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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-06 · 40 (6.10.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
40 (6.10.1893)
Date
1893-10-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 790 Oestrrreichische Wmhenschrist Nr. 40 „Herrn Hermann N e u f e l d in Grimma. Auf Anordnung der Königlichen Kreishauptmannschaft Leipzig wird Ihnen andurch zur Kenntniß gebracht, daß dieselbe die von Ihnen am 5. Juli bei der Rettung des hiesigen Bäckermeisters Oskar Hermann vom Tode des Ertrinkens an den Tag gelegte opferwillige Entschlossenheit und Unerschrockenheit anerkannt und im Einverständniß mit dem Königl. Ministerium des Innern beschlossen hat, Ihnen eine öffentliche Belobung zu ertheilen, welche im „Sächsischen Wochenblatte" und im „Amtsblatte des Stadtraths" inzwischen veröffentlicht worden ist. Auch wir fühlen uns gedrungen, Ihnen für Ihr muthiges und aufopferndes Verhalten bei der Rettung des p. Hermann unseren Dank und unsere Anerkennung hierdurch auszudrücken. Der Stadtrath. gez. L o b e ck." Grimma, 26. August 1893. Zum Schluffe will ich noch bemerken, daß Herr Reuse l d sich der vollen Hochachtung unter seinen Mitbürgern in Grimma zu erfreuen hat, wofür als Beweis gelten mag, daß er, trotzdem er der einzige Jude in der Stadt ist, doch der Vorsitzende des „Königlich Sächsischen Kriegervereins zu Grimma" ist. Berlin. Der Reichsrathsabgeordnete Ahlwardt sollte Mittwoch Vormittag vor dem hiesigen Amtsgericht wieder einmal den Offenbarungseid leisten. Es kam aber nicht zu diesem zwar feierlichen, aber immerhin peinlichen Act, weil Herr Ahlwardt sich darauf berufen konnte, daß er bereits früher den Manifestationseid geleistet habe. Diese Thatsache war dem klägerischen Anwalt allerdings bekannt gewesen, er hatte deshalb in seinem Antrag darauf hingewiesen, daß sich inzwischen die Vermögensverhältniffe des Herrn Ahlwardt sehr gebesiert hätten, da er notorisch aus seinen Vorträgen und Broschüren erhebliche Einnahmen beziehe. Herr Ahlwardt bestritt dies; er behauptete, daß nur seine schriftstellerische Thätigkeit ihm eine bescheidene Einnahme bringe, seine Verhältnisse hätten sich also seit Ableistung des Offenbarungseides nicht gebessert. Der Antrag des Klägers wurde hierauf abgewiesen. Der in Rede stehende Fall hat übrigens eine recht charakteristische Vorgeschichte. Im Jahre 1883 empfing Herr Ahlwardt von dem jetzigen Kläger ein Darlehen von nicht unbeträchtlicher Höhe und verpfändete dafür gemeinsam mit seiner Ehefrau das in seiner Wohnung befindliche Mobilar. In der betreffenden Urkunde befindet sich die ausdrückliche Versicherung des Ehepaares, daß die als Unterpfand gegebenen Möbel ihr unbestrittenes Eigenthum seien. Als es dann später — da Ahlwardt seinen Verpflichtungen nicht nachkam — zur Pfändung der Möbel kam, erhob die Schwiegermutter, des Herrn Ahlwardt Jnterventionsklage, indem sie die verpfändeten Möbel als ihr Eigenthum reclamirte. Der Gläubiger ließ sich nun von Herrn Ahlwardt dadurch trösten, daß dieser ihm eine Quittung über sein demnächst fällig werdendes Gehalt und Nebeneinnahmen im Betrage von 795 Mark beziehungsweise 150 Mark ausstellte, die der Magistrats-Hauptkasse gegen Zahlung dieser Summe übergeben werden sollte. Der Gläubiger war auch zu der angegebenen Zeit pünktlich auf dem Posten, aber ... er kam doch zu spät. Der Kläger war übrigens nicht der Einzige, der sich so enttäuscht sah, er fand noch drei Mittrauernde, denen Herr Ahlwardt ebenfalls Gehaltsquittungen ausgestellt hatte und die von dem Beamten der Magistcats-Hauptkasse den Bescheid erhielten, daß der Herr Rektor, beziehungsweise ein anderer seiner Gläubiger ihnen bereits die Mühe des Abholens erspart hätte. Vemijsckteü. Wien. (O e st e r r. i s r a e l. Union.) Samstag den 7. October 1893, Abends 7 Uhr, findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring 10, eine Plenarversammlung statt: Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Borttag des Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus: Ueber „Deutsche und jüdische Volksdichtung". 3. Besprechung des Entwurfes eines neuen Gemeindestatuts. 4. Anträge und Jnterpellattonen. Wie«. (Personal-Nachrichten.) Se. Majestät der Kaiser hat dem ordentlichen Professor der classischen Philologie an der Universität in Wien Dr. Theodor G o m p e r z, den Titel eines Hofrathes verliehen. Dr. Julius Schnitzler hat sich mit Fräulein Helene A l t m a n n verlobt. Wien. (Festbanket des Tempelvorstandes im neunten Bezirk.) Am Ausgang der Festeszeit, am Alend des Simchas Thora, vereinigte sich im festlich geschmückten Restaurant des Herrn Tonello eine ebenso gewählte als heitere Gesellschaft zu einem Familienfeste eigener Art. Es galt, dem neugewählten Rabbiner des neunten Bezirkes, Herrn Dr. Gelb h a u s, sowie seiner liebenswürdigen Gemalin zu zeigen, wie freudig man sie an der neuen Stätte ihrer Wirksamkeit begrüßt und der treffliche und ausgezeichnete Vorstand des Tempelvereines im neunten Bezirke, in richtiger Erkenntniß, daß nur da ein gedeihliches Zusammenwirken zwischen Seelsorger und Gemeinde sich herausbilde, wo nicht nur die geistigen, sondern auch die gemüthlichen Beziehungen Rabbiner und Gemeinde aufs engste verbinden, veranstaltete ein Bewillkommnungsfest, das allen Theilnehmern in schönster Erinnerung bleiben wird und dem Herrn Dr. Gelbhaus und seiner Gattin den Beweis erbrachte, welch fruchtbares und dankbares Feld ihrer Thätigkeit harrt. Beim fröhlichen Mahle eröffnete den Reigen der ebenso geistreichen als launigen Toaste der Präsident des Tempelvereins, Herr Gottlieb Bettel heim, um in herzlichsten Worten den neuen Seelsorger und seine Gattin willkommen zu heißen. , Ausgehend von der Entstehung des Tempelvereines, zeichnet er in kurzen Strichen die Entwicklung des Vereines, sein segensreiches Schaffen, das nicht zum Geringsten an der Stätte zum Ausdrucke kommt, die der Verehrung des Höchsten gewidmet und heute wohl den schönsten Erfolg gefunden durch die Wahl des Seelsorgers, eines Mannes, der durch seine Geist und Gemüth in gleicher Weise fesselnden Reden sich die Herzen Aller erobert. (Lebh. Beifall.) Rabb. G e l b h au s erwiderte in gedankenreicher Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß nur jene jüdischen Tempel des Alterthums, deren Entstehung nicht aus dem Einzelwillen, sondern aus der Initiative und der Arbeit der Gesammtheit hervorgegangen, von Bestund gewesen; ein solcher Tempel sei die Stätte seiner Wirksamkeit und darum erhoffe er auch, daß sein Schaffen in Mitten der Männer, deren Opfermuth ein wahrhaft jüdisches Gotteshaus entstehen ließ, ein gesegnetes sein werde. Er trank auf das Wohl des Vereinsvorstehers. (Lebh. Beifall.) Herr Dr. Schn epp Pries sodann in beredten Worten den Ehrengast, den Cultusvorsteher und Architekten Herrn Max Fleischer, den genialen Erbauer jener Stätte, an der die Gläubigen Trost und Erhebung finden und die in ihrer Schönheit und Formvollendung eine Zierde des Tempelvereins, eine Zierde der Cultusgemeinde, eine Zierde der Stadt Wien bilde. Herr Architekt Fleischer, jubelnd begrüßt, dankte in geistvoller Weise für die ihm gespendete Anerkennung und verweist darauf, daß der Baustyl des Tempels im ix. Bezirk in seiner gothischen Ausführung an die ältesten jüdischen Gotteshäuser Europas anknüpft; denn die älteste Synagoge der altehrwürdigen Gemeinde Prag, deren Traditionen bis in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung ' hinaufreichen, ist in gothischem Style erbaut und die älteste Synagoge der jüdischen Gemeinde in Krakau, das Geschenk eines edelmüthigen und hochherzigen Polenkönigs, ist gleichfalls in gothischem Style erbaut. Er leert sein Glas auf das Wohl und Gedeihen des Tempelvereins, seiner Vorsteher und seines Rabbiners. (Lebh. Beifall.) B.-St. Herr Ignaz Feiglsto ck erbittet sich das Wort, um in witziger, geistsprühender Rede den Abgeordneten Dr. Bloch zu feiern. Er zeichnete dessen Wirksamkeit von Anbeginn seines öffentlichen Auftretens — von der Polemik und dem Proceß Rohling angefangen bis zur letzten Affaire Deckert und dem Brief an den Staatsanwalt und unter jubelndem Beifall der Festtheilnehmer leert er sein Glas auf das Wohl des wackeren Abgeordneten und seiner Familie. Dr. Bloch dankte herzlich für die freundlichen Gesinnungen, die seine Verdienste überschätzen, ihm aber ein Ansporn sind, jederzeit für die Ehre des Judenthums und den Schutz seiner Glaubensgenossen, wann und wo immer sich ihm die Gelegenheit bietet, nach Möglichkeit einzutreten. Er leert sein Glas auf das friedliche Zusammenwirken zwischen Tempelverein und der Muttergemeinde, dem Vorstand und dem Rabbiner, als die Bürgschaft des Segens. Ihm folgt Herr k. k. Commercienrath Neustadtl, der in heiterster und witzigster Weise auf das Wohl der Frauen, besonders auf das der Rabbiuerin trinkt. Er erzählt von den Brautschaufahrten, welche die

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