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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 38 Vrsterreichischr WorhenfchrM Seite 733 mehr als genügend Grnnd hatten, den von demselben vorgebrachten Beschuldigungen das größte Mißtrauen entgegenzubringen, so kann ihnen auch überhaupt nach dem Gesetze ihr angeblicher guter Glaube nie und nimmer für die in Druckwerken bewirkte Weiterverbreitung und Veröffentlichung der Beschuldigung Straflosigkeit verschaffen. Zur Anklage berechtigt wären in erster Linie der in dem Briefe genannte Rabbiner, der aber längst, und zwar noch mehr als zwei Jahre vor dem ihm angedichteten Morde zu Warschau verstorben ist; an Stelle dieses Rabbiners treten seine Tochter Rachel und deren Gatte, sein Schwiegersohn Jankiel (Jacob) Rabinowitz, Rabbiner in Biala (Ru,sisch-Polen), nach 8 495 des Strafgesetzbuches. Weiter sind zur Anklage berechtigt die beiden in dem Briefe genannten Schames (Leibdiener) des beschuldigten Rabbiners, sowie der in der Nachschrift des Briefes erwähnte Schmul Tarler. In der Voruntersuchung war den Herren Paulus Meyer, Dr. Josef Deckert und Franz Doll hinreichende Gelegenheit geboten, zu ihrer Entlastung den Beweis der Wahrheit für die in dem incriminirten Briese enthaltene Beschuldigung zu erbringen. Dieser Beweis wurde aber von ihnen nicht einmal angetreten oder angeboten, geschweige denn erbracht. Es erscheint somit die Anklage nach jeder Richtung hin begründet. Wien, am 3. August 1893. Als Substitut Dr. Josef Kopp, Dr. Elias Münz m. p. Vorsitzen der: In Verbindung mit der Anklage verlese ich den Brief, der auf Seite 3 der Nummer 129 des „Vaterland" vom 11. Mai 1893 vorkommt. Er lautet: „Sr. Hochw. Herrn Pfarrer Dr. Josef Deckerl, Weinhaus- Wien. Leipzig, 20. April 1893. Adr. Red. der Anti-Corruption — Moltkestr. Nr. 44. Ew. Hochwürden dürfte wohl mein Name nicht völlig unbekannt sein, da derselbe im letztvergangenen Jahre in der Presse fast ganz Deutschlands die Runde machte. Als ich, durch den noch immer nicht aufgeklärten Knabenlnord in kanten veranlaßt, in der Oeffentlkchkeit auftrat, um zu behaupten, daß es wirklich bei den Juden noch heutzutage einen Ritualmord gebe, das heißt, daß die Juden zu ihren rituellen Zwecken das Blut Andersgläubiger gebrauchen und daß dieser Gebrauch besonders unter den streng orthodoxen Juden (Chaffidim) noch bestände, da hätten Sie setzen sollen, welch tödtliche Feinde ich mir zuzog, weil ich die Kühnheit besaß, auf Grund meiner intensiven Kenntniß der hebräischen Literatur die Wahrheit zu behaupten, von welcher ich die volle Ueberzeugung habe, indem ich selbst Augenzeuge war bei der Abschlachtung eines christlichen Kindes, dessen Blut den Juden zu ihren vermeintlichen rituellen Zwecken dienen sollte, lieber diese haarsträubende Scene will ich Ihnen im Weiteren nähere Details mittheilen. Durch mein Auftreten hatte ich mir zu gleicher Zeit die Feindschaft der Berliner Judenschaft und des Oberschimpfboldes der jüdischen Presse, Dr. Hirsch Hildesheimer, Erzfeindes und Verfolgers der christlichen Kirche zugezogen. Dieser Hirsch Hildesheimer ist in Berlin das, was Ihr Rabbi Bloch in Wien, der Sie jetzt, wie ich ersehe, in Nummer 14 (vom 7. April) der „Oesterreichischen Wochenschrift" angreift und auf das Unfläthigste beschimpft, weil Sie es wagten, aus Proceßacten über eine Greuelthat, von fanatischen Juden im Jahre 1475 zu Trient an dem kleinen Simon Gerber begangen, nachzuweisen, daß die Juden zu ihren rituellen Zwecken das Blut Andersgläubiger gebrauchten. Nun erfrecht sich dieser Jude Rabbi Bloch, auf unverschämte Weise Ihrer priesterlichen Ehre nahezutreten, wie ich aus seiner Wochenschrift ersehe, eben wie der Berliner Jude Dr. Hirsch Hildesheimer mich verfolgte... Ich hatte seinerzeit sogar den Versuch gemacht, durch die „Staatsbürger- Zeitung" den Tambourmajor der Judenschutztruppe, Professor S tr a ck, zu einer öffentlichen Discussion aufzufordern, da er sich als Vertheidiger dieses.Volkes aufwirft. Dem Manne ist's nicht um Wahrheit zu thun, ihm ist nichts heilig; er besitzt die Stirne, die Wirklichkeit der Blutfacta abzuleugnen, sie auf sophistische Weise zu vertheidigen. Als ich in dem eben erwähnten Blatte Strack zu einer öffentlichen Discussion unter Sachverständigen aufforderte, um meine Behauptung zu beweisen, empfand er sein Unvermögen auf diesem Gebiete und versteckte sich hinter dem Busche des Hirsch Hildesheimer. Er begann mit diesem einen anderen Plan, nämlich mich aus der Welt zu schaffen, was ihm auch gewissermaßen gelungen ist. Man überhäufte das Berliner Polizeipräsidium mit Denunciationen über Denunciationen, bis schließlich das Toben der Juden und ihrer Zuhälter der Behörde zuwider wurde, so daß dieselbe, um nur Ruhe zu haben, mich aus Berlin verwies. Nun wohl, die Rabbiner Hildesheimer und Strack sind meine gefährliche Nähe losgeworden; mich ganz mundtodt zu machen, wird ihnen aber wohl niemals gelingen. Ich thue meine Pflicht in Leipzig so gut wie in Berlin. Das war also das Resultat meiner Bemühungen, den Juden und dem zum jüdischen Geldsack übergetretenen Strack (indirect) nachzuweisen, daß es ein Blutrituale gibt. Auf diese Leute paßt so recht der Text des 58. Pfalmes B. 5: „Ihr Wüthen ist gleich dem Wüthen einer Schlange, gleich der tauben Natter, die ihre Ohren verstopft." Denn wenn diese Herren so sicher sind, daß es kein Blutrituale bei den Juden gibt und diese Behauptung absolut unwahr ist, warum haben sie die oben erwähnte Aufforderung nicht angenommen? Statt dessen suchten sie mich in Berlin loszuwerden. Aber das habe ich bei Allem, was mir heilig, geschworen, daß ich nicht eher aus der Welt scheiden will, bis ich den Tempel des Herrn, so weit es in meinen Kräften steht, gesäubert und die Wahrheit an das Licht gebracht habe. — Ew. Hochwürden haben wohl die angedeutete Mittheilung über die Abschlachtung eines Christenkindes längst vermißt. Nun wohl; die bisherigen Zeilen sollten Ihnen nur einen Einblick in das ganze Getriebe geben; jetzt komme ich auf den Hauptkern meines Schreibens, auf die haa> sträubende Geschichte, bei welcher ich, wie schon erwähnt, Augenzeuge war und welche in mir eine traurige Reminiscenz wachruft, obgleich es schon geraume Zeit ist, daß ich zum letzten Male einer solchen Scene beiwohnte. Ich war damals kaum 14 Jahre alt, aber diese Greuelthat ist mir in meinem Innern haften geblieben und wird haften bleiben, bis man mich ins düstere Grab hinabsenken wird. Es war im Jahre 1875, als ich nach Ostrowo, Gouvernement Lublin (Ruffisch-Polen), gebracht wurde zu dem chassidischen Rabbi (Zaddick, Wunderrabbi) Jehoschua Ben h'Raw Schlome Leb m'Lentschna (Sohn des Rabbi Schlome Leb in Lentschna.) Daselbst sollte ich ein beschauliches, streng heiliges, frommes Leben führen, mich Kasteiungen und der Ascese unterwerfen, um mich auf Wunsch meines Vaters als Zaddick auszubilden. Ich sollte eingeweiht werden in die ganze Geheimlehre, das heißt nicht nur in die Bibel und Talmud, was man hier zu lehren pflegt, sondern in alle „himmlischen" Geheimnisse. Dies kann man nur erlangen, wenn man in der Nähe eines solchen heiligen Zaddicks lebt und Kabbala^» und Sohar studirt, wodurch man congenialer Schüler desselben wird. Die Tage der jüdischen Ostern nahten. Da wurde ich eines Tages durch seinen ersten Schames (Leibdiener) zum Zaddick bestellt. Mit aller Ehrfurcht und reuevoll nachdenkend, begab ich mich zu ihm. Bei meinem Erscheinen sprach er mich mit den Worten an: „Menachem“,1 2) bereite Dich vor zu abodath h’scheem jisbaracb (zum Dienste des gebenedeiten Namens); Du wirst zu dem heiligen Acte gerufen werden. In jenem Augenblicke wußte ich noch nicht, welchem heiligen Acte ich beiwohnen sollte; so begab ich mich denn blindlings an meine Vorbereitung, das heißt Heiligung und Kasteiung durch einige Tage. Nach Verlauf von 5 Tagen wurde ich in der Frühe geweckt. Vor meinem Lager stand der Schames des Zaddicks: 1) Kabbala bedeutet Ueberlieferung. So heißt die in engerem Kreise fortgepflanzte Geheimlehre über das Leben der Gottheit, die Entstehung der Welt, die Principien des Guten und Bösen und den Weg zur Vereinigung mit der himmlischen Welt und dem Unendlichen. Was wir in der christlichen Literatur Theosophie nennen, ist in der jüdischen Literatur Kabbala, eine nicht in reinen Denkformen, sondern in visionären Bildern und phantastischen Deutungen biblischer Worte sich bewegende Metaphysik über die letzten Gründe, die jenseitigen Wurzeln der uns umgebenden Welt, die aus Gutem und Bösem gemischt ist und über den Sinn und Zweck der Offenbarung Gottes in Gesetz und Propheten. Ach, aber wie vermengen sie die himmlische Lehre mit der dämonischen! Wehe mir, wenn ich das noch weiter in meinem Inneren verbergen sollte! 2) Das heißt Trost — so nannte er mich, seinen Verwandten, denn er sagte: Du wirst ein Trost für unser Volk sein!

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