Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 41 (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 41 Vrsterrrtchifche WochrnsttzrM Seite 811 wie er hoffe, den Dieb seines Schmuckes zeigen werde. Eine solche persönliche Mitwirkung war ganz nach dem Geschmacke Friedrich Wilhelms. Mein Vater führte ihn und die Com- Mission, deren Mitglieder ebenso wenig als der Markgraf wußten, wohin sie geführt würden, in das Haus des Kamwerjunkers von Lerenberg, welcher von dem Markgrafen schon, als dieser noch Erbprinz gewesen, ausgezeichnet wurde und auch sein Begleiter während seiner Reisen und seines Pariser Aufenthaltes gewesen. Junker von Lerenberg erfchrack beim Anblick des Markgrafen und seiner Begleiter und eilte, — wie er sagte, um sich eines so hohen Besuches würdig umzukleiden — in's Nebenzimmer, aus dem kurz darauf ein Schuß ertönte und als man in dasselbe eilte, fand man ihn blutüberströmt todt am Bo-en ausgestreckt. Diese Selbstjustificirung, ließ seine Schuld erkennen und eine sofort unter den Augen des Markgrafen vorgenommene Untersuchung ließ nicht den geringsten Zweifel darüber. Der leichtsinnige Mann, der mit Gewißheit darauf gerechnet hatte, seine Geburt und seine Stellung zum Markgrafen, würden ihn vor jedem Verdacht schützen, hatte es nicht einmal für nöthig gehalten, ihn compromittirende Correspondenzen zu vernichten und man hatte unter anderen ihm wenig zur Ehre gereichenden Schriften, auch eine Serie von Briefen einer Tänzerin in Paris, einer Mademoiselle Padilla, eines sehr schönen Mädchens, gefunden, welches früher längere Zeit in Ansbach gelebt, damals ein intimes Verhältnis mit dem Kammerjunker unterhalten und auch jetzt noch von Paris aus mit ihm correspondirte. In einem ihrer unorthographisch geschriebenen Briefe dankte sie ihm für das herrliche Collier, das er ihr (so vorsichtig war er doch gewesen, dasselbe nicht von Ansbach aus zu senden) von Frankfurt geschickt und in einem anderen schrieb sie ihm, daß sie seiner noch stets in Liebe gedenke und nichts sehnlicher wünsche, als wieder mit ihm vereint zu werden. Jbr Streben, dies zu ermöglichen, würde voraussichtlich von dem besten Erfolge gekrönt werden.DerHerzog von Maine, derjenige von den natürlichen Söhnen König Ludwig XIV., welchen dieser am meisten liebe, werde in dem Momente vollständig von ihr beherrscht und habe ihr zugesagt, daß, wenn ihr Freund, der Kammerjunker von Lerenberg, nach Paris käme, er ihm rasch eine glänzende Stelle bei Hofe verschaffen würde. Mein Vater hatte sich die höchste Gunst des Markgrafen errungen, aber im entschiedensten Gegensätze zu seinem Bruder Elkan, der bei allen Staatsffairen und bei allen Privatgeschäften des Markgrafen mitberieth, vermied er es, sich in öffentliche Angelegenheiten zu mischen. Nur ein einziges Mal hatte er dem Markgrafen ein Memoriale überreicht, in welchem er dringendst die Abschaffung der Tortur forderte, welche er mit kühnem Freimuthe als eine Geißel der Menschheit, als ein unsühnbares Verbrechen an dieser bezeichnete." „Alle sublimen Geister unserer Zeit theilen diese Ansicht," meinte der Oberhoffactor. „Mein Vater benützte seinen Einfluß auf den Fürsten nur dazu, in Fällen, wo es zu seiner ^enntniß gelangte, daß ein Angeklagter peinlich befragt werden sollte, dies zu verhindern und zur Ehre des Markgrafen muß ich es gestehen, daß so lange mein Vater bei ihm in Gunst stand, er ihm nie eine Bitte abgeschlagen und mein Vater dadurch viele Justizmorde verhütet, vielen Unschuldigen gräßliche unverdiente Qualen erspart hatte. Der Markgraf erwies meinem Vater die hohe Ehre, ihn in seinem Hause in Fürth zu besuchen und sich auch seine Familie vorstellen zu lassen. Er fand großen Gefallen an mir und sprach den Wunsch aus, ich, damals ein siebzehnjähriger Jüngling, solle nach Ansbach kommen, so daß ich täglich im Schlosse erscheinen könnte. Der Fürst meinte es könne sich seinem Wunsche umso weniger ein Hinderniß entgegenstellen, als ich ja bei meinem Onkel Elkan wohnen könnte. Mein Vater hatte sein ganzes großes Vermögen in Onkel Elkan's Unternehmungen angelegt und wenn er sich auch gar nicht um das Geschäft kümmerte, war er doch Theilhaber desselben. Er hatte mich für den Handelsstand bestimmt und ich sollte, wenn ich älter und reifer geworden, öffentlicher Gesellschafter des Onkels werden, was, nebenbei bemerkt, auch später der Fall war. Es stand daher dem Wunsche des Markgrafen nichts entgegen. Ich würde die Wahrheit verhehlen, wenn ich verschwiege, daß sich Markgraf Friedrich Wilhelm damals mir gegenüber stets gütig und wohlwollend benommen. (Fortsetzung folgt.) Wochenlralender. Cheschwan 5654. — Oktober 1893. Freitag! 3! 13 E. d. N. 5*> 47 3» Samstag 4 14 Sonntag 5 15 Montag 6 16 Dienstag 7 17 Mittwoch 8 18 Donnerstag 9 19 Freitag 10 20 Briefkasten. D. in Przemysl. Ohne vollständige Namensnennung aller Personen eignet sich die Erzählung nicht zur Publikation. PH. Bachrach» Prag. Den Abonnementsbetrag bis Ende März f. I. richtig erhalten. H. W.» Neubangaffe. Die beiden Angefragten sind Christen. Für den armen israel. Religionslehrer ist uns weiter zugegangen: Bon Oberlieutenant Bruckner in Olmütz sl. 1.—. Eingesendet. Israelitische Cultusgemeinde Hotzenplotz. Verehrte Glaubensgenossen! Die israelitische Cultusgemeinde zu Hotzenplotz, die nachweislich seit nahezu 600 Jahren besteht, war bis vor einigen Jahrzehnten eine bedeutende Gemeinde, deren vorzüglicher Ruf auch weit über die Grenzen unserer engeren Heimat verbreitet war. Ihre jeweiligen Rabbiner waren zumeist Koryphäen ihres Standes und wurden von hier nach großen und berühmten Gemeinden des In- und Auslandes berufen. Diese Gemeinde ist aber durch die Ungunst der Verhältnisse immer mehr verringert worden, da der weitaus größte Theil ihrer Mitglieder wegen der geschäftlich ungünstigen Lage dieses Ortes an der Grenze der Monarchie, sowie wegen Mangels an einer Industrie und Eisenbahnverbindung von hier weggezogen ist. Derselben wurden außerdem noch durch die in jüngster Zeit erfolgte Neuconstituirung mehrerer israelitischer Cultusgemeinden in Schlesien und Mähren alle ihre bisherigen auswärtigen Mitglieder entzogen und hiedurch wurde diese altehrwürdige Gemeinde so sehr geschwächt und verarmt, daß die wenigen ihr noch gebliebenen, aber zumeist schwach bemittelten Mitglieder ihre Kräfte anspannen müssen, um nur den unumgänglich nöthigen ordentlichen Bedarf 'der Gemeinde zu decken. Nun ist dieselbe wegen Ueberfüllung des alten Friedhofes genöthigt, einen neuen anzulegen, wobei es die Pietät auch gebietet, den alten Friedhof durch Renovirung seiner bereits schadhaften Mauern vor Entweihung zu schützen. Auch die altehrwürdige Synagoge dieser Gemeinde bedarf dringend einer gründlichen Renovirung. Da nun dies beim beste« Willen und aller Kraftanstrengung nicht von den Mitgliedern unserer Gemeinde aufgebracht werden kann, wenden wir uns in unserer Bedrängniß an Euch, verehrte Glaubensgenossen, mit der Bitte, Euren wohl viel in Anspruch genommenen aber ebenso oft erprobten Wohlthätigkeitsfinn auch uns gegenüber zu bethätigen. Insbesondere wenden wir uns mit dieser Bitte vertrauensvoll an unsere gewesenen Gemeindemitglieder und an alle Diejenigen, deren Borfahren und Angehörige hier auf unserem alten Friedhofe ruhen. Mögen sie zur Erreichung des früher erwähnten edlm Zweckes uns hilfteich die Hand bieten. Wir sind gerne bereit, die Namen der hochherzigen Spender in der „Oesterreichischen Wochenschrift" zu veröffentlichen. Hotzenplotz, am 1. September 1893. Heinrich Reik, Adolf Lichtwitz, Cullus-Borsteher, m. p. II. Vorsteher, m. p. Sigmund Löwy, Moses Rudolfer, Beirath, m. p. Rabbiner, m. p.