Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 38 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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Seite 740 Oesterretchifche Wochenschrift Nr. 38 ans Meffer lieferte. Wenn ich durch das Studium der Proceßacte vom heil. Simon von Trient der festen Ueberzeugung geworden bin, daß es jüdische Ritualmorde gegeben habe und nun die Möglichkeit aussprach, daß es auch heutzutage unter den Chassidim solche Blutfacten geben könne, so bjn ich durch diesen Brief vollkommen überzeugt worden, daß es auch heutzutage noch solche Ritualmorde gebe und daß das Blutrituale auf einer unter den Chassidim als Geheimlehre fortgepflanzten mündlichen Ueberlieferung begründet ist, die auch in der Kabbala sich findet. Sollte Reb Bloch, der sich für einen gelehrten Talmudkenner ausgibt, von dieser Lehre keine Kenntniß haben? Dann müßte man wohl an seiner Talmud- und Kabbalakenntniß ernstlich zweifeln. Das freilich begreife ich vollständig, daß ein Vertheidiger des Judenthums in seiner Verlegenheit mit dem Muthe der Verzweiflung die Aufdeckung dieses scheußlichen jüdischen Fanatismus zu verhindern sucht, gelingt es nicht mit Gründen, so vielleicht durch Schimpfen. Uebrigens hat mich der erwähnte getaufte Jude ermächtigt, seinen an mich gerichteten Brief zu veröffentlichen. Reb Bloch hat wohl auch in der erst kürzlich erschienenen Broschüre: „Wölfe im Schafsfell", erfahren, daß sich der gelehrte Talmudkenner Paulus Meyer in Leipzig gegen Strack erbötig gezeigt hat, den jüdischen Ritualmord ans Talmud und Kabbala wissenschaftlich nachzuweifen. Warten wir also das Erscheinen dieses Buches ab, Herr Dr. Bloch — dann heraus mit dem Flederwisch! — aber nicht schimpfen, sondern widerlegen. Oder soll ich Ihnen schon früher mit der Veröffentlichung des erwähnten Briefes dienen? Dr. Deck er t." Vorsitzender: Dürfte es nicht genügen, auf diese Nummer des „Vaterland" und ferner daraufzu verweisen, daß in der nächsten Nummer die Controverse Decke rt-Bloch weiter gesponnen wird? Dr. Griez: Ich beschränke mich auf die Verlesung einzelner kleiner Stellen. Vorsitzender: Also in Nummer 125 des „Vaterland" ist ein Brief enthalten, unterschrieben von Dr. Bloch, gerichtet an die löbliche Redaction des „Vaterland", in welchem der alte Standpunkt vertreten wird, daß ein solcher Ritualmord nicht besteht, dann kommt die Antwort des Dr. D e ck e r t, aus dieser Stelle dürfte vielleicht von Interesse sein, daß es am Schluffe heißt: „Dr. B l o ch hat also, ich wiederhole es, weder in dem Artikel seiner Wochenschrift, noch in dieser Berichtigung auch nur ein einziges Factum des Trientiner Processes widerlegt; aber eines freut mich außerordentlich, daß er nicht auch seine von mir widerlegte Behauptung berichtigt, daß nämlich das Volk Israel allein von allen Völkern sich die Hände vom Blute reingehalten und selbst im Herzen von aller Grausamkeit bewahrt blieb. Bitte übrigens zur Kenntniß zu nehmen, daß meine von Dr. B l o ch so heftig angegriffene Broschüre „Ein Ritualmord", actenmäßig nachgewiesen von Pfarrer Dr. Joses D e ck e r t, dritte Auflage, bei G l ö ß in Dresden erschienen ist und wohl durch jede antisemitische Buchhandlung bestellt werden kann. Dasselbe gilt von der Broschüre: „Kann ein Katholik Antisemit sein?" Dr. Griez: Ich bitte auch um Verlesung des unmittelbar vorhergehenden Passus, beginnend mit den Worten: „Was schließlich die Behauptung betrifft ... ." Vorsitzender (liest): „Was schließlich die Behauptung betrifft, kein getaufter Jude habe je den jüdischen Blutritus oder gar jüdische Morde aus Fanatismus bestätigt, so ist dies schon durch die Acten des Trientiner Proceffes als falsch erwiesen, da ja nicht blos der getaufte Israel (Wolfgang) den Mord gestand, sondern auch die getauften jüdischen Frauen und auch einige der überwiesenen Mörder, die durch die Taufe der Todesstrafe entgehen wollten, ihre Aussage nicht widerriefen. Und habe ich nicht selbst den Brief eines Convertiten in der Hand, der einst als Talmudschüler Augenzeuge mehrerer Ritualmorde war, einen derselben ausführlich beschreibt und sich erbötigt zeigt, sein Zeugniß vor jedem Gerichte zu beschwören? Ich bin bevollmächtigt, diesen Brief zu veröffentlichen und werde es, wenn nicht Ruhe wird, auch bei paffender Gelegenheit thun." Dr. Pattai: Ich habe noch eine Bitte, daß nämlich aus dem Artikel, in welchem der Brief selbst veröffentlicht ist, die Einleitung, welche die Redaction des „Vaterland" macht, vorgelesen werde. Vorsitzender: Das ist die Nummer 129 des „Vaterland" (liest): „Der Brief des Convertiten. Unsere Leser werden uns das Zeugniß nicht versagen, daß wir, was an uns lag, gethan haben, um die Controverse über den sogenannten Ritualmord in unserem Blatte, nachdem wir pflichtgemäß dem Herrn Dr. D e ck e r t zur Abwehr der auf ihn unternommenen Angriffe und dem Herrn Dr. Bloch zur Erwiderung Raum gegeben, sofort wieder abschließen. Da jedoch Herr Dr. Bloch mit Berufung auf § 19 des Preßgesetzes die Discussion wieder aufnahm und nicht nur von ihm, sondern von vielen Seiten die Veröffentlichung des im Laufe dieser Controverse mehrfach erwähnten Briefes des Augenzeugen eines solchen Mordes dringend gefordert wurde, so kommen wir diesem Verlangen hiemit nach, ohne an das Schriftstück irgend welche Folgerungen zu knüpfen, welche den außerhalb der hier angeführten russischen Sec.te stehenden Juden abträglich sein könnten. Ja, wir sind' überzeugt, daß das hier dargelegte Factum auch in diesen Kreisen nur Abscheu und Entsetzen Hervorrufen wird." Dr. Porz er: Ich bitte, daß aus der'Zuschrift des Dr. Bloch, veröffentlicht in der Nummer vom 10. Mai des „Vaterland", jener Passus verlesen werde, in welcher Dr. Seifert zur Veröffentlichung des Briefes aufgefordert wird. Vorsitzender (liest): Schließlich bietet Dr. D e ck e r t ans einem angeblich von einem convertirten Juden aus Rußland, einem „Zaddickschüler" ihm zugesendeten Brief, welcher nur aus zarter, von uns Juden kaum verdienter und gewiß nicht erbetener Rücksichtnahme noch immer geheim gehalten wird, eine gegen meine Behauptung gerichtete Mittheilung, über welche ich im Rahmen des Z 19 des Preßgesetzes nur die Erklärung abgeben kann: „Es ist nicht wahr, daß der Tonvertit je eine solch scheußliche Blutceremonie, wie sie die Chinesen den Christen, die Antisemiten den Juden andichten, jemals mit angesehen haben kann; wahr ist vielmehr, daß Clemens Xlv. in seiner erwähnten Schrift von sämmtlichen Convertiten, welche bis zu seiner Zeit in allen Ländern in der Kirche Rang und Stellung eingenommen haben, mittheilt, sie haben feierlich von dem Blutaberglauben versichert: „Deshalb ist dieser Jrrthum den Juden beizulegen für deren Bekehrung nicht nützlich. Denn sie glauben, daß wir Lügen gegen sie erfinden, was kein geringes Hinderniß ist, um uns selbst ihnen als glaubwürdig darzustellen. Er verursache in deren Gemüthern (der Juden) nebst der Verachtung und Verbitterung einen so schädlichen Eindruck, daß sie endlich von unserem heiligen Glauben gar nichts hören wollen, den höchst irrigen Schluß machen, als wenn selbiger auf eitler Falschheit und Betrug gegründet wäre." Ob diese Erklärungen kirchlicher Autoritäten jüdischer Abstammung oder die Mittheilungen eines Paulus M e y e r mehr Glauben verdienen, diese Frage müssen die Leser des „Vaterland" selber entscheiden." Dr. Porz er: Ich bitte nun in Erwiderung darauf den Schlußsatz zu verlesen, welcher beginnt: „Auch das soll der vielgenannte Clemens . ..." Vorsitzender (liest): „Auch das soll der vielgenannte Clemens xiv. beweisen! Nein, das geht uns über die Hutschnur. Ich glaube, Herr Redacteur, Sie thun am besten, die weitere Discussion über diesen Gegenstand dadurch abzuschneiden, daß sie den Brief des Convertiten, der behauptet, Augenzeuge solcher Ritualmorde gewesen zu sein und den ich Ihnen zur Einsicht bereits vorgelegt habe, morgen in Ihrem geschätzten Blatte abdrucken. Das ganze Vorgehen B l o ch's scheint nichts weiter zu bezwecken. * Nun den Gefallen können wir ihm erweisen." Dr. Kopp: Nun möchte ich bitten, auch jene Stelle zu verlesen, welche mit den Worten beginnt „Was Paulus Meyer betrifft, so wird sich dieser selbst vertheidigen . . . ." Vorsitzender (liest): „Was Paulus Meyer betrifft, so wird sich dieser selbst vertheidigen. Wer übrigens dessen interessante Broschüre „Wölfe im Schafsfell" gelesen hat, wird begreifen, warum ein von Bodelschwingh und Cohnsorten, einschließlich Dr. Strack und Hirsch H i l d e s h e i m e r, sich seiner in Berlin zu entledigen suchten. Meyer wurde ihnen durch seine unerschrockenen Enthüllungen auf dem Gebiete der evangelisch-jüdischen Mission eben unbequem. Daß er sich einer „Gotteslästerung" schuldig gemacht hat? Je nun, ich kenne sogar einen katholischen Priester, dessen Schrift gerichtlich der Gotteslästerung beschuldigt wurde. Warum? Weil er eine Stelle aus dem Tal-