Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 41 (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 41 OeüerrrdMche WochrnschrM Seite 801 Langmuth gegenüber den antisemitischen Schurken ist uner- , gründlich, und sie gibt damit ein Beispiel, welches sehr traurige : Wirkungen nach sich ziehen muß. Die Juden sind logische Denker, sie müssen sich schließlich sagen, daß die Tendenzen des Antisemitismus nicht weniger staats- und gesellschaflsfeindlich sind als jene der Socialdemokratie. Man drängt sie förmlich dazu, zwischen diesen beiden Nebeln zu wählen, und die Entscheidung kann unter den heutigen Verhältnissen nicht zweifelhaft sein. Wir aber erachten es als unsere Psticht, unsere mahnende und warnende Stimme zu erheben, noch ehe es zu spät ist. Die Gesetzlosigkeit wird durch die Duldung der antisemitischen Umtriebe geradezu gezüchtet. Die Juden haben sich zu allen Zeiten als gesetzestreu und als opferfreudige Glieder der bürgerlichen Gesellschaft erwiesen. Das Wenigste, was sie dafür zu erwarten und zu verlangen berechtigt sind, ist der Schutz dieser Gesellschaft und des Gesetzes. Die fernere Versagung dieses Schutzes könnte nur jene Bewegung, deren erste Symptome wir im Eingänge dieser Zeilen constatirt haben, zu einerallgemeinen machen. Der Jude, wir wiederholen es, ist kein Umstürzler, man darf ihn aber auch nicht gewaltsam dazu machen. _ Antisemitische Bübereien. Eine Wiener Correspondenz in dem Warschauer Antisemitenblatt „Rola" über den Proceß des Pfarrers Doctor Deckert von Weinhaus weckt unwillkürlich die Vorstellung, als ob man eine jener abnormen Erscheinungen vor sich hätte, welche von den Anhängern Darwin's als Rückfälle in das Affenthum erklärt werden. Der zwerghaste Cretin unserer Gebirgsdörfer, körperlich mißgestaltet, geistig unter dem Thiere stehend, boshaft und schamlos tritt uns vors Auge und es ist noch dazu ein recht schwächlicher Zwerg, der hier in dem genannten Warschauer Blatte in polnischer Sprache Journalistenarbeit verrichtet. Wir wollen annehmen, daß dieses Kalibänchen wirklich einen Wiener Meldzettel besitzt, vielleicht sogar in einer nomadisirenden Schubert'schen Villa Unterkunft gefunden hat und als Wippchen im auswärtigen Dienste des Wiener Antisemitismus sich bescheiden und ehrlos ernährt. In diesem Falle ist die Redaction der „Rola" nur zu beklagen, daß sie bei Aufnahme ihrer Correspondenzen in dem Maße kr-itiklos vorgeht, daß die Empsindungen der Noblesse und die Regungen der Wahrheitsliebe dabei gänzlich in den Hintergrund gedrängt wurden. Es wäre jedoch auch möglich, daß Wippchen, um die Briefmarken zu ersparen, seine Briefe selber in die Redaction des „Rola" trägt und dann müßte man ihm das Compliment machen, daß er sein Vorbrld in den „Wespen" hoch überragt, und es würde sich Herausstellen, daß der geistreichste Mann bei der Nachahmung der Dummheit noch immer weit hinter ' dem zurückbleibt, was die echte Dummheit ohne jede Anstrengung auf natürlichem Wege zu leisten vermag. Der ganze Correspondenzartikel kann nur das Gefühl der Verachtung einflößen und ist einer ernsthaften Widerlegung nicht werth. Allein zur Naturgeschichte des Antisemitismus gehört auch diese Geistesblüthe und so können wir nicht mit Stillschweigen darüber hinweggehen. Der angebliche Wiener Correspondenz-Artikel hat den Haupttitel „Judacia", den Subtitel: „Unterirdische Arbeit". Von Dr. Deckert wird behauptet, daß er „rühmlichst bekannt als gelehrter Geschichtsforscher" sei. Wie es mit der Geschichtsforschung des Pfarrers von Weinhaus steht, das ist den Lesern unseres Blattes hinlänglich bekannt. Der „Geschichtsforscher" von Weinhaus ist ja durch seinen Proceß selbst ein historisches Object geworden und jedenfalls sind bei dem von Paulus Meyer Unterzeichneten Briefe die Bedingungen der historischen Kritik in keiner Weise beachtet worden. Doctor Deckert selbst ist jedoch von Kalibänchens Gnaden „gelehrter Geschichtsforscher" und Kalibänchen selber schreibt die Geschichte des Decker t'schen Processes. Damit Alles mit einem Male gesagt sei, die „Politischen Fragmente" waren schon aus der richtigen Spur, jetzt ist's ganz heraus, Paulus Meyer ist ein jüdischer Agent. Der Paulus Meyer mußte zum Christenthum übertreten, um einerseits die Christen auszubeuten, anderseits die Christen zu verleumden. Ein merkwürdiges Volk diese Juden; Millionen Juden in Rußland vollbringen Tag für Tag ein Märtyrerleben, weil sie ihrem Glauben treu bleiben und dann muß Einer der Ihrigen zum Christenthum übertreten, blos um als Agent für jüdische Zwecke zu dienen. Vermuthlich war auch Johannes Pfefferkorn ein solcher verkappter Agent, blos damit Hutten seine berühmten „Briefe der Dunkelmänner" schreiben konnte. Aber selbst die Dunkelmänner vor vier Jahrhunderten waren noch immer sehr erleuchtet, sehr aufgeklärt gegenüber dem, was jetzt geboten wird. Also Paulus Mayer ist jüdischer Agent und sogar der Typus eines Juden, der zum Christenthume Übertritt, um als jüdischer Agent zu dienen. Nach dem Correfpondenten des Warschauer Blattes ist Paulus Meyer „eine physisch und moralisch abstoßende Persönlichkeit, rothhaarig, nervös, schreierisch, ein Abenteurer ohne Furcht und Scheu". Diese schlauen Juden, zur Verführung des „gelehrten Geschichtsforschers von Weinhaus" wühlten sie eine physisch und moralisch abstoßende Persönlichkeit und rothhaarig mußte dieser Lockspitzel sein, einäugig, nervös, schreierisch. Neben den geschilderten Vorzügen hatte dieser Lockspitzel noch gegen permanenten Geldmangel anzukämpfen. Diese Juden sind also nebenbei so geizig, daß sie ihre rothhaarigen Agenten nicht einmal mit den nothwendigsten Geldmitteln ausstatten. Und wer ist denn der Correspondent des Warschauer Blattes? Vielleicht ist er auch ein getaufter Jude, vielleicht ist er einäugig, rothhaarig u. s. w. und jedenfalls eine physisch und moralisch abstoßende Persönlichkeit. Begleiten wir den Correspondenten weiter in seiner Darstellung des Processes. Dr. Bloch trat in Action. Er veranlaßte den Paulus Meyer nach Wien zu reisen und mit dem Pfarrer Deckert in Verbindung zu treten. Paulus Meyer stand bereits unter gerichtlicher Verfolgung und sogar Dr. Stöcker hatte ihn bereits mit einem Empfehlungsbrief versehen, von der Art, die man sonst als Steckbrief bezeichnet. Die Berliner Antisemiten schicken den Paulus M e y e r nach Leipzig, die Leipziger Antisemiten schicken ihn nach Prag zum Dr. Rohling und der Professor Rohling schickt ihn zu Dr. Deckert nach Weinhaus. Und das Alles hat der Dr. Bloch gemacht. Das ist wirklich ein Meisterstück. Die Beziehungen zwischen Dr. Bloch und dem Professor Rohling sind so intimer Natur und Dr. Rohling ist in so hohem Grade dem Dr. Bloch ergeben, daß es das Einfachste war, den Paulus Meyer auf diesem Wege-in die Wohnung des Geschichtsforschers von Weinhaus zu schicken. Und warum hat der „Geschichtsforscher" Dr. Deckert das heuchlerische Wesen des Paulus Meyer nicht sofort erkannt? Auch darüber gibt Kalibänchen mit gewohntem Scharfsinne Aufschluß. „In Oesterreich und Wien betrachten selbst die vernünftigsten Leute die Juden von einem doctrinären Standpunkte und identificiren sie mit Leuten von arischer Rasse." Also Pfarrer Deckert ist seiner Judenfreundlichkeit ztlm Opfer gefallen und in Oesterreich und Wien finden die Juden stets die freundlichste Beurtheilung. Gestützt auf diesen alleinherrschenden Philosemitismus konnte Dr. Bloch seinen künstlich angelegten Plan durchführen. Diese Hypothese ist denn doch nicht auf dem Wiener Boden entstanden. Die Correspondenz ist, wohlgemerkt, aus Wien, 22. September datirt. In dem Artikel aber heißt es: Bei uns (in Warschau, Polen, Rußland), wo die jüdische Schlauheit allgemein bekannt ist, würde ein Jeder das heuchlerische Wesen des Paulus Meyer sofort erkannt haben. „Bei uns?" Antisemitisches Wippchen, du wohnst ja in Wien und nicht in Warschau, wie kann dich elender Tropf dein Gedächtniß so im Stiche lassen? Also Alles ist in der Correspondenz erlogen, sogar Ort und Datum.