit an dieser Anstalt wirkt, den Ausdruck der besonderen Anerkennung und Werthschätzung zu widmen. Zur festgesetzten Stunde hatten sich im festlich geschmückten Schulhause der Vorstand der isr. Cultusgemeinde» der k. k. Bezirksschul- Jnspector. der Herr Rabbiner, ein sehr zahlreiches Publicum, darunter viele Schüler und Schülerinnen von ehemals, und die jetzigen Schüler der Anstalt mit dem Lehrkörper eingesunden. Der Jubilar und dessen Frau und Familie wurden von den Mitgliedern der Schulsection,Herren Emanuel Lichtritz, Dr.J. Waller und H. Ku lka mit Wagen abgeholt. Sodann bestieg der erste Cultusvorsteher, Herr Dr. Theod. Sonnenschein das Podium, um iu beredten Worten dem geehrten Lehrer für seine ersprießliche, opferfreudige und selbstlose Thätigkeit als Lehrer und Leiter der Anstalt den Dank des Cultusvorstandes, der Gemeinde, der Eltern der Schüler von einst und jetzt und den dieser selbst e.nszusprechen. Mit den besten Wünschen für fernere Tage überreichte Herr Dr. Th. Sonnenschein dem Jubilar einen prachtvollen Pvcal in einem Etui und eine ansehnliche Ehrengabe in Staatspapieren, gespendet von der ganzen Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Blüh feierte sodann den um die sittlichreligiöse Erziehung hochverdienten Lehrer, der die Jugend auf den Pfad der Frömmigkeit und Tugend leite. Jetzt trat der Herr k. k. Bezirksschulinspector Prof. Leopold Reiv ig an den Jubilar heran und sprach in seiner Eigenschaft als dessen Vorgesetzter. Die ebenso gediegenen wie gewählten Worte des Redners verfehlten ihre mächtige Wirkung nicht. Dieselben galten der zielbcwußten ehrlichen Arbeit des gefeierten Oberlehrers, welcher grenzenlose Anerkennung gebühre, und bei dem schönen im Verlaufe der Rede gebrachten Vergleiche, daß all der geschilderte Erfolg des Jubilars ins-