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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 29

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Nr. 38 Vestrrreichlsche Wochenschrift Seite 743 mit dieser Sache in keiner Verbindung. Die Frage, die Paulus Meyer aufwirft, ist etwas ganz serneliegendes. Der hohe Gerichtshof hat bereits erkannt, daß es für die Frage, ob eine Beleidigung vorliegt oder ob der Wahrheitsbeweis geführt wurde, vollständig irrelevant ist, was mit Pros. Bickell in der Sache gesprochen wurde. Ich wünsche nicht, daß der Proceß ins Unendliche hinausgezogen werde, weil ich sonst genöthigt sein könnte, ebenfalls mit Zeugen zu kommen. Denn es handelt sich nur darum, ob Paulus Meyer diesen Brief unterschrieben hat oder nicht, und da glaube ich, daß die Geschichte mit dem Prof. Bickell gar nicht zur Sache gehört, daß es nicht wünschenswerth ist, durch Heranziehung aller möglichen Personen den Proceß in die Breite zu ziehen, und dann die Fragestellungen ich weiß nicht wo hinauskommen. Ich glaube nicht, daß die Vernehmung des Bickell im Interesse der Vertheidigung liegt. Ich scheue sie nicht, ich habe vor ihr keine Furcht, weil ich den Herrn Prof. Bickell als höchst ehrenwerthen Mann kenne, so daß ich für meine Person, von allem andern abgesehen, gegen seine Einvernehmung nichts einzuwenden hätte. Dr. Griez de Ronze: Ich möchte darauf Hinweisen, daß die vollständige Irrelevanz der Aussage des Professors Bickell deshalb nicht gegeben ist, weil in diesem Falle bei der Eigenthümlichkeit des Proceßstoffes es außerordentlich auf die Charakteristik der verschiedenen Personen ankommen wird. Die Herren Geschwornen müssen wissen, welcher Angeklagte mehr, welcher weniger glaubwürdig ist. In dieser Richtung kann die Aussage des Professors Bickell von Bedeutung sein und ich bin daher für dieselbe. Dr. Porz er: Nachdem durch meine Fragestellung die Sache in Fluß gekommen ist, möchte ich sie dahin erläutern,daß es mir von meinem Standpunkte aus vollständig genügen würde, wenn der bereits erwähnte Passus des „Eingesendet" des Professors Bickell vorgelesen werden würde. Dr. Pattai: Auch damit bin ich einverstanden, wenn der Herr Vorsitzende die Güte hat, das „Eingesendet" zu verlesen. Vors.: Ich muß Kraft meiner discretionären Gewalt Professor Bickell vorladen, weil ich nicht weiß, welcher schließliche Antrag gestellt wird und weil immerhin das Verhältniß des Professors Bickell zu Paulus Meyer von Bedeutung ist. Meyer: Professor Bickell ist in Innsbruck. Vorsitzender: Wenn Sie das wissen, warum sagen Sie es nicht? Dünn können wir ihn ja nicht citiren. Wissen Sie das ganz bestimmt? Dr. Griez de Ronze: Nein, bestimmt weiß man es nicht Vorsitzender: Herr Meyer, geben Sie mir die Adresse des Herrn Professors Bickell in Wien an. Meyer (gibt dieselbe an). Dr. Pattai: Herr Meyer, Sie haben Ihre Einvernehmung damit geschlossen, daß Sie gesagt haben, Sie seien bei diesem Vorfälle in Ostrow nicht dabei gewesen, Sie hätten überhaupt nie behauptet, daß es einen Ritualmord gibt. Meyer: Es hat einen solchen nie gegeben. Dr. Pattai: Haben Sie nie schriftstellerisch das Gegentheil behauptet? Meyer: Ich weiß ja, was Sie sagen wollen, Sie denken an die Broschüre „Wölfe im Schafsfell". Dr. Pattai: Haben Sie das dort behauptet? Meyer: In der Broschüre habe ich die Mißstände der Judenmission besprochen. Den zweiten Theil hat Dr. Wesendonck verfaßt. In meiner Broschüre handelt es sich nicht um das Blutrituale. Dr. Pattai: Ich möchte blos wissen, obSie schriftstellerisch immer diesen Standpunkt eingenommen haben? Meyer: Ich bin kein deutscher Schriftsteller. Dr. Pattai: Haben Sie niemals an die „Leipziger socialen Blätter" ein „Eingesendet" gerichtet, daß Sie in der Lage sind, einen Ritualmord zu beweisen? Meyer: Darf ich bitten, mir das vorzulesen? Dr. Pattai (liest): „Die Vorgänge in Xanten seinerzeit konnte ich nicht mit Schweigen ansehen, denn für mich — wie für jeden gründlichen Kenner des Judenthums und seiner Lehre — besteht kein Zweifel, daß der Mord an dem christlichen Kinde durch einen Juden verübt worden ist. Durch mein Studium in der Kabbala und im Talmud kam ich zur festen Ueberzeugung, daß die Juden das Blut Andersgläubiger zu ihren rituellen Zwecken gebrauchen. Es ist mir unerträglich, in meinem Herzen die Wahrheit zu verbergen und so trete ich in die Öffentlichkeit, um zum Heile der Wahrheit und Gerechtigkeit zu verhüten, daß nochmals solch schreckliche Verbrechen begangen werden." Das ist dieselbe Wendung, wie in dem Briefe, der Ihnen angeblich unterschoben wurde. Meyer: Ich habe den Redacteur der „ Staatsbürger-Zeitung" aufgefordert, er solle über das Thema des Blutrituales nicht schreiben. Die Leute haben meinen Namen mißbraucht. Dr. Pattai: Auch die haben also Ihren Namen mißbraucht? Haben Sie auch das aus lauter Aufregung nicht berichtigt? Sie haben in Leipzig gelebt und das Blatt wird ja in Leipzig gedruckt. Das war am 5. März, kurze Zeit bevor Sie nach Wien gegangen sind. Meyer: Ich habe die deutschen socialen Blätter sehr wenig gelesen, bevor ich nach Wien kam. Ich will nur sagen, daß ich von den Blutantisemiten sehr mißbraucht wurde. Vorsitzender: Sind Sie ein geeignetes Object dazu? Meyer: Ich bin kein geeignetes Object. Ich habe mich mit meinen ganzen Missivnsgenossen zerschlagen, und da ich keinen andern Platz hatte, um die besprochenen Mißstände zu schreiben, so habe ich mich an die antisemitische Presse gewendet, die mir den Platz einränmte. Das hat die Presse benützt, um mich so zu mißbrauchen und auszubeuten. Wenn ich mit einer Berichtigung gekommen wäre, hätten sie sich ins Fäustchen gelacht. Sie wußten, ich kann nicht klagen, ich bin ein Fremder in einem fremden Lande, deshalb ist es ihnen gelungen, mit meiner Person zu thun, was sie wollten. Sie sagten, wenn wir auch nicht berichtigen, kann uns der Paulus Meyer nichts machen. Dr. Pattai: Sie haben es nicht berichtigt, weil man es Ihnen nicht ausgenommen hat? Was ist's denn mit Ihrer Broschüre „Wölfe im Schafsfell?" Warum haben Sie geduldet, daß in Ihrer Broschüre das gedruckt wird? Da kann doch Jeder sein eigenes wissenschaftliches Werk desavouiren. Meyer: Ich habe bereits gesagt, daß ich in dieser Broschüre nur die Judenmission besprochen habe. Dem Verleger- Habe ich gesagt, daß ich die Correctur nicht übernehmen kann. Nachher bin ich wegen dieser Broschüre von den Missionären verklagt worden. Ich habe mir Vorbehalten, die Sache beim Leipziger Gerichte zu erledigen, wie die anderen jetzt hier. Was komte ich thun? Die Broschüre konnte ich nicht berichtigen. Als die Klage kam, sagte ich, es bleibt nichts Anderes übrig, als die Sache bei Gericht zu machen. Dr. Griez de Ronze: Die fragliche Stelle findet sich in der Broschüre „Wölfe im Schafsfell" unter II. Ihre Beantwortung der Frage geht dahin, daß dieser ganze Abschnitt von einem Dritten verfaßt worden ist. Meyer: Das hatWesendonckgeschrieben: von ihm ist auch das Vorwort der Broschüre. Dr. Pattai: Nachdem auch der Aufsatz in den deutschsocialen Blättern als unterschoben bezeichnet wird, würde ich beantragen, ein Telegramm an den Verleger Fritsch zu richten, damit er uns hierüber Auskunft gibt. Vorsitzender: Das wird uns ein Beweisargument für die heutige Verhandlung nicht geben. Meyer: Theodor Fritsch ist nicht maßgebend. Vorsitzen der: Ich unterbreche die Sitzung auf eine ganz kurze Zeit. (Die Sitzung wird um 12 Uhr 5 Minuten unterbrochen.) (Nach Wiederaufnahme der Sitzung um VZ Uhr.) Vorsitzender: Ich schreite zur Vernehmung des zweiten Angeschuldigten. Herr Dr. Deckert, was haben Sie auf die Anklage zu erwidern? Bekennen Sie sich schuldig? Dr. Deckert: Nicht schuldig. Vorsitzender: Sie sind berechtigt, auf die Anklage zusammenhängend zu erwidern und ich bitte Sie, von diesem Rechte innerhalb des sachlichen Rahmens Gebrauch zu machen. Dr. Deckert: Ich möchte zunächst im Zusammenhänge erzählen, wie ich mit Paulus Meyer in Verbindung gekommen bin, und wie es zur Veröffentlichung dieses Briefes kam. Paulus Meyer kam Ende März l. I. nach Weinhaus zu mir. Ich kannte ihn nicht, weder persönlich noch seinen Schriften nach. Er brachte mir eine sehr warmeEmpfehlung vonDr.Rohling, Universitätsprofeffor in Prag, mit, in welcher er als ein sehrtüchtiger Orientalist und als ein sehr verläßlicher Mann empfohlen wird. Paulus Meyer wies auch eine Reihe von Attesten vor, und zwar aus Orten, wo er als Judenmissionär gebraucht worden war. Ich erinnere mich nicht an die einzelnen, weiß aber, daß mir eine ganze Reihe davon vorgezeigt wurde. Unter Anderem hatte er mir auch eine Broschüre überreicht „Wölfe im Schafsfell", in welcher er sich anheischig

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