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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 35

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Nr. 38 Vefierretchifchr Wochenschrift Sette 749 Doll: Wiederholt, in voller Länge haben wir seine Berichtigungen ausgenommen. Dr. Pattai: Haben Sie etwas gekürzt? Doll: Nein! Dr. Pattai: WarBloch in der Lage, gegen den Brief wieder Einwendungen vorzubrinqen? Doll: Ja! Dr. Pattai: Die Polemik wurde eben fortgesetzt, bis Beide aufgehört haben, weiter zu streiten. Doll: Ja! Ein Ge sch worner: Unterliegen derartige Artikel keiner Censur, bevor sie in Druck erschienen? Doll: Außer der Redaction — Nein! Der verantwortliche Redakteur liest den Artikel durch und wenn er meint, ihn aufnehmen zu können, nimmt er ihn auf. Es folgt nun das Verhör des Zeugen I n t h a l, Herausgebers des „Vaterland". Vorsitzender (Nach Abnahme der Generalien): Sind Sie mit dem Beschuldigten verwandt oder verschwägert? Jnthal: Nein! Vorsitzender: Wird die Beeidigung verlangt? Dr. Griez: Ich bitte um die Beeidigung. (Nach der Eideserinnerung erfolgt die Beeidigung.) Vorsitzender: Ich bitte, uns zu sagen, wie der Brief, welcher in Nr. 129 des „Vaterland" erschienen ist und den Gegenstand des heutigen Processes bildet, in die Redaction gekommen ist? Jnthal: Meines Wissens hat Dr. Deckert den Brief gebracht. Vorsitzender: Wann? Jnthal: Um die Zeit der Veröffentlichung, einige Tage vorher. Vorsitzender: Genau können Sie sich nicht erinnern? Ist er allein in die Redaction gekommen? Jnthal: Er hat einmal den Verfasser des Briefes mitgebracht. Vorsitzender: War dies zu derselben Zeit, als er das Concept übergeben hat, oder ein anderesmal? Jnthal: Zur Zeit der Veröffentlichung. Ob vorher oder nachher weiß ich nicht bestimmt. Vorsitzender: Wer war mit ibm? Jnthal: Paulus Meyer. Er hat ihn vorgestellt, und es schien mir selbstverständlich daß er den Brief geschrieben hat. Vors itzender: Ist darüber gesprochen worden oder nicht? Jnthal: Ich habe mit Paulus Meyer ein Gespräch nicht geführt. Aber Meyer hat vielerlei erzählt überden Verkehr mit dem Universitäts-Professor Bickell, und in dieser Erzählung, namentlich in der Erzählung über den Verkehr mit Bickell hat er des Briefes Erwähnung gethan, dessen kann ich mich genau erinnern. In dem Zusammenhänge, daß Bickell gefragt hat, warum haben Sie diesen Brief geschrieben, hat er — ich weiß nicht, ob fragend oder in positiver Form.— geantwortet: Warum haben sie mich so gereizt, oder sie haben mich so gereizt. Vorsitzender:Dies müßte zur Zeit gewesen sein, wo der Brief schon veröffentlicht war? Jnthal:Der Brief ist ja schon in der ersten Einsendung des Dr. D e ck e r t erwähnt worden. Es kann also auch schon vorher gewesen sein. Ich wußte von dem Briefe von Meyer, und setzte selbstverständlich, als Meyer kam, voraus, er wäre der Verfasser des Briefes. Vorsitzender: Ist Ihnen insbesonders in Erinnerung, warum Meyer mit Dr. Deckert in Ihrer Redaction war. zu welchem Zwecke er dahin gekommen ist. Jnthal: Dr. Deckert ist gekommen und hat gesagt, Meyer sei mit ihm da, ob er ihn hereinführen dürfe. Nachdem er in Begleitung des Dr. Deckert gekommen ist, habe ich keine Veranlassung gehabt, ihn abzulehnen. Vorsitzender: Hat er nicht gesagt,zu welchem Zwecke er ihn mitgenommen hat? Jnthal: Selbstverständlich als Verfasser des Briefes. Es geschah dies meiner Ansicht nach, um ihn gewissermaßen zu zeigen. Meyer: Ich spreche schlecht deutsch; ich glaube zu verstehen,, daß der Herr Zeuge sagt, daß ich, als ich hereinkam, mich als Verfasser des Briefes vorstellte. Er selbst wenigstens sagt, daß ich der Verfasser sei. . Jnthal: Das hat Dr. Deckert gesagt, daß Sie der Verfasser des. Briefes waren. Dies war die selbstverständliche Voraussetzung. Vorsitzender: Und Meyer hat dem nicht widersprochen. Meyer: Habe ich auch in Ihrer Gegenwart gesagt, daß ich dem Acte beigewohnt habe? Habe ich das mündlich constatirt? Jnthal: Ob Sie gerade den Fall in Ostrowo genannt haben, könnte ich nicht so bestimmt sagen; aber Sie haben einen Fall genannt in Smyrna oder Damascus, das weiß ich nicht mehr bestimmt, den Sie constatirt haben. Sie haben genannt den Rector eines Pilgerhauses in Jerusalem, mit dem Sie diese Angelegenheit besprochen hätten. Sie hätten mit diesen die Verhältniffe unter den Juden auf das Tiefste beklagt. Der Herr, der jedenfalls ein Jude gewesen, habe mit Ihnen über diese traurigen Thatsachen geweint. Vorsitzender: Wissen Sie sich nicht genau zu erinnern, ob dies vor der Veröffentlichung des Briefes war oder nachher? Jnthal: Ich erinnere mich bestimmt, daß es nach Veröffentlichung des Briefes war. Ich hätte mich auch nicht erinnert, aber erstens weiß ich, als ich von der Redaction zurückkam, wartete ebenfalls Prof. Bickell, welcher mich zur Rede stellen wollte. Das kann also unmöglich vor der Veröffentlichung gewesen sein. Meyer: Haben Sie auf Grund meines Borstellens als Verfasser den Brief abgedruckt? Hat Sie dies dazu bestimmt? Jnthal: Vollständig! Ich war selbst zweifellos der Meinung, daß Sie den Abdruck wünschen. Meyer: Sie glauben also ganz bestimmt, daß es vor dem Abdruck des Briefes war. Jnthal.'Bestimmt kann ich es nicht sagen, ich glaube aber. Dr. Porzer: Sie haben aus dem Auftreten Meyer's bei dieser Gelegenheit den Eindruck erhalten, daß er ein Vertreter der Ansicht sein müsse, es gebe bei den Juden Ritualmorde. Jnthal: Diesen Zweck, glaube ich, hat die ganze Rede des Meyer in der Redaction gehabt, daß er sich auch mir gegenüber als einen vorstellen wollte, der dies beweisen könne. Dr. P o r z e r: Sie haben gesagt, er habe von einem Falle in Smyrna gesprochen und bedauert, daß solche Sachen unter den Juden Vorkommen. - Jnthal: Das hat er erzählt aus seinem Verkehr mit einem Missionär in Jerusalem. Dr. Porz er: Und er hat die Urheberschaft bezüglich des Briefes nicht in Abrede gestellt? Jnthal: Keineswegs. Dr. Deckert: Können Sie sich nicht erinnern, daß ich Meyer als den Verfasser des Briefes, den Sie schon früher gelesen haben, vorgestellt habe? Jnthal: Das habe ich gesagt. Dr. Deckert: Hat er darauf etwas gesagt? Jnthal: Nein! . Dr. Pattai: Hat er nicht zuletzt eine Betheuerung gemacht? Jnthal: Er hat geschworen mit erhobener Hand, daß, was er sagt, ob er auch beigefügt hat, was er geschrieben hat, weiß ich nicht — wahr sei und daß er es vor Jedermann zu beweisen in der Lage sei. Meyer: Der Herr Zeuge behauptet, daß ich aufgestanden sei und geschworen habe mit aufgehobener Hand, daß Alles .wahr ist, was ich sage, während er vor einer Secunde glaubte, sich nicht bestimmt erinnern zu können, daß überhaupt von diesen Briefe die Rede war und daß wir darüber gesprochen haben. Wenn wir aber darüber gesprochen haben, zu welchem Zwecke hätte ich schwören müffen! Was wollte ich von Damascus sprechen? Wenn Sie, Herr Zeuge, zu mir gesagt hätten, ich glaube nicht Ihre Aussage, wie können Sie es beweisen, da hätte ich aufstehen können, um zu schwören. Vorsitzender: Sie sagen, Sie habennicht geschworen, der Zeuge sagt ja.... Ich erhalte soeben von einem Diener, den ich in das Haus des Prof. Bickell geschickt habe, die Meldung, daß der Adressat vor drei Wochen nach Innsbruck verreist und seine Rückkunft nach Wien unbestimmt sei. Werden noch andere Anträge gestellt? Oder wünschen die Herren einige Constatirungen? Es ist z. B. beantragt, alle Klagelegitimationen vorzulesen. Vielleicht dürfte es genügen, daß die Klagelegitimationen hier liegen und daß auf Grund derselben das Landesgericht die Einleitung des Processes veranlaßt hat und daß auf Grund dessen heute die Verhandlung stattfindet. Wenn der Gerichtshof sich diesbezüglich geirrt hätte und diese Legitimationen nicht vollkommen erschöpfend wären, so böte I 1| H1 g; >1 ■j iej 1 | j "0 ii i % - Ä :f} I ■I A j i

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