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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-20 · 42 (20.10.1893) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
42 (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 816 Vesterrrichische Wochenschrift Nr. 42 Adler, Sie sollten doch wissen, daß nicht alle Narren eingesperrt werden und es würde uns wenig nützen, wenn wir über Ihre Notiz „Mönch und Rabbi" ein Gutachten des Professors Kra f ft-Ebbing abverlangen würden. Vorläufig ist Schneider Abgeordneter im Reichsrathe und im Landtage, Reisender , im Dienste des antisemitischen Geschäftsbetriebes und seine Reden finden in den Antisemitenversammlungen wahnsinnigen Beifall. In der Vertretung der Interessen des Judenthums lassen wir uns durch solch Gebelfer nicht beirren, am wenigsten von einem Herm Adler und es ist unverschämt, daß er sich auf diese Art in unsere Angelegenheiten mischt. Was will denn Herr Adler vom „füdischen Bourgeois"? Gerade zum „Bourgeois" hat der Jude nicht das richtige Talent; die Bibel hat eben einen socialistischen Grundton. Es gibt auch jüdische Bourgeois; Herr Adler hat in dem Hause eines solchen Bourgeois das Licht der Welt erblickt, hat diesen Bourgeois beerbt und lebt, wenn auch mit Abstreifung des Judenthums, als Bourgeois von den Renten seines Capitals. Dr. Bloch ist der Sohn eines ehrlichen Handwerkers. Wo ist der echte Bourgeois zu finden, bei der „Oesterreichischen Wochenschrift" oder hei der „Arbeiter-Zeitung"? Gänzlich unfaßbar ist es, was Herr Adler, um wienerisch zu reden, uns Alles „aufdisputirt" und was er Alles von uns verlangt, ohne daß er auf den Charakter unserer Zeitschrift die geringste Rücksicht nehmen würde. Dr. Bloch kann den Nachweis liefern, daß er ein Freund der Arbeiter ist, ja es haben bereits wiederholt verfolgte Socialisten arischer Abstammung, die sich vor der Polizei flüchteten, bei ihm Schlitz gesucht und — gefunden; wir halten es jedoch für vollkommen überflüssig, unsere Gesinnung gegenüber Herrn Adler zu rechtfertigen. Er wollte verdächtigen, beschimpfen und beleidigen und hat dafür nicht eininal einen annähernd passenden Vorwand gefunden. Was will Adler vom Rabbi und vom Mönch? Es gibt Manchen Rabbi und manchen Mönch, die hoch über dem Victor Adler stehen und über dem ganzen Zeug, das er auswendig gelernt hat. Ein Memorandum an die Parteileitung der Deutschen in Mähren. Mährisch-Weisikirchen. Am 8. October l. I. hielt der Deutsche Verein in Brünn seine Wanderverfammlung in Mährisch-Weißkirchen ab, zu welcher nebst mehreren hundert Deutschen auch viele Abgeordnete, darunter die Herren Doctoren W e eber, Pro mb er und Fux erschienen waren. Diese Gelegenheit benützte die Repräsentanz der hiesigen israel. Cultusgemeiilde, die obigen drei Abgeordneten, welche ztigleich als Führer der deutschen Partei sungircn, auf den stets mehr und mehr um sich greifenden Antisemitismus und dessen Ausschreitungen, die damit für die Inden verbundenen Bedrängnisse und Gefahren einerseits und auf die mit Bedauern gemachte Wahrnehmung, daß seitens der deutschliberalen Partei gar nichts zur Abhilfe solch gesetzwidrigen Treibens geschieht, andererseits aufmerksam zu macheil. Die Repräsentanz übergab den Herren Abgeordneten das von dem Cnltusrathe Herrn J. U. Dr. Wilhelm Bloch, mährisch-schlesischer Landesadvocat, verfaßte Memorandum, das ivir seinem vollen Inhalte nach, hier abdrucken, mit der Aufforderung, dieses Meinorandum auch im Club der Vereinigten deutschen Linken vorzllbringen und auf Erfüllung der darin vorgebrachten berechtigten Wünsche zu dringen. Die Herren Abgeordileten nahinen dieses Memorandum entgegen, anerkaniiten die vollkolnnlene Berechtigung der chnen in Kürze vorgebrachten Gravamina und gestellteil Anforderungen, versprachen, das Memorandum, dem Club der Vereinigten delltschen Linken vorzulegen und auch mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln ans Anwendung der gesetzlichen Vorschriften gegen antisemitische Ausschreitungen hinznwirken. Wollen wir hoffen, haß sowohl diese Herren Abgeordneten ihr Versprechen erfüllen, wie auch, daß der Club der Vereinigten delltschen Linken aus seiner Lethargie und Unthätigkeit in Bezug auf die antisemitische Flage sich endlich einmal zur thatkräftigen Abwehr aufraffen werde. Das Memorandum lautet wörtlich: „Seit Einführung des Constitutionalismus und des Auftretens der deutschliberalen Partei in Oesterreich leisten die Juden der letzteren treue Gefolgschaft. Nicht wenige Siege in den Kämpfen um Licht, Freiheit und Wahrheit gegen Finsterniß, Knechtung und Lüge hat die deutschliberale Partei dem energischen, oft mit Gefährdung und Preisgebung ihrer eigenen Existenz verbundenem Mitringen der Juden zu verdanken. Die Juden stehen in dem noch immer wild und heftig tobenden und für die Zukunft nicht absehbaren Kampfe um die kostbarsten Güter des Deutschthums treu zu dessen Seite, sie lassen sich hiebei von den berechtigten Motiven leiten, daß aus dem Schoße des Deutschthums jene Männer entsproßen sind, welche in Oesterreich zuerst das für sie erlösende Wort der Gleichberechtigung als wesentlichen Grundsatz einer constitlltionellen Verfassung aufgestellt,. daß deutsche Männer es waren, welche den Juden den gelben Fleck von der Brust genommen, daß durch deutschen Geist und durch deutsche Bildung die Thore der Ghettos niedergerissen und die unter sich abgeschlossenen Judeil in die staatliche und bürgerliche Gesellschaft ausgenommen wurden. Wenn auch das in den Staatsgrundgesetzen niedergelegte kostbare Gut der Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied der Confession, zumal was den Zugang zu öffentlichen Aemtern betrifft, in der Praxis wenig oder gar nicht zur Geltung kommt, so ließen die Juden gleichwohl nirgends Klage laut werden; war und ist ihnen doch aus der Geschichte anderer Staaten wohl bekannt, daß es vieler Jahrzehnte, ja auch eiues Säculums bedarf, ehe die Theorie der Gleichberechtigung allen Bewohnern des Staates in Fleisch und Blut übergeht, daß es vielen Mähens und Schaffens bedarf, bevor die mannigfachen Vorurtheile, die im Laufe der Jahrhunderte großgezogen und genährt wurden, schwinden und ehe die Einsicht Platz greift, daß nur die geistigen und moralischen Vorzüge die Eignung zur Bekleidung öffentlicher Aemter bilden dürfen. W>e zahlreich sind die Fälle, daß jüdische Auscultanten nur ihrer Confession wegen, und obgleich sie weit bessere oder zumindest ebenso gute Oualificationen als jüngere College» auszuweisen hatten, diesen weichen mußten, und wie oft bekam ein jüdischer Adjunct, der um einen höheren Posten competirte, an maßgebender Stelle die Worte zu hören: „Ihr Avancement erlangen Sie aut dem Wege der Taufe." Still und resignirt ergeben sich die Juden, sowohl die unmittelbar als auch die mittelbar betroffenen, in das Geschick dieses noch immer blinden Vor urtheiles, in der gerechten Erwartung, daß die Zeit auch hier heilend wirken und daß das Morgenroth der wahren Gleichberechtigung auch für sie dereinst hereiubrechen werde. So sehr daher auch die Versuchung nahe lag, mit einem Appell an jene Abgeordneten aus der Mitte der deutschliberalen Partei, zu deren Wahl die Juden wesentlich beigetragen, heranzutreten und sie zu bestimmen, daß sie ihren zeitweise doch sehr maßgebenden Einfluß für eine bessere Position der Juden nach der angegebenen Richtung hin geltend machen mögen, so geschah dies seitens der Juden gleichwohl nicht. Selbstlos, nicht angekränkelt von dem zum herrschenden Principe der meisten Parteien des hohen Abgeordnetenhauses gewordenen Satze: „do ut des“ nahmen und nehmen die Juden allenthalben den Kampf für Deutschthum gegen das mächtig anwachsende Slaventhum auf; da gabs vor den Wahlen kein Feilschen, keine Prätensionen, gleich dem Ritter ohne Furcht und Scheu traten die Juden an die Urne heran und mochte ihnen das „lirom a peklo“ das „Donner und Hölle" einer fanatischen Menge noch so wüthend vor den Ohren sausen, sie standen fest an der Wacht, wie die Krieger im Donner der Kanonen. Umsomehr aber müssen die Juden Anspruch darauf erheben, daß die leitenden Männer jener Partei, welche das £j£S*jSj&G^

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