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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-29 · 39 (29.9.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
39 (29.9.1893)
Date
1893-09-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Säte 774 Oesterreichifche Wochenschrift Nr. 39 Oberrealschule frequentirt, in Audienz empfangen. Nachdem Herr Ehrlich Sr. kaiserlichen Hoheit ehrfurchtsvoll für die Gewährung der Audienz gedankt, unterbreitete er Höchstdemselben die Bitte und die Einladung zum Besuche unseres Gotteshauses. Hierauf richtete Herr Dr. Leimdörfer an Se. kaiserliche Hoheit folgende Ansprache: „Nicht blos Namens der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, deren Seelsorger ich bin, sondern auch für alle Israeliten dieses gesegneten großen Kaiserstaates spreche ich Euer k. u. k. Hoheit den innigsten Dank aus für die uns Alle auszeichnende Ehre, daß ich das Glück habe, von Euer k. u. k. Hohett gnädigst empfangen zu werden. Die Kunde davon wird bei allen Israeliten den freudigsten Nachhall erwecken, denn zeugt sie ja beredt für die erhabenen Traditionen in unserem allerhöchsten Kaiserhause von wahrhafter Menschenschätzung und Würdigung der Religion, deren Zweck die Hebung der Sittlichkeit und Veredlung der Menschheit ist." Se. k. u. k. Hoheit geruhte beide Ansprachen huldvollst entgegenzunehmen, reichte jedem Mitgliede der Deputation, sich über die Verhältnisse der Gemeinde erkundigend, die Hand und stellte Höchstseinen Besuch im Gotteshause in Aussicht. Am Rüsttage zum Jom Kipur, 10 Uhr Vormittags, erschien nun Se. k. u. k. Hoheit in Begleitung seines Adjutanten Oberlt. Baron L i p P e r t beim Tempel und wurde im Vestibüle desselben von Herrn Dr. Leimdörfer und Herrn Cultusvorsteher Ebrlich ehrfurchtsvoll empfangen, von Ersterem mit folgenden Worten begrüßt: „Eure k. u. k. Hoheit! An der Schwelle des Hauses, errichtet zur Anbetung des Gottes der Liebe, Barmherzigkeit und Milde, rufe ich Eurer k. u. k. Hohett den Willkommgruß des königlichen Psalmisten zu: Gesegnet sei der Erlauchste Sproß unseres ruhmreichen Kaiserhauses, für das wir an allen unseren Fest- und Feiertagen die innigsten Bitten zum Weltenthrone Gottes emporsenden, der da kommt im Namen ^es Herrn, alle Zeiten seines Lebens — Amen." Sichtlich gerührt durch diese Worte bettat nun Se. k. u. k. Hoheit das Innere des vollständig beleuchteten Tempels und ließ sich vom Herrn Dr. Leimdörfer huldvollst über die Einrichtung und theilweise über die liturgische Einteilung mit sichtbarem Interesse Aufschluß geben. Auch zwei Thorarollen wurden von Sr. k. u. k. Hoheit der heiligen Bundeslade entnommen und in denselben die aller Moral zugrunde liegenden Stellen des dritten Buches Moses, Capital 19, „Liebe Deinen Nächsten" und zweites Buch Moses, der Dekalog im Urtexte mtt Uebersetzung von Herrn Dr. Leimdörfer vorgelesen. Seine k. u. k. Hohett drückte über das Gesehene und Gehörte seine Beftiedigung ans, dankte Herrn Cultusvorsteher Ehrlich für die seitens des Vorstandes geplante Ovalion, welche aber von Sr. k. u. k. Hohett dankend abgelehnt wurde, und beauftragte ihn auch, der Gemeinde für dieses Zeichen der Loyalität und des Pattotismus den Dank in seinem Namen auszusprechen. Herr Cultusvorsteher Ehrlich nahm noch beim Schluß dieses hohen Besuches Gelegenheit, für die der Gemeinde widerfahrene Auszeichnung zu danken, worauf Se. k. u. k. Hoheit, sich mit einem Händedruck von' beiden Verttetern verabschiedend, das Gotteshaus verließ. F. B. Kr«ckau, den 24. September 1893. Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir folgende Anftage an das Krakauer ComitS, welchem die Leitung und Überwachung der hiesigen Baron Hirsch'schen Handwerkerschule obliegt, zu richten: „Wie kommt es, daß die Abgangszeugnisse der Zöglinge dieser Anstalt in polnischer Sprache abgefaßt sind? Die Zöglinge derselben wollen doch ohne Frage in die Welt hinaus, um in größeren Städten ihre weitere praktische und theoretische Ausbildung, wozu ihnen im Lande keine Gelegenheit geboten ist, zu suchen, und zu diesem Zwecke gibt man ihnen in polnischer Sprache abgefaßte Certtficate mit, welche außerhalb Galiziens — gelinde gesagt — nur in den seltensten Fällen verstanden werden. Offenbar ist hier auswendig gelernter Chauvinismus im Spiele, der umso lächerlicher wird, wenn man bedenkt, daß die galizischen Landesfachschulen, wie jene zu Zakopane, ihren Absolventen im wohlverstandenen Interesse derselben deutsche Abgangszeugnisse ausstellen, ohne befürchten zu müssen, daß ihr Patriotismus irgendwie angezweifelt werden könnte. Es wäre doch endlich an der Zeit, daß die leitenden Kreise unserer hierländischen Juden größeren Ernst und weniger sclavische Unterwürfigkett nach gewisser Seite hin an den Tag legten. Ein Pole. Der Einsender ist der Redactton bekannt. Berlin. Der Antisemitismus treibt gar wunderliche Blüthen. So findet sich im Anzeigentheil eines hiesigen Blattes das Heiratsgesuch einer Jungfrau, in dem als Bedingung angeführt wird: „Der Bewerber muß Antisemit sein." Hoffentlich findet sich zu dieser keuschen Frauenseele eine gleichgesinnte Jünglingsseele, dann wird die schöne Harmonie im Haffen nicht durch die leiseste Liebesanwandlung gestört. Früher ließen die Dichter ihre edle'Frauen sagen: „Zu lieben, nicht zu Haffen bin ich in die Welt gekommen!" gegenwärtig scheinen die Frauen anders geartet zu sein. Das „Aerztliche Bereinsblatt für Deutschland" bringt in seiner neuesten Nummer (S. 430) eine Mittheilung aus dem Städtchen S., nach welcher ein dortiger Arzt die Impfscheine, welche er ausstellt, unterzeichnet: „Dr. .... christlicher Jmpfarzt." — Man könnte besorgt sein für die ärztliche Kunst und Wissenschaft, wenn das christliche Glaubensbekenntniß der Impfenden für die bessere Schutzwirkung geltend gemacht wird. Es ist aber nur das ärztliche Handwerk, das, wie unsere anderen Handwerke, zur Zeit auch bald vom Antisemitismus, bald vom Befähigungsnachweis und Jnnungszwang Mehrung und Sicherung seines Einkommens erwartet. Daß christlich approbirte Aerzte als Stellvertreter und desgleichen gesucht werden, daß das städtische Krankenhaus in Chemnitz bei Bewerbung um die Assistentenarztstelle den „Taufschein" als nothwendig erachtet, ist bekannt, aber der „christliche Jmpfarzt" — das ist doch der Gipfel unserer modernen Bildung; am Ende wird noch „christliche Lymphe" von christlichen Kälbern besonders empfohlen. Berlin. (D e r H a ß gegen d i e I u n k e r) ist nach dem gewiß competenten Urtheile des Herrn von Gerlach in Deutschland im Wachsen begriffen. Die Phrase, die Juden seien so sehr verhaßt, wird man nunmehr auch auf die Junker ausdehnen müssen. Herr von G e r l a ch schreibt im „Volk" am 8. September: „Es geht eine immer wachsende Abneigung gegen den „Junker" durch das deutsche Volk. Ich habe das zu meinem schmerzlichsten Bedauern nicht allein in Berlin, sondern auch allenthalben im Osten in mittleren und kleinen Städten gemerkt. Und zwar erstreckt sich diese Abneigung nicht allerorts auf die demokratischen Elemente, bei denen das nicht Wunder nehmen würde, sondern gerade auf die besten, kleinbürgerlichen conservativen Schichten. Die Parole: „Wider Juden und Junker!" hat gezündet. Es war für den Schreiber dieser Zeilen ein tiefer Schmerz, als ihm kürzlich in einer der königstreuesten Städte Pommerns von kleinen Leuten znm Lobe gesagt wurde: „Sie sind gar kein richtiger Edelmann." Herr Stöcker hat es ja im Abgeordnetenhause einmal als Argument gegen die Juden vorgebracht, sie seien der Gegenstand allgemeinen Hasses. Nun constatirt sein eigenes Blatt die. gleiche Abneigung des Volkes gegen die Junker. Wir verstehen den Politiker Stöcker ganz gut. Nicht eine einzige der zahlreichen conservativen Nullen legt ihr Reichstagsmandat nieder, um es ihm anzubieten. Da ist es klar, daß sein Blatt sich gegen „gewisse Adlige" wendet, die „ihr Leben allein dem Sport und dem Spiele weihen" obgleich es gewiß auch jene meint, die ihr Leben im — Reichstag zubringen, an dessen Pforten Stöcker vergeblich um Einlaß gebeten hat! Leipzig, 16. September 1893. Man schreibt der „Jüvischen Presse" : Herr Dr. D e m b o, der als Mitglied der ehemaligen Petersburger wissenschaftlichen Commission, welche zur Auffindung der besten Schlachtmethode von den russischen Thierschutz- Vereinen eingesetzt war, sich mit dieser Frage jahrelang beschäftigt hat, weilt augenblicklich hier, um im hiesigen städtischen Schlachtviehhofe wettere Untersuchungen nach jener Richtung hin anzustellen. Schreiber dieser Zeilen hat mit Herrn Doctor D e m b o im Hotel de Russie eine Zusammenkunft gehabt und um Mittheilungen über die Resultate seiner Untersuchungen am hiesigen Schlachthöfe gebeten. Herr Dr. Dembo äußerte, daß die genaueren Resultate in einer demnächst erscheinenden größeren wissenschaftlichen Abhandlung eingehende Erörterung finden würden, daß er aber schon jetzt so viel.sagen könne, daß nach feiner Meinung die in Leipzig geübte Schlachtmethode noch viel thierquälerischer sei, als die in Berlin übliche. Die verbesserte Bruneau'sche Schlachtmaske nämlich, welche im Leipziger Schlacht-

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