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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-29 · 39 (29.9.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
39 (29.9.1893)
Date
1893-09-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IW ■■ ijf m.lff Hiiuji Ml i Nr. 39 ^LpvrremWrtze MMtzrnpiMfl Seite 773 fen und wie wird die Gleichberechtigung bei Aemterverleihungen gehandhabt? Man theilt uns diesfalls aus guter Quelle Nachstehendes mit: Vor Kurzem waren in Folge dringenden Bedarfes mehrere Thierarztensstellen für das Marktdepartement des Wiener Gemeinderathes ausgeschrieben. Die arischen Bewerber wurden angestcllt, der eine jüdische Competent jedoch übergangen. Da noch immer eine Tyierarztensstelle unbesetzt war und nicht genug arische Bewerber sich meldeten, urgirte der Jude sein Competenz-Gesuch, in der Meinung, daß nur Formalitäts- Rücksichten die Bescheidung verzögern. Die Urgenz wurde aber nicht erledigt und ist noch heute in Schwebe, dagegen erhielt ein nachgehumpelter arischer Bewerber die Thierarztensstelle; der jüdische hatte dagegen trotz vorzüglicher Qualification das Nachsehen, ja man würdigte dessen Ansuchen nicht einmal eines Bescheides. Ein zweiter Fall. An einer Schule der Innern Stadt, in welcher über 90 Percent jüdische Schüler eingeschult sind, wird durch Ableben die Stelle des Oberlehrers frei. Eine peinliche Verlegenheit, da gesetzlich die Oberlehrerstelle mit einem Juden besetzt werden muß. Da ist guter Rath theuer. Man bestellt natürlich vorerst einen Provisor, handelt jedoch sofort gegen den Gei st desGesetzes und bestellt zumProvisor einen Arier, trotzdem an derselben Schule ein vorzüglich qualificirter Jude als Lehrkraft wirkt. Um aber schon rechtzeitig vorzubeugen, damit man nicht auch später einmal in die Zwangslage gerathe, einen jüdischen Oberlehrer anzustellen, sollen allerhand Projecte bestehen. Vorerst wird, natürlich wieder im Widerspruch mit den gesetzlichen Bestimmungen, das Provisorum so lange als möglich ausgedehnt werden. Als späteres Auskunftsmittel, um in den säuern Apfel nicht beißen zu müssen, sind in Aussicht genommen: Auflösung, respective Bereinigung der betreffenden Schule mit einer andern, also Anwendung der probaten Schulgeometrie, eventuell Neubau des Schulgebäudes, beides unter Hinweis darauf, daß dann erst das Ergebniß des fünfjährigen Durchschnittes abgewartet werden müsse. Also alle diese Finten und Schliche, um nur die Juden um ihr gutes gesetzliches Recht zu betrügen. Derart ist der Liberalismus des Wiener Gemeinderathes, an dessen Spitze der eiserne Bürgermeister steht, beschaffen. Ein Commentar ist wohl überflüssig. Wien. Aus Agram wurden uns zwei Episoden berichtet, welche die immer wiederkehrende verleumderische Behauptung der Antisemiten, daß die Juden gegen Andersgläubige von blutigem Hasse erfüllt seien, in eigenartiger Weise illustriren. Bor einiger Zeit kaufte der jüdische Grundbesitzer Herr Ei sner das Gut Ozle in Croatien. Der frühere katholische Eigeuthümer Busie hatte die zum Gute gehörige Kirche dermaßen verfallen lassen, daß die Patronatsbehörde sich genöthigt sah, den Betrag von 800 fl. zur Sicherstellung der Renovationskosten für die Kirche auf das Gut zu intabuliren — kaum aber hatte der neue jüdische Eigenthümer von dem Gute Besitz ^nominen, so erbot er sich ohne jede Aufforderung aus freien Stücken, die Kirche repariren zu lassen und wendete diesem Zwecke einen Betrag von circa tausend Gulden zu. Ueberdies spendete Herr Eisner der Kirche ein neues Harmonium im Werthe von 180 fl. Der Ortspfarrer, P. Michlmaier, erkannte die hochherzige Gesinnung des jüdischen Gutsbesitzers an und ermahnte in seiner am letzten Sonntag abgehaltenen Predigt die Bevölkerung, sich au den Juden ein Beispiel zu nehmen und mit denselben in Frieden und Eintracht zu leben. — Einen nicht minder charakteristischen Beweis von Toleranz gab der jüdische Gutsbesitzer Herr Au sch, welcher dieser Tage das Gut B re so Witz von den Erben des Barons'Edelsh e im-Gy ula i kaufte. In einer Capelle des Schlosses befindet sich die gräflich Gyulai'sche Familiengruft, und der junge Baron Edelsheim-Gyulai traf Anstalten, die Gebeine seiner Ahnen anderswo beizusetzen. Herr Au sch aber bat den Baron, die Ruhe der Todten nicht zu stören und dieselben unter seiner, treuen Obhut zu belassen. Er erbot sich auch, alljährlich die Gruft von dem Ortspfarrer revidiren und eine Messe lesen zu lassen. Ebenso werde er für die Erhaltung der Capelle Sorge tragen. — Wir verzeichnen beide Thatsachen ohne jeglichen Commentar. Wien. Im Städtewahlbezirke Przibram ist am 23. d. M. der juugczechische Handschuhmacher Breznowsky zum Reichsrathsabgeordneten gewählt worden. Breznowsky, welcher auch der Prager Stadtvertretung angehört, zählt zu den fanatischesten Anhängern Baschaty's, und seiner rastlosen Agitation ist es vor Allem zuzuschreiben, daß die antisemitische Bewegung unter der jungczechischen Wählerschaft immer mehr an Boden gewinnt. Breznowsky war es auch, der den Ritter Stampiglius zu wiederholten Hetzreisen nach Böhmen bewogen hat und ihn daselbst im Triumphe seinen Landsleuten vorführte. Die jungczechische Partei hat soeben durch die Verhängung des Ausnahmezustandes über Prag einen schweren Schlag erlitten. Sie wird ihre Lage nicht verbessern, wenn sie durch Concessionen an den Antisemitismus sich auch noch jene zahlreichen Juden entfremdet, welche bisher aus freiheitlichen Beweggründen treu zu ihr gehalten haben. Die Wahl Breznowsky beweist, daß der Einfluß Eduard Gregr's, der vor zwei Jahren seine herrliche Rede geaen den Prinzen Liechtenstein gehalten hat, im Schwinden begriffen ist und daß die extreme Richtung Baschaty's — des böhmischen Schönerer's — an Anhang gewinnt. Auch da vollzieht sich unter nationalen Schlagworten die Umwandlung einer einst wahrhaft freisinnigen Partei in eine reactionäre — eine Thatsache, welche im Interesse der allgemeinen Freiheit und des böhmischen Volkes insbesondere nur aufrichtig beklagt werden kann. Oedenvurg. (Ein Empfang mit Hindernissen.) Bekanntlich wurde bei der Wahl des Oedenburger Municipiums zum Empfange bei Sr. Majestät in Güns die Stadt Eisenstadt, welche in letzterer Zeit für einige Tage das Hauptquartier der Nordarmes in ihrer Mitte beherbergte und spontan Alles aufbot, was nur menschenmöglich war, den hier logirenden höchsten Herrschaften ihre Ergebenheit zu bezeugen und auch der Mannschaft alle möglichen Erleichterungen zukommen ließ, übergangen; ein gleiches Schicksal wurde sämmtlichen Israeliten des Comitates zutheil. Durch eine besondere Verkettung der Umstände kam doch ein Eisenstädter, der Israelit ist, zum Empfange; es ist dies der Herr Rabbiner Salomon K u t n a, der an der Spitze des orthodoxen Theiles dex»isr. Deputation die Ehre hatte, von Sr. Majestät empfangen und noch dazu in besonders huldvoller Weise von Sr. Majestät angesprochen zu werden. Nachdem die Orthodoxen erst später erfahren hatten, daß auch die Confeffionen als solche empfangen werden und die sogenannten Neologen bereits ihre Vertreter aus der Congreßpartei nominirt, ihre Ansprache der Cabinetskanzlei unterbreitet, zum Führer und Sprecher der Deputation Herrn B. Bernstein, Rabbiner der Congreßgemeinde in Steinamanger gewählt, konnte auf Ansuchen der Orthodoxen ihnen nur gestattet werden, sich der jüdischen Deputation anzuschließen, ohne besondere Ansprache zu halten, womit dieselben herzlich zufrieden waren. Obwohl das Arrangirungs- Comite der neologen Partei die orthodoxen Gemeinden, die doch die Mehrzahl in diesen Comitaten bilden (so ist z. B. im Oedenburger Comitate nicht eine einzige Congreßgemeinde), weder vor noch nach der Wahl der Deputations - Mitglieder irgendwie verständigte, legten sie dem Erscheinen der orthodoxen Partei jedwede nur mögliche Schwierigkeit in den Weg. So wurde, um nur Eines zu erwähnen, den Deputations-Mitgliedern die Ausfolgung der Abzeichen und Karten unter nichtigen Vorwänden verweigert. Bon Seite der Neologen waren 9 Personen, von der der Orthodoxen 17 Vertreter erschienen. Der junge Sprecher und Führer hatte den üblichen, beim Anblicke eines gekrönten Hauptes zu sprechenden Segen ohne jede Weihe und die entsprechende würdevolle Form, auch ohne Uebersetzung des hebräischen Textes und ebenso ohne vorhergehende Bitte, das Haupt während des Segensspruches bedecken zu dürfen, hergesagt. Nach der in de» Blättern bereits mitgetheilten Ansprache und Antwort auf dieselbe wandte sich Se. Majestät, nachdem er drei Rabbiner der Neologen nach deren Wohnort gefragt, an den Rabbiner von Eisenstadt (der nebenbei gesagt schon mehrmals in Privat-Audienz von Sr. Majestät empfangen worden war) und sagte zu ihm in huldvollster Weise: „Sie sind die Orthodoxen? Es freut mich, daß sie gekommen find, es freut mich sehr!" Noch den nebenanstehenden greisen Rabbiner von JLnoshLza, der zufällig auch ein Eisenstädter ist, nach seinem Wohnort fragend, wurde die Deputation mit einem freundlichen Kopfnicken gnädigst entlassen. Diese Angaben sind authentisch, alles Andere, was über diesen Empfang mitgetheilt wird, beruht entweder auf Jrrthum oder absichtlicher Täuschung. J. F. Mährisch-WeiMirchen. Am zweiten Tage Roschhaschono wurden unser Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. A. Leimdörfer und der hiesige Cultusvorsteher Herr Ehrlich von Sr. k. u. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Heinrich Ferdinand von Toscana, 'der hier die Militär-

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