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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-20 · 42 (20.10.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
42 (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 820 Orsteveeichifchr Wochrnschrifi Nr. 43 schen Wissenschaft, und auf anderen Gebieten, wie nicht minder durch feine langjährige rühmlicheThätigkeit als Rabbiner, und nicht zuletzt durch seinen bewährten Charakter und seine religiöse Lebensführung die Bürgschaft dafür bietet, daß er diese Anstalt zu gedeihlicher und segensreicher Entfaltung bringen werde. Er besitzt in seinem Lehrer Zacharias Frankel gesegneten Angedenkens, dessen vertrautesten Umgang er Jahre hindurch genossen hat, ein Vorbild, welches ihn über den einzuschlagcnden Weg niemals im Unklaren lassen wird. Einer nicht minder bewährten Kraft erfteuen wir uns in Herrn Professor Doctor David Heinrich Müller, einem hervorragenden Gelehrten der hiesigen Universität, dessen vielfach grundlegende Arbeiten seitens namhafter Orientalisten die rühmlichste Anerkennung gesunden haben, der überdies als einstiger Hörer des Breslauer Seminars die Verbindung mit der jüdischen Theologie und deren Vertretern niemals aufgegeben hat. Den Genannten schließt sich m würdiger Weise Herr Professor Dr. Adolf Büchler an, der bereits auf erhebliche wissenschaftliche Leistungen Hinweisen kann, welche uns berechtigen, noch größere von seinem Fleiße und seiner Tüchtigkeit zu erhoffen. Diesem Lehrercollegium, das nach Bedarf durch bewährte Kräfte ergänzt werden wird, sei unsere Anstalt vertrauensvoll anheimgegeben. Sie ist keine Universitas literarum, sondern sie Hat nur eine Aufgabe, die Erhaltung und Erhöhung unserer Religion durch Heranbildung von tüchtigen Rabbinern und Lehrern. Diese eine Aufgabe bringt es naturgemäß mit sich, daß auch ein Geist hier walte, ein Geist, der nicht durch das Richtmaß, nicht durch ein mot d'ordre bewirkt werden soll, sondern der bei allem der Individualität zu überlassenden Spielraum, bei aller Uneingeschränktheit der Forschung und Lehre, durch die gemeinsame Erkenntniß, daß es sich hier um unsere Re ligion, um religiöse Bildung der Hörer durch religiöse Vorbildlichkeit der Lehrer handelt, sich von selbst ergibt. Möge es in diesem Geiste unserer Anstalt gelingen, die Hoffnung, welche die hohe Regierung und die Juden Oesterreichs auf sie setzen, zu erfüllen, damit sie in der Reihe der Schwesteranstallen, deren jüngste sie ist, nicht die letzte bleibe. (Lebhafter Beifall.) Herr Moprz Karst eles, Vicepräsident des Curatoriüms, richtete an die Versammlung folgende Ansprache: Meine hochverehrten Herren! Still und geräuschlos vollzieht sich heute die Eröffnung einer Lehranstalt, die sich die hohe Aufgabe stellt, Rabbiner und Religionslehrer heranzubilden. Ebenso still und geräuschlos war die Thätigkeit jener verdienstvollen Männer in ihrer Wirksamkeit zur Gründung einer Anstalt, die dem Geiste nach zehn Jahre in der Gemeinde lebt. Solange her ist es, meine hochverehrten Herren, daß zwei edle Männer unserer Gemeinde, die Herren Wilhelm und David R. v. Gut mann, die An- . regung dazu gegeben haben, eine israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien zu gründen, und seitdem unablässig bemüht waren, das von ihnen angestrebte Ziel zu erreichen. In diesem edlen Streben wurden sie unterstützt von zwei hochherzigen Männern, die stets genannt werden müssen, wenn es gilt, Großes und Gemeinnütziges zu schaffen, dem Freiherrn Albert von Rothschild und dem hochgeehrten Präsidenten des Curatoriums, dem leider erkrankten Freiherrn von Kw n i g swarter, an dessen Stelle ich heute das Wort führe. Diese von mir Genannten allein haben unserem Vereine so ausgiebige Mittel zur Verfügung gestellt, daß der Bestand dieser Anstalt für ewige Zeiten gesichert erscheint. Dank und Ehre sei diesen wackeren Männern, Dank und Ehre aber arrch Jenen, die als Stifter und Gründer unserem Vereine beigetreten sind. Ebenso spreche ich den Dank aus, den löblichen Vorständen der Cultusgemeinden von Wien, Prag und Lemberg und der Landesjudenschaft in Böhmen dafür, daß sie den einhelligen Beschluß gefaßt haben, diese Anstalt alljährlich zu subventiomren. Dennoch, meine hochverehrten Herren, wäre die Möglichkeit ausgeschlossen, diese Lehranstalt derzeit schon zu eröffnen, wenn uns nicht die Unterstützung der hohen Regierung zu Theil geworden wäre. Die hohe Regierung hat in richtiger Erkenntniß der Nothwendigkeit des Bestandes einer solchen Anstalt bei den beiden parlamentarischen Vertretungskörpern die Vorlage eingebracht und hat erwirkt, daß diese Anstalt ans Staatsmitteln subventionirt werde und deshalb spreche ich ihr im Namen des Curatoriums unseres Vereines den tiefgefühlten Dank aus. Meine hochverehrten Herren! Wer von uns denkt nicht, wenn vom Staate die Rede ist, an den edlen Herrscher dieses großen Reiches, Se. Majestät unseren allergnädigsten Herrn und Kaiser Fr.anz Jose.f i.- Er, der alle seine Völker ohne Unterschied der Nationalität und Consession mit gleicher Liebe umfaßt, hat mittels allerhöchster Entschließung seine Zustimmung gegeben, daß diese Vorlage eingebracht werde und ihm verdanken wir es, daß wir heute das längst angestrebte Ziel erreicht haben. Sie haben sich, meine hochverehrten Herren, zum Zeichen des Dankes und der Ehrerbietung bereits von Ihren Sitzen erhoben; ich lade Sie nun ein, mit mir in den Ruf einzustimmen: Se. Majestät unser allerhöchster Herr und Kaiser hoch! hoch? hoch! Rede des Rectors Dr. Schwarz. Hochansehnliche Versammlung! Geschehnisse und Ereignisse der Gegenwart, von denen man mit Fug und Recht annehmen darf, daß sie in der Zeiten Folge historische Bedeutung erlangen werden, können wir durch Nichts paffender und angemessener würdigen, als indem wir sie in die rechte Beleuchtung rücken und im Lichte der Vergangenheit betrachten. Freilich darf bei einer solchen Würdigung Niemand der Pflicht sich entschlagen, den Männern gerecht zu werden, welche die Urheber dieser Geschehnisse und Ereignisse sind, oder doch an denselben einen großen und reichen Antheil haben, aber die Hauptaufgabe bleibt doch für Jeden, der einen ungetrübten Blick für historische Erscheinungen sich bewahren will, daß er überall und immerdar die Sache über die Person stelle, weil er sich sonst der Gefahr aussetzte, anstatt bei der Sache zu bleiben und sachlich zu urtheilen, die persönlichen Momente in den Vordergrund zu rücken. Nun, meine hochverehrten Herren, die Eröffnung der israel.-theol. Lehranstalt in Wien, sie wird weit über die Grenzen unseres österreichischen Vaterlandes hinaus, ich sage nicht als eine historische That, wohl aber als ein Ereigniß betrachtet, das. im Laufe der Zeit geschichtliche Bedeutung erlangen wird und erlangen muß, wenn diese Lehranstalt der ihr gestellten Aufgabe, nicht allein Rabbiner und Prediger für die Gemeinden, Religionslehrer für Mittel-, Bürger- und Volksschulen auszubilden, sondern auch die Wissenschaft des Judenthums zu hegen und zu pflegen, in treuer und gewissenhafter Pflichterfüllung Nachkommen wird. Bei dem Eintritt eines solchen Ereignisses in Schweigen verharren zu wollen, wäre ein Verstoß gegen den Geist des Judenthums, das seine Bekenner bei Allem, was die Zeit Neues gebiert, zu Dankesäußerungen der Vorsehung gegenüber .anhält und anregt. Die Stunde, in welcher ein solches Ereigniß eintritt, ist schon an und für sich eine feierliche und weihevolle, denn sie erfüllt uns mit Gedanken und Gefühlen, welche uns über das Zeitliche hoch hinaustragen. Wohl ist die Feier, welche Sie. meine hochverehrten Herren, durch Ihre Anwesenheit erhöhen, eine äußerst schlichte und sie mußte aus Gründen, die Sie bereits kennen, eine solche sein, aber auch die schlichteste Feier kann den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck hervorbringen, wenn wir uns nnr zum klaren Bewußtsein bringen, was wir denn eigentlich feiern. Wir feiern die Eröffnung einer Rabbiner- und Lehrerschule, einer Pflanz- und Bildungsstätte, an welcher die dazu berufenen Jünglinge zu gottesfürchtigen und gottbegeisterten, mit der Schutzwehr des reinen Glaubens . und den Waffen des wahren Wissens ausgestatteten^ Vorkämpfern, zu that- und Willensstärken, zu gestählten und charakterfesten, zu überzeugungstreuen und gesinnungstüchtigen Lehrern in Israel heranreifen sollen, und es ist natürlich und selbstverständlich, daß wir unserem Gott dafür danken, daß er Gutes gethan an Israel, daß er in dem großen, weil hochsinnigen Wien Männer jüdischen Herzens und jüdischen Geistes erweckt hat, ein großes Werk in Angriff zu nehmen und zum gedeihlichen Abschluß zu bringen. Nächst unserem Gotte, dem Hüter Israels, danken wir Sr. Majestät unserem glorreichen Kaiser für seine Gnade, und seiner hohen Regierung für ihre Bereitwilligkeit, unsere Anstalt zu fördern und zu stützen, zu schirmen und zu schützen, wir danken den edelmüihigen Stiftern und Mitbegründern dieser Anstalt, wir danken den Großgemeinden Oesterreichs und ihren Vorständen, Allen, Allen, die als Edle des Volkes sich bewährt, indem sie daran gegangen sind, dem Volke einen neuen Felsenbrunnen auszu-

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