Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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nrrrrrf- Nr. 42 Oesterreichische Wochenschrift Seite 829 leider die ganze Sache einen für Herrn G. so traurigen Verlauf genommen hat. In Anbetracht dessen, daß es doch nun klar und deutlich ans der Hand liegt, daß Herr G. in wirklich unschuldiger Weise durch meine irre geleiteten Glaubensgenossen um sein ganzes Hab und Gut gekommen ist, suhle ich mich bewogen, aus purer Menschlichkeit und Nächstenliebe mich seiner ans diese Weise anzunehmen und wird es mein schönster Lohn sein, wenn dieser Appell an die Oeffentlichkeit dem schwerbedrängten Manne wenigstens zunr Theile sein verlorenes Hab und Gut wieder bringen würde. Für die freundliche Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichne ich hochachtungsvoll ergebenst Carl Altmann. Währing, Wildemannstraße 24. Sehr geehrter Herr Redacteur! Heutzutage verlernt man nachgerade das „sich wundern" und dennoch gibt es Dinge, worüber man staunen muH. Eines davon ist die Thatsache, daß in vielen Kaffeehäusern, deren Inhaber zu unseren Glaubensgenossen gehören, das „Deutsche Volksblatt" aufliegt. Also, Kaffeesieder, die selbst Juden sind, abonniren ein Blatt, welches täglich zweimal in der gemeinsten Art über alle ihre Glaubensbrüder herfällt, lassen sich also freiwillig beschimpfen, und so etwas ist nun schon fast eingebürgert in Wien. Ich frage Sie, sehr geehrter Herr Redacteur, würden Sic als Kaffeesieder das „D. B." abonniren? Nein, tausendmal nein, und wenn Sie sonst verhungern müßten auch nicht. Ich möchte aber nun einmal der Sache näher auf den Grund gehen. Die Herren legen das Blatt im Local auf, offenbar in dem Glauben, weil es verlangt und gelesen wird, daß mancher Gast ausbleiben könnte, wenn es nicht da ist. Nun gibt es denn wirklich solche Gäste, welche ein Kaffeehaus, welches ihnen convenirt, meiden würden, weil eine in Wien erscheinende Zeitung dort nicht aufliegt? Gewiß sehr wenige. Ich kann mir denken, daß Jemand wegen einer ausländischen Zeitung ein Local besucht, im welchem er selbe findet, aber wegen dem „D. V." wird das kaum in nennenswerther Zahl von Fällen Vorkommen, und werden diese Fälle nicht dadurch ausgewogen, daß es gewiß Glaubensgenossen geben wird, die in ein solches Local eben darum nicht gehen weil das besprochene Blatt dort zu finden ist? Wenn aber das auch nicht der Fall wäre, und der Gast in der That nur um das „D. B." zu lesen die 20 Kreuzer Zeche dort lassen würde, und der Eigenthümer um diesen Betrag sonst zu Schaden käme, sollen denn diese lumpigen Kreuzer nicht den, der sie nimmt, auf den Fingern brennen, soll sich denn nicht sein Ehrgefühl sträuben, ihm das Schamgefühl das Gesicht röthen, daß er jeinen Theil dazu beiträgt, seine Glaubensbrüder zu verrathen, zu verkaufen, zu beschimpfen, zu beschmutzen, daß er die Verachtung Aller, der Gesinnungsgenossen und der Gegner, auf sich zieht. Ich hoffe, daß es nur nothwendig war, die betreffenden Kaffeesieder auf das Ungehörige der Sache aufmerksam zu machen, um daß sie ihr Unrecht einsehen und sich darnach richten werden. Wenn aber nicht, so hoffe ich von unseren Glaubensgenossen, daß sie diese Zeilen veranlassen mögen, diejenigen Locale zu meiden, in denen sie zweimal täglich durchs „D. V." beschimpft werden» Hochachtungsvoll A. M. Emgesendrt. In den unaussprechlich schweren Trauertagen, die mich und meine Familie betroffen, sind mir so viele Zeichen inniger und hochehrender Theilnahme geworden, daß ich außer Stande bin, jedem Einzelnen die Anerkennung auszusprechen und nur im Allgemeinen meinem tiefgefühlten Danke Ausdruck zu geben vermag. Doch namentlich gilt mein inniger Dank dem wohllöblichen Vorstande der großen Wiener Cultusgemeinde, der durch seine in den ehrendsten und herzlichsten Ausdrücken gefaßte Beileidsadresse mir warmen Trost spendete. Ebenso dem löblichen Vorstande, sowie den Mitgliedern der „Chewra Kadischa" in der vormaligen Bezirksgemeinde Sechshaus, die Alles aufboten,um die bitteren Stunden mir erträglicher zu machen. Ferner dem hochgeschätzten Vorstande des Tempelvereines im VI. und Vll. Bezirk (Mariahilf), der ebenfalls durch eine prachtvoll ausgestattete und feinsinnig abgrfaßte Beileidsadresse seine warme Theilnahme bekundete, was auch von dem geehrten Borstande des Humanitätsvereines für die westlichen Bezirke gilt. Wien, 16. October 1893. Dr. Ad. Schmied!. EorresMnäenrm. Wien. In Asch, der südwestlichsten Stadt Deutschböhmens, erscheint ein kleines Wochenblättchen, welches daselbst die Geschäfte S ch v n e r e r's und die Specialgeschäfte des Abgeordneten ^areuther besorgt, der in diesem Bezirke gewählt ist. Seine Spalten werden in der Regel mit wüstem Geschimpfe gegen die Juden ausgefüllt. Man kennt ja die politische Weisheit dieser Ableger der „Unverfälschten deutschen Worte". Der Redacteur fungirt nur den Namen nach, in Wahrheit leben diese armseligen Blättchen von bloßem Nachdrucke gesinnungsverwandter selbstständiger Organe. Die Nummer 81 der „Ascher-Zeitung" vom 11. d. M., die uns vorliegt, machtvon dieser Regel eine Ausnahme. Sie bringt den Wortlaut des von Herrn Bareuther seinen Wählern krstatteten Rechenschaftsberichtes, in welchem dieser Mirabeau des Egerländchens seine Mitbürger zur Bekämpfung des schädlichen Einflusses des Internationalen Judenthums und seiner Preß- und Geldmärkte, die sich in dessen Dienst gestellt, auffordert. Das „Internationale Judenthum" ist eine Erfindung des Herrn B a r e u t h e r, auf die er sich ein Patent nehmen mag. Bisher haben wir immer geglaubt, und sowohl Herr Schönerer und Herr Stein Wender haben es versichert, daß das Judenthum deshalb bekämpft wird, weil es eine besondere Rasse ist und seine nationale Eigenthümlichkeit nicht offenbaren will. Herr Bareuther aber beschimpft es, weil es angeblich „International" ist. Unter dem Striche aber erscheint ein offenbar aus einem deutschen Blatte nachgedrucktes Feuilleton, in welchem Bismarck einer bei ihm erschienenen Judendeputation eine fürchterliche Standrede hielt. Es heißt in dieser, natürlich nur in der Phantasie des Verfassers gehaltenen Rede: „Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens haben Sie sich mißliebig gemacht, die Religion des Landes beschimpfen Sie, die Monarchie untergraben Sie, die Landwirthschaft ruiniren Sie, Handwerk und Gewerbe tumultuiren Sie durch Ihre Schleuder- und Concurswirthschaft, den privaten Wohlstand des Landes beuten Sie aus durch Wucher und Bankbrüche, die Volksstimmung fälschen Sie durch Ihre giftige Presse und durch Ihre lichtscheuen Ritualgebräuche beunruhigen Sie andauernd das Volksgemüth." Wir empfehlen dem großen Bismarck-Anbeter, Doctor Bareuther, diese Publication seines Ascher Leiborganes zur gefälliger Beachtung. Es heißt doch wahrhaftig diesen Geistesriesen an ein Schandmal fesseln, wenn man ihn so sprechen und denken läßt, wie der Ritter Stampiglius oder der Falscheid-S tö cker spricht und denkt. Die biedern deutschen Antisemiten des Eger- und Boigtlandes schrecken übrigens vor den dümmsten Lügen nicht zurück, wie die nachfolgende, jüngst in der „Bad Elster-Zeitung" erschienene Notiz bekundet: „I üdische Unverschämtheit. In einem rheinischen Badeorte begab sich eine Deputation der dortigen jüdischen Badegäste zum Curinspector und verlangte unter Hinweis auf den Umstand, daß die Juden die größten Zahl der Gäste bilden, es möge der Choral aus den täglichen Morgenconcerten gestrichen werden. Der Curinspector war aber um eine Antwort nicht verlegen und wies den unverschämten Juden die Thüre." Man beachte wohl, daß in dieser merkwürdigen Mittheilung der Name des Curortes weise verschwiegen ist. Wenn die Wähler des Herrn Bareuther auf solche läppische und dummdreiste Lügen fliegen, dann begreifen wir, daß sie just diesen Herrn zu ihrem Vertreter gemacht haben. Wien, 12. October. (Neue Untersuchung gegen Paulus Meyer.) Wider Paulus Meyer, welcher als Genosse des Pfarrers Deckert zu vier Monaten Arrests verurtheilt worden, hat die Staatsanwaltschaft eine neuerliche Untersuchung wegen Verbrechens der Majestätsbeleidigung eingeleitet, und zwar in Folge der von einem Mithäftling erstatteten Anzeige. Wien. (Einlieferung des Militär-Schriftstellers Karl Hron.) Der antisemitische Schriftsteller Karl Hron, welcher vor zwei Jahren wegen Ehrenbeleidigung zu sechs Monaten Arrests verurtheilt wurde, sich der Abbüßung dieser Strafe jedoch durch die Flucht entzog, ist von dem österreichischen Consulate in Alexandrien, wo er sich zuletzt aufhielt, hieher übersendet worden. Er wurde unlängst durch zwei Wachmänner aus Trieft dem Landesgerichte überbracht.