Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 41 (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 810 Oekerrektzifrtze MochenfitzrM lktr. 93 der Leitung des Herrn W. Bednar; trefflich executirt wurde. Hierauf folgte die „Concert-Phantasie" für Violine: „II ll'rovLwre , vorgetragen von Herrn Heinrich Sir aßb er g . einem Schüler des Herrn Professors H i r s ch l e r. Der Vortrag des talentirten jungen Mannes war formvollendet und rief stürmischen Beifall hervor. Nicht geringere Ovationen errang Fräulein Jeanette Bauer mit der Clavier-Piece: „Concert-Phantasie"; die reizende junge Dame spielte mit einer Verve und Technik, die als brillant bezeichnet werden kann. Auch in diesem Falle kann Herr Professor H i r s ch l e r mit dem schönen Erfolge, den seine Schülerin errang, vollauf zufrieden sein. Reichen Applaus ernteten die humoristischen Vorträge des Herrn Arnold: G o l z, Sohn des Obercantors Herrn Goldstern, ferner die von der Elevin der Hofoper, Fräulein A. Dörr, gesungene „Cavatine" aus der Oper „Freischütz"; einen ausgezeichneten Erfolg hatte Herr Hofschauspieler F. v. Theten-Rüden mit einer sein nuancisten Declamation und erstreckte sich der rauschende Beifall auch auf die Vorträge des trefflichen Quartetts der Hofoper. Hervorzuheben ist auch der Bortrag des von Herrn Professor H i r s ch l e r componirten sehr melodiösen Walzers „Die Favoritner" von der Schützencapelle; Herr H i r s ch l e r dirigirte sein Opus und wurde mit reichem Beifall: ausgezeichnet. Wenn man die Erfolge subsumirt, so muß zugestanden werden, daß dieser Abend ein in jeder Richtung gelungener war. Nach den Borträgen fand ein animirtes Tanzkränzchen statt, welches bis in die ersten Morgenstunden andouerte. Floridsdorf. Das am 3. d. M. in Floridsdorf zu Gunsten des Tempeldaufonds abgehaltene Kränzchen ist wohl als eines der gelungensten zu bezeichnen. Die Herren: Nathan und Julius G r ü n w a l d , Leopold Glaser, Julius E i s i n g e r , Emil R o h n n a u und Anton Deutsch zeigten durch den prächtigen Verlauf und Arrangement des Kränzchens, daß sie der Aufgabe, die einen solch frommen Zweck verfolgte, vollkommen gewachsen sind. Der Saal von dem genugsam bekannten Dekorateur Sonnenschein, II., Leopoldigasse, der zu Gunsten des wohlthätigen Zweckes zehn Gulden nachließ, decorirt, mochte einen erhebenden Eindruck. Durch die wirklich hervorragende Leistung der Regimentscapelle des Infanterie-Regiments Nr. 2 waren die Gäste entzückt. Die Damen Jenny Deutsch, Selma G r ü n w a l d und Theodora Brenner verpflichteten das Comite durch ih'.e liebenswürdige Mithilfe zu großem Danke. Besonders zu erwähnen sind die beiden Damen Mili Winkler und Jetti Deutsch, die durch ihren originellen Einfall, im Costume Obst zu verkaufen, die Bewunderung der Gäste erregten. Sie waren nach Art der Meraner Bäuerinnen gekleidet. Die kostbaren Kleider waren von neurothem Stoff mit eingewebten Blumen. , Als Kopfbedeckung trugen sie einenbreitrandigen Strohhut mit grünem Ätlasfutter. Die niedlichen Körbchen, mit Obst gefüllt, waren durch ein breites grünseidenes Band um die Schulter gehalten. Das Entzücken unserer Herrenwelt zeigte sich am besten daran, daß die Einnahmen dieser beiden Damen nicht weniger als die Halste des Rernerträgnisses ausmachteu. Um 5 Uhr verließen die Gäste allgemein befriedigt dm Saal. Prag. Der israelitische Lehrerverein in Böhmen hielt am 28. v. M. m dem Saale der Landesjudenschasts-Repräsentanz in Prag seine 21. ordentliche Generalversammlung ab. Der Vereinsschriftführer Herr Kohn aus T u r n a u klagte in seinem umfaffenden Jahresberichte über den Jndifferentismus der Lehrer und mahnte in beredten Worten zum Anschluß und Beitritt. Dem Bericht ist ferner zu entnehmen, daß der Verein 88 Mitglieder zählt und das Vereinsvermögen ohne die Lose 87 ft. 35 kr. beträgt; die Kranken- und Darlehenscasse weist ein Barvermögen von 1017 fl. 38 kr. auf. Der Verein hat im vergangenen Jahre durch eine eingeleitete Sammlung einem kranken Lehrer den Betrag von 1000 fl. zugeführt. Die Vereinsfibel wurde in 4. Auflage gedruckt. Lehrer K o h n aus Rakonitz beantragte eine Statutenänderung. wonach alle jene Mitglieder, die ihren Pflichtbeitrag für die Hinterbliebenen eines verstorbenen Mitgliedes nach einmaliger Mahnung nicht entrichten, vom Vereine ausgeschlossen werden. Der Antrag wurde zum Beschluß erhoben. In den Bereinsvorstand wurden per Acclamation gewählt die Herren: Rabbiner Thor sch in Schlan (Obmann), Lehrer David Kohn in Rakonitz (Obmann-Stellvertreter), Lehrer H. K o h n in Turnau (Schriftführer), Lehrer M. Z i n n e r in Beraun (Rechnungsfichrer), Lehrer David Stransky in Melnik (Caffier) und die Lehrer M. Mautner in Beraun und S. Kraus in Prag als Beiräthe. In den Verwaltungs-Ausschuß des Pensionsvereines wurden gewählt die Herren: Dr. Al. Kisch, Leop. T h o rs ch, Dr. Stransky und S. Mautner. Brünn. (H u m a n i t ä t s a c t.) Herrenhaus-Mitglied Julius Ritter v. Gomperz hat unter die einer Unterstützung am meisten bedürftigen Bewohner der heuer vom Hagelschlag betroffenen Gemeinden Hobitschau und Tereschau den Betrag von vierhundert Gnaden vertheilen lassen. Karolinenthal, 4. October. Im israelitischen Tempel wurde heute aus Anlaß des kaiserlichen Namensfestes ein Festgottesdienst abgehalten, an welchem die gesammte Schuljugend tn Anwesenheit der Vertretung der Cultusqemeinde theilnahm. Nachdem die üblichen Lobgesänge vom Obercantor Ottenseld recitirt waren, sprach Herr Rabbiner Dr. Hirsch das Kaisergebet, worauf von der versammelten Schuljugend die Bolkshymne vor geöffneter Bundeslade gesungen wurde. Sniatyn, 5. October. Gestern, als am Namenstage Sr. Majestät des Kaisers, wurde hier die von Baron Hirsch neucreirte Stiftungsschule in Anwesenheit sämmtlicher landesfürstlichen Behörden, der Geistlichkeit, der Stadtrepräsentanz, der Vertreter aller städtischen Schulen und eines sehr zahlreichen geladenen Publicums, nach einem feierlichen Gottesdienste, unter Absingung der Volkshymne und Abhaltung entsprechender Reden feierlich eröffnet. e. b. Prvffnitz. (Deutsch-antisemitischer Ferialclub.) Eine „Quint" antisemitischer Grünschnäbel hat mit fortgesetztem Radau die Exhaustirung der liberalen, respective jüdischen Clubmitglieder bewirkt, welch letztere sodann einen eigenen Ferialclub gründeten. Nun haben sich die maßgebendsten Kreise mit allem ihren Einflüsse für eine Wiedervereinigung der beiden Clubs eingesetzt, um das Beschämende der Spaltung zu verdecken, allein diese gute Absicht scheiterte an der Verbohrtheit der verbissenen antisemitischen Quint „deutscher" Hochschüler und so bleibt es zum Gaudium der hiesigen liberalen Czechen bei dem Bestände zweier Ferialclubs in der deutschen Bewohnerschaft von Proßnitz. Soborten, den 5. October. Im verflossenen Monat fand hier die Repräsentantcnwahl in den Cultusoorstand statt. Als Ausschnßmitglieder wurden folgende Herren gewählt: Herr Carl Weinfeld, Herr Adolf Bloch, Herr Juda K u s i n a, Herr Ignatz Pick, Herr Al. N e u m a n n (sämmtlich aus Soborten), Herr Maffin Hahn (Karbitz', Herr Salomon Eckstein (Ossegg) und Herr Adolf P i ck (Turn.) Nachdem die gesetzliche Frist abgelaufen war, fand die Vorsteherwahl statt, welche auf eine vorzügliche administrative Kraft fiel, u. zw. auf den bisherigen Vorsteherstellvertreler Herrn Carl Weinfeld, welcher seit mehreren Jahren thaisächlich die Gemeindeinstitutionen in segensreicher Weise geleitet hatte. Der bisherige Cultusvorstehcr Herr Moses Bloch hatte aus Gesundheitsrücksichten jede Wiederwahl abgelehnl und wurde ihm für seine bisherige eifrige und lobenswerthe Wirksamkeit der Dank einstimmig votirt. Zum Vorsteherstellvertreter wurde dessen Sohn, Herr Fabrikant Adolf Bloch gewählt. Metz. Bei der Anwesenheit des deutschen Kaisers wurden folgende Israeliten zur kaiserlichen Tafel gezogen: Herr Oberrabbiner Ury, Herr Mayer, Präsident der Handelskammer, Herr L e v y, Notar zu Saarburg, und Landdirector L a z a r. Letzterer wurde zum Commercienrath ernannt. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Zeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Urberfetzungs- 28) rechte Vorbehalten.) „Was erwiderte der Markgraf?" frug Wertheimer, um Frankl zur Fortsetzung seiner Erzählung zu veranlassen. „Friedrich Wilhelm hatte meinen Vater mit steigender Verwunderung angehört und endlich geantwortet: „Rabbi, Sie sprechen gegen einen meiner eifrigsten Beamten eine schwere Beschuldigung aus, was können Sie zu deren Begründung anführen?" „Sire", erwiderte mein Vater unentwegt, „Stadtvogt Brandlin hat ein Mitglied meiner Gemeinde, den Juwelier Zadok Ehrenstamm, einen redlichen, unbemakelten Mann in Ketten legen und nach Ansbach zur Untersuchung führen lassen, weil er Edelsteine jener Sorte, aus welchen das vermißte Collier bestanden, bei ihm vorgefunden, aber da Ehrenstamm sich über den redlich erlangten Besitz derselben auszuweisen vermag, scheut sich Brandlin, die Acten dem zuständigen Gerichte vorzulegen, weil dieses die entlastenden Beweise anerkennen müßte. Er pocht auf eine Vollmacht, die er von allerhöchst Ihnen empfangen haben will und will die Untersuchung ganz allein zu Ende führen." „Ich werde mir ja die Acten vorlegen lassen", hatte der Markgraf meinen Vater unterbrochen, „wenn Brandlin mir nicht Beweise vorlegt, wird er mich ja nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen! Rabbi Sie werden mir ja nicht zumuthen, daß ich einen unschuldigen Menschen aushängen oder zu Tode peitschen