Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020992--02803-3026909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 746 Orflerreichische Wochenschrift Nr. 38 Arbeiten sein Brot verdienen können. Aber die ersten Monate , müßte Jemand die milde Hand öffnen, drei bis vier Monate sind nöthig rfür die Herstellung des Blutrituales. Wenn man dem Mann Gelegenheit gibt, sein Brot zu verdienen, wird man ein gutes Werk gethan haben, und sich, wie mir Fritsch und Andere schreiben, in ihm nicht getäuscht haben. Also bitte zu helfen, da ich selbst hier keine Hilfe finde. In größter Verehrung Professor Dr. Rohling." Dann ist noch der Vertrag, welcher mir vorgelegt wurde. (Liest.) Vertrag. Herr Paulus Meyer, Schriftsteller, derzeit hier, verpflichtet sich hiemit, innerhalb 4—5 Monaten, also bis längstens 1. September 1893, eine Schrift über den Ritualmord bei den Juden, wie derselbe in vielen Stämmen, jetzt nach Mischung derselben, bei allen, nach streng orthodoxen kabbalistischen Lehren und rabbinischen Vorschriften, zur Versöhnung, also zu rituellen, aber auch anderen Zwecken, üblich ist, herauszugeben, resp. zu bearbeiten und diesen rituellen Gebrauch des Blutes von Andersgläubigen, der am Vorabende des Osterfestes und zu anderen Zeiten, besonders bei den themanischen Juden üblich ist, aus verschiedenen kabbalistischen Schriften und ans den in anderen Büchern zusammengestellten Auslassungen des Talmuds nachzuweisen. Diese Schrift soll eine wirkliche Uebersetzung der betreffenden Stellen sammt Originaltext in heliographischer Abbildung, ferner Text-Kritik und grammatikalische Glossen bringen. Um diese wichtige und interessante Arbeit zu ermöglichen, verpflichtet sich Herr Dr. Josef Deckert, Pfarrer in Wien, dem genannten Herrn Paulus Meyer, falls er diese Arbeit in Wien ausführt, auf die oben erwähnte Dauer derselben im Namen eines zu bildenden Consortiums monatlich 100 fl. (Einhundert) ö. W. vorzustrecken gegen dem, daß Herr Dr. Deckert in den Fortschritt der Arbeit Einsicht erhält und die vorgestreckte Summe auf Grund eines mit dem Verleger H-wrn Hermann Wesendonck, Leipzig, geschlossenen rechtsgiltigen Vertrages aus dem Reingewinne der betreffenden Schrift, der auf den Verfasser entfällt, und soferne dieser nicht ausreichen sollte, aus dem Herrn Paulus Meyer nach Uebersetzung des Schulchan-Aruch versprochenen Honorar laut Vertrages mit Wesendoneck zurückbezahlt werde. Sollte durch irgend ein nicht.vorauszusehendes Ereigniß die Herausgabe beider Werke unmöglich sein,' so' stellt der Verfasser Herr Paulus Meyer sein Manuscript über den Ritualmord dem Dr. Deckert druckbereit zur Verfügung, behält sich aber, falls durch die Bemühung des Letzteren die Herausgabe doch ermöglicht wird, wenigstens die Hälfte des nach Abzug des vorgestreckien Geldes sich ergebenden Reingewinnes vor. Weitere Abmachungen des Verfassers mit dem Verleger sind feine Sache. Borgelesen, genehmigt und unterschrieben. — . Paulus Meyer m/p. Dr. Deckert m/p. Wien, Weinhaus, 31. März 1893. Ist das Ihre Unterschrift, Herr Meyer? Mayer: Ja. Vorsitzender: Dann ist noch ein Brief, den Sie aus dem Landesgerichte geschrieben haben. Dr. Deckert: Ich will von diesem Briefe nur wegen der Unterschrift Gebrauch machen. Meyer: Ja, es ist meine Unterschrift. Vorsitzender: Herr Meyer, was sagen Sie auf diese Ausführungen? Meyer: Ich frage, ob Herr Prof. B ickell gegenwärtig war, als ich den Contract unterschrieben habe. Herr Dr. D ecke rt hat nämlich gesagt, daß Bickell den Contract gelesen hat. Da könnte man daraus schließen, daß ich den Contract in Gegenwart des Prof. Bickell unterschrieben habe. Dr. Deckert: Ja, Sie haben den Contract in Gegenwart des Prof. Bickell, der ihn laut vorgelesen hat, unterschrieben, u. zw. zuerst Sie, dann ich. Vorsitzender: Thatsächlich ist die Unterschrift des Meyer oben und die des Dr. Deckert unten. Meyer: Dr. Deckert hat angegeben, daß ich ihm nach meiner Ankunft den Brief übergeben hätte, d. h. ich hätte diesen Blutbrief schon fertig mitgebracht. Dr. Deckert: Nein. Vorsitzender: Nein, das ist nicht richtig. Meyer: Es wird gesagt, meine Braut hätte ihn geschrieben, sie sei eine hochgebildete Dame. Das wird Dr. Deckert zugeben, daß meine Braut furchtbar krank und gar nicht im Stande war, solche Briefe zu schreiben. Meine Braut ist ja keine Schriftstellerin. Habe ich - vielleicht den Brief dictirt? Vorsitzender: Das behaupteter nicht. Es wird nur be hauptet, daß der Brief die Handschrift Ihrer Braut trage und daß Sie der Verfasser seien, insoferne als Sie Umstände Ihrer Braut mitgetheilt haben, welche die Braut, die Ihnen in der deutschen Stylistik weit überlegen ist, zu Papier gebracht hat. Meyer: Herr Dr. Deckert hat, wie mir der Herr Untersuchungsrichter mitgetheilt hat, in der Voruntersuchung — glaube ich — gesagt, ich hätte ihn nicht ersucht, den Brief zu veröffentlichen. Heute sagt er aber, ich hätte mich ihm aufgedrungen. Der ganze Brief ist eine Antwort auf die „Oesterreichische Wochenschrift", welche den Dr. Deckert angegriffen hat. Ich hatte aber mein Lebtag mit Dr. Bloch nichts zu thun. Ich habe ihn nie gesehen und nie gesprochen. Er hat mir nichts Schlechtes gethan und ging mich nichts an. Herr Pfarrer Deckert behauptet wiederum, daß er mich erst kurze Zeit kannte. Ich hätte ihn aber schon längere Zeit kennen müssen, wenn ich, wie er behauptet, sagte, ich verlange kein Geld, ich thue es nur ans Liebe. Soll ich in der kurzen Zeit so viel Liebe für ihn empfunden haben und so viel Haß gegen Dr. Bloch, obwohl ich denselben nie gesehen habe? Was geht mich Dr. Bloch an? Ich habe ihn gar nicht gekannt. Dr. Deckert: Ich muß Herrn Meyer versichern, daß, wenn es gilt, meine Ehre zu retten, dann brauche ich ihn nicht. Ich bedurfte nicht Ihrer Mithilfe, um mich gegen Bloch zu vertheidigen. Dr. Porzer: Herr Doctor, Sie haben in Ihrer Verantwortung vorgebracht, daß Sie die Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" vom 7. April Meyer gezeigt, daß er sie gelesen und auch die weitere Polemik verfolgt habe. Dr. Deckert: Bestimmt, und zwar auf das Eifrigste. Er hat jede Nummer des „Vaterland", in welchen Berichtigungen des Dr. Bloch und meine Entgegnungen sich befanden,.begreiflicherweise gelesen. Dr. Porzer: Er hat daher auch gewußt, daß dieser Brief angekündigt wurde? Nun hat er angeblich in Sie gedrungen, daß dieser Brief nicht veröffentlicht werden soll. Dr. Deckert: Das ist eine Verantwortung, die ich nicht begreife. Dr. Porzer: Also diese Behauptung erklären Sie ausdrücklich für unrichtig? Dr. Griez de Ronze: Eine Frage. Wir haben schon gehört, daß Sie die Liebenswürdigkeit hatten, dem Paulus Meyer Gastfreundschaft zu gewähren. Können sie sich erinnern, wie lange? Ich glaube, er ist am 23. März nach Wien gekommen. Wie lange blieb er bei Ihnen? Dr. Deckert: Ich weiß es nicht bestimmt. Dr. Griez: Aber doch beiläufig bis 11., 12. Mai? Dr. Deckert: Ja, das ist möglich. Dr. Griez de Ronze: Ist es richtig, .daß Sie im „Neuen Wiener Tagblatt" eine Berichtigung veröffentlichten, in welcher Sie in der Berufung auf § 19 des Preßgesetzes mit Bestimmtheit erklärten, daß Paulus Meyer bei Ihnen nicht gewohnt habe? Dr. Deckert: Ich habe unterscheiden müssen zwischen „wohnen" und blos „schlafen". Das ist doch nicht alleseins. Dr. Griez: Ich danke, Herr Pfarrer, Sie geben zu, daß Sie dementirt haben, daß Paulus Meyer bei Ihnen gewohnt hat. Das ist übrigens eine Sache der späteren Ausführungen. Sie geben auch zu, Herr Pfarrer, daß Sie in der „Oesterr. Wochenschrift" unter Berufung auf dieselbe Stelle erklärten: Es ist nicht wahr, daß ich ihn in meine Wohnung ausgenommen habe, Thatsache ist, daß er eine eigene Wohnung hat. Ich möchte eine weitere Frage daran knüpfen. Es war Ihnen bekannt, wo Meyer gewohnt hat, als er vom Pfarrhofe ausgezogen ist. Dr. Deckert: Er ist gar nicht eingezogen und da kann er auch nicht ausgezogen sein. Dr. Griez de Ronze: Also, als er aufgehört hatte, die Nächte bei Ihnen zu verbringen. Dr. Deckert: Von dieser Zeit an wohnte er im Cottage. Dr. Griez: Die Adresse war Ihnen doch bekannt Meyer: Wann?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.