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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-13 · 41 (13.10.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
41 (13.10.1893)
Date
1893-10-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 41 VesterveichtfchL Mochrnfchrist Seite 805 desselben Tages neuerliche Ansammlungen statt, bei welchen eine Anzahl Agitatoren die Erregung der Bevölkerung zu schüren suchte. Mit Mühe gelang es der Sicherheitsbehörde, Ausschreitungen zu verhindern. Dies der wahrheitsgetreue Bericht über den Vorfall. Wir stehen nun vor der Frage, wie es möglich ist, daß der Irrwahn von einem Ritualmorde so rasche Verbreitung gewinnen konnte. Und da scheint die Thatsache von Bedeutung, daß der städtische Arzt Dr. Kulirsch, welcher das leblose Mädchen zuerst gesehen und dasselbe für tobt erklärt hatte, zu den enra-girieften Antisemiten gehört. War es freventlicher Leichtsinn oder etwas noch Schlimmeres, was diesen Mann zu seinem verhängnißvollen Befunde veranlaßt hatte? Wir wollen diese Frage offen lassen. Vielleicht beantwortet sie sich durch den Umstand, daß heute der antisemitische Reichsrathsabgeordnete Ernst Schneider, der Commis voyageur in Ritualmorden, hier eingetroffen ist und eingehend mit Doctor Kulirsch sowie einem andern antisemitischen Hetzer, dem Kaufmann Hojka, conferirt hat. Es scheint, daß die internationale Blutlügner-Bande, welche Tisza-Eszlar, Corfu, Xanten und Kolin inscenirt hat, nun auch das Berauner Borkommniß für ihre nichtswürdigen Zwecke ausbeuten will. Zum Schluffe sei Ihrem Berichterstatter noch erlaubt, der tadellosen, überaus taktvollen und humanen Haltung der Gerichts- und Ortsbehörde rühmend und dankbar zu gedenken. Ihrem ruhigen und doch energischen Auftreten ist es zu danken, daß schweres Unheil vermieden wurde. Als ein Beweis für die menschenfreundliche Gesinnung des Herrn Bezirksrichters diene die Thatsache, daß derselbe dem Lehrer Z., welcher gleichfalls in dem bedrohten Gemeindehause wohnt, seine eigene Wohnung für ihn und dessen Familie zur Verfügung stellte. Loschitz, den 4. Oktober. Mittwoch den 27. September hielt der Fürsterzbischof Dr. Theodor K o h n von Olmütz seinen Einzug in unsere Stadt. Unter den Deputationen, welche von ihm empfangen wurden, befand sich auch eine Abordnung der israelitischen Cultusgemeinde, bestehend aus dem Rabbinatsverweser Herrn S. Korn itzer, dem Cultusvorsteher S. Knöpft mach e r und dem Vorstandsmitgliede S. L i n d n e r. Auf die Begrüßungsansprache des Rabbinatsverwesers, der in seiner Rede dem Wunsche Ausdruck lieh, es möge zur Ehre Gottes und zum Ruhme seiner fürsterzbischöflichen Gnaden allezeit und unentwegt der confessionelle Friede im Lande erhalten bleiben, entgegnete seine fürsterzbischöfliche Gnaden in huldvollster Weise, es gereiche ihm zu besonderer Ehre, daß auch die Vertretung der israelitischen Gemeinde ihm die Ehre des Empfanges erweise, er werde, soweit es in seinen Kräften stehe, dafür wirken, daß der Friede und die Eintracht zwischen den Bekennern aller Confessionen jederzeit erhalten bleibe, worauf er sich in huldvollster Weise verabschiedete. Steinamanger, 5. October 1893. (Der Empfang in Güns.) Im Interesse der Wahrheit müssen wir, wenn auch mit Unwillen, auf den vielbesprochenen Empfang der jüdischen Deputation in Güns zurückkommen, um einige Bemerkungen gegen die echt orthodoxe Berichterstattung des I. F. zu machen. Die Lüge ist schamlos, das ist eine alte Erfahrung; diese bekräftigt I. F. mit seinem Berichte, wo er die Stirne hat, am Ende desselben zu sagen: „Diese Angaben sind authentisch, alles Andere, was über diesen Empfang mitgetheilt wird, beruht entweder auf Jrrthum oder auf absichtlicher Täuschung." Ich behaupte, daß die Angaben des I. F. „auf Jrrthum oder absichtlicher Täuschung" beruhen, wenn er behauptet, daß „von Seite der Neologen" 9 Personen waren. Dies ist einfach erlogen, denn die Deputation der Congreßgemeinde war, wie angemeldet, aus 18 Personen bestehend und zwar die Rabbinen: Dr. Bernstein (Steinamanger), Dr. Perls (Fünfkirchen), Dr. Schnitzer (Komorn), Dr. Neu mann (Groß-Kanizsa), Dr. Herzog (Kaposvar), Dr. Wiener (Güns). Ferner aus Steinmanger: Dr. W. Goldsmith, I. M. Deutsch, Ferd. N e u m a n n, Dr. F. F e l d m a n n, Dr. Edm. Viola; aus Oedenbnrg: Dr. Ad. Winkler, Jgn. Steiner; aus Körmend: Vorsteher Grünbaum; aus Groß-Kanizsa: Ritter Guttmann de Gelse; aus Güns: Vorsteher Popper und aus Kis.-Czell: Heinrich Rosenberg, Präsident des Bezirkes; aus Fünfkirchen: Dr. L ö v y. Wir begreifen wohl, daß es die orthodoxen Brüder schmerzt, ihren Plan, vor Sr. Majestät gesondert zu erscheinen, nicht durchgeführt zu sehen, denn sie wollen damit ihrer Wühlarbeit, das ungarische Judenthum ganz zu zerklüften, die höchste Sanction ertheilen lassen. Aber in entstellten und erlogenen Berichten sich ihrem Zorne Luft zu machen, ist ebenso sündhaft und schmählich, wie ihr ganzes Treiben! Sie können damit nicht die Thatsache ändern, daß der Minister des Innern ihr Ansuchens, gesondert zu erscheinen, mit der Begründung zurückwies: Das Gesetz kenne keine zwei jüd. Confeffionen! So kamen die lieben orthodoxen Brüder (?) nolevs voiens unter der Führung eines Congreßgemeinderabbiners vor den König!! Se. Majestät hat auch nur die Congreßrabbiner, 5 und nicht 3, angesprochen, die aus Steinmanger, Gr.-Kanizsa, Kaposvar, Fünfllrchen und Güns. Neben dem Günser Rabbiner stand der Eisenstädter und Se. Majestät richtete, dort angelangt, die aus einem Worte bestehende Frage im Allgemeinen: .Orthodoxen?Worauf die Herren, ohnenach ihrem Wohn- 'orte gefragt zu werden, ihre Gemeinden nannten. Darauf sagte der König: „Es freut mich", wendete sich ab und ging. Es rst wahrlich nicht lohnend, über diese Sache so viel Tinte zu verspritzen und hätte Herr I. F. nicht die herausfordernde Bewegung an das Ende seines Berichtes gesetzt, wir hätten seine Darstellung keiner Rectification gewürdigt. Indem wir für die Wahrheit unserer Angaben die Belege zu bringen bereit sind, empfehlen wir Herrn I. F. kurz nach Jom-Kipur es ernster mit der Wahrheitsliebe zu nehmen! m. R. Sniatyn, 5. October 1893. Gestern am 4. October, als am Namenstage unseres Kaisers, fand die Einweihung und feierliche Eröffnung der neucreirten Baron Hirsch-Stiftung s s ch u l e statt. Das Schulgebäude war festlich und finnig decorirt und fand sich ein sehr zahlreiches, distinguirtes geladenes Publicum, voran fast die ganze Beamtenschaft, geführt von den Chefs der Behörden, die Geistlichkeit, die Stadtrepräsentanz, die Direction der städtischen Schulen mit den Lehrkörpern, der Cultuspräsident mit dem Cultusvorstande, Advocaten, Aerzte, Gutsbesitzer und Gutspächter und eine große Zahl Damen aus den besten Kreisen in festlicher Stimmung ein. Nach einem solennen Gottesdienste hielt der Präsident des Localcomites, Landesadvocat Dr. Dawidowics die Eröffnungsrede. Er gedachte der wohlthätigen Wirksamkeit der Stiftung und pries den hochherzigen Stifter als den Wohlthäter der galiz. Glaubensgenossen und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Hierauf richtete der Schulleiter Langer an die Schuljugend eine Ansprache, welche auf sämmtliche Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck machte, worauf der Schulinspector Landes im Namen des Curatoriums allen Teilnehmern den Dank aussprach. Ein Diner bildete sodann den Abschluß dieser hier in allen Kreisen ohne Unterschied der Nationalität und Confession gewiß lange in Erinnerung bleibenden höchstgelungenen Feier der Eröffnung der Baron Hirsch-Stiftungsschule.. Berlin. Die in unserem Blatte von Professor Dr. David Kaufmann zuerst angeregte Gründung von jüdischen Lehrerinnen-Bildungsanstalten, die er in seinen auch als Broschüre erschienenen Artikeln: Wie heben wir den religiösen Sinn unserer Mädchen und Frauen (Trier, Sigmund Mayer 1893) als ein dringendes öffentliches jüdisches Bedürfniß hinstellt, beginnt ihrer Verwirklichung entgegenzureifen. Ein bei seinem Leben nicht genannt Seinwollender, stellt dem genannten Zwecke fünftausend Mark zur Verfügung, zahlbar, sobald ein Cchntal von fünfzigtausend Mark zum Behufs eines solchen Institutes vorhanden sein wird. Auch sonst fehlt es nicht an Anzeichen daftir, daß diese Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen ist und eigentlich nur formulirt zu werden brauchte, um nicht wieder von der Tagesordnung zu verschwinden. Die Verwirklichung dieses Gedankens wäre das einzige praktische Ergebniß der seinerzeit von Herrn Wilhelm v. Gutmann aufgeworfenen und zur Discuffion gestellten Frage nach den Mitteln zur Hebung des religiösen Sinnes beim weiblichen Geschlechts. A. Z. London, im Sept. Das Exploitiren der russischjüdischen Arbeiter in London gehört ohne Zweifel zu einem der größten Uebel unserer Zeit. Es herrscht in der That hier in London unter den emigrirten ruffischen Juden East-Londons große Noth und jammervolles Elend. Wie viele unserer unglücklichen Brüder (und das sind die sogenannten begünstigten) arbeiten da bei geringem Lohn 16—18 Stunden täglich ununterbrochen, um ihr eigenes dürftiges Dasein zu fristen. Wenig, sehr wenig bleibt ihnen von dem erworbenen Gelde übrig, um ihre Angehörigen damit ernähren zu können. Da ist es wohl kein Wunder, wenn die Frauen und Kinder schwach und krank sind und von Hunger^geplagt wie die Schatten in den Straßen East-Londons verschmachtend einhergehen. Aus folgenden Zeilen, entnommen aus den „Daily News“ von Montag

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