Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 40 (6.10.1893)
- Date
- 1893-10-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 788 Vestrrreichische Wochenschrift Nr. 40 Masten den Mittel- und Hochschulen zu!" wie lautete da das Echo aus den maßgebenden Kreisen des Judenthums? Es wurde in bündigster Weise die Losung ausgegeben: „Abdrängen der Masten jüdischer Kinder von den Mittel- und Hochschulen!" Wen aber traf diese Pharaonische Losung? Einzig und allein die Kinder armer Eltern. Denn Ihr, Ihr wohlhabenden Eltern, sendet nach wie vor Eure Kinder in die Gymnasien und auf die Universitäten und genießet noch überdies den Vortheil, die armen Kinder nicht weiter unterstützen zu müssen. Ihr predigt also Wasser und trinket Wein! Der befreiende Ruf des Judenthums aber: Hisharn bibne anijim, „nehmt Euch der Kinder armer Eltern an!" ist verhallt! Und nun noch ein kleines Wörtchen an die Cultusgemeinden. — Unter die obbezeichneten Calamitäten, welche die armen Schulkinder mit den Büchern und den sich jährlich verjüngenden „Auflagen" haben, gehören auch jene mit den Religionsbüchern. Die dickleibigen Gebetbücher und die noch dickleibigeren Auerbach'schen Bibeln, welche die jüdischen Gymnasiasten zur Schule zu schleppen haben, wollen auch gekauft sein, und wenn das Kind armer Eltern nicht die Mittel hiezu hat und die Bücher nicht zur Schule bringen kann, wird es vom Religionslehrer bestraft. Wenigstens dem könnte doch vorgebeugt werden, daß der Religionslehrer nicht gleichfalls Härte zu üben gezwungen werde. Der Religionslehrer, desten Hauptaufgabe es ist, Menschenliebe zu lehren, sollte nicht in der Praxis Härte üben müssen. Dem aber ist sehr leicht abzuhelfen. Die Cultusgemeinde braucht nur jedem Religionslehrer eine Anzahl von Religionsbüchern behufs Gratisvertheilung an die ärmsten Schüler zur Verfügung zu stellen. Große Kosten wird das kaum verursachen, zumal in den Gymnasien, wenigstens in der Metropole des Reiches, wo jetzt schon sehr wenig arme jüdische Kinder vorhanden sind und die Zeit nicht mehr fern ist, wo dort kein einziges armes jüdisches Kind anzutreffen sein wird.... Der arme Jude wird hier bald ausrufen: „Du hast gesiegt, Antisemitismus " Kaul Kore Bamidbar. Nus Tuthrr's Schriften. Der „Oesterr. Bolksfreund" des biederen Dr. P s e n n e r enthält in Nr. 40, vom 1. Oktober, ein Citat von Luther in Bezug auf die Juden mit folgenden Worten: „Und Luther, der erste und echteste Protestant, schlug selbst im Jahre 1543 vor: „daß man ihre Synagogen mit Feuer anstecke und was nicht brennen will, mit Erde überhäufe, damit kein Mensch davon einen Stein sehe ewiglich, weil sie darin Abgötterei treiben." Das ist also ein Wink für protestantische Leser, nach Luth er's Worte zu handeln. Indessen ist es bekannt, daß Luther auch anders über die Juden dachte. Im Jahre 1523 — damals war Luther 40 Jahre alt — ließ er inWittenberg ein Buch erscheinen, in dem er sich gegen die Judenhasser in den kräftigsten Ausdrücken wendete. Der Titel des Buches lautet: „Daß Jesus Christus eyn geborner Jude sey." In diesem Buch heißt es u. A.: „Unsere Narren, die Papisten, Bischöfe, Sophisten und Mönche, — die groben Esels — haben bisher also mit den Juden verfahren, daß. wer ein guter Christ gewesen, hätte wohl mögen ein Jude werden. Und wenn ich ein Jude gewesen wäre und hätte solche Tölpel und Knebel den Christenglauben regieren und lehren gesehen, so wäre ich eher ein Sau worden, als ein Christ. Denn sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Menschen . . . Drum wäre mein Bitt und mein Rath, daß man säuberlich mit ihnen umgehe und aus der Schrift sie unterrichtet. Will man ihnen helfen, so muß man christlicher Liebe Gesetz an ihnen üben, sie freundlich annehmen, mit lasten werben und arbeiten, damit sie Ursache und Raum gewinnen, bei uns und um uns zu sein." Gorrespünäensen. Wien. (Zum Ehrenbeleidigungsproceß contra DeckertundPaulusMeyer.) Die verleumdeten russischen Juden in O st r o w, welche den Proceß gegen Pfarrer Deckert und Genossen führten, haben einen Delegirten nach Wien entsendet, um ihrem Vertreter in dem genannten Processe, Herrn Dr. Josef K o p p, persönlich den Dank auszusprechen. Die israel. Cultusgemeinde-Repräsentanz in Prag hat in ihrer Sitzung vom 24. v. M. einstimmig beschlossen, dem Abgeordneten Dr. Bloch für seine Intervention gegen die Meyer- Decker t'sche Verleumdung den wärmsten Dank namens der ganzen Gemeinde auszusprechen. Der Präses der Prager israel. Cultusgemeinde, Herr Dr. Arnold R o s e n b a ch e r, hat mittelst Zuschrift vom 27. September den genannten Abgeordneten von diesem ehrenvollen Beschluß in Kenntniß gesetzt. Wien. (Der Säbel! Der Säbel!) Mit Recht betrachten sich die Träger des mit dem goldenen Porteepee gezierten Säbels als Schoßkinder des Staates. Haben sie doch den ritterlichen Beruf, das Vaterland, resp. die dasselbe bewohnenden Staatsbürger gegen innere und äußere Feinde zu schützen, jeden Angriff auf deren Leben und Habe mit aller Energie abzuwehren. Dieser Säbel, der berufen ist, im Kriegsfälle in Feindesblut zu tauchen, wird auch in Friedens - zeiten geschwungen, um der letzten Silbe des Commandowortes behufs präciser Ausführung desselben mehr Nachdruck zu verleihen. Die Fälle, wo diese Waffe gegen friedliche Bürger mißbraucht wird, kommen gottlob nur sehr selten vor. Leider sind in letzter Zeit Vorkommnisse zu beklagen, wo durch das Schwingen des Säbels so manchem braven Jungen der Weg ins Jenseits gezeigt und vom Betreffenden sofort verstanden wird. Auffallend ist es allerdings, daß es zumeist unsere Glaubensbrüder sind, die diese Winke verstehen und befolgen. Obzwar hier blos die in kurzen Intervallen erfolgten Fälle: Deutsch, Abeles und Ellenberger bekannt wurden, genügen diese vollkommen, um jeden Vater eines wehrfähigen Sohnes mit größter Besorgniß zu erfüllen. Daß unsere Glaubensgenossen trotz treuester Pflichterfüllung die Stiefkinder der Armee sind, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Welches ist wohl die Ursache dieser Wirkung? Bei aller Hochachtung für unser braves Officierscorps enthält dasselbe wahrscheinlich auch Elemente, die noch als „akademische Bürger" unter Anführung des Ritters St. Georg von Zwettl in der Redaction des „Reuen Wiener Tagblatt" bereits Heldenthaten vollführten und seither sich als Reserve-Officiere activiren ließen. Diese sind es, welche mit der Wissenschaft auch die durch den Antisemitismus vergiftete Milch an den Brüsten der Alma Mater eingesogen haben, und können die Aversion gegen den Juden einmal nicht verwinden. Der verewigte Reichs-Kriegsminister Freiher von Bauer hat wohl jedesmal, wenn ein Selbstmord in der Armee bekannt wurde, strengste Untersuchung anbefohlen , doch ergaben diese Untersuchungen stets ein negatives Resultat. Unlust zum Dienen, Heimweh rc. wurde stets constatirt, da sich etwas wie Mißhandlung oder gar „gekränkter Ehrgeiz" nicht recht constatiren läßt. Auch sein unmittelbarer Nachfolger Excellenz Ritter von M er kl begann seine Thätigkeit mit dem Aufträge, einen jeden „Fall" von Soldatenmißhandluug sofort der obersten Heeresleitung bekannt zu geben. Diese von humanem Geiste und edler Menschlichkeit getroffene Verfügung allein genügte schon, um die Gemüther der Eltern wehrfähiger Söhne etwas zu beruhigen, wenn — ja tuen« auch alles und jedes zur Kenntniß des hohen k. u. k. Reichs-Kriegsministeriums gelangen würde. Der neue Kriegsminister, dem neben dem Rufe eines schneidigen Reitergenerals auch der eines edlen Menschenschätzers vorangeht, wird zweifelsohne dem Capitel: „Soldatenmißhandlungen" seine ganze Aufmerksamkeit widmen, und in dieser Zuversicht wollen wir unsere Söhne getrost den Präsenzdienst antreten lassen, um sie nach Ablauf desselben unversetzrt wieder zurückzuerhalten. Und wenn feindliche Invasionen unser Vaterland bedrohen sollten, werden unsere Söhne gewiß mit Begeisterung und freudigen Herzens dem an sie ergangenen Rufe folgen, um für Gott, Kaiser und Vaterland heldenmüthig zu kämpfen und auf dem Felde der Ehre eventuell auch zu fallen. D m u ch a l s k i.