Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 41 (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41 Oesterredtzisrhe halb telegraphisch an die betreffenden Consuln hier, welche wiederum dem hiesigen Pascha dringende Vorstellungen machten, Nlit dem Bemerken, daß ihnen von einem Verbot der Niederlassung österreichisch-ungarischer oder englischer Unterthanen in Palästina nichts bekannt sei und es sich daher nur um einen Act persönlicher Willkür des Kamaikams in Jaffa handeln könne. Der Pascha, obgleich er kein Freund der Fremden ist, mußte doch die Berechtigung der Beschwerden anerkennen und befahl dem Kaimakam, die 22 Fremden landen zu lassen, da dieselben nicht russische Unterthanen seien, denen allein eine Landung in Jaffa verboten ist. Trotzdem verbot der Kaimakam vorgestern wieder 36 österreichisch-ungarischen Unterthanen, welche mit einem Schiff dort eiutrafeu, zu landen, allein da es Sonntag und die Bureaux geschlossen waren, verlief die Sache nicht so glatt, wie das vorige Mal. Auf eine beim hiesigen Pascha in verschärfter Weise vorgebrachte Beschwerde des österreichisch-ungarischen Consulats befahl zwar der Pascha telegraphisch dem Kaimakam in Jaffa, die 36 Passagiere in Jaffa landen zu lassen; aber es war zu spät; das Schiff war bereits nach B e y r u t h weitergedampft, sammt den 36 Passagieren. Darauf befahl der Pascha dem Kaimakam, dafür zu sorgen, daß die Passagiere beim nächsten Anlegen des Schiffes in Chaifa oder in B e y r u t h aussteigen können und auf Staatskosten mit einem retourkommenden Schiffe nach Jaffa befördert werden. Nach 6 Tagen sind dann dieselben dort wieder angelangt und gelandet. Für die Gesinnung des Paschas ist aber folgende Bemerkung bezeichnend : Es wäre die höchste Zeit, so soll er geäußert haben, daß er in Stambul Vorstellungen mache wegen der Ansiedelung österreichischungarischer Unterthanen in Palästina, welche Ansiedelung verboten werden müsse, da Palästina von Oesterreichern und Ungarn überfluthet werde. In Wirklichkeit, sind im letzten Jahre etwa 400—500 Oesterreicher und Ungarn'eingewandert, in den vorhergehenden Jahren beinahe ebenso viele. Chicago, Anfangs September. Ueber den israelitischen Frauen-Congreß anläßlich der Weltausstellung berichtet die „Deborah": Durch die unausgesetzten Bemühungen der Frau Henry Solomon von Chicago und einiger anderer gleichgesinnter Frauen wurde diese große Idee ins Werk gesetzt und auch mit äußerster Umsicht ausgeführt. Aus allen Theilen der Union wurden bedeutende jüdische Frauen herangezogen und eingeladen, sich bei den Berathungen des Congreffes zu betheiligen. An hundert Frauen aus allen größeren und vielen kleineren Städten leisteten dieser Aufforderung Folge, und es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn behauptet wird, daß wohl noch nie so viele in der Neuzeit bedeutende, wissenschaftlich gebildete jüdische Frauen sich zusammenfanden als hier. Die vier Tage des Congreffes enthielten folgendes Programm: Gebet, gesprochen von Frl. Ray Frank; Gedicht gewidmet von Frau Miriam del Banco; „Bedeutende jüdische Frauen bis zum 15. Jahrhundert," Frau Louise Mannheimer von Cincinnati, deren vortreffliche Abhandlung von ihrer lieblichschönen Tochter Fräulein Mannheimer verlesen wurde, da die Verfasserin erkrankt war; Frau Helene Kahn Weil von Kansas City brachte eine Abhandlung über „Jüdische Frauen von 1500 bis zur Neuzeit", welche von tiefem Studium und klarer Anschauung zeugte. Interessante Discussionen, an denen auch Frau Beecher H o o k e r theilnahm, schlossen sich den Vorträgen an. Der zweite Tag brachte Frl. Ray Frank's (aus Oakland, Cal.), einer Studentin des Hebrew Union College, geist¬ und gemüthvollen Vortrag über „Jüdische Frauen in der Synagoge", und „Einfluß der Entdeckung Amerikas auf die Juden", eine wissenschaftlich verarbeitete Abhandlung von Frau Pauline H. Rosenberg von Alleghany, Pa. Frl. Julia Richman von New-Iork schilderte ihre Erfahrungen auf dem Felde der Arbeiterversorgung, speciell der russischen Emigranten. „Einfluß der jüdischen Religion auf das Haus" war das von Frl. Mary Cohen von Philadelphia gewählte Thema, woran sich Discussionen schlossen. Die Vorlesung eines Gedichtes von Frl. Cora W i l b u r n von Boston, einer Dame von 68 Jahren, eröffnete' die Verhandlungen des dritten Tages, worauf Frau Eva Stern von New-Iork einen Vortrag, zeugend von ernstem Bibelstudium, hielt: „Barmherzigkeit, nach dem mosaischen Gesetz"; hieran schloß sich ein Bortrag von Frau Carry Shevelson Benjamin von Denver, Colo.. „Die Stellung der Frau zu der Wohlthütigkeit, was sie ist und was sie sein sollte", der so Wochenschrift Seite 807 meisterhaft in Ausarbeitung, so ausgezeichnet im Bortrag war, daß nach seiner Beendigung in der dichtgedrängten Halle ein Beifallssturm losbrach, der sich erst nach einigen Minuten legte. Die hieran sich schließenden Discussionen von Frl. B a m b e r von Boston und Frau N a v r a von New-Orlans waren hochinteressant und boten viele neue Gesichtspunkte. Ebenso hörenswerth und interessant waren die Vorträge von Frau Minnie Louis von New-Aork, „Missionswerk unter den jüdischen Emigranten", und Frau Laura Jacob s o n's (von St. Louis, Mo.) „Wie können wir Nationen beeinflussen, gegen die Unterdrückung der russischen Juden zu protestiren". Die hieran sich schließenden Discussionen wurden meisterhaft von Frl. Lillie H i r s ch f e l d von New-Iork geleitet. Sehr interessant waren die hierauf folgenden Ansprachen des Erzbischofs I r e l an d, des Unitarier Jones und des Rabbiners Dr. Emil Hirsch von Chicago. Der Congreß organisirte sich zu einer permanenten Organisation durch Erwählung der Frau Henry Solomon zur Präsidentin und Frl. American, welche eine sehr gute Abhandlung über Organisation vorlegte, als Secretärin. Der Name für die neue Organisation ist: „'The Jewish Woman’s National Council“. Frau Potter Palmer und Frau H e n r i t i n. Präsidentin und Biceprästdentin der Frauenabtheilung der Weltausstellung, folgten den Verhandlungen mit regem Interesse. Erzbischof Jreland sprach am 7. September zu zwei großen Versammlungen des - jüdischen Frauencongreffes. Er befürwortete religiöse Freiheit für die ganze Menschheit, ohne Rücksicht auf Raffe oder Farbe. Ec verdammte ganz besonders die Verfolgung der Juden in Rußland und erhielt dafür den enthusiastischen Applaus seiner jüdischen Zuhörer. Vminssclites. Wien. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien veranstaltet aus Anlaß des 100. Geburtstages des verewigten I. N. Mannheimer, Seelsorger dieser Gemeinde am 17. October, Abends %7 Uhr, im Bethause der Inneren Stadt eine Gedenkfeier. Wien-Mariahilf. Dienstag, den 17. d. M., */.,7 Abends, findet im Tempel im 6. Bez., Schmalzhofgasse 3, anläßlich des 100. Geburtstages I. N. Mannheimers eine Gedenkfeier statt. Wien. (Oesterr. israel. Union.) Samstag, den 14. October 1893, Abends 7 Uhr, findet im Restaurant Khuner, Schottenring 10, eine Plenarversammlung statt: Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Besprechung des Entwurfes eines neuen Gemeindestatuts. 3. Anträge und Interpellationen. Wien. (Personalnach richten). Sonntag, den 22. October, d. I. V,2 Uhr. findet im israelitischen Bethause, Wieu, 2. Bez., Gr. Schiffgaffe 8, die Trauung von Frl. Paula Bondi, Tochter des Herrn Marcus Bondi in Wien, mit Herrn Jacob Hausdorff aus Rotterdam statt. Am 15. dieses Monats finden im Tempel in der Schmalzhofgasse die Trauungen des Großindustriellen Henm Julius Neumann (in Firma M. Neu mann, Wien), königl. ungar. Honved-Lieutenant mit Fräulein Helene Knepler, Herrn Ludwig Schwab mit Frl. Katharina Sch nepp und Dr Max. Man ab erg mit Frl. Olga Ostersetzer statt. Sonntag, den 15. October, 1 Uhr Nachmittag findet im Grand Hotel zu Brünn die Trauung unseres Rabbiners Herrn Dr. Berthold Oppenheim mit Frl. Marie Fried aus D rewohostitz statt. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 8.October 1893 wurden getraut: Herr Alex. Sternlicht mit Frl. Margarethe Ehrenstein; Herr Isidor Horwitz mit Frl. Bertha Herzl; Herr Hermann Fleischmann mit Frl. Marie Weiß und Herr Isidor Gerstl mit Frl. Rosa Schmidek. Am 10. Oetober: Herr Moriz W otzasek mit Frl. Regina Fantl. Wien. Professor Dr. Adam Politzer ist von seiner im Aufträge der österreichischen Regierung unternommenen Reise nach Amerika, allwo derselbe Gegenstand schmeichelhaftester und ehrendster Auszeichnung war, zurückgekehrt und hat seine Berufsthätigkeit wieder ausgenommen.