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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 28

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Seite 742 Orsterreichische Wochrnschrist Nr. 38 Juden darunter leiden. Das kann doch viel Unruhe in Rußland machen. Dort braucht man sich nicht viel Mühe zu geben, um Unruhe zu erzeugen. Ich wußte mir keinen Rath, ich war ganz aufgeregt. Vorsitzender: Ja, Sie sind immer aufgeregt. Meyer: Ich bitte, ich bin doch ganz unschuldig! Ich sitze jetzt 4 Monate hier. Ich sah, die Redaction wollte die Sache nicht widerlegen und mein ganzer Gedanke war, ich muß vor Gericht kommen, da werde ich freigesprvchen werden. Vorsitzender: Den Brief haben Sie also von Dr. Deckert nicht zurückbekommen können. Die Unterschrift „Paulus Meyer" ist nicht von Ihnen? Meyer: Nein! Vorsitzender : Glauben Sie, daß Dr. D e ckertdiejenige Persönlichkeit ist, die sich über Ihre Person und Ihre Braut gar nicht erkundigt und dann riskirt, mit einem solchen Vorgänge an die Oeffentlichkeit zu kommen? Das ist doch sehr bedenklich. Meyer: Er hat anfangs auch nicht gewollt. Er hat sich blos den Spaß gemacht und den Brief angekündigt, später war er gezwungen. Vorsitzender: Sie glauben also, durch dieControverse mit Dr. Bloch ist er in die Enge getrieben worden und hat dann dies als Auskunftsmittel benützt. Diese ganze Geschichte ist also nicht wahr. Waren Sie Augenzeuge eines Ritualmordes? Meyer: Mein Lebtag nicht und ich glaube auch nicht daran. Vorsitzender: Sie waren also nicht dabei? Meyer: Ich war so wenig dabei, so wenig wie die Beschuldigten. Vorsitzender: Noch eine Frage gefällig? Geschworner Selldorf: Ich möchte mir die Frage erlauben, ob nicht Schriftstücke außer den amtlichen Protokollen vorliegen, welche Paulus Meyer mit mehr Gemüthsruhe unterschrieben hat? Dr. Porz er: Es wird ein solcher Brief vorgelegt werden. Bors.: Die Parteienvertreter werden gewiß diese Frage aufgreisen und diesfalls Anträge stellen. Dr. Ko pp: Ich möchte mir eine Frage erlauben. (Zu Paulus Meyer gewendet): Sie haben diesen Brief im „Vaterland" in der Nummer vom 11. Mai gelesen und sich darüber entsetzt. Sagen Sie mir, ist es denn doch nicht für einen Gelehrten oder Nichtgelehrten, für einen Juden oder Christen, für einen Deutschen oder Polen das Nächstliegende, wenn unter seinem Namen ein solcher Brief in der Zeitung abgedruckt wird, ein Brief so schauderhafter Art, augenblicklich Spectakel zu machen und dem Blatte zu sagen, der Brief ist nicht von mir. Das scheint mir doch in der Natur der Sache zu liegen. Wenn ein solcher Brief mit meiner Unterschrift gebracht wird, so bringe ich den Menschen um, wenn er nicht augenblicklich berichtigt. (Heiterkeit.) Sie sagen, Sie wollten es nicht thun, weil man, wie Sie behaupten, Ihnen dafür Geld angeboten hat. Wenn Sie nun einwenden, man hätte gesagt, Sie hätten es für Geld gethan, so hätten Sie doch einfach sagen können, behalten Sie ihr Geld, das widerrufe ich ohnedies. Meyer: Das habe ich bereits im Eingänge gesagt. Wenn ich werde sagen dem Professor Bickell, ich widerrufe ohnedies, so wird dies noch lange nicht einen solchen Eindruck machen. Da wird wieder ein Scandal herauskommen. Dr. Kopp: Sie meinten also, es wird wirksamer sein, tvenn er zum Proceß kommt. Dr. Grie z (zu Meyer): Ihre Verantwortung geht dahin, daß der incriminirte Brief entstanden ist aus Schilderungen über die religiösen Gebräuche der Juden, welche Sie dem Pfarrer Dr. Deckert gemacht haben. Wann ist das gewesen? Meyer: Das war zumeist-in den Nachtstunden. Ich kam meist vor Thorsperre und saß bis 3 Uhr, u. zw. bei einem Glase Wein oder einem schwarzen Kaffee. Manchmal ging ich erst nm >/r4 Uhr fort. Dr. Griez de Ronze: Waren Sie sehr ermüdet? . Meyer: Furchtbar abgespauntj: und wenn ich noch ein paar Glas Wein getrunken hatte, so wirkte es auf mich sehr aufregend. Nun kam ich um %4 oft in mein Zimmer. Um 6 Uhr aber weckte mich der Herr Pfarrer schon auf, indem er mir die Berichtigungen des Dr. Bloch, welche ihm das „Vaterland" zuschickte, zu lesen gab. Ich war immer sehr verwirrt; ich wußte gar nicht, was ich zu thun hatte. Ich wohnte ja bei ihm. Dr. Griez de Ronze: Es wäre mir angenehm, wenn Sie knapp auf meine Frage antworten würden. — Wurde während dieser nächtlichen Stunden fortwährend getrunken oder nur mäßig? Meyer: Ich vertrage nicht viel. Es wurde ab und zu ein bischen Wein in kleinen Weingläsern getrunken; manchmal starker schwarzer Kaffee. Dr. Griez de Ronze: Haben Sie auch stark geraucht? Meyer: O ja; leider Gottes bin ich ein leidenschaftlicher Raucher. Dr. Griez de Ronze: Die Veranlassung der Veröffentlichung des Briefes ist bekanntlich die Polemik der „Oesterr. Wochenschrift", und der incriminirte Brief bezieht sich ausdrücklich auf die Wochenschrift. Daraus ergibt sich, daß der Schreiber dieses Briefes die Wochenschrift gelesen hat. Wann haben Sie die „Oesterr. Wochenschrift" zum ersten Male gelesen? Meyer: Am 21.April glaube ich; einige Tage später, als mir Dr. Deckert die Nummer zeigte und sagte: „wie er schimpft", ich sagte damals: „dasselbe, was Rabbiner Hildesheimer in Berlin ist, ist Rabbiner Bloch in Wien." Ich habe aber den ganzen Artikel nicht gelesen. Ich hatte keine Geduld, ihn zu lesen. Dr. D e ck e r t ärgerte sich immer fürchterlich darüber, daß Dr. Bloch gegen ihn loszog. Dr. Griez de Ronze: Ich danke. Dr. Porz er: Sie haben früher angegeben, daß Sie, bevor der Artikel veröffentlicht wurde, von der Absicht wußten, daß der Brief veröffentlicht werde; das fei schon so schrecklich gewesen. Haben Sie nicht damals dem Dr. Deckert oder dem „Vaterland" unmittelbar gesagt, der Brief dürfe nicht veröffentlicht werden, er sei nicht von Ihnen, er sei Ihnen unterschoben? Das hätten Sie ja thun können. Meyer: Ach, er hat mich immer beruhigt und beschwichtigt. Ich war so aufgeregt über die Angriffe, welche meine ganze Situation verschlimmerten. Ich habe mein ganzes Leben verwünscht, daß ich mit Rohling bekannt wurde, daß ich so unglücklich geworden bin. Ich konnte mich nicht beruhigen, weil ich gesehen habe, daß ich ganz rathlos dastehe. Dr. Porz er: Sie sind im Gegentheile noch mit Doctor Deckert vor der Veröffentlichung des Briefes zum „Vaterland" gegangen und haben dieselbe Geschichte dort erzählt. Meyer: So! — Wem? Dr. Porz er: Dem Redacteur Jnthal. Das ist durch die Vernehmung Jnthal's, welche schon in der Voruntersuchung erfolgte, festgestellt, und es könnte seine Vernehmung auch heute erfolgen, was ich beantrage. Vors.: Ich bitte zugleich die Herren um Ihre Aeußerung, ob Sie noch andere Zeugen zu vernehmen wünschen, weil ich diesbezüglich gleich Recherchen pflegen lasse. Dr. Porzer: Nur noch eine Frage an Herrn Paulus Meyer. In einem „Eingesendet" sagt Prof. Bickell „er ließ seine Autorschaft dieses Briefes durchblicken". Meyer: Durchblicken? Das ist nur seine Anschauung. Dr. Pattai: Er sagte: „Anfänglich gab er sich nicht als der Briesschreiber zu erkennen, ließ jedoch bald seine Autorschaft durchblicken." Dann hätte er noch vor der Veröffentlichung ihn neuerdings gebeten, nicht veröffentlichen zu lassen. Dr. Griez d e Ro nz'.e: Darüber kann der Angeklagte Ihnen keine Auskunft geben. Dr. Pattai: Ich möchte nur bitten, es ist das ein „Eingesendet" im „Vaterland" von Prof. Bickell. Da äußert er sich ganz bestimmt darüber. Ich bitte, ihn zu vernehmen.. Me y er: Ich beantrage seine Vernehmung über alle Unterredungen, die ich mit ihm gepflogen habe. Vorsitzender: Sie haben im Laufe der Voruntersuchung diese Sache ganz anders behandelt. Sie haben nämlich gesagt, Sie beantragten, den Prof. Bickell als Zeugen darüber zu vernehmen, daß Ihnen derselbe nach Veröffentlichung des incriminirten Briefes, über dessen Autorschaft Sie keine Erklärungen abzugeben im Stande waren, 1000 Gulden, anbot nebst Versorgung für die Zukunft, wenn Sie den Brief schriftlich widerrufen, welches Anbot Sie abgelehnt haben. Dieser Antrag wurde abgelehnt aus dem Grunde, weil Sie zum ganzen Processe keine Stellung.genommen haben, weil Sie sich nicht als Verfasser des Briefes bekannten und weil es sich da um ein Factum handelte, welches der strafbaren Handlung nachgefolgt ist. Jetzt soll also Prof. Bickell über Alles gehört werden! Dr. Kopp: Ich werde irgend einem Anträge von Seite der Vertheidiger im Interesse der Vertheidiguug nicht entgegentreten. Es soll nicht gesagt werden, daß den Angeklagten irgend ein Vertheidigungsmittel entzogen wurde. Aber, wie der hohe Gerichtshof schon richtig entschieden hat, steht die Angelegenheit

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