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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 27

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Nr. 38 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 741 mud citirte!! — Und nun gar die letzte Berichtigung, daß noch „kein Convertit" Augenzeuge einer so gräulichen That gewe,en (sehr vorsichtig, fürwahr) kein Convertit — ein Anderer vielleicht?" Vorsitzender: Ich glaube, wir können jetzt mit dem Verhör des Paulus Meyer fortfahren. (Zu Meyer gewendet): Wir sind bei Ihren Verhandlungen mit Dr. Seifert bezüglich des Vertrages angelangt. Meyer: Dr. D e ck e r t meinte, daß, solange ich an der Arbeit nichts machen kann, ich vorläufig etwas schreiben solle. Er wolle eine Broschüre herausgeben und ich möge chm über meine Erlebnisse etwas erzählen. Ich sagte, ich wollte über meine Erlebnisse bei den Chassidim oder unter den Rabbinen, unter den Zaddickim, wie sie genannt werden, Etwas mittheilen. Er meinte, es wäre sehr interessant, darüber ein klares Bild zu bekommen. Da saßen wir nun stundenlange, bis in i)ie Nacht. Ich kam immer um 10 Uhr Abends zu ihm und sprach über Rabbiner und Chassidim. Vorsitzender: Das haben Sie schon erzählt, ich bitte weiter! M e y e r: Ich will ja das erzählen, ich komme schon dazu, ich muß doch reden können, um Gottes willen! Vorsitzender: Wenn Sie mir nicht folgen, werde ich Sie 'aussragen! Ich wünsche, daß die Herren Geschwornen nicht mehr in Anspruch genommen werden, als zur Feststellung des Sachverhaltes nothwendig ist. Meyer (weinerlich): Aber die Unterbrechung nimmt ja noch mehr Zeit in Anspruch! (Heiterkeit.) Vorsitzender: Sprechen Sie nicht weiter darüber! Meyer: Ich bin so verwirrt, daß ich nicht weiß, wo ich stehen geblieben; es ist mir schrecklich! Vorsitzender: Also antworten Sie auf meine Fraget Sie haben mit Dr. D e ck e r t über jüdische Gebräuche gesprochen. Meyer: Darauf will ich kommen, wie so es kommt, mir einen solchen Brief zu unterschieben. Vorsitzender: Sie haben ihn also eingeweiht in die jüdischen Gebräuche! Gehen Sie weiter! Meyer (weinerlich): Ich will ja erzählen. Vorsitzender: Es steht Ihnen schlecht an, eine Comödie zu machen. Meyer: Dr. D e ck e r t sagte, ich solle das Material liefern für eine Broschüre. So lange ich nicht an meinem Werke arbeite, soll ich meine Erlebnisse erzählen. Ich schlug vor, Bilder aus meinem Leben mitzutheilen. Darüber war er sehr erfreut. Namentlich sollte ich ihm erzählen, wie es an den Festtagen bei den Juden zugeht, wie man da bei den Rabbinen lebt. Das wollte ich ihm mittheilen und wir saßen ganze Nächte hindurch. Ich konnte mich oft bis 3 Uhr in der Früh von ihm nicht befreien. Was ich erzählte, hat er Alles stenographirt. Vorsitzender: So, daß er im Stande war, einen solchen Brief eventuell selbst zu machen? Meyer: Ich muß aufrichtig gestehen, als der Untersuchungsrichter mich fragte wegen der Unterschrift . . . Vorsitzender: Ich versteheSie; Sie meinen, Sie haben dem Dr. Deckert so viel über die jüdischen Einrichtungen erzählt, daß er im Stande wäre, event. einen so lchen Brief selbst zu verfassen. Gehen Sie jetzt weiter! Meyer: Am ersten Tage, als niir der Untersuchungsrichter das Concept des Briefes zeigte, wußte ich selbst nicht darauf zu antworten. Bors.: Das wissen wir! Ich bitte sich kürzer zu fassen. Ich habe als Vorsitzender auch dafür zu sorgen, daß die Verhandlung nicht unnöthig ausgedehnt werde. Ich frage Sie, wie ist es gekommen, daß Ihre Braut den Brief geschrieben hat? Meyer: Ich bitte, Herr Präsident, mir zu gestatten, die Sache aufzuklären. Vorsitzender: Aberkurz! Es wird Ihren Rechten kein Abbruch geschehen. Meyer: Mir ist darum zu thun, daß dem Herrn Präsidenten und dem hohen Gerichtshöfe die Sache verständlich wird. Vorsitzender: Also sprechen Sie! Meyer: Ich habe ihm z. B. mitgetheilt, auf welche Weise zu Ostern die Mazza gebacken wird bei den Juden, bei den gewöhnlichen und bei den frommen, bei den Chassidim — Vors.: Lassen Sie das! Die Sache ist damit erschöpft, daß ich Sie sagen ließ, Sie haben ihm von den jüdischen Sitten und Gebräuchen so viel erzählt, daß Dr. Deckert Alles, was in dem Briefe davon vorkommt, wußte. Meyer: Ist Ihnen an den paar Worten, die ich zu sagen habe, soviel gelegen? Lassen Sie mich drei Worte nur erzählen! Vorsitzender: Sprechen Sie drei Sätze Meyer: Ich habe ihm erklärt, daß die Ostern die Mazza gebacken wird — V orsitzend er: Sie kommen schon wieder damit! Meyer (weinerlich): Wenn ich nicht reden kann, so ist es besser, daß ich wieder in die Zelle komme und verurtheilt werde. Vorsitzender: Machen Sie keine Comödien! Meyer: Ich habe ihm erklärt, wie der Teig geknetet wird, wie vorsichtig dies für die Frommen geschehen muß, in einem weißen Becken oder in einem Glasbecken und mit reinen Tüchern; ferner, daß die Chassidim, die sich von den Rabbinen auch einige Mazza bestellen, diese von ihnen erhalten. Sie ziehen diese Mazza, welche unter Aufsicht der Rabbiner gemacht werden, vor, wenigstens für die ersten zwei Nächte. Diese Bestellungen werden auf Zetteln ausgeschrieben und dann die Mazza verschickt. Ich kam auch auf das Bersöhnungsfest, auf Jom Kipur zu sprechen und erzählte, wie es da zugeht. Er hat darüber sehr viel Kenntniß. Er fragte mich dann, was „kapara“ bedeute. Ich sagte: „Korban.“ Vorsitzender: Gehen Sie doch weiter! Meyer: Ich habe ihm eine Illustration von dem Leben unter den Juden gemacht. Inzwischen, während wir so beschäftigt waren, hatte er oft Streit mit der „Oesterr. Wochenschrift" und da war er sehr aufgeregt und kam oft zu mir. Da kam er einmal mit mehreren Papieren zu mir und sagte: „Ihre Braut hat eine schöne Handschrift; geben Sie ihr diese Sachen zur Abschrift!" Ich nahm die Schriften und ging hinauf zu meiner Braut und sagte: „Da ist Arbeit zur Abschrift." Sie war damals leidend, sie war erkältet. Sie hat die Sachen abgeschrieben. Vorsitzender: Was hat Sie Ihnen darüber erzählt? Meyer: Ich habe sie gefragt, sie hat mir aber nichts erzählt. Wenn ich die Handschrift auf dem Briefe nicht gelesen hätte, hätte ich gar nichts gewußt. V orsitzende r: Also, als Sie die Handschrift sahen, haben Sie sie gefragt? Meyer: Ich wußte nicht, daß sie den Brief geschrieben hat. Vorsitzender: Aus welchem Anlasse haben Sie sie denn gefragt? Meyer: Nachdem dieser Brief im „Baterlande" erschienen ist, hatte ich Niemand zu fragen und darauf habe ich meine Braut gefragt, ob sie nichts von dem Briefe weiß, ob sie eine Ahnung habe, daß sie ihn geschrieben habe; sie hat gesagt: „Du weißt ja, daß ich jetzt leidend bin." Vorsitzender: Was hat Sie Ihnen in Bezug auf den Brief geantwortet? Meyer: Daß sie nicht darauf geachtet habe, was sie geschrieben hat. Vorsitzender: Aber ich bitte, wenn man einen solchen Brief geschrieben hat, den vergißt man nicht. Meyer: Ich bitte um Verzeihung. Ich will darauf antworten. Wenn Jemand etwas abschreibt vom Concept, ist er nicht verpflichtet, daß er sich die Sache einstudirt. Vorsitzender: Sie haben sie doch wohl aufmerksam gemacht auf den Brief? Meyer: Ich habe meine Braut gefragt, sie hat aber gesagt, sie erinnert sich nicht. Vorsitzender: Wir sollen also annehmen, daß sie den Brief als Maschine geschrieben hat? Die Handschrift ist aber von Ihrer Braut. Sind Sie in der Lage, anderweitige Briefe Ihrer Braut vorzulegen? Meyer: Ich gebe ja zu, daß es die Handschrift meiner Braut ist. Vorsitzender: Es könnte aber doch zurJllustrirung der ganzen Sache dienen! Sie geben also zu, daß es die Handschrift Ihrer Braut ist und daß diese ebenfalls von Doctor Deckert mißbraucht worden ist? Haben Sie von Dr. Deckert den Brief zurückverlangt? Meyer: Ich habe verlangt, er solle mir den Brief zeigen. Er hat aber immer etwas Anderes geantwortet. Er kam immer gleich mit dem Gläschen Wein und sagte: „Fürchten Sie nichts!" Ich war auch sehr aufgeregt. Vorsitzender: Warum sind Sie aufgeregt, wenn Sie von dem Briefe nichts wissen? Meyer: Es hat mich aufgeregt, wenn ich gelesen habe, daß in meinem Namen ein solcher Brief geschrieben wird, an dem ich ganz unschuldig bin und es sollen 1 unschuldige arme

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