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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-29 · 39 (29.9.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
39 (29.9.1893)
Date
1893-09-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Orfierreichischr Wochenschrift Seite 775 Viehhof eingeführt ist und den Zweck verfolgt, durch Einschlagen eines langen Locheisens in den Schädel und nachfolgende Einführung eines spanischen Rohrs durch das gesetzte Loch das Gehirn und besonders das verlängerte Mark, von dem bekanntlich beinahe alle wichtigen Lebensfunctionen abhängig sind, zu verletzen, gibt, wie sich Herr Dr. Dembo mehrfach überzeugen konnte, häufig genug Mißerfolge. Bei drei Bullen, welche gestern in Gegenwart des Herrn Dr. Dembo und eines dort beamteten Thierarztes mit der verbesserten Bruneau'schen Schlachtmaske geschlachtet wurden, mußte nach Aussage des Herrn Dr. Dembo bei dem einen sieben Mal, bei dem andern fünf Mal ünd bei dem dritten drei Mal zugeschlagen werden, bevor der Ochse umfiel, also der Stift wirklich im Gehirn saß, und — was noch mehr sagen will — trotzdem der Schlächter längere Zeit mit dem spanischen Rohr im Gehirn und Rückenmarck hin- und herfuhr, war das verlängerte Mark, wie die sofort von Dr. Dembo in Gegenwart der genannten Zeugen ausgesührte Section ergab, gar nicht verletzt. Der Stock war vielmehr unterhalb des verlängerten Marks in's Rückenmark eingedrungen. Herr Dr. Dembo hat das betreffende Präparat in Spiritus aufbewahrt und wird es jedem sich dafür Jnteressirenden gern demonstriren*)." Dr. phil. et med. H. C. P laut. Nürnberg. In Nürnberg hatte sich vor dem Schwurgerichte wegen Sittlichkeitsvergehens zu verantworten der achtundfünfzig Jahre alte „Schriftsteller" Adam Weber, Redacteur des Antisemitenblattes „Freier Beobachter" in Fürth. In der Verhandlung wurde nun festgestellt, daß Weber wegen Betrugsversuchs, sowie verschiedener Vergehen gegen die Sittlichkeit zahlreiche Gefängnißstrafen verbüßt und etwa fünf Jahre hinter Schloß und Riegel zugebracht hat. Das Gericht erkannte auf eine Zusatzstrafe von drei Monaten Gefängniß. — Anläßlich der Anwesenheit unseres Kaisers in Stuttgart ist der dortige Brandmeister Jacoby, Sohn des stellvertr. Vorsitzenden des Repräsentantencollegiums in Magdeburg Herrn Adolf Jacoby, mit dem Kronenorden decorirt worden. Odessa, 5. September. Dr. Belcowski, ein in der zionistischen Bewegung nicht unbekannter Name, welcher bekanntlich vor drei Jahren sein Staatsexamen hier gemacht und bisher in Rußland keine Anstellung finden konnte, obwohl er zur Zeit seines Examens mit einer goldenen Medaille von der hohen Schule prämiirt wurde, erhielt einen Ruf nach Bulgarien, wo er in Sofia als Docent über römisches Recht angestellt wurde. In Wilna, so wird uns berichtet, wurde am26. August im Hause der Sederka die Schauspielersfrau Hurwitz, von einem christlichen Schlosser Grunow, welcher sowohl mit dem Schauspieler Hurwitz, als mit dem im selben Hause wohnenden Collegen Hurwitz's, dem Schauspieler Belogorowski, befreundet war, nachdem derselbe von ihr erfahren hatte, daß sie 100 Rubel von ihren Eltern mitgebracht habe, ermordet und beraubt. Der Mörder wurde an demselben Tage verhaftet. Im Kreise Riga-Wolmar war über eine Gemeinde, welche im Walde ihr Gebet verrichtet, vom Friedensrichter eine Strafe verhängt worden. Als der „Woschod" diese Frage erörterte, nahm der Senat die Sache in die Hand und hob das Erkenutniß des Friedensrichters auf, weil die Israeliten kein Verbot übertreten hätten. Ein griechisch-katholischer Bischof nahm ein jüdisches dreizehnjähriges Mädchen ohne Wissen der Eltern, taufte es und nahm es in seine Kirche auf. Der Vater wandte sich beschwerdeführend an den Kaiser. Infolge dessen wurde die Angelegenheit untersucht, richtig befunden und im Allerhöchsten Aufträge das Kind den Eltern und seiner Religion wieder zugeführt. Außerdem erging vom ersten Staatsanwalt desCzarenreiches ein Circular an alle gläubigen Geistlichen, kein Kind anderer Religion unter 14 Jahren ohne Zustimmung der Eltern und besondere Erlaudniß des Senats zu taufen. *) Und wegen dieser famosen Schlachtmethvde ist im Königreich Sachsen das Schächten verboten worden! Der wackere Herr Doctor D e m b o hat durch die bedeutsame Feststellung, von welcher Herr Dr. Plant Mittheilung macht, die große Summe seiner Verdienste um ein ferneres bereichert. Wie wir mittheilen können, hat Herr Dr. Dembo auch auf dem hiesigen Schlachthofe eine Reihe wichtiger Beobachtungen gemacht, welche er in einer demnächst erscheinenden Schrift bekannt geben wird. Red. der „Iüd. Pre s se". Vernnjscktes. Wien-Josefftadt. (25jähriges Rabbi nerJubiläum.) Am ersten Tage Rosch-Haschanah hat Sr. Ehrwürden Rabbiner Wolln er in seiner Festpredigt als Text gewählt eine Stelle aus dem Propheten Ezechiel (K. 3, 17): „Zofe nesaticho lewes iisroei 2C. Gott hat den Propheten als Wächter, Hüter eingesetzt über Israel. Nachdem wir längst keine Propheten mehr haben, sind wir heute die Zofim, die von Gott bestimmt sind, über das cultuelle, religiöse Leben zu wachen! In dieser meisterhaften Rede wurde besprochen als Zofim, der Vorstand, der Rabbiner, die jüdische Frau, die eigentlich „Zofiah“ in der Bibel genannt wird, der Geist, der dem Judenthum inne wohnt, und wenn alle diese nicht ausreichen, so ist doch Gott, der „Zofe umabit“. Bei dem Abschnitte, wo Rabbiner als Zofe besprochen wurde, erwähnte Rabbiner Wollner, daß es heute am ersten Tage des Neujahres gerade 25 Jahre sind, daß er seinen Beruf hier angetreten habe, dankte Gott, daß er ihm im 74. Lebensjahre noch die Kraft verliehen, seinen Pflichten Nachkommen zu können, und auch seiner Bethausgemeinde für die Verehrung und die Liebe, die ihm stets zutheil wurde. Diese Mittheilung hat eine unerwartete Ueberraschung unter den Anwesenden hervorgerufen, denn Niemand dachte daran. Nach dem Gottesdienste improvisirte der Vorstand eine Feierlichkeit, Ansprachen wurden gewechselt, und es war ein rührender Anblick, wie Männer und Frauen den greisen Rabbiner so innig, so herzlich mit Freudenthränen umkreist, begrüßt und beglückwünscht haben. Es gibt doch noch „kowod batora-* ttt Israel. G. E. B. Wien. (Die h ohen Feiertage in Wien) haben einen durchwegs würdigen Verlauf genommen. Die ständigen Synagogen und provisorischen Bethäuser waren überfüllt und eine große Zahl der unbemittelten Glaubensgenossen, denen es die Mittel nicht gestatten, einen Tempel- oder Bethaussitz zu erwerben, waren bemüssigt, vor den Gotteshäusern Posto zu fassen, ein Nebelstand, der die Vermehrung der Andachtsstätten dringend erforderlich macht. Die jüdischen Geschäftslocale waren nahezu ausnahmslos, insbesondere am Versöhnungstage geschloffen und die Geschästsviertel blieben menschenleer. Die noch in den Sommerfrischen in der Nähe Wiens weilenden Juden verrichteten ihre Andacht in eigens hiezu adaptiiten Localen. Mit Genugthuung kann die Thatsache registrirt werden, daß das religiöse Bewußtsein bei unseren Glaubensgenoffen wieder mehr zur Geltung gelangt. Der Zeiten Roth und Drang läßt das Solidaritätsgefühl wieder stärker zum Vorschein kommen. Noch ist wohl in dieser Richtung nicht Alles nach Wunsch, noch gibt es der Lauen und Indifferenten genug, allein man muß sich mit der Hoffnung tragen, daß die Einsicht endlich zum Durchbruch gelangen werde, daß sich die Juden der Bedrängniß, von welcher gegenwärtig namentlich die Un- und Minderbemittelten so schwer zu leiden haben, nur durch festen Zusammenhalt, durch Solidarität zu erwehren im Stande sind. Wien, 23. September 1893. (Kaiserliche Auszeichnung.) Die „Wiener - Zeitung" meldet die Verleihung des Titels eines kaiserlichen Rathes an Herrn Friedrich Pollak. (Vorsteher des Tempelvereines im 6. und 7. Bezirke) Gesellschafter der Firma D. R. P o l l a k' s Söhne. Diese kaiserliche Auszeichnung wird einen! Manne zutheil, der sie wie selten einer verdient. Die industriellen Leistungen der Firma auf dem Gebiete der Papierfabrikation sind der ganzen Welt bekannt, denn nach allen Weltrichtnngen gehen die zahlreichen Neuheiten in Briefpapier und Couverts, in Caffetten und Papeterien, die der schaffenden Kraft Friedrich Pollak's und seines Bruders Alois Pollak ihr Entstehen verdanken und Zeugniß ablegen von dem Geschmacke und der Phantasie ihrer Urheber. Das Etablissement in der Myrthengaffe, mit allen modernen Arbeitsmaschinen eingerichtet, zählt in der Branche zu den bedeutendsten, die gegenwärtig überhaupt bestehen. In Friedrich Pollak vereint sich aber mit industrieller Tüchtigkeit eine persönliche Liebenswürdigkeit, der kaum Jemand von denen, die ihn kennen, widersteht, und ein Drang zur' Bethätigung echten Gemeinsinnes, der nie versagt, wenn es gilt, ein gutes Werk zu fördern. Ungerecht wäre es, würden wir nicht erwähnen, daß mit Friedrich Pollak auf allen Gebieten des Gemeingeistes und der Nächstenliebe sein Bruder Alois, der hochherzige Förderer des Freiland-Vereines, unablässig erfolgreich wetteifert. Die Freunde Pollak's, und ihre Zahl ist

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