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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 726 Nr. 38 Orstrrreichifche Wochenschrift L. 8. Protzuitz. (Schulzustände.) Die gegenwärtig czechische Majorität des Ortsschulrathes der Stadt- (Christen-) Gemeinde hat aus politischen Motiven den Beschluß gefaßt, Schüler in der Judengemeinde Proßnitz wohnender katholischer Eltern in den christlichen deutschen Schulen nicht aufzunehmen. Sollte dieser Beschluß behördliche Sanction erlangen, so sind die Consequenzen dessen gar nicht abzusehen. Die Judengemeinde wäre bemüssigt, da es sich um ungefähr hundert schulpflichtige Kinder handelt, Parallelclafsen in ihrer Schule zu errichten, einen katholischen Religionslehrer anzustellen, was aber das Wichtigste, ein Schulgebäude zu bauen, und zwar, da in der Judenstadt hiefür kein geeigneter Platz, auf städtischem Grunde. Man ist hier auf die Lösung des gordischen Knotens gespannt. L6. Brünu. (Gründungsfest.) Nächste Woche feiert hier die neue Ferial-Verbindung der deutschen Hochschüler Brünns „C heruskia“ ihr erstes Gründungsfest, welchem nicht nur derartige Verbindungen aus allen Theilen Mährens, sondern auch die Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten des Kronlandes und andere politische Capacitäten anwohnen werden, Es dürfte sich da die Gelegenheit bieten,- die antisemitische Richtung in der deutschen Studentenschaft Mährens zur Sprache zu bringen und auf die Zwietracht und Gehässigkeiten hinLUweisen, welche dieselben nicht nur in die Reihe ihrer Commilitonen, sondern auch in weite Schichten der Bevölkerung trugen. Die jüdischen Wähler bilden in Mähren das Zünglein an der Waage, sie sind eine feste Stütze der deutschen Partei, für welche sie sich opfern, und es ist der schnödeste Undank, sie dafür noch zu verunglimpfen und zu schädigen. Krakau, 16. September. (Vertagter Ehrenbeleidigungs-Proccß.) Heute hätte hier die Schwurgerichts- Verhandlung gegen den Redaeteur des humoristischen Blattes „Satyr", Joseph Jarosch Richter, stattfinden sollen. Derselbe ist der Ehrenbeleidigung angeklagt, begangen dadurch, daß er in einigen in dem genannten Blatte veröffentlichten Artikeln im Namen der öffentlichen Moral den Dr. Joseph Orlowski, Chef-Redacteur der hiesigen antisemitischen Zeitung „Kurjer Polski", der Prellerei und Veruntreuung beschuldigte und als unehrenhaften Menschen darstcllte, welcher Beziehungen mit der russischen Regierung unterhalte. Da der Geklagte sich als Verfasser bekannte und sich bereit erklärte, den Wahrheitsbeweis anzutreten, wurde die Verhandlung auf Antrag des Bertheidigers Dr. Seinfeld vertagt. Krakau, 16. September. Die Krakauer Handelskammer wählte in den Staats-Eisenbahnrath die Kammerräthe Leopold Reich und Sigmund Scha nzer und als Ersatzmänner die Herren Dattner und Holzer. Kandreuy, 10. September 1893. Am 18. August l. I. nach beendigter Feier des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät sandte der Lehrer der hiesigen deutsch-israelitischen Schule eine Glückwunsch-Depesche an Seine Majestät, worüber uns heute das Glück zutheil wurde, den Allerhöchsten Dank von Seiner Majestät zu erhalten, dessen Inhalt ich wortgetreu beibringe: „Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben Seine Excellenz, den Herrn Ministerpräsidenten und Leiter des hohen k. k. Ministeriums des Innern, allergnädigst zu beauftragen geruht, dem geehrten Cultusgemeinde-Vorstand für die Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes dargebrachten Glückwünsche den Allerhöchsten Dank bekanntzugeben. Hievon wird dem geehrten Cultusgemeinde-Borstande im Grunde Erlasses Seiner Excellenz des Herrn k. k. Ministerpräsidenten vom 26. August 1893, Zahl 2885, die Mittheilung gemacht." Czernowitz, am 1. September 1893. % Der k. k. Landespräsident: A. Kraus. Frankfurt a. M. In diesem Jahre wurde hier zum ersten Male der Versuch gemacht, an den hohen Festen einen Gottesdienst für die zahlreichen Bewohner des Westens zu veranstalten. Durch die Gewinnung einer Kraft, wie Rabbiner Dr. Anton B rü l l, der die Festpredigten und die Leitung des Gottesdienstes übernommen, war der größte Saal hier von Andächtigen in allen Räumen gefüllt. Die gedankenreichen, formvollendeten, zeitgemäßen Reden waren von zündender Wirkung und mit Begeisterung lauschten die Andächtigen den aus der Tiefe des Herzens kommenden Worten des gewaltigen Predigers. Der Bau einer Synagoge im Westen wird allgemein erhofft und gewünscht. I. R. Ikuillkton. Mrstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs» 25) redjte Vorbehalten.) Alle Proteste ihrer Obersthofmeisterin wären vergeblich gewesen, wenn ich nicht der Frau Erzherzogin versichert hätte, Sie, Herr Oberkriegsfactor, würden sich Ihren Dank selbst abholen. „Ich hoffe," fuhr der Prinz lachend fort, „keine Fehlbitte an Sie zu richten, wenn ich Sie ersuche, mein Wort einzulöfen und sich an einem der nächsten Tage bei ihrer kaiserlichen Hoheit zur Audienz zu melden. Es thut mir wahrhaftig leid, eigenmächtig über ihre kostbare Zeit verfügt zu haben, aber man kann dem reizenden, neckischen Koboldchen gar nichts versagen." "„Euer Durchlaucht," erwiderte Weriheimer, „es ist selbstverständlich, daß ich höchst Ihrem Befehle gehorsamen und mir von ihrer kaiserlichen Hoheit eine Audienz erbitten werde; aber ich erlaube mir ganz ergebenst zu bemerken, daß das geringe Verdienst, das ich mir bei der in Rede stehenden Angelegenheit erworben, allzugnädig beurtheilt, beiweitem überschätzt wird. Ich habe die Ehre, Oberhof- und Oberkriegsfactor Seiner apostolischen Majestät, unseres allergnädigsten Herrn und Kaisers zu sein und schon meine Hof-Charge legt mir die Pflicht auf, ein mir bekannt gewordenes, gegen den ersten Minister gerichtetes Complott zur Kenntniß zu bringen, mir persönlich umsomehr, als mich sowohl an Seine Majestät, den Kaiser, als an höchst Sie, Durchlaucht, die festen Bande der Dankbarkeit für überreiche mir zu Theil gewordene Huld und Gnade fesseln; ich selbst habe nur meine Pflicht erfüllt: allein zwei andere Männer, einer meiner Commis und Rogert, der Kammerdiener des Grafen Nimptsch, haben sich bei dieser Entdeckung ein weit größeres Verdienst, als ich selbst, erworben." „Ohne das Letztere einräumen zu wollen," fiel ihm der Prinz' eifrig und wohlwollend ins Wort, „muß ich es aussprechen, daß Sie mit Ihren Mittheilungen meinen eigenen Wünschen zuvorgekommen sind. Als Sie mir mitten in der Nacht die Anzeige erstatteten, Sie selbst hätten mit ihren eigenen Ohren die gegen mich gerichteten Anschläge gehört, und mir versicherten, es thäte die höchste Eile Noth, da hatte ich nicht Zeit mich über die näheren Details zu erkundigen, und nachdem ich Ihnen selbst meinen Dank ausgesprochen, war ich eben im Begriffe, Sie zu bitten, mir auch Jene zu bezeichnen, die hierbei mitgewirkt. Ich möchte Jedem von ihnen meine volle Erkenntlichkeit beweisen.... aber," unterbrach sich der Fürst, „nannten Sie den Kammerdiener bes Grafen Nimptsch, nicht Rogert?" und als Wertheimer bejahend nickte, wiederholte der Prinz nachdenklich „Rogert," Rogert! ... Der Name klingt mir nicht nnbekannt.... Ja es schwebt mir vor, als wäre mir gerade der Name erst vor kurzer Zeit durch den Kopf geschwirrt... hm, ich werde ja bald Gelegenheit haben zu erkennen, ob ich mich nicht getäuscht. — Ich werde mir diesen Rogert rufen lassen, um von ihm zu hören, welche Art von Belohnung ihm am erwünschtesten wäre. Ich besitze ein starkes Phhsiognomiegedächtniß und habe ich ihn in der That einmal gesehen, so werde ich ihn sofort wieder erkennen.Sie sprachen ja von einem Ihrer Commis, der wird sich wohl hier in der Nähe befinden, den könnten Sie mir gefälligst sofort vorstellen — n’est-ce pas? „Gewiß, kann ich das, Durchlaucht; es ist dieser junge Mann da," er deutet auf Levi, der sich, während sich der Prinz und Wertheimer im Gespräche vertieften, der Thür genähert und jetzt offenbar zu verschwinden beabsichtigte, „welcher, wie es den Anschein lat, sich in seiner Bescheidenheit der' gnädigen Anerkennung Euerer hochfürstlichen Durchlaucht entziehen will!" „Ah monsieur!“ rief der Prinz Levi lachend zu, „restez s’i vous plait! “ Ich habe mein Lebtag nicht gerne einen retirirenden Feind entfliehen lassen, und möchte dies um so weniger einem Manne, dem ich zu Danke verpflichtet bin, gestatten; wie heißen Sie, woher sind Sie?" Levi blieb — offenbar in peinlichster Verlegenheit — regungslos stehen und wechselte mehrmals die Farbe.

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