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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-13 · 41 (13.10.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
41 (13.10.1893)
Date
1893-10-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Vrsterreichiphr Wochenschrift daß der um den Tempel herum freibleibende Platz auf Kosten der Gemeinde parkirt werde. Die Erhaltung des Parkes würde aber von der städtischen Behörde besorgt werden. Der Blutlüge-Proceß eovtra D e ck e r t und Consorten hatte natürlich auch hier alle jüdischen Gemüther in Spannung gehalten, obwohl wir hier in der Heimat — Ti sz a - Eszl ar s unseligen Andenkens — gegen solche unsinnig ruchlose Bosheiten abgestumpft sind. Allein bei dem Umstande, daß bei Ihnen drüben schon so viele Gesellschaftsschichten vom Antisemitismus zersetzt und zerfressen sind, stiegen in so Manchem Bedenken hinsichtlich des vorurtheilslosen Ausganges des Processes auf. Nun, Gott sei Dank, es gibt noch Richter in Wien, und der Urt'heilsspruch vom 15. September 1893 wird in den Annalen der jüdischen Leidensgeschichte ein ewig denk- und dankwürdiger sein. Auch die verehrliche Redaction dieser Blätter, die stets so wacker und mannhaft zur Ehr und Wehr unserer Religion in die Schranken tritt, hat sich durch den kühnen Griff, mit dem sie die Verleumder vor die Richter schob, bleibende Anerkennung verschafft. Ein Jeder rief ihr im Geiste ein „zeMekex kocho“ zu. Fast zur selben Zeit, als dieser befriedigende Richterspruch in die Welt hinausgeschickt wurde, traf uns ungarische Juden die Kunde von der angeblich so harten Günser Antwort unseres geliebten Herrschers an die jüdische Deputation und wirkte in Folge der vielfachen Interpretationen dieser königlichen Worte wie begreiflich höchst deprimirend. Hätte man sich gleich von vorneherein an das bekannte Wort des Kaisers Konrad III. gehalten: „Ein Kaiserwort soll man nicht drehen, noch deuteln", so wären uns die um den Versöhnungstag herum ohnehin religiös so peinlichen Tage durch die falschen Deutungen nicht noch mehr verbittert worden. Bis die officiösen Blätter beschwichtigend und beruhigend einwirken wollten, hatte übrigens schon Jeder von selbst herausgefunden, daß die Worte unseres gütigen Monarchen nur eine Paraphrase der erst nachträglich veröffentlichten Ansprache des Deputationssprechers waren und durchaus keine Mahn- und Tadelworte sein konnten. Und wahrlich kein Fürst aus Erden kann sich treuerer und ergebenerer Unterthanen rühnren, als sie unser edler und ritterlicher Herrscher in den Juden besitzt, deren Herzen begeistert für den Monarchen schlagen, der ihnen nie seinen Schutz, nie seine Gnade entzogen. Mit tausend Freuden ist jeder Jude bereit, sein Gut und Blut für Thron und Vaterland hinzugeben und in der Stunde der Gefahr werden wir ungarische Juden seinen Erwartungen ebenso entsprechen, wie seine treuen österreichischen Juden.' Eine beherzigenswerthe Lehre könnte aber das ungarische Judenthum aus diesem Zwischenfall immerhin ziehen, und zwar das endliche Aufgeben der widerlichen Reibereien im Schoße seiner Religion. Immer mehr und mehr klafft der Riß zwischen Orthodoxie und Neologie und bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit tritt der Bruderzwist im Hause des ungarischen Israel in einer für uns eben nicht sehr schmeichelhaften Weise auf. Keine Sache ist zu kleinlich, kein Fall zu gering, um nicht zum Gegenstand einer factiösen Opposition genommen werden zu können. Bald ist es das Pessachmehl, bald ein jüdisches Lesebuch, bald wieder ein Gebet, das als Zankapfel vom Baume des jüdischen Lebens heruntergerissen wird. Daß es dann mitunter auch vorkommt, daß das Geschrei: hie Orthodoxie, hie Neologie sogar bis in das Vorzimmer des Ministers und endlich auch in das Antichambre Seiner Majestät dringt, nun, das haben ja die jüngsten Ereignisse sattsam gezeigt. Juden und Antisemiten — man verzeihe uns die harte Zusammenstellung — haben von der Geschichte, dieser besten Lehrmeisterin, noch blutwenig gelernt. Was die in einiger Wechselwirkung stehende Leidens- und Culturgeschichte unseres Volkes Blatt für Blatt in die Augen springend vordemonstrirt, die historische Thatsache, daß das Judenthum, so oft Sette WS es von äußeren Feinden gedrängt, sich wie eine bedrohte Heerde dicht an einander anschloß und innerlich consolidirte, wofern aber der äußere Druck nachgelassen, die Hydra der inneren Zwietracht immer vom Neuen ihr Haupt erhob und das vom Antisemitismus begonnene Zerstörungswerk schon selbst besorgte, diese historische Thatsache scheint für die vom Haß verblendeten Antisemiten und die unklugen Eiferer im Judenthum nicht zu existiren. Daß der Gesetzentwurf über die Reception der jüdischen Religion bereits auf dem Tische des ungarischen Parlamentes in kurzen 3 Paragraphen textirt vorliegt, haben Sie schon einmal gemeldet. Bei dem Umstande, daß dieser Gesetzentwurf nur als kleiner Theil der übrigen hochwichtigen kirchenpolitischen Gesetzentwürfe mitläuft, ist anzunehmen, daß die Reception in beiden Häusern des Reichsraths durchdringt, doch sind wir gefaßt, daß sich besonders im Oberhause Stimmen dagegen erheben werden und sich wie seinerzeit, anläßlich der ersten Emancipationsdebatten im Preßburger Reichstage, Magnaten darauf berufen werden, daß ein Theil der Juden die Emancipation respective die Reception gar nicht wünsche". Thatsächlich ließen sich aus dem Orthodoxenlager viel Stimmen gegen die Reception verlauten. 8. N. Kinderfest der israelitischen Ferien-Colonie. Der prachtvolle Ballsaal Ronacher versammelte am 4. d. eine stattliche Anzahl von Kinderfreunden und Gönnern, welche dem aus Anlaß des Namensfestes des Kaisers von dem Damen- Comite der israel. Ferien-Colonie arrangirten Kinderfest beizu« wohnen erschienen waren. Die Gäste, darunter ein hübscher Kranz schöner Damen nahm auf der den Saal umgebenden Estrade Platz, während die zahlreichen Angehörigen der Kinder auf der großen Galerie mit Spannung dem Beginn des Festes entgegensahen. An zwei Tischen waren die Tagebücher der Kinder, ferner verschiedene Handarbeiten, welche die Mädchen in Petrau während der. Ferien anfertigten. Präcise 4 Uhr erschienen zuerst die von der Lehrerin Frl. Wilhelmine Unger in den Saal geführten Mädchen, etwa 70 an der Zahl und postirten sich an der linken Front des Saales. Manch liebliches und anmuthiges Gesichtchen lächelt uns entgegen. Alle aber sind freudestrahlend. Bald darauf betritt eine Gruppe der kleineren Knaben von ihrem Lehrer Herrn Adolf Mautner paarweise eingeführt, den Saal. Zum Schluß marschirten die großen Knaben unter Trommelschlag und im militärischen Tacte in den Saal ein und wurden von dem zahlreichen Publicum mit lebhaftem Beifall empfangen. Alle Knaben etwa 120 an der Zahl sind gleichmäßig in blauen Blousen gekleidet, die sie während des Landaufenthaltes trugen. Bon der überaus humanen Behandlung und der kräftigen Kost, welche diesen durchgehends schwächlichen Kindern zu Theil wurde, gaben Letztere selbst Zeugniß, da ihr Aussehen bei dem'Feste ein überraschendes war. Man sah lauter bausbackige Kinder mit rothen Wangen, aus deren Augen der sprühende Dank für die ihnen erwiesene Wohlthat deutlich sprach. Es war ein herrliches Bild, die Mädchen schüchtern, die Knaben stramm in Reih und Glied aufgestellt zu sehen. Alsbald waren die Knaben an der rechten Seite des Saales ausgestellt, und das Fest nahm seinen Anfang. Ein kleines Mädchen betrat das Podium und hielt eine Ansprache an die Gäste, in welcher das Leben und Treiben der Kleinen in der Ferien-Colonie in schlichten Worten geschildert und den Wohlthätern der Dank zum Ausdrucke gebracht wurde. Hierauf folgten Gesangsstücke und Declamationen meist patriotischen Inhaltes. Gedichte, Gesammtchöre und Solo-Gesangsstücke wechselten ab und trugen den Vortragenden reichlichen Beifall ein. Als letzte Programmnummer wurden militärische Hebungen vorgeführt. Die größeren Knaben waren mit Holzgewehren versehen, welche sie stramm zu handhaben verstanden. Herr Drd. med. Armin Mayer, gewesener Einjährig-Freiwilliger, drillt die kleine Compagnie, welche ganz militärisch eingetheilt war. Eine herrliche Fahne mit der Aufschrift „Colonie Schattmannsdorf" trug ein strammer Fähnrich. Mit großem Jntereffe folgten die Gäste dem Schauspiele, wie die Jungen alle militärischen Evolutionen

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