Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 38 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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9fr. 38 Österreichische Wochenschrift Seite 739 schreibt. Ich kann Hkich nicht gut ausdrückeu, weil ich nicht gnt deutsch spreche. Vorsitzender: Sie sprechen ganz gut deutsch! Meyer: Dr. Seifert sagte also, daß er in der „Oesterreichischen Wochenschrift" angegriffen werde mit den Worten: „Schurkerei re." Er hatte Eile, indem er zur Kirche mußte, und als er wegging, legte ich die Wochenschrift wieder weg; denn mich konnte das nicht interessiren und schlief weiter. Dann zeigte ich es meiner Braut. Als er zurückkam, sagte er: „Was sagen Sie dazu?" Ich sagte: „Was soll ich darauf sagen? Dr. Bloch hier kann ebenso schimpfen, wie in Berlin der Hildesheimer." Er sagte darauf: „Wie einen dummen Jungen thut er mich Herunterreißen," und er war blaß vor Aufregung. Ich sagte: „Ich bin auch beschimpft worden." Dann machte er mit mir ein anderes Gespräch, wann ich an meinem wissenschaftlichen Werke arbeiten werde. Ich sagte ihm: „Bis meine Sachen kommen werden und bis ich dieselben in meiner Wohnung haben werde. Er sagte: „Wissen Sie was, so lange Sie nicht mit dem wissenschaftlichen Werke sich beschäftigen, wüßte ich für Sie eine andere Beschäftigung. Ich will eine Broschüre herausgeben; vielleicht könnten Sie etwas erzählen von Ihren Erlebnissen, Sie sind ja bei den Chassidim in die Schule gegangen .... Ich bitte, Herr Präsident, mir zu gestatten, einige Minuten auszuruhen, ich bin müde! Vorsitzender: Nun ja! Bleiben Sie aber dann bei der Sache! Dr. Griez: Ich möchte mir den Vorschlag erlauben, eine Beilage, deren Verlesung von mir bereits beantragt lvurde, zu verlesen; dieselbe würde hier hereinpassen und ist in Nummer 123 des „Vaterland" vom 5. Mai 1893 enthalten. Dr. Pattai: Ich würde beantragen, die Nummern 123 und 129 zu verlesen. Schriftführer liest : „Rabbi Blech und derNirualmord." Daß ein actenmäßig nachgewiesener „Ritualmord", wie der des christlichen Märtyrers Simon von Trient (jüngst als Broschüre erschienen bei Glöß in Dresden, 50 Pf.) den Juden keine besondere Freude bereiten kann, wird wohl Jedermann zugeben; daß aber eine so unsinnige Kritik darüber kn der österreichischen, reete „jüdischen" Wochenschrift des Dr. Bloch erscheinen konnte, war gegen alle Erwartung, obwohl mau einem Rabbi Bloch, der selbst bei manchen seiner Glaubensgenossen, wie ich aus einer mir vorliegenden Broschüre sehe, nicht im guten Rufe steht, in dieser Richtung Vieles zumuthen kann. Eine „Schandschrift" wird die erwähnte Broschüre genannt, welche doch auf Grund der noch erhaltenen Proceßacten, die die strengste Censur der römischen Curie passirten, die traurige Geschichte des Mordes des kleinen Simon Gerber von Trient wahrheitsgemäß erzählt! Schon daß sie bei Glöß in Dresden erschien, brandmarkt, nach Meinung des Kritikus, den Verfasser und macht seine Schrift zu einem „Pamphlet", das sich den „schmutzigsten und frechsten Lügenschriften" anreiht. In dieser Weise werden geschichtliche Thatsachen von jüdischen Gelehrten behandelt. Der Gipfels der Frechheit liegt aber in der Behauptung, diese Broschüre sei ein Beweis, daß die notorisch überwiesenen jüdischen Mörder des unschuldigen Christenkindes „Opfer eines schändlichen Attentates" getvesen sind; es seien gar keine Anhaltspunkte für die Anklage vorhanden gewesen! Das wagt man nachDurchlesung dieser Broschüre mit kühner Stirne zu behaupten! Und das soll sogar der spanische Großinquisitor T o r q u e m a d a beweisen! Nein, das ist doch, um mit Rabbi Bloch zu sprechen,^ „plunzendumm". Das heißt Kritik! — Keine einzige der historisch und gerichtlich constatirten Thatsachen wird widerlegt, sondern brav losgeschimpft und schier das ganze zu Gebote stehende Schimpflexikon aufgebraucht. Dem Verfasser der Broschüre wird vorgeworfen, er habe seine Schrift „mit absichtlicher oder unabsichtlicher Verleugnung der llrtheilsschrift" geschrieben. — Wie heißt? Verleugnung der Urtheilsschrift? Mag jüdischer Jargon sein, deutsch ist es nicht. Aber welch geringes Maß von Urtheils„kraft" dem Rabbi Bloch bei der Lecture der erwähnten Broschüre zur Verfügung stand, das zeigt die ganze Besprechung derselben. Seine Einwürfe gegen die Tortur, die in bekannter orientalischer Manier übertrieben wird, sind wohl aus tendenziösen Romanen und nicht aus der Geschichte geschöpft; aber mit solchen Uebertreibungen kann man doch die Thatsache nicht widerlegen, daß den peinlich Verhörten, keine Frage in den Mund gelegt wurde, daß an diesem Monstreprocesse neunzehn einzeln verhörte jüdische Verbrecher ihren Antheil am Morde des Christenkindes einstimmig bekannten und ihre Geständnisse eidlich wiederholten. Mit hochtrabenden verleumderischen Phrasen von grausamer Willkür, Blutdurst und Raubgier werden Thatsachen nicht widerlegt und eidliche Geständnisse nicht werthlos gemacht; das kann ernste Männer nicht blenden. Daß es zu allen Zeiten, auch zur Zeit des Trientiuer Processes, Philosemiten auch in hohen Kreisen gab, die jüdischer Bestechung zugänglich waren, und Processe, welche jüdische Verbrecher der irdischen Gerechtigkeit überliefern sollten, zu hindern suchten, ehrliche Richter aber nachträglich in der Weise B l o ch's der Ungerechtigkeit anklagen und beschimpfen, das hat ja die erwähnte Broschüre klargelegt; damit hat Rabbi Bloch nichts Neues gesagt; das macht eben den Fall Simon von Trient so überaus interessant, daß er ein Spiegelbild ähnlicher Processe in neuerer Zeit ist und daß dabei alle einzelnen Thatsachen geschichtlich und gerichtlich constatirt sind. Dieser Umstand mag einen Vertheidiger der jüdischen Interessen ärgern, aber mit solchem Geserres kann man die Geschichte nicht widerlegen. In den Augen eines Juden, auch eines Reformjuden, ist dieser l merkwürdige Proceß allerdings ein „Schandfleck", ist ja auch der Antisemitismus heutzutage in seinen Augen ein „Schandfleck des neunzehnten Jahrhunderts". Den ganzen vierspaltigen Artikel der „österreichischen Wochenschrift" B l o ch's in allen seinen Einzelheiten zu verfolgen, hält der Verfasser dieser Zeilen für überflüssig; diese Ungeheuerlichkeiten an Unwahrheit und Frechheit richten sich selbst. Ter jüdische Kritikaster scheint nicht übel Lust zu haben, alle Grausamkeiten und alle Blutthaten, die je in der Geschichte sich ereigneten, dem Christenthume in die Schuhe zu schieben, selbst dennoch unaufgeklärten Mord eines Dieners im Churhause im vorigen Jahre. Die Inden, sagt er, sind es allein, die von Grausamkeit sich frei hielten, deren Hände von Blut rein geblieben sind. Ei, ei, Herr Rabbi Bloch, kennen Sie die Geschichte Ihres eigenen Volkes so schlecht? Bon dem Blutdurste des alten Volkes Israel, von welchem uns die Bibel des alten Bundes so unwiderlegliche Beweise gibt, wissen Sie nichts? Haben Sie noch nichts vernommen von dem frevelhaften Worte: „Sein Blut kornme über uns und unsere Kinder"? — Von der blutdürstigen Grausamkeit, mit welcher die Juden die ersten Christen verfolgten, haben Sie noch nichts gehört? Von den bei den zahlreichen Aufständen der Juden vorgekommenen unmenschlichen von Juden geübten Grausamkeiten ist Ihnen nichts bekannt? Soll man Ihnen darüber ein Privatissimum lesen? Und die Juden hätten sich allein von allen Völkern aller Grausamkeit enthalten, selbst „im Herzen"! Die Juden hätten allein sich von allem Blutvergießen enthalten? Eine frechere Geschichtsfälschung ist wohl noch nicht vorgekommen und verdient dieselbe wohl öffentlich an den Pranger gestellt zu werden. Der Verfasser der Broschüre, der von dem hochnäsigen Rabbi Skrtbler wie ein dummer Junge herabgekanzelt wird, wird unter Anderem auch gefragt, ob er denn in seinem Leben nie mit Juden verkehrt habe und ob er denn nicht durch diesen Verkehr die Sitten und Gebräuche und Anschauungen seiner lieben jüdischen Mitbürger kennen gelernt habe? Darauf kann derselbe antworten: Ja „hochwürdiger" Herr Rabbi, ich habe in nleinem Leben seit meiner Studentenzeit viele Juden kennen gelernt, habe aber, aufrichtig gestanden, nicht das Glück gehabt, unter denselben edle Charaktere zu finden. Im Gegentheile, meine Lebenserfahrung hat mich zum Antisemiten gemacht, nicht zum Rassenantisemiten: ich habe sogar, ohne Ruhm zu melden, schon öfters arme Juden unterstützt. Die Wahrheit zu gestehen, ich habe nur schlimme Erfahrungen gemacht mit den Kindern Israels, die meinem Leben nahe kamen; selbst mit manchen getauften Inden habe ich Trauriges erlebt und ich stehe hierin nicht allein. Aber einen getauften Juden habe ich kennen gelernt, der mir von achtungswürdiger Seite als einer der ausgezeichnetsten lebenden Hebraisten und Talmudkenner geschildert wird und der mir auf Ihre Angriffe hin schriftlich und unter eidlicher Bekräftigung der Wahrheit die Versicherung gab, daß sich das Blutrituale nicht blos aus Talmud und Kabbala wissenschaftlich Nachweisen lasse, sondern daß er auch selbst Augenzeuge bei der ^Schlichtung mehrerer christlicher Kinder war. Einen Fall, der sich im Jahre 1875 in einer russischen Stadt vor den jüdischen Ostern zutrng und bei dem er als Zaddickschüler gegenwärtig war, erzählt er mit allen einzelnen Details, gibt Ort, Zeit und anwesende Personen an und sogar den Mann, der das Christenkind, einen sechsjährigen blonden Knaben