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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-29 · 39 (29.9.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
39 (29.9.1893)
Date
1893-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 776 Vrsterreichtfchr Wochenschrift Nr. 39 Legion, werden die kaiserliche Entschließung mit herzlicher Freude begrüßen. Wien. (Auszeichnung e n.) Die Chefs des Großhandlungshauses „Oros di, Back & C o." in Constantinopel erhielten für ihre besonderen Verdienste um Handel und Industrie verschiedene Auszeichnungen von Sr. Majestät dem Sultan, und zwar Herr Hermann Back, Ritter des Franz Josef-Ordens, Präsident der österr.-ungar. Handelskammer und Vertreter der königl. ungar. Staatsbahnen in Constantinopel, den Medschidje- Orden zweiter Classe, seine Gattin Frau Mathilde Back den Chefakat-Orden zweiter Classe; Herr Jos. Back den Osmanie- Orden vierter Classe; Herr Jaques Back den Medschidje-Orden vierter Classe; Herr Philipp O r o s d i den Osmanie-Orden vierter Classe und die Hauptmitarbeiter Oscar Wittelsbach, Charles Etussi, Marcoledi und Antoine Barthelemy die Verdienstmedaille. Das Hans Orosdi, Back L C o. unterhält große Niederlassungen in Constantinopel, Kairo, Alexandrien, Tanta, Salonichi, Smyrna, Tunis und Philippopel, sowie Einkaufshäuser in Wien, London und Paris, ist die erste Firma des Orients ihrer Art; deren Bemühungen um die Förderung der österr.-ungar Industrie wurden durch allerhöchste Auszeichnungen anerkannt und gestalten sich dieselben umso erfolgreicher, als das Haus seine Operation nunmehr auch auf Südamerika ausdehnte. Wien, 21. September 1893. Der hier rühmlichst bekannte Violin-Virtuose Max Lewing er ist vom Unterrichtsminister Jo ne s cu als Professor für das königliche Conservatorium in Bukarest berufen worden. Der jugendliche Professor ist dreiundzwanzig Jahre alt und in Sulkow bei Wieliczka geboren. Wien. (Dr. Julius Kulka.) Den bekannten Schriftsteller, Herrn Adolf Kulka, hat ein schwerer Schlag getroffen; sein einziger Sohn, ein hochbegabter junger Mann, ist im Alter von 28 Jahren gestorben. Dr. Julius Kulka, dies der Name des Verblichenen, war feinem bürgerlichen Berufe nach Jurist und als Advocaturs-Concipient in der Kanzlei des Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. R. v. Hornbostel thätig. Neben diesem Berufe oblag er mit außerordentlichen! Eifer literarischen Arbeiten und zählte zu den angesehensten Bekennern der realistischen Richtung in Wien. Dr. Kulka war sowohl hier wie in Deutschland für die Propagirung der neueren literarischen Richtung eifrig thätig und stand speciell mit Henrik Ibsen in brieflichem Verkehre. Die von ihm in der „Modernen Rundschau" und anderen Zeitschriften erschienenen Essays über das Wiener Theater zeichneten sich durch Gediegenheit der Darstellung, wie durch tiefe Sachkenntniß aus. Seine vielen Freunde werden dem allzu früh dahingerafften jungen Literalen allezeit ein treues Andenken bewahren. Wien. Am 18. d. entschlief Frau Rachel Jellinek, Gattin des Herrn Emil Jellinek und Schwiegertochter des Dr. Jellinek. Sie entstammte einer sefardischen Familie in Marokko, ward geboren in Tetuan, wo ihr Gatte k. k. österreichischer Consularagent war, sprach arabisch, spanisch und französisch und war in ihrer ersten Jugend eine der schönsten Frauen gestalten. Sie hinterläßt zwei Söhne und ein Töchterchen, Mercedes genannt. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria", der in den Ferialmonaten pausirte, hat seine Thätigkeit wieder ausgenommen, und kann man nach der regen Theilnahme, die die Förderinnen und Mitglieder des Vereines auch während der Ferien dem Vereine entgegenbrachten, , schließen, daß auch im kommenden dritten Vereinsjahre dem Vereine die Sympathien und Anerkennungen, die er sich allseits errungen, auch weiterhin nicht fehlen werden. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag, den 15. October, Schottenring 25 statt. Auskünfte ertheilt die Schriftführerin des Vereines, Fräulein Jda Werner, Währing, Czermakgasse 14. Floridsdorf. Dienstag, den 26. d. M. beging der seit seit mehr als 20 Jahren in Floridsdorf prakticirende Arzt, Herr Dr. M. L ö w y, die dreifache Feier seines 50. Geburtstages, seiner silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Sophie, und des 25jährigen Doctorjubiläums. Der genannte Arzt erfreut sich in der Bevölkerung der Donaugemeinden eines sehr geachteten Namens. Lemberg, 22. September. In Folge der Bemühungen des Obmannes des Polen-Clubs, Ritter v. I a w o r s k i, hat die russische Regierung ihre letzte Verfügung, wonach israelitischen Inhabern in Oesterreich protokollirter Firmen ein längerer Aufenthalt in Rußland verboten wurde, rückgängig gemacht. Prag. Das Leichenbegängniß des ehemaligen Abgeordneten Heinrich Frank fand unter großer Betheiligung statt. Der Verstorbene war bis zum Jahre 1889 Landtagsabgeordneter für die Handelskammer in Budweis, Censor der Böhmischen Escomptebank. Mitglied zahlreicher gemeinnütziger und humanitärer Vereine und Eigenthnmer derTabakgroßverlagsgeschäste in Prag, Rakonitzund Budwei s, sowie der Specialitäten-Regie- Niederlage am Graben. Unter den zahlreichen Trauergästen sah man mehrere Landtagsabgeordnete, den Obmann der isr. Cultusgemeinde-Repräsentanz, Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, mit vielen Mitgliedern derselben, den Vorstand des israelitischen Nächstenliebe-Vereines, Herrn Dr. L. Bend in er, mit den Mitgliedern des Vereines, den Vorstand des israelitischen Kreuzervereines mit dem Obmann, Herrn Sigmund Mauthner, die zu beiden Seiten des Leichenwagens Spalier bildeten, den Vorstand und die Mitglieder der Neusynagoge, eine Deputation der israelitischen Cultnsgemeinde in Beneschau, den Oberdirector der böhmischen Sparcasse, Herrn Theumer, Herrn Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Herrn Oberrabbiner Stellvertreter Dr. Tauber, den Präsidenten des Handelsgremiums, Herrn Förchheimer, den Großindustriellen Herrn Emil R. v. Kubinzky, Mitglieder vieler humanitärer und gemeinnütziger Vereine re. Die irdische Hülle des Verblichenen wurde auf dem neuen israelitischen Friedhofe in Molsch an beigesetzt. - Karlsbad. Dem Gottesdienste am Bersöhnungstage wohnten im hiesigen Tempel unter anderen Militärs auch ein jüdischer Oberst und ein Major, die hier zur Cur weilen, an, welche allen Tagesgebeten in tiefster Andacht folgten. Den beiden hohen Militärs wurden von der Bethausverwaltüng Sitze in der ersten Bankreihe angewiesen. Teplitz, 22. September 1893. Ein furchtbares Unglück ereignete sich an Kol-Nidreb, Nachts, in der nahen Stadt K a r b i tz. Herr Carl Bauer reiste in seine Heimat, um dort den Versöhnungstag zu feiern und ließ seine Frau mit ihren zwei Kindern allein zu Hause. Um 1 Uhr Nachts bemerkten Passanten Rauch und Feuer in der Wohnung derselben und als man in das Zimmer eindrang, bot sich ein entsetzlicher Anblick dar. Die Frau lag todt und halb verkohlt im Bette und die beiden Kinder fand man erstickt im anderen Zimmer, das mit Rauch gefüllt war. Es ist bisher nach unaufgeklärt, ob hier ein Racheact. ein Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt. Heute am 22. d. M. fand die Leichenfeier der drei Opfer statt, welche nach S o b o r t e n zur Bestattung gebracht wurden. Bon weit und breit kamen zahlreiche Trauergäste und die Theilnahme war so groß, wie sie Schreiber dieses seit vielen Jahren bei Leichenbegängissen nicht gesehen hat. Herr Rabbiner Galandauer wurde durch das Wehklagen der Versammelten oft in seiner meisterhaften Rede unterbrochen, aber so überwältigt von Schmerz sah man noch selten eine so große Versammlung. ' EB. Prosnitz. Ein untergeordneter Bediensteter des hiesigen Postamtes, der 8pir1tus reetor der Proßnitzer Jungantisemiten. ist von hier nach Auswärts versetzt worden. Man ist der Brünner Postdirection für die summarische Exemplificirung dankbar und gibt der Erwartung Raum, daß dieser Act als warnendes Beispiel für alle Diejenigen gelten wird, welche annoch geneigt sein sollten, sich dem Cult des Rassenhasses zu widmen. Sobeslau (Böhmen), 24. September 1893. Freitag, den 22. d. M. fand hier die ordentliche Generalversammlung der reorganisirten Israel. Beerdigungsbrüderschaft in Sobeslau statt. Die Versammlung des Vereines welche dermalen 30—40 Mitglieder zählt, war sehr zahlreich besucht. Der Bericht des Cassiers V. Rind meldete, daß der Verein dermalen eine Baarschast von 369 fl. 55 kr. aufweist, was im Hinblicke auf die großen Auslagen und die Kürze des Bestandes des neuen Vereines (1890) eine glänzende genannt werden muß und ein schönes Zeugniß für die Thätigkeit des Vorstandes gibt, der zumeist aus jüngeren Kräften besteht, die aber entgegen der heutigen Zeitströmung noch wirklich Herz und Sinn.fine das Judenthum und seine erhabenen Institutionen haben. Die Neuwahl des Vorstandes ergab aber auch ein glänzendes Zeugniß für die Leistungen des Vorstandes, indem der gesammtc Vorstand fast einstimmig wiedergewählt wurde. Es sind dies die Herren: Jg. Zimmer jun., Präses, Victor Rind, Cassier, M. Kreisl, Adolf Stampf und Emil Zimmer. Wir schließen mit dem.Wunsche an den Vorstand, daß er sein neues Triennium wieder so glücklich beende.

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