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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 734 Desterreichisthe Wochenschrist Nr. 38 Moische Beriches, der mich mit den Worten anredete: „Mel nachem, kleide Dich schnell an und komm' mit ins Wasser."') Mit besonderem Eifer kleidete ich mich an und stand bald bereit da. Nun gingen wir, unser Zehn,-) in das sogenannte Mikwa-Haus (Badehaus nach ritueller Vorschrift), von wo wir uns aus Weisung des Schames in das Gemach des Zaddicks begaben. Dieser saß schon in weißseidenen Kleidern, wie es bei den Zaddickim üblich ist, aus seinem Stuhle. Auf einem anderen Stuhle bemerkte ich ein Etwas, mit blendend weißem Tuche bedeckt. An einer Stelle befanden sich kupferne, innen glänzend verzinnte Becken, während in der Ecke unzählige kleine Fläschchen standen, mit Zetteln darauf. Bei unserem Eintritte begann der Zaddick das Gebet; soweit ich mich erinnere: Psalm 47 — 64 — 65 — 79 — 307 — 116 u. s. w. Hierauf trat tiefe Stille ein. Der Zaddick erhob sich von seinem Stuhle; die Augen gegen Himmel gerichtet, die Lippen etwas bewegend, staud er etwa 20 Minuten, während sein Gesicht abwechselnd erröthete und erblaßte. Wir, seine Jünger, standen daneben, ebenso andächtig. Nachdem der Zaddick diese stille Andacht verrichtet hatte, rief er mit sanfter, gebrochener Stimme: „Bringet das „Korban“ (Opfer)! Sofort begab sich der obenerwähnte Schames Moische Beriches mit dem zweiten Schames Israel (alias Sru l, Partzewar?) in das anstoßende Zimmer, von wo er, einen sechs- bis siebenjährigen, blondhaarigen Knaben in den Armen, zurückkehrte. Das nur mit einem schneeweißen Hemde bekleidete Kind, schien erschrocken zu sein; aber keine Secnnde verging, da lag es auf einem kleinen Tische, neben dem das blank gescheuerte Becken stand. Durch einen Schnitt in den Hals mit dem Schlachtmesser, welches unter dem Tuche verborgen auf dem Stuhle gelegen war, wurde das Kind getödtet und das Blut in dem Becken ausgesangen. Ich hörte nur einen wimmernden Laut, bemerkte auch nicht, welcher von den Schames den mörderischen Schnitt ansgeführt hatte, da tvir tvährend des Actes die Augen andächtig gesenkt hielten. Als die Abschlachtung beendet war, ertönte laut die Stimme des Zaddicks :. ,,Masseltow!“ Mit diesem Worte pflegt man bei den Juden zu gratuliren; es heißt: „Gut Glück!" Damit war unsere Andacht beendet. Unterdessen wurde der kleine Leichnam entfernt und das im Becken anfgefangene Blut in die oben erwähnten Fläschchen gefüllt. Die Aufschriften auf diesen Fläschchen enthalten die Namen der Städte und des Vorstandes der dortigen Gemeinden, die Anhänger des Zaddicks sind. An diese werden die Fläschchen vertheilt. Ein größeres Quantum Blut wurde in einem silbernen Becher aufgehoben, um in den nächsten Tagen zu der M-azza Schmurra") verwendet zu werden. Dieses traurige Ereigniß, theile ich Ihnen, hochw. Herr Pfarrer hier mit, wie es noch in meiner Erinnerung lebt, der Wahrheit gemäß, für die ich leben und sterben will. Ich rufe Gott den Allmächtigen zum Zeugen an und bin bereit, dies bei allen Behörden eidlich zu erhärten. -Bei Ihrem heiligen Seelsorgeamte verpflichte ich Sie, diese meine Mittheilung, die ich in chronologischer Reihenfolge aufzeichnete, in Ihren Kreisen öffentlich bekannt zu machen, um weiteren Schaden zu verhüten, damit nicht noch mehr Christenkinder (solchen) in wahnsinnig religiösem Fanatismus verharrenden jüdischen Meuchelmördern zum Opfer fallen. Auf diese Leute paßt die Stimme des Propheten Micha, welcher im dritten Capitel, B. 9—10 ausruft: „Höret dies, Fürsten des Hauses Jacob, Richter des Hauses Israel! die Ihr Abscheu habet vor dem Rechte und Alles verdrehet, was Recht ist, die Ihr Sion bauet mit Blutschuld und Jerusalem mit Unrecht." Ich tviederhole nochmals meine Bitte an Sie, Herr Pfarrer, nicht zu ruhen und als katholischer Geistlicher, wie ich als Protestant, tapfer ans Werk zu gehen „unitis viribus“ zum Wohle der Menschheit: denn wir bekennen uns zu „einem" ') Bei den Juden pflegt man nämlich vor einem heiligen Acte durch Untertauchen im Wasser den Körper zu reinigen. -) Bei jeder heiligen Handlung, wie auch beim Gebete in der Synagoge, müssen zehn Personen zugegen sein. s) Eine Stadt, zwei Meilen von Ostrowo, von welcher er stammt und nach welcher er benannt lvard. A) Mazza Schmurra heißt die Mazza, die in dem Hause des Zaddicks unter besonderer Aufsicht gebacken wird, nur bei den Chassidim. Herrn und Heiland. Das walte Gott der Herrin Gnaden. Amen- Indessen zeichne ich mit christlichem Gruße Ihr im Herrn verbundener^ Paulus Meyer.?. 8. Ich will noch bemerken, daß das Opfer diesmals aus Levertof, etwa drei Meilen von Ostrowo, stammle. Der Vermittler war ein jüdischer Grundbesitzer Schmul Tarler, sogenannt nach dem gleichnamigen Dorfe, zu welchem sein Gut gehört. D. O. (*) Demselben Acte hat beigewohnt der Schwiegersohn des erwähnten Zaddick Rabbi Jehoschua, Namens Jainkew (Jacob) Jizhak Rabinowitz, der jetzt noch als Zaddick (Wunderrabbi) in der Stadt Biala, Gouvernement Sidlec in Russisch-Polen fungirt." P. M.) Vorsitzender: Herr Paulus Meyer, haben Sie die Anklage verstanden? Meyer: Jawohl. Vorsitzender: Bekennen Sie sich schuldig? Meyer: Nein! Vors.: Wenn Sie nein sagen, so sind Sie berechtigt, der Anklage eine zusammenhängende Darstellung entgegenzustellen. Wollen Sie von diesem Rechte Gebrauch machen oder soll ich Sie fragen? Meyer: Ich behaupte, daß ich weder den Brief verfaßt noch unterfertigt habe; das kann ich über die Urheberschaft des Briefes erklären. Vors.: Sie bekennen sich also nicht als den Verfasser des Briefes? Sie negiren also, was in der Anklage steht? Haben Sie den Brief dem Pfarrer Deckert übergeben? Meyer: Nein! Vors.: Damit ist eigentlich ihr Verhör erschöpft. Sie entnehmen aber aus der Anklage gerade das Gegentheil Nun müssen Sie im Interesse Ihrer Bertheidigung uns darthun, wie Ihr Name mit der ganzen Sache in Verbindung steht. Meyer: Ich bitte um Verzeihung.Ich ersuche, daß Herr Dr. Deckert über die ganze Urheberschaft und Verfassung des Briefes sich erkläre. Vorsitzender: Sie haben jetzt das Wort zur Vertheidigung und Sie müssen daher jetzt dem Gerichte Rede stehen. Sie können nicht sagen, Sie überlassen es dem Dr. Deckert, um sich daml die Sache einzntheilen, wie Sie es für gut finden. Meyer: Es ist nicht der Fall, daß ich dies beabsichtige. Ich will mich darauf beschränken, Dr. Deckert soll sprechen, dann werde ich von meiner Seite das Ganze erklären. Vorsitzender: Das geht nicht an, Sie können sich seinerzeit über jede Behauptung äußern. Aber vorerst haben Sie das Wort, und nachdem Sie behaupten, nicht schuldig zu sein, ist es Ihre Sache, sich zu vertheidigen. Wenn Sie jetzt erklären, ich vertheidige mich nicht, sondern ich will mich vertheidigen, bis Dr. Deckert gesprochen, so nehmen Sie vielleicht die Richter gegen sich ein, indem man glauben wird, Sie suchen aus der Verantwortung eines Anderen die Mittel zu Ihrer Vertheidigung zu schöpfen. Meyer: Mir ist bis jetzt nicht nachgewiesen, daß ich der Verfasser des Briefes bin, und da auch ich glaube, daß Niemand im Stande ist, dies nachzuweisen, so weiß ich mich nicht zu vertheidigen. Vorsitzender: Sie hören, daß in der Anklage steht, daß Dr. Deckert selbst vor Gericht zugegeben, daß er dielen Brief von Ihnen bekommen hat, daß er Kenntniß davon besitzt, daß der Brief von Ihnen verfaßt und Ihrer Braut dictirt worden sei, daß Sie ferner ihm den Brief zum Zwecke der Veröffentlichung übergeben und ein Postscriptum, welches im Briefe enthalten ist, in die Feder dictirt haben. Meyer: Ich möchte mir eine Frage erlauben. Vorsitzender: Sie sind beschuldigt und haben daher zn antworten. Meyer: Wenn Herr Dr. Deckert behauptet, daß ich ihm den Brief gegeben und ihn, ersucht habe, ihn zu veröffentlichen, so möge er bezeichnen, wann und wie. Vorsitzender: Das wird dann, seine Sache sein. Eswird ja gehört werden! Aber die Anklage behauptet, daß Sie diese Thätigkeit entfaltet, diesen Brief verfaßt und dem Dr. Deckert übergeben haben. Meyer: Ich bitte um Verzeihung; ich kann nicht sagen, daß ich der Schreiber oder Verfasser dieses Briefes bin. *) Dieses zweite Postscriptum war im Original des Briefes, nicht aber in der Publication des „Vaterland" enthalten, wurde darum in der Anklage nicht berücksichtigt.

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