Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 40 (6.10.1893)
- Date
- 1893-10-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Vrsteneichische Wochenschrift Seite 791 Vorsteher des Tempelvereines nach Prag veranstaltet haben, um den in Aussicht genommenen Prediger Dr. Gelbhaus kennen zu lernen, wie die Delegirten nach ihrer Rückkunft bei ihren Schilderungen der Talente des Dr. Gelbhaus in Enthusiasmus sichergingen über dieAnmuth und Liebenswürdigkeit der Frau Rabbinerin, die in der kurzen Zeit bereits alle Herzen der Vereinsgenossen und Genossinnen auch bei uns sich erobert hat. Die Ansprache des Herrn Commercialrathes Neustadtl enthielt eine Fülle witziger Bemerkungen, die jedesmal von lebhaftem Beifalle der Festtheilnehmer unterbrochen wurden. Er trank auf das Wohl der Damen, speciell das der Frau Dr. Gelb Haus. Herr Dr. G log au, der Schwiegersohn des Vorredners, toastirt in gleich geistvoller Weise wie sein Schwiegervater auf das Wohl des verdienten Obercantors des Tempelvereines, Herrn Philipp Klä ger. Zu diesem Kläger haben sich Richter gefunden, die ihm jederzeit als gerechte Richter vollste Anerkennung zu Theil werden ließen. Es folgte noch eine Reihe wilder Toaste. Zum Schlüsse sprach Herr Bankier Freund in beredeten Worten über die Nothwendigkeit des Zusammenhaltens der Juden in der Zeit des Kampfes und leerte sein Glas auf die Einigkeit unter den Glaubensgenossen. Herr Obercantor Kläger entzückte die Festgenossen durch den herrlichen Vortrag Mehrerer mit größtem Beifall aufgenommener Lieder. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß das Tafelarrangement, sowie das geschmackvoll zusammengestellte Menu, wie immer, den Beifall der Festtheilnehmer fand. Wien. (Israelitischer Gottesdienst in der Rudolfs-Kaserne.) Um den jüdischen Soldaten und Reservisten der hiesigen Garnison Gelegenheit zu bieten, an den hohen Festtagen dem Gottesdienste in würdiger Weise anwohnen zu können, wurde auch in diesem Jahre über Ansuchen des Vorstandes der Cultusgemeinde mit Bewilligung des k. u. k. Corps- Commandos ein großer Saal in der Rudolfs-Kaserne zu einem Betlocale bestimmt, in welchem ein feierlicher Gottesdienst abgehalten worden ist. Die Functionäre wurden von der Cultusgemeinde beigestellt. Mit der Leitung des Gottesdienstes und der Aufrechterhaltung der Ordnung, wurde Herr Jacob Stein betraut, welcher wie alljährlich durch sein feinfühliges Vorgehen sich den Dank der andächtigen Beter erwarb. Wien. (Französische Jours.) Die französischen Jours unter der Patronanz der Schriftstellerin Frau Sidonie Grünwald-Zerkowitz werden in den nächsten Tagen wieder beginnen. Somit ist der französisch oder englisch sprechenden gebildeten Welt, für welche französische Clubs u. dgl. nicht das entsprechende Milieu sind, eine elegante Pflegestätte der französischen und englischen Salonsprache zugänglich gemacht Franzosen und Engländer von Distinction finden sich im fran-. zösischen Salon daselbst zusammen und geben den Gästen der Jours Gelegenheit, die französische und englische Aussprache aus erster Quelle zu schöpfen. Unter anderen Gästen aus der Fremde besuchte Sarah Bernhardt im Vorjahre einen dieser Jours und las daselbst eine Scene mit einem der anwesenden Herren. Für heuer sind unter vielen interessanten fremden Gästen aus London und Paris auch zwei französische Schriftsteller angesagt. Beitrittsanmeldungen sind an das Comite der französischen Jours i., Schwertgasse 4, zu richten und werden nach Maßgabe der Raumverhältnisse Berücksichtigung finden. Wien. (Installation.) Montag um 11 Uhr Vormittags wurde der neuernannte Director der Mädchen-Bürgerschule am Czerninplatze im 2. Bez., Herr Markus Beer, feierlich in sein Amt eingeführt. Budapest. (Decorirung.) Der deutsche Kaiser hat anläßlich seines Aufenthaltes in Güns dem Oberinspector der Südbahn, Herrn David Weiß, den Rothen Adler-Orden4. Classe verliehen. Temesvar. Ein hervorragender Bürger und einer der angesehensten Repräsentanten der hiesigen Handelswelt, Herr Gerson W eiß, ist nach langem Leiden, im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verewigte etablirte im Jahre 1855 am hiesigen Platze die nicht nur in Temesvar und Südungarn eines ausgezeichneten Rufes sich erfreuende Großhandlungsfirma Gerson Weiß u. Comp., die zu den reellsten und größten Großhandhandlungshäusern unserer Stadt gehörte und sich eines unerschütterlichen Vertrauens erfreute. Die Kunde von dem Ableben des sich ganz besonderer Achtung erfreuenden Bürgers hat in allen Schichten der hiesigen Gesellschaft allgemeine und aufrichtige Theilnahme hervorgerusen. Der Entschlafene wirkt schon Jahrzebnte hindurch im städt. Municipalausschusse als Virilist und bei der innerstädtischen israelitischen Cultusgemeinde als Ausschußmitglied, in welch' letzterer Eigenschaft er viel zur Hebung und Förderung derselben beitrug. Innsbruck. Anläßlich der Anwesenheit des Kaisers wurde auch der V o r st a n d d e r i s r a e l. Cultusgemeinde in Innsbruck von Sr. Majestät in huldvollster Weise empfangen. E. B. Olmütz. (Ehrun g.) Die Beamtenschaft der Olmützer vereinigten Bahnstation hat dem Bahnarzte Herrn Dr Adolf Brecher, hier, anläßlich seines aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Scheidens aus dem bahnärztlichen Dienste in Berücksichtigung dessen dreißigjähriger, erfolgreicher und aufopfernder dienstlicher Thätigkeit eine in schmeichelhaftester und ehrendster Weise abgefaßte Adresse überreichen lassen. Kojetein. Der über alle Feiertage bei seinen Eltern zu Besuch hier weilende Ehrwürden Herr Professor Doctor David Kaufmann aus Budapest, der der Cultusgemeinde seiner Vaterstadt stets das wärmste Interesse entgegenbringt, war so gütig, dem hiesigen Cultusvorstande^ den ihm blos in literarischer Hinsicht aufs Beste bekannten Herrn Dr. Salomon Fuchs, den Herausgeber der Zeitschrift „Ha Chauker“ in Krakau, behufs Berufung einer Probepredigt und dann eventueller Aufnahme als Rabbiner zu empfehlen. Da die Mehrzahl des Cultusvorstandes sowohl im Sinne der ganzen Gemeinde als auch der auswärts zahlenden Steuerträger handelt, weil sie für die endliche Besetzung der hiesigen Rabbinerstelle ist, möge sie sich von der fast vereinzelten Opposition, die aus Gründen wie „ich brauch' keinen Rabbiner" gegen einen solchen ist, nicht beirren lassen, kenn sonst könnte wohl die Behörde dem Cultusvorstande zufolge eines Paragraphen der neuen Gemeindeordnung bald zeigen, daß Kojetein, falls es eine Cultusgemeinde bleiben will, .,ja einen Rabbiner braucht". Stanislau. Mittwoch, am 11. October findet auf Gut Wolczhniec bei Stanislau die Trauung von Frl. Fanny H a l- Peru, Tochter des Gutsbesitzers H. O. H a l p e r n , mit Herrn Dr. Leo H a l b e r st a m m, dem Sohne des bekannten Bibliographen S. I. Halberstamm, statt. Horn (Niederösterreich), 1. October 1893. In der Generalversammlung des Vereines „Chewra Kadischa" wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Moses Gutmann, Obmann, Ludwig Pollatschek, Obmann-Stellverireter, Samml Pollatschek, Cassier,Dr.Adolf Schächter, Vorstandsmitglied, sämmtliche in Horn; Leopold Mandl in Röhrenbach. Samuel Stein in Rodingersdorf, ebenfalls zu Vorstandsmitgliedern. Außerdem wurde auf Antrag des Obmannes Herr Dr. Adolf Schächter, Rabbiner und Prediger, mit Acclamation zum Ehrenmitglieds des Vereines ernannt. Czernowitz. (Bnkowinaer Landtag.) Der Bukowinaer Landtag hat eine Abendsitzung abgehalten, in welcher nach den Anträgen des Berichterstatters David Tittinger der Gesetzentwurf, betreffend die Convertirung der Bukvwinaer Grundentlastungsschuld, in zweiter Lesung angenommen wurde. Montag findet die dritte Lesung dieses Gesetzes in der Schlußsitzung des Landtages statt. Schaff« in Mähren, 1. October. (Freiherr von Oesterreicher.) Vielleicht dürfte es für manchen Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift" von Interesse sein, zu vernehmen, daß der vor kurzer Zeit in Wien verstorbene Contre- Admiral Tobias Freiherr von Oesterreicher wie so mancher andere hervorragende Mann jüdischer Abstammung war. Freiherr von Oe st er reicher, dessen Lebenslauf in allen politischen Zeitungen anläßlich seines Ablebens mehr oder minder ausführlich geschildert wurde, war ein geborener Pieslinger, verlebte jedoch die ersten Jahre seiner Jugend in Schaffa, wo sein Vater als israelitischer Religionslehrer angestellt war. Oesterreicher widmete sich der Kriegsmarine und erklomm im Lause der Jahre die höchsten Stufen seiner an Ehren so reichen Laufbahn. Oesterreicher trat später zum Protestantismus über; nahe Verwandte von ihm gehören noch der mosaischen Confession an. Auffee in Mähren, 1. October. Am letztverflossenen Jom-Kipur hat im hiesigen Tempel Herr Leopold Bauer, Bürgermeister der Jsraelitengemeinde Lomnitz, einen großen Theil der gottesdienstlichen Functionen bereitwilligst übernommen, was umsomehr hervorgehoben werden muß, als Herrn Bauer die menschenfreundliche Absicht leitete, einen durch Erkrankung verhinderten hiesigen Gemeindefunctionär zu vertreten. Herr Bürgermeister Bauer bewährte sich als Borbeter vorzüglich, und sein Bortrag der altehrwürdigen Gesänge stimmte alle Anwesenden zur gehobensten Andacht. Mögen ihm diese